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Audiodata Avancé – Konzeptionelles

Inhaltsverzeichnis

  1. 2 Audiodata Avancé - Konzeptionelles

Um es vorwegzunehmen: Die Avancé klang, frisch aus dem Karton gepellt, schon beeindruckend „richtig“ und legte – erwartungsgemäß – nach einer Woche Nonstop-Eingedudel nochmals zu. Aber bevor wir zu den klanglichen Freuden kommen, zunächst ein kurzer Blick aufs technische Konzept dieser Lautsprechersäule.

Koaxialchassis der Audiodata

Das chassistechnische Herzstück der Audiodata Avancé ist der Koaxtreiber, allein schon deshalb, weil er für eine Bandbreite von ungefähr sieben Oktaven verantwortlich gemacht wird; dem Ding hat man ordentlich was aufgebürdet. Quasi um die besondere Wichtigkeit des Koax auch optisch zu unterstreichen, sitzt er auf einer eigens abgesetzten, auch farblich anders gehaltenen Schallwand vorm eigentlichen Korpus der Box. Natürlich trifft es Audiodata Avancé- Schallwandsich gut, dass die Schallwand auch resonanztechnisch ein paar Vorteile im Vergleich zum Direkteinbau des Treibers in den Korpus bietet, und auch die abgeschrägten Kanten im Seitenbereich sind kein Zufall, sondern reflexionsmindernd – aber nichtsdestotrotz ist dies eben auch ein Designelement und Audiodata-Erkennungsmerkmal.

Das Chassis wird exklusiv für Audiodata bei Seas gefertigt, und zwar nach eigenen Vorgaben; den Koax habe man gemeinsam mit den Norwegern entwickelt, so der Audiodata-Chef. Der 145 mm durchmessende Treiber besitzt für den Mitteltonbereich eine Magnesiummembran, ab 2.400 Hz übernimmt eine Gewebekalotte. Peter Schippers spricht übrigens von einem „Dual-Coax“ und meint damit, dass die Einzeltreiber nicht nur räumlich symmetrisch um die gleiche Achse angeordnet sind – das liegt ja schon im Wortsinn von ko-axial -, sondern, mindestens genauso wichtig und seltener anzutreffen, eben auch „zeitlich symmetrisch“ seien, insofern der Hochtöner den tieferen Frequenzen nicht vorauseilt, die ursprüngliche Phasenlage des Musiksignals also intakt bleibe. Schippers ist vehementer Verfechter des Prinzips „Zeitrichtigkeit“ (siehe Phase), was ihn auch zur Entwicklung des Audiovolvers getrieben habe und dessen Erfolgsrezept sei. Lautsprecherseitig sieht er im „Dual-Coax“ einen großen Schritt nach vorne Richtung möglichst perfekter Sprungantwort und damit Richtung authentischer Musikwiederabe. Dem Mittel-/Hochtonchassis wird in der Avancé natürlich eine eigene, geschlossene Kammer zugesprochen.

Apropos Kammer: Derer drei hat’s insgesamt, neben jener für den Koax eine weitere für die beiden Basstreiber und, damit die Frequenzweiche in Ruhe, also möglichst mikrofoniearm arbeiten kann, eine dritte für diese; um die Weiche final stillzulegen, lässt sich ihre Kammer optional sogar mit Quarzsand befüllen.

Audiodatatypisch und natürlich auch beim Topmodell Avancé im Einsatz sind die Beruhigungsmaßnahmen fürs Lautsprechergehäuse: Als Material kommen hier MDF-Platten zum Einsatz, die im Innern großflächig mit stahlkugelgefüllten Matten beklebt werden, deren Struktur, von oben betrachtet, einer Tafel Schokolade nicht unähnlich sei, so Schippers.

Stahlkugelgefüllte Matten - Zeichnung

Die Avancé kommt auf circa 1.500 solcher mit 1-mm-Stahlkugeln befüllter Kammern, was insgesamt so etwa 250.000 Kügelchen pro Box ergibt. Den Zweck der Übung verdeutlicht Herr Schippers mit einem Sandsack-Beispiel: Ein solcher halte eine Gewehrkugel nach wenigen Zentimetern auf, da die kinetische Energie des Geschosses durch die Mikrobewegungen des Sands schnell in Wärme gewandelt werde. Analog verhalte es sich bei seinen Lautsprechern – die Mikrobewegungen der Stahlkugeln wandle die unerwünschte Bewegungsenergie des Gehäuses, welches dementsprechend „akustisch tot“ ausfalle. Der obligatorische Klopftest an der Seitenwand der Box lässt tatsächlich nur ein extrem trockenes „Töck“ hören. Eine Lage Filz über die Stahlkugelmatten schließt die ungewöhnliche Gehäusebedämpfungsmaßnahme ab.

