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Technik Ascendo System F

Inhaltsverzeichnis

  1. 2 Technik Ascendo System F

… oder nicht – hierzu später mehr. Ein äußerlich nicht sichtbarer Treiber steckt im Innern der Ascendo: Er ist für die alleruntersten Oktaven (31-90Hz) verantwortlich. Es handelt sich um ein 22,5cm durchmessendes Modell von Vifa mit Magnesiumkorb und partialschwingungsarmer, beschichteter Papiermembran. Aus dem gleichen Stall stammt der äußere 18cm-Konus, beim Korb und dem Membranmaterial verhält es sich bei ihm analog wie beim Innentreiber. Für die Kalotte der Hochtoneinheit hingegen kommt Gewebe zum Einsatz, 28mm misst sie und stammt von Seas. Von Swans schließlich wird der Magnetostat für den Rücken der System F bezogen.

Herr Norbert Heinz, der Entwickler bei Ascendo, spricht von „erstklassigen Standardchassis“. Eine Formulierung mit Seltenheitswert, denn Standard sind ja eigentlich ganz hochspezielle, individuelle Chassis, wenn man sich so umhört …

Statt also dem Bauteileposing zu verfallen, geben sich die Ascendo-Mannen eher technikorientiert und mit Ingenieurscharme bewaffnet. Entsprechend wimmelt es in den Broschüren und auf der Homepage auch von lauter komischen Akronymen, da blickt spontan nicht mehr jeder durch. Nun gut, mit fünf Begriffen lässt sich die Technik der Ascendo System F umkreisen, und zumindest der erste schaut ganz harmlos aus:

Erstens – Modularer Aufbau / Entkopplung und Resonanz-Minimierung:

Die System F besteht aus drei Teilen, zumindest dann, entscheidet man sich für die optionale Base als Standfläche, was ich allein schon aus ästhetischen Gründen tun würde. Also: Da ist die Base, sie hat ein inneres Trägerelement, in dem die Bodenspikes verschraubt sind, und einen äußeren „Rahmen“, der über den ersten Block gesteckt wird und oben vier Bohrungen besitzt, zwecks Aufnahme der Spikes, die unter dem Bass-/Mitteltonmodul der System F angebracht sind.

Ascendo System F Base

Der innere Teil der Base besteht aus Leimholz, der äußere aus MDF. Dieser Umstand habe unterschiedliche Körperschallgeschwindigkeiten zur Folge was die Entkopplung vom Untergrund befördere, so erfährt man.

Ascendo System F - Die Base

Nun, kein Zauberwerk, ein Materialmix wird im Lautsprecherbau ja gerne angewandt – und hier eben auch bei der Base. In die gleiche Richtung geht die Alu-Kaschierung des oberen Elements. Die System F-Base besitzt übrigens etwas Spiel – wenn es also nach Ausrichtung des gesamten Lautsprechers (man darf sich um acht Spikes pro Kanal kümmern, da kommt Laune auf!) etwas wackelt, so ist das durchaus gewollt. Man muss freilich schon kräftiger dran rütteln, damit sich was bewegt.

Ascendo System F - Detail Base

Zweiter „System-Bestandteil“ ist das Bass-/Mitteltonmodul selbst, welches auch die rückwärtige TOS-Einheit beherbergt. Dieser gewichtige Quader besitzt im Innern vier Kammern: zwei für das Bandpass-System (Reflexkammer und Druckkammer), eine für den Bass-Mitten-Außentreiber und eine für den rückseitigen Flächenstrahler.

Ascendo System F - Querschnitt

Zur Minimierung von Gehäuseresonanzen wurden Faserplatten unterschiedlicher Materialstärke (16-22mm) und Dichte – und zwar auch verschieden dicht innerhalb ein der derselben Platte – verwendet. Die Platten werden zu den Rändern hin, dort, wo die Schnittkanten und Verleimungspunkte liegen, tendenziell härter, so Herr Heinz. Und die Kammern, in denen die Treiber arbeiten, sind so dimensioniert, dass die Ausprägung von stehenden Wellen möglichst unterbunden wird.

Als drittes Modul kommt schließlich die Hochtoneinheit obendrauf. Der Grund hierfür liegt primär im Time-Alignement Ansatz der System F – mehr dazu weiter unten -, aber die mechanische Trennung des Hochtöners vom Rest des Lautsprechers und insbesondere von dessen Bassabteilung bringt auch entkopplungstechnisch Vorteile mit sich. Auch andere verfahren so: Wilson Audio, von Schweikert, Sonics, Phio Audio …

Zweitens – TOS:

Die Nachhallzeit eines Raumes ist die Zeit, die vergeht, bis der Pegel eines Signals um 60dB abgefallen ist. Um zu einem klanglich befriedigenden Ergebnis zu gelangen, ist nicht nur die absolute Länge der Nachhallzeit entscheidend, sondern auch ein spektral, also über das Frequenzband hinweg betrachtet, homogener Verlauf wünschenswert. Ein (durchaus verbreitetes) akustisches Missverherhältnis ist gegeben, wenn im Hochtonbereich dank stärkerer Absorption die Nachhallzeit deutlich kürzer ausfällt, als in den mittleren und unteren Lagen. Konsequenterweise sollte man dann die Raumakustik verändern.

Ascendo System F - TOS-Einheit

Mit der Treibergestützen Optimierung der Summennachhallzeit bietet Ascendo die Option an, ab 2.400Hz auf Dipol-Abstrahlcharakteristik zu schalten. Da die TOS-Einheit nach hinten strahlt, kommt es zu einer Erhöhung des Diffusschallanteils in den oberen Oktaven. Oben beschriebene, nicht-optimale Nachhallzeitverläufe können so – theoretisch und in einem gewissen Maße – korrigiert werden. In praxi sollte man einfach den entsprechenden Kippschalter hin- und herschalten und sich fürs angenehmer Klingende entscheiden. Welten bewegen sich nicht, das sei schon mal verraten.

