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Audiovolver – die Messung und der Klang

Inhaltsverzeichnis

  1. 4 Audiovolver - die Messung und der Klang

Es liegt in der Natur der Sache, dass hier keine Klangcharakterskizze des Audiovolvers gezeichnet werden kann, und insofern ist dies kein „normaler“ fairaudio-Test, wie manchem vielleicht schon aufgefallen sein dürfte. Wie auch? Der Audiovolver besitzt kein festgelegtes Set an Eigenschaften, welches sich klanglich vermutlich „so-und-so“ innerhalb Ihrer Kette auswirken würde, sondern dieser Audioprozessor funktioniert genau umgekehrt: Ihre Anlage verhält sich in Ihrem Raum „so-und-so“ – und nun wird diese individuelle Situation analysiert und versucht, aus dem Gegebenen das meiste herauszuholen.

Ein wenig wollten wir Herrn Schippers das Leben schon schwer machen, denn das „Gegebene“ war so schlecht nicht, sei’s die Kette mit dem 2-Wege-Standlautsprecher am Ende, sei’s – ganz entscheidend – der Raum selbst. Meiner unbescheidenen Meinung nach sollte es da wenig zu reparieren geben.

Die Nachhallzeit (die unteren Kurven im Chart) misst sich in meinem gut 25qm großen Altbauzimmer folgendermaßen:

Frequenzgang und Nachhallzeit
Obere Kurven – Frequenzgang / untere Kurven – Nachhallzeit

Wie man sieht, liegen die Werte innerhalb des Korridors, welcher für Musikwiedergabe im heimischen Bereich als sinnvoll angesehen wird – und zwar eher an der unteren Kante als an der oberen. Der Toleranzbereich für Studios liegt nochmals deutlich unter dem hier gezeigten Korridor – zu trocken ist mein Raum also nicht, aber wahrscheinlich doch ein ganzes Stück weniger hallig als die meisten anderen Wohnräume. Wichtiger vielleicht ist der Umstand, dass es auch im Bass keine große Problemstelle zu erkennen gibt: Eine Nachhallzeit von ungefähr 0,7 bis 0,4 Sekunden zwischen 30 und 100 Hz ist ziemlich okay. Hier sollte wenig Handlungsbedarf bestehen.

Auch die Kanalgleichheit links/rechts ist nicht schlecht. Dies ist im Bild oben etwas schwer abzulesen – zugegeben. Übersichtlicher wird es im nächsten Chart, der die geglättete Darstellung des Frequenzganges zeigt. Übrigens ist dieser Schritt des Glättens ein ganz entscheidender, denn es handelt sich bei ihm nicht einfach nur um eine „schlichte“ mathematische Mittelung, sondern in den „Glättungs-Algorithmus“ sind wichtige gehörphysiologische Erkenntnisse mit eingeflossen.

Gehörphysiologisch geglätteter Frequenzgang - Ist-Situation
Gehörphysiologisch geglätteter Frequenzgang – Ist-Situation

Sieht man sich diesen Frequenzschrieb genauer an, dann fallen einem doch ein paar Feinheiten auf: Zwei Moden im Bassbereich sind zu identifizieren – eine Überhöhung bei ungefähr 40Hz und ein Einbruch bei circa 80Hz. Ferner mangelt es zwischen 200-400Hz etwas an Kanalgleichheit und bei 1,5kHz gibt es einen kleinen Peak zu sehen, der für lebhafte bis leicht präsente Mitten verantwortlich sein könnte. Nun, und jenseits von 8kHz lässt sich ein recht rasanter Roll-off bewundern, der mich dann doch etwas überraschte. Als wir die Messung mit einem anderen Lautsprecher wiederholten, sah der Schrieb – bis auf die Raummoden – ziemlich anders aus. Überdämpft im Hochton scheint mein Raum also nicht zu sein, ich hatte schon Zweifel …

Als Sprungantwort ergab sich das folgende Bild:

Sprungantwort - Ist-Situation
Sprungantwort – Ist-Situation

Gar nicht so schlecht, es ist zwar ein Versatz von 0,8ms zwischen Hochtöner und Bass-/Mitten-Chassis zu erkennen, doch als schwerwiegendes Problem kann man das wohl kaum bezeichnen.

Um zu den dargestellten Ergebnissen zu gelangen, wurde ein hochwertiges Messmikro an die Hörposition gebracht und mit dem Audiovolver verbunden. Zwei Sweep-Töne (linker und rechter Kanal) von je 60 Sekunden Länge, die den Frequenzbereich zwischen 10Hz-22,5kHz abdecken, wurden aufgenommen und die Daten auf einen USB-Stick geschrieben. Der Stick landete anschließend an Herrn Schippers Laptop und die eingangs erwähnten Software „Acourate“ bereitete die Daten entsprechend auf. Hierzu gehört auch die schon oben angesprochene „gehörphysiologische Glättung“.

