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Röhrenverstärker Audiomat Aria an verschiedenen Lautsprechern – Test fairaudio

Inhaltsverzeichnis

  1. 3 Röhrenverstärker Audiomat Aria an verschiedenen Lautsprechern - Test fairaudio

Und wenn wir schon beim Schlagzeug sind, dann sollte die Hörsession doch gleich mit „Bungalow“ vom Tied & Tickled Trio weitergehen. Dieses Stück besteht fast nur aus Drums, Bass und Bläsern, welche zunächst als untermalende Klangfläche dienen, später mehr und mehr ekstatisch-solistisch herausragen. Sehr erstaunlich, was der Aria hieraus macht:

Das Schlagzeug scheint wiederum im wahrsten Sinne des Wortes begehbar. Als hätte man es auf dem iPad mit den Fingern tied & tickleauseinander gezogen und ins Wohnzimmer projiziert. Eine frappierende räumliche Tiefe, eine superbe Auflösung in den Höhen und ein nachgerade erstaunlicher Nuancenreichtum. Snarewirbel, Kantenschläge und Ghost Notes wirken geradezu dreidimensional auf den Hörer ein. Auch die Grobdynamik erfreut, denn etwa ab Mitte des Stücks rocken die Weilheimer Herren ganz schön los. Alles andere als zimperlich, ja richtig schön mit dynamischem Elan wirft der Aria die freien Improvisationen von Schlagzeug und Bläsern aus. Toll!

Bleiben wir in lauteren Gefilden. Die Münsteraner Band The Ghost of Tom Joad liefert auf ihren inzwischen drei erschienenen Alben präzisen, druckvollen Rock mit rotzigem Gesang, massiven Gitarrenbreitseiten und treibenden Drums. Der Song „Hibernation is over“ beginnt zunächst mit angezogener Handbremse und einer etwas sperrigen Strophe, um dann ziemlich kurzfristig in herrlich dröhnende Refrains überzugehen.

Fast muss ich ein wenig grinsen, denn zuvor hatte ich einen Verstärker zu Gast, der konzeptionell so ziemlich das genaue Gegenteil vom Aria ist – den Abacus Ampollo. Ein Transistor-Amp, jede Menge Leistungsreserven, volle Gegenkopplung. Um klanglich den Unterschied zu verdeutlichen, möchte ich mal ein Bild bemühen:

Über den Ampollo kam die Musik von The Ghost of Tom Joad mit maximalem Schub und heftigster Aggressivität rüber – wie ein Konzert im Berliner Punk-Club Wild at Heart. Nun, über den Aria ist die The Ghost of Tom JoadLivekonzertatmosphäre zwar ebenfalls gegeben, es scheint jedoch, als hätte der Bühnentechniker der Band vor dem Auftritt einen kleinen Perserteppich untergemogelt: Es rockt schon ziemlich gut los, aber im Vergleich zum Abacus eine Zacken zahmer, geglätteter. Dies zeigt sich vor allem an den Enden der Tonalitäts-Skala, nämlich beim Bass und beim Schlagzeug. Die Bassläufe sind wieselflink, aber weniger voluminös. Auch die Kickdrum geht eher ins Gehirn als in den Bauch. Die aggressiv gespielte, halb offene Hi-Hat kommt über den Abacus geradezu messerscharf, während ich sie über den Aria eher flott-treibend nennen würde.

Klassische Musik und großes Orchester funktionieren mit dem Aria hervorragend. Am Beispiel von Bruckners 3. Sinfonie lässt der Aria die Bruckners 3. Sinfoniegesamte Bandbreite zwischen schwelgerischen Streichern, voluminösen Kesselpauken, aber auch zwischen zarten Soli und brettharten Tutti erklingen. Der tadellose Umgang mit dem Ausschwingverhalten von Instrumenten und Klängen erzeugt einen wahren Hörgenuss, der sich ebenso auch bei kleineren Besetzungen und Kammermusik einstellt. Wer klassische Konzertsaalatmosphäre in den eigenen vier Wänden erleben möchte, kann mit dem Aria vermutlich sehr glücklich werden.