Drittens – SASB:

Der äußere Konus überträgt nicht nur den Mitteltonbereich – er spielt bis 3,2kHz hoch, ab da übernimmt die Hochtoneinheit -, er verantwortet zusammen mit dem Innentreiber auch den Bassbereich der System F. Wie es typisch ist für Ascendo, gelangt auch bei der System F für die untersten Lagen ein Bandpass zum Einsatz, und zwar ein Semisymmetrischer Bandpass (womit der SB-Teil des Akronyms erklärt wäre), was auf den Umstand hinweist, dass im Frequenzschrieb die Flanke jenseits der unteren Grenzfrequenz (31Hz) flacher abfällt, nämlich mit 18dB, als die bei der oberen Übergabefrequenz (90Hz) Richtung Außentreiber (mit 30dB).

Ascendo System F - äußerer Konus
Spielt von 90Hz bis 3,2kHz – der äußere Konustreiber der System F

Ein kurzer Hinweis, vielleicht eine Trivialität, aber das Loch in der Schallwand mag manchen anderes vermuten lassen: Die Ascendo System F ist ein geschlossener Lautsprecher, denn beide Basstreiber arbeiten ja in einem geschlossenen Volumen. Diesem Prinzip wird gemeinhin ein besseres Impulsverhalten nachgesagt als Bassreflexsystemen – und der schlechtere Wirkungsgrad.

Herr Heinz betont, dass Innen- und Außentreiber wie eine Einheit spielen, da die Treiber ein sehr ähnliches Masse/Antriebsverhältnis besitzen und die Resonanzfrequenzen und die Impedanzminima/-maxima der Chassis sich komplementär zueinander verhalten – etwas, das als Stromdynamisch bedämpfter Außentreiber angepriesen wird (der SA-Part der Abkürzung). Ascendo spricht von einer „extrem tiefreichenden, impulstreuen Basswiedergabe bei konstanten Gruppenlaufzeiten“ als Folge dessen. Könnte man mit leben, wenn’s stimmt …

Viertens – VTA:

Das SASB-Prinzip wird von den Schwaben also unter anderem als wesentlich zur Erreichung eines „perfekt zeitrichtigen“ Wandlers angesehen, wie auch das Frequenzweichendesign sich diesem Ideal unterzuordnen hat. Der äußerlich auffälligste Hinweis auf das Thema Zeitrichtigkeit ist freilich die frei verschiebbare Hochtoneinheit oben auf der Box. Das Prinzip ist einfach erklärt: Hochtöner sind schneller im Antritt als Mitten-/Bass-Treiber, und weil sie also früher starten, beim Hörer aber alle Frequenzen gleichzeitig ankommen sollen, lässt man die oberen Oktaven „länger laufen“, indem man den Tweeter räumlich nach hinten versetzt. Dies lässt sich natürlich bautechnisch auch anders erreichen, z.B. indem man die Schallwand nach hinten „schrägt“, aber das Variable Time Alignement habe halt den Vorteil, variabel zu sein.

Ascendo System F - Einstellung der Hochtoneinheit
Die Hochttoneinheit der Ascendo lässt sich verschieben und fixieren – Ziel der Übung ist das zeitrichtige Verhalten des Wandlers

Time Alignement in Abhängigkeit von der HörpositionDas zeitrichtige Eintreffen aller Frequenzen am Ohr des HiFi-Freunds hängt nämlich nicht nur vom Lautsprecher ab, sondern auch von der Position des Hörers, genauer: von seiner Sitzhöhe und der Entfernung zum Wandler, wobei letztgenannter Parameter für die System F nicht groß entscheidend sei, so Herr Heinz. Die nebenstehend zu sehende Zeichnung verdeutlicht den Zusammenhang. In der Praxis heißt das: Man misst bei der Hörposition die Strecke Boden – Ohr, schaut in der Bedienungsanleitung der System F in einer Tabelle nach und erhält einen Wert, der auf der beim Bassmodul oben angebrachten Skala wiederzufinden ist. Die Rückseite des Hochtonmoduls muss nun auf diesen Wert zeigen. Fertig ist die phasenkorrekte Anpassung.

Ascendo System F - Time Alignement-Skala

Fünftens – BACYC:

Diese Abkürzung steht für Balanced Cylinders Configuration – in der deutschen Übersetzung: gewichtete Zylinderwellen Charakteristik. Bei deaktivierter TOS-Einheit erfolgt die Schallabstrahlung der System F nämlich a) zylindrisch, also nicht kugelförmig, woraus folgt, dass eine gewisse Bündelung in der Vertikalen stattfindet – möglicher Vorteil: geringere Reflexionen von Decke und Boden – und b) spektral gewichtet, womit gemeint ist, dass die horizontale Abstrahlung von höheren Frequenzen off-axis mit einem definiert geringen Pegel erfolgt als bei niedrigeren Frequenzen.

Zurecht könnte man lapidar anmerken, dass so gut wie bei jedem Lautsprecher off-axis der Hochton in die Knie geht … Worauf man bei Ascendo aber abstellt, ist, dass dies bewusst und genau berechnet geschieht – im Dienst des guten Klangs. So würden Reflexionen von den Seitenwänden des Hörraumes als weniger störend wahrgenommen und insgesamt mache die BACYC-Konfiguration den Lautsprecher unabhängiger von den jeweils herrschenden raumakustischen Gegebenheiten.

Test: Ascendo System F | Standlautsprecher

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