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Klang: Der Audiolab 8200CDQ als CD-Player

Inhaltsverzeichnis

  1. 3 Klang: Der Audiolab 8200CDQ als CD-Player

Audiolab 8200CDQDa dies mein erster Bericht für fairaudio ist, habe ich mich bei den beiden Herausgebern nach den Vorgaben erkundigt. Die Antwort lautete:

„Möglichst keine branchchentypischen, üblichen Phrasendreschereien und ‚leeren‘ Lobhudeleien und einen Klangteil, der nicht nur wertet, sondern vor allen Ding auch möglichst präzise/ausführlich beschreibt, wie die Komponente klingt – der Leser soll ein Gefühl für den Klangcharakter vermittelt bekommen, nicht nur lesen, wie gut der Autor das Gerät fand.“

Dieser Vorgabe gerecht zu werden, ist nicht leicht. Dieser Bericht wird, wenn nicht als Lobhudelei, so doch enthusiastisch positiv ausfallen. Und den Klangcharakter zu beschreiben, das ist gerade bei moderner Digitaltechnik gar nicht so einfach. Wenn der Entwickler sein Handwerk einigermaßen versteht, sind ernsthafte (Ver-)Färbungen in den Größenordnungen, wie man sie bei Plattenspielern etc. und insbesondere bei Lautsprechern durchaus noch findet, bei CD-Playern und D/A-Wandlern ausgeschlossen. Eine Beschreibung, ob das Gerät bei 3.125 Hz diese und bei 3.126 Hz jene Verfärbung aufweist, fällt also flach.

Die elektrische Kompatibilität zwischen Playern und Vorstufen (im Falle unseres Geräts auch Endstufen) ist heute ebenfalls keine Hürde mehr, an der die Integration in die Anlage scheitern darf. Auch Röhrenvorstufen haben heute ausreichend hohe Eingangsimpedanzen und jede sauber konstruierte digitale Quelle ausreichend niedrige Ausgangsimpedanzen, dass zumindest ein kapazitätsbedingter Höhenabfall, wie in den Anfangszeiten gelegentlich noch anzutreffen, heute kein Thema mehr ist.

Insgesamt finde ich die klangliche Spreizung bei CD-Playern und Konsorten nicht so groß wie bei anderen Gerätegattungen. Aber wir sind ja hier unter ernsthaft an der Musikwiedergabe Interessierten, die die Unterschiede zwischen hochwertiger Elektronik, die absolut betrachtet geringer ausfallen als beispielsweise bei Lautsprechern, sehr ernst nehmen. Und klar, auch ich bin der Meinung, dass die Unterschiede, die dann eben doch hörbar sind, wichtig sind und sehr wohl darüber entscheiden können, ob man mit einem Gerät langfristig zufrieden ist oder nicht.

Der grundsätzliche Klangcharakter des Audiolab 8200CDQ ist nicht leicht festzumachen, denn die Wahl des Digitalfilters beeinflusst den Charakter erheblich. „Sharp Rolloff“, der Standardfilter der digitalen Frühzeit, klingt zum Beispiel regelrecht unangenehm, so „digital“, wie Analog-Apologeten das früher immer gehasst haben. Mein Favorit war nach kurzem Durchprobieren die Stellung „Optimal Transient XD“. John Westlake gab an, dies sei auch sein Favorit, aber in manchen Anlagen sei zum Beispiel auch das Filter „Optimal Transient DD“ sehr gut, das einen tieferen Bass biete. Das konnte ich mit meinen JBLs, mit denen ich diese Versuche durchführte, so nicht verifizieren, die Bass-Unterschiede müssen sich in Bereichen ergeben, bei denen meine Lautsprecher sich schon ausgeklinkt haben.

Audiolab 8200CDQ

„Optimal Transient“ ist, wie der Name andeutet, auf optimale Impulswiedergabe ausgerichtet: kein Pre-Ringing, kein Abflachen der Impulsflanke, dafür „Schmutz“, also Rauschen, oberhalb des Hörbereichs, wie Westlake erläuterte. Genaueres zur Technik wollte er nicht angeben, denn dabei handele es sich um sein Entwickler-Know-how, welches er nicht preisgeben wolle. Nicht jeder Verstärker und Lautsprecher wird diesen Filter mögen, weshalb man den für die eigene Anlage (und den eigenen Geschmack) optimalen Filter selbst wählen sollte. Die Bedienungsanleitung gibt dabei eine Orientierungshilfe.

Grundsätzlich klingt der 8200CDQ so, wie eine gute digitale Quelle klingen muss: klar, offen, breitbandig, frei von ungleichmäßiger Färbung einzelner Frequenzbereiche. Der Basischarakter ist mit dem Optimal-Transient-XD-Filter vielleicht eine Nuance heller als der (mir bekannte) Durchschnitt der digitalen Quellen, was bei manchen CDs etwas zu viel des Guten sein kann. Schon mit dem Optimal-Transient-DD-Filter sieht das anders aus. Mit den Optimal-Spectrum-Filtern klingt der Audiolab weicher und gedeckter. Die räumliche Abbildung wirkt mit den Optimal-Transient-Filtern tendenziell tiefer, mit den Optimal-Spectrum-Filtern tendenziell breiter. Geschmackssache.

