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Klang Ascendo System F

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So kann es gehen: Da baut man auf, richtet aus, justiert die Hochtoneinheit, wirft gleich drei Lautsprecherstrippen pro Kanal Richtung Amp und versucht die Geschichte zwecks Einspielerei zwei Wochen lang zu vergessen … bewaffnet sich hernach mit Notizblock und Kuli, wirft eine seiner Standardscheiben ein, denn schließlich soll die erste ernsthafte Hörsession beginnen – um dann nach den ersten drei Takten gleich die Segel streichen zu müssen. Das ist zu begnadet, was hier abgeht, da ist überhaupt nicht dran zu denken, jetzt beknackte Kommentare zu irgendwelchen Frequenzbereichen abzusondern – Licht aus und Pegel hoch!

Ascendo System F

Normalerweise herrscht ein sehr abgeklärtes Verhältnis zu diesen Hörtest-Routine-Scheiben, aber was die Ascendo jetzt veranstaltet, ist nichts weniger als ein Lehrstück, wie frappierend-realer Klang einen in die Musik ziehen kann. Nic Bärtsch’s Ronin / Stoa – was für eine großartiges Album! Doch was schreibe ich nun zur System F? Da fangen die Probleme an. Wer weiß: Vielleicht passt diese Musik nur besonders gut? Dafür spricht, dass sie sehr detailreich ist, den kompletten Frequenzbereich fordert und es hochdynamisch zu Werke geht; dafür spricht auch die hervorragende Aufnahmequalität wie man sie vom Label ECM meist geboten bekommt. Nun denn, es vergingen dann noch mal zwei Wochen nach dem Motto „Musik quer durch den Garten“, bis Nic Bärtsch's Ronin / Stoaich die ersten Sätze zur Ascendo in den Laptop tipperte … Und das ist gut so, etwas Distanz zum Objekt kann schließlich nicht schaden.

Die Erwartungen an einen Wandler, der, wie unser Testobjekt, 12.700 Euro kostet, sind zu recht hoch. Persönlich neige ich spontan dazu, alles zu wollen, wenn ich fünfstellige Preisschilder aufblitzen sehe. Aber das ist eine etwas naive Vorstellung – auch in diesen Gefilden gibt es „charakterliche Unterschiede“. Vielleicht hier besonders? Eine Audiaz tönt anders als eine ZU Audio, tönt anders als eine Absolut Audio

Zum Charakter der Ascendo System F gehört nun eine gewisse Charakterlosigkeit, wenn mir das vermeintliche Paradox mal gestattet sei. Sprich, sie tönt monitoresk, korrekt, hoch akkurat. Das genaue Gegenteil von aufgesetzt und vordergründig. Auch wenn ich weiß, dass das im wörtlichen Sinne gar nicht sein kann, sondern immer im nur übertragenen zu verstehen ist – aber es klingt nun mal so, als würde sie die ankommenden Signale einfach kommentarlos transformieren, statt einen Fingerabdruck zu hinterlassen: Ich tausche ein Cinchkabel innerhalb der Anlage aus und denke, dass an anderen Boxen ein CD-Player-Wechsel so einen Unterschied macht. Häufig aber auch nicht. Ich platziere meine Vorstufe zwei Etagen tiefer im Rack und es ist sonnenklar, dass sie da zu stehen hat und nicht dort. Die Durchlässigkeit der System F ist fast schon witzlos.

System F in RosenholzDie Kehrseite der Medaille ist, dass dieser Lautsprecher nicht jedes Futter verwertet, das man ihm reicht. Zickig wäre falsch ausgedrückt, jedenfalls blieb es bei mir immer genießbar, auch wenn eine bestimmte Konstellation sich meist klar als „zweitbeste“ herausstellte – die klangliche Einbuße ging dann eher in Richtung runder, undifferenzierter, langweiliger. Und natürlich sind wir hier auf Erbsenzählerniveau, liebe Leute. Aber trotzdem: Die System F zeigt schnell auf, was und wie sie‘s lieber mag, und wenn alles stimmt, können magische Momente der Lohn der Mühen sein – und darauf will man in der Folge nicht mehr verzichten. Der Anlagen-Bastelei ist hier jedenfalls Tür und Tor geöffnet, einfach weil‘s Spaß macht, noch ein Quäntchen mehr rauszuholen – und noch eins, und noch eins.

Wie es sich für einen Monitor gehört, gibt sich die Ascendo System F tonal neutral – und zwar bis in den ultratiefen Bereich. So tief, dass die Wände schon mal mit wackeln, wenn entsprechender Pegel und das passende Musikprogramm aufgerufen werden; na, zumindest Fenster und Türen. Sehr schön. Die F kann richtig Schub auf die Straße bringen, federnd und definiert – und vor allem: hoch differenziert – geht es im Untergeschoss zur Sache. Aber nie drehen die Reifen durch, kein Bäuchlein oben, kein Geschlabber unten. Braucht eine lieblos-dürre Pop-Produktion leichte Anschubhilfe in den unteren Lagen, bekommt sie diese nicht. Entsprechend klingt es. Ein gut eingefangener Kontrabass aber beispielsweise klingt lebendiger, ja: reicher. Reicher an Tönen – nicht nur, dass da in Sub-60Hz Gefilden tatsächlich etwas passiert, was man sonst hinzudenken muss, auch eine Etage höher geht es abgestufter zu als anderweitig meist zu vernehmen. Als würden die Tönhöhen exakter gefasst und sauberer auseinander gehalten – demaskiert von den umliegenden Tönen. Einen Akademiker-Bass muss nun aber auch keiner befürchten:

The Kills / No Wow

Wenn’s schmutzig werden soll, lege ich gerne No Wow von The Kills ein, da knurrt, brummt, rattert und schiebt die eine oder andere Drumcomputer-Gemeinheit – und die Ascendo bringt das so wie es sein soll. Auch das macht Freude, keine Frage.

Test: Ascendo System F | Standlautsprecher

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