Und wie hält’s der Aria mit unterschiedlichen Lautsprechern? Gerade Röhrenverstärker sind diesbezüglich ja etwas wählerisch. Die positive Überraschung: Ich habe keinen Lautsprecher finden können, mit dem der Aria nicht funktioniert. Arbeitsreferenz und auch Ausgangsbasis für diese Rezension ist die Neat Momentum 4i, deren isobarisch angetriebene Bässe durchaus nach einem potenten Verstärker verlangen. Bis auf die kleinen Abstriche in der Tiefbassvehemenz, die ich schon für röhrentypisch halte (einfach aufgrund der ausgegebenen, naturgemäß begrenzten Wattleistung) spielen Verstärker und Lautsprecher wunderbar zusammen.

audiomat aria anschlüsse

Mit der PSB Synchrony One, die für meinen Dafürhalten eh dunkler und etwas basspotenter abgestimmt ist, kommt tatsächlich etwas mehr Körperlichkeit ins Spiel, allerdings kann der Aria an ihr wiederum nicht ganz zu 100 Prozent seine Feinauflösung in den Höhen ausspielen, es sei denn, man winkelt die Lautsprecher wirklich exakt auf den Hörplatz ein. Ein echtes Fest ist die Kombination mit Breitbandlautsprechern – am Start hatte ich hier meine Selbstbau-Transmissionline (Breitband F120A). Das Thema Bass können wir hier zwar vergessen, aber die Räumlichkeit ist schlicht nicht von dieser Welt – hier muss das etwas abgeschmackte Wort holografisch noch einmal aus der Mottenkiste gezogen werden: Super!

Es lohnt sich in jedem Fall, mit den 4- und 8-Ohm-Abgriffen zu experimentieren, und zwar unabhängig davon, was hinten auf dem Typenschild des Lautsprechers steht. „Kaputtmachen“ kann man den Amp auf diese Weise nicht – so versichert Entwickler Norbert Clarisse sogar per Fax -, selbst wenn man einen 2-Ohm-Lautsprecher an den 8-Ohm-Abgriff anschließt. Das einzige, was Röhrenverstärker mit Übertrager bekanntermaßen gar nicht schätzen, ist ganz ohne Last zu laufen, obwohl der Audiomat in dieser Hinsicht auch nicht allzu empfindlich sein soll, sofern man ihn nicht stundenlang darben lässt. Tendenziell erscheint mir der 8-Ohm-Abgriff bei allen getesteten Lautsprechern besser zu klingen. Besser heißt hier: dynamischer, schneller, detaillierter.

audiomat aria

Zu guter Letzt eine akustische Verortung innerhalb und außerhalb der Audiomat-Produktlinie: Hätte ich die Wahl zwischen dem Arpège und dem Aria, so würde ich natürlich den Aria vorziehen. Allerdings kostet er auch gut anderthalb mal so viel, bringt aber ein hörbares Plus an Farbigkeit in den Mitten und Höhen. Und nicht zuletzt ist das mit der Fernbedienbarkeit halt auch sehr nett.

Im Vergleich zu Transistorboliden der gleichen Preisklasse kann ich feststellen: Der Aria macht keinen Hehl daraus, dass er ein Röhrenverstärker ist. Der Luftigkeit und „Freiheit“, die er der Musik mitgibt, steht hier und da einer gewissen „Lässigkeit“ in Sachen Raumpräzision gegenüber. Ein guter Transistorverstärker sortiert das Stereo-Panorama insgesamt etwas präziser, kann dabei dem Aria gegenüber aber auch statischer wirken.

Dies zeigte sich sowohl im Vergleich mit dem Abacus Ampollo als auch meiner Kombi aus Funk LAP-2-Vorstufe und Myryad-MXA-2150-Endstufe. Als ich nach tagelanger Aria-Hörsession wieder auf meine Referenz umkabelte, spürte ich schon etwas mehr grobdynamische Straffheit, stereofone Exaktheit und einen gewissen „Gasfuß“ im Bass – aber eben auch weniger Farbenreichtum und, man verzeihe das Röhren-Stereotyp, Wärme.

Vielleicht drücken wir es einfach mal ganz unwissenschaftlich aus: Bei meiner Referenzkette sitze ich kerzengerade, nach vorne geneigt und lasse es hübsch-heftig auf mich einwehen – beim Aria sitze ich kommod angelehnt und bekomme ziemlich große Lust auf einen steifen Drink.

Test: Audiomat Aria | Vollverstärker

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