Nun erfolgte der entscheidende zweite Schritt – die Eingabe der Zielfunktion. Diese beschreibt den gewünschten Frequenzgangverlauf und lässt sich manuell steuern – auf Kundenwünsche und Hörgeschmäcker kann also Rücksicht genommen werden. In unserem Fall sah sie so aus:

Zielfunktion für den Frequenzgang
Zielfunktion für den Frequenzgang

Aus der Frequenzgang-Zielfunktion wurden anschließend die Filtereinstellungen berechnet. Grob kann man sagen: Ziel minus Ist-Situation = Filter. Freilich ist dieser Schritt dann doch etwas komplexer und die Berechnung dauert auch auf einem leistungsfähigen Rechner eine kleine Weile. Die Neukalkulation der optimalen Sprungantwort lässt sich mit verschiedenen „Schärfungsfaktoren“ ausführen – je höher diese gewählt werden, desto fokussierter gerät (zumindest theoretisch) die Bühnendarstellung. Der Nachteil dabei ist, dass peu-a-peu der Sweetspot immer kleiner wird. Bei uns wurde ein praxistauglicher mittlerer Wert angesetzt – das Ergebnis kann sich sehen lassen:

Sprungantwort nach Korrektur
Sprungantwort nach der Korrektur (grüne Kurve)

Das Vorher/Nachher-Bild beim Frequenzgang fällt noch frappierender aus:

Gehörphysiologisch geglätteter Frequenzgang - Ist-Situation
Frequenzgang vor der Korrektur …

Frequenzgang nach Korrektur
… und nach der Korrektur.

Die Filter wurden anschließend auf den USB-Stick geschrieben, der zurück in die entsprechende Buchse des Audiovolvers kam, um die Korrektureinstellungen zu übertragen. Danach wurde es spannend, denn über die Fernbedienung lässt sich ja bequem zwischen den Modi „Bypass“ und „Aktiv“ hin- und herschalten …

Um es kurz zu machen: Der klangliche Schritt nach vorne fiel dann doch erheblicher aus, als ich erwartet hätte – besitze ich doch die volle Freiheit, was die akustische Gestaltung des Raumes angeht und entsprechend gut misst er sich auch. Aber ein bisschen geht halt alleweil … Dabei sind die Änderungen in Sachen Tonalität zwar deutlich und werden von mir auch als „besser so“ empfunden – konkret wird der Bass straffer und fundierter, die Mitten etwas weniger pushy (Stimmen sind jetzt beispielsweise weniger weit vorn) und der Hochton luftiger, freier und glänzender -, aber das alles ist für meine Begriffe noch nicht mal so sehr das Entscheidende. Frappierend finde ich es vielmehr zu erleben, wie sich mit aktiviertem Filter die virtuelle Bühne deutlich nach hinten öffnet, insbesondere an den Rändern. Es ist, als hätte man vorher durch eine halbgeöffnete Flügeltür Musik gehört und auf Knopfdruck klappen die Flügel zur Seite! Kein Witz. Und ich weiß nicht so ganz warum – die Kanalgleichheit war doch vorher schon nicht schlecht und die Sprungantwort ebenfalls anständig …? Nun denn. Offensichtlich wohl doch noch steigerungsfähig.

Mit der deutlichen Zunahme der Tiefenstaffelung respektive Raumausleuchtung geht ein Scharfstellen des Klangbildes einher. Dieses ganz leichte Zittern bei der Abbildung von einzelnen Instrumenten und Stimmen … es verschwindet, die Präsentation rastet ein. Angenehmerweise steigt also die Transparenz der Bühnendarstellung, aber ohne dass dabei das Klangbild eine artifizielle, „gerasterte“ Note bekäme. Im Gegenteil: Die Plastizität der einzelnen Klänge legt ebenfalls zu – für mich ein ganz entscheidender Punkt, um dem Bühnenbild „zu glauben“ / es als natürlich zu empfinden.

Audiovolver Fernbedienung

Und um mir den Bypass-Modus gänzlich zu vergällen, gerät die Musik mit aktiviertem Filter schlicht und einfach ansteckender: Sie spielt dann rhythmisch klar auf den Punkt, ohne sich dies durch eine Überakzentuierung der Attackphase zu erschleichen – und gleichzeitig fließender, ohne Weichzeichner einzusetzen. Nach zehn Minuten des An- und Ausschaltens der Korrekturfilter übersetzt sich für mich das Wort „Bypass“ mit „Langeweile“. Das scheint mir ein äußerst fataler Knopf zu sein – zumindest dann, wenn auf dem Sparbuch gerade Ebbe herrscht. Herr Schippers hingegen meint, dass sich in meinem Fall ja gar nicht sooo viel getan hätte. Und lächelt verschmitzt. Hm.

Test: Audiodata Audiovolver II |

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