Zunächst habe ich den 8200CDQ ein paar Wochen als stinknormalen CD-Player benutzt – er ersetzte dabei meine CD-Transport-Wandler-Kombi von Heed – ohne ihn mit anderen Geräten zu vergleichen. Vermisst habe ich dabei nichts, ich kann mit dem Audiolab problemlos leben. Als Beispiel sei das Stück „Closer“ von der CD Finally Woken der walisischen Sängerin Jem herangezogen.

Jem / Finally Woken

Das ist ein ziemlich clever produziertes Stück. Die in mehreren Spuren übereinander gelegten Vocals der Sängerin sollen den begrenzten Stimmumfang der jungen Dame ausgleichen (eine sogenannte Rock-Röhre ist sie bestimmt nicht). Dieses „Layering“ gibt der Audiolab mit sehr guter Auflösung wieder. Ansonsten lebt das Stück, seinem Thema entsprechend (es geht um Sex), von einem Wechselspiel zwischen Beschleunigung und Verlangsamung, von eher zurückhaltenden, ganz knapp hinter dem Beat angesiedelten Synthi-Akzenten, einer kraftvoll dazwischen hauenden Rock-Gitarre und einer das Ganze erdenden, prominent abgemischten Bass-Linie. Beim Gesang hört man über den Audiolab die Mischung aus Ernsthaftigkeit und Humor, die ich an dem Stück liebe, der Bass pulsiert, die Gitarre hebt sich dynamisch effektiv vom übrigen Geschehen ab. Über den Audiolab macht das Stück, das bei weniger begabten CD-Playern schon mal etwas belanglos wirken kann, Sinn und Spaß.

Frédéric ChiuEin guter Test für CD-Player ist Klaviermusik. Ich nehme dafür gerne eine Transkription der Leutnant Kijé-Suite, die Frédéric Chiu für Harmonia Mundi einspielte. Die Aufnahme stellt den Flügel recht nah zu den Mikrofonen auf; man kann hören, dass das Instrument mit (mindestens) zwei verschiedenen Mikros aufgenommen wurde, der Raumklang ist wahrnehmbar. Der Audiolab gibt die Anschläge mit großer Genauigkeit wieder. Attack, Sustain und Release, die drei Phasen, mit denen man Töne gerne beschreibt, sind gleichermaßen gut ausgeprägt, keines der Elemente wird bevorzugt. Allerdings schien die dynamische Differenzierung der Anschläge von den Mitten aufwärts etwas besser ausgeprägt als im Grundton und Bass. Jetzt beim Schreiben fällt mir ein, dass ich dieses Stück vielleicht mal mit dem Optimal-Transient-DD-Filter hätte hören sollen. Leider ist das Gerät aber schon zum Fotografieren nach Berlin gegangen.

Audiolab 8200CDQ

Die Grundcharakteristik des Audiolab, deren Einschätzung sich auch bei den folgenden, genaueren Untersuchungen nicht änderte, ist die eines Players, der breitbandig und weiträumig spielt, keine ohrenfälligen Verfärbungen aufweist, im Grundton und Bass zu Gunsten der Durchhörbarkeit vielleicht etwas weniger vollmundig abgestimmt ist als andere Player, in der Auflösung deutlich über dem Durchschnitt seiner Preisklasse liegen dürfte und auch im Langzeithören eine guten Figur macht.

Um die Qualitäten des Audiolab 8200CDQ als CD-Player besser einschätzen zu können, verglich ich ihn mit der (mehr als doppelt so teuren) Kombination aus dem Heed-Obelisk-DT-Laufwerk und dem Heed-Obelisk-D/A-Wandler. Die Heed-Kombi klang insgesamt geschlossener, erwachsener und voller als der Audiolab. Die Tonalität ist etwas dunkler und für meinen Geschmack natürlicher. Bei dem Jem-Stück öffnet sie das dynamische Fenster ein bisschen weiter, die Gitarre schneidet noch eindringlicher durch den Song, der Bass kommt wuchtiger, die Stimme wirkt noch verführerischer. Bei dem Pianostück passen linke und rechte Hand des Pianisten besser zusammen, der Rhythmus wird besser herausgearbeitet. Dafür schien mir die Abbildung des Audiolab etwas großzügiger und insbesondere tiefer. Die Heed-Kombi ist nicht nur tonal geschlossener, sondern auch räumlich. Der Audiolab 8200CDQ konnte das Ausklingen der Pianosaiten besser auflösen. Die Differenzen sind aber keineswegs weltbewegend – erwähnte ich schon, dass ich die Spreizung zwischen hochwertigen digitalen Quellen insgesamt für weniger groß halte als bei anderen Gerätegattungen? Kurzes Zwischenfazit: Als CD-Player ist der Audiolab schon mal locker sein Geld wert.

Audiolab 8200CDQ - Analogausgänge

Aber er bietet ja auch noch die Möglichkeit, als Wandler für externe Quellen zu dienen …

Test: Audiolab 8200CDQ | Vorstufe

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