Stahlkugelgefüllte Matten

Avancé-Bass

Wie schon erwähnt, sitzen die Basstreiber in ihrer eigenen, geschlossenen Kammer (mit ungefähr 40 Liter Volumen) – bei der passiven Avancé-Variante kann der Kunde zwischen einem geschlossenen und einem Bassreflex-Gehäuse wählen, bei der aktiven nicht. Zum einen benötigt nämlich die Verstärkerelektronik – zwei Endstufen á 180 Watt kommen pro Box zum Einsatz – ihren Platz, und den nimmt sie dem Bassreflexkanal weg; zum anderen: Wozu sollte das auch gut sein? Der Pegelgewinn im Frequenzuntergeschoss durch ein Bassreflexgehäuse lässt sich aktiv geregelt doch auch erreichen, ja, bei der Aktiv-Avancé geht’s sogar, wenn man will, bis 20 Hz hinunter.

Avancé-Basstreiber

Für dieses Ziel arbeiten pro Box zwei 22-cm-Basstreiber mit Kohlefasermembran, die seitlich am Gehäuse eingelassen und in Push-Push-Konfiguration geschaltet sind. Die Besonderheit dieser Chassis besteht insbesondere darin, dass sie einen induktiven Bewegungssensor besitzen, der ihre aktuelle Position erfasst und Meldung an die elektronische Regelung erstattet – die dann, bei eventuellem Fehlverhalten, gegensteuert. Deshalb sei es nicht nur möglich, echte 20 Hz zu erreichen, wo bei gegebenen Chassis- und Gehäuseparametern eigentlich viel früher Schluss wäre, sondern daraus folge auch ein wesentlich saubereres Ein- und Ausschwingverhalten als mit passiven Lautsprecherkonzepten erreichbar sei, so der Aachener Lautsprecherbauer.

Sensor des Basschassis der Audiodata
Sensor des Basschassis der Audiodata

Tatsächlich gehen mit dem teilaktiven Konzept einige Vorteile einher, so dass man sich wundern darf, dass diese Lautsprechergattung in der Praxis eher eine untergeordnete Rolle spielt. Die im Vergleich zu passiven Lautsprechern flexiblere Anpassung an unterschiedliche Hörgeschmäcker und -räume kommt einem als erstes in den Sinn. Der Basspegel ist, wenn auch in Grenzen, variabel, ergo brauche ich mir beispielsweise keine Rückwand zu suchen, um meinem Willen nach einem volleren Klangbild Genüge zu tun – und dafür dann die räumlichen Fähigkeiten des Lautsprechers opfern; der Wandler kann frei stehen bleiben, ich dreh‘ einfach den Basspegel hoch. Oder eben umgekehrt: Wenn ich aus lebenspraktischen Gründen und um den Haussegen nicht allzu stark zu strapazieren, eine wandnahe Aufstellung wähle, senke ich den Pegel eben ab, wenn’s sonst zu boomy tönt.

Zudem bedeutet aktiv, dass die Frequenzweiche vorm Verstärker und nicht dahinter liegt, womit also zwischen Amp und anzutreibendem Chassis eine direktere Verbindung und insbesondere auch ein höherer Dämpfungsfaktor existiert, was sich, alle anderen Parameter gleichgehalten, in einer genaueren Kontrolle des Treibers niederschlagen sollte; das gilt natürlich umso mehr, wenn eine sensorgestützte Regelschaltung Anwendung findet, wie es bei der Avancé der Fall ist.

Verstärkerteil der Audiodata

Zwei Einwände gibt es: Warum dann nicht gleich vollaktiv? Mögliche Antwort: Um dem HiFi-Freund den Spielplatz „Verstärkung“ nicht komplett zu sperren. Über kurz oder lang experimentieren wir doch alle ganz gerne mit der Anlage, und wenn dies endverstärkungsseitig gar nicht mehr geht, ist das doch doof. Natürlich dürfte die klangliche Schwankungsbreite zwischen zwei (End-/Voll-)Verstärkern an einer teilaktiven Box geringer ausfallen als an einer passiven, da der dritte Amp – der im Lautsprecher – ja der gleiche bleibt. Andererseits eröffnet sich bei Teilaktiven aber die Möglichkeit, mit leistungsschwächeren Verstärkern zu experimentieren, die sich bei Passivkonstruktionen mit gleichem Tiefgangpotenzial als unpraktisch erweisen dürften, da für solche doch meist etwas mehr PS auf die Straße gebracht werden müssen.

Der zweite Einwand lautet schlicht: Teilaktiv ist teurer. Stimmt. Die teilaktive Audiodata Avancé kostet 6.130 Euro mehr als die Passivvariante. Stimmt allerdings nur dann 100%ig, wenn die Investition in die Endverstärkung schon getätigt wurde. Ist dies nicht der Fall, lässt sich an dieser Stelle auch kleiner planen, da mit den Lautsprechern ein Großteil der Verstärkerpower ja schon eingekauft wird. Wozu da noch dicke, teure, muskelbepackte Monos kaufen?

Genug der Erwägungen, ich will hören!

Test: Audiodata Avancé | Aktivlautsprecher, Standlautsprecher

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