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Arcam Solo Neo – klangliche Einschätzung

Inhaltsverzeichnis

  1. 4 Arcam Solo Neo - klangliche Einschätzung

Es gibt immer wieder Testobjekte, auf die man sich freut, die nach dem Auspacken aber zunächst enttäuschen. Der Solo Neo ist so ein Fall. Natürlich habe ich mit dem Hörtest nicht sofort begonnen, habe ihn sorgfältig ausgephast und etwa 24 Stunden eingeschaltet am Netz „braten“ lassen. Im Laufwerk rotierte eine „Burn-in“-CD. Alles in allem also streng nach „HiFi-Tester-Kodex“.

Trafo des arcam

Dennoch vermochte mich seine Performance zunächst nicht recht zu fesseln. Der Arcam tönte seltsam muffig, flach und ohne Emotion. Auch der Betrieb an anderen Lautsprechern brachte keine Besserung. Sollte beim Testgerät gar ein Fehler vorliegen? Nun bin ich kein Mensch, der vorschnell die „Pferde aufscheucht“ und Alarm schlägt, wenn sich ein Gerät nicht auf Anhieb so verhält, wie ich dies erwartet habe. Was sich im vorliegenden Fall wiederum als kluge Taktik erweisen sollte.

Siebkondensatoren des Solo Neo

Mit zunächst anderen Projekten beschäftigt, ließ ich den Solo Neo die tägliche Hintergrundberieselung meines Büros übernehmen, genoss hier ein ums andere Mal die Vielfalt der zahllosen Internetradiostationen, ohne mich aber explizit um klangliche Belange zu kümmern.

So gingen dreieinhalb Wochen „Dudelfunk“ ins Land. Dreieinhalb Wochen, die sich wirklich gelohnt haben. Denn seinen anfänglich eher einschlaffördernden Charakter hat Arcams Neuer nun gründlich abgelegt.

Klang via iPod

Arcam Solo Neo und das irDock

Wie bereits erwähnt, liefert Arcam zur Anbindung des Apple-Portis an den Solo Neo das wertig verarbeitete „irDock“ zum Preis von knapp 250 Euro. Es liest alle iPods ab der 5. Generation analog aus und übermittelt deren Menü an das Display des Receivers. Über dessen Fernbedienung lässt sich der Medienplayer dann auch steuern. Mit kleinen Einschränkungen funktioniert dies sogar auch noch bei meinem „Methusalem“, einem 40-GB-iPod der 4.Generation aus dem Jahr 2005. Lediglich die Übermittlung der so genannten „ID3-Tags“ – also der Interpreten-, Alben- und Titeldaten funktionierte hier nicht zuverlässig, sondern eher nach Tagesform, was aber nicht verwundern sollte.

Arcam irDock

Für den guten Ton verweist der deutsche Vertrieb GP Acoustics mit gewissem Stolz darauf, dass man das „irDock“ mit audiophilen Verstärkerstufen ausgerüstet habe, um aus dem „Taschenentertainer“ die bestmögliche Performance herauszukitzeln. Ebenso ist es möglich, die Ladefunktion für den Porti abzuschalten, falls man der Ansicht sei, dies könne den Klang negativ beeinflussen.

Arcam irDock - Anschlüsse

Viel Aufwand, von dem vergleichsweise wenig zu hören ist. Selbst unkomprimierte WAV-Dateien kamen über das irDock räumlich eng und mit recht wenig Dynamik – und der Bassbereich ließ an Festigkeit und Struktur schon etwas zu wünschen übrig. Spielte ich dieselben Dateien von einem anderen externen Dock zu – der „MiP-Station II“ von Advance Acoustic – erklangen diese wesentlich frischer, dynamischer und facettenreicher. Weibliche Gesangstimmen kamen gerade bei S-Lauten weitaus weniger streng zu Gehör als über das irDock. Auch die räumliche Darstellung in Bühnenbreite und -tiefe sowie der Platzierung der Musiker erklang über die „fremde“ iPod-Zapfstelle glaubwürdiger. Nun möchte ich nicht unterlassen zu erwähnen, dass diese mit knapp 400 Euro Verkaufspreis auch deutlich kostspieliger ist. Aber wer den Apple-Porti auch zu Hause als Musikquelle schätzt, sollte den Mehrpreis einkalkulieren. Oder lieber gleich von der Festplatte in den Solo Neo streamen und sich den Umweg über eine Dockingstation ganz sparen.

Klang vom CD-Laufwerk

Ganz anders die Darbietung, die der eingebaute CD-Player ablieferte. Mit Wolfson-Wandlern gerüstet, schwingt sich das „Audio-only“-Laufwerk (MP3 und andere Datenformate liest es nicht) zu einer mitreißenden, homogenen und kraftvollen Spielweise auf, die sich nach meinen Erfahrungen selbst mit Standalone-CD-Spielern der bis-zu-1000-Euro-Liga messen kann.

Fink

Klasse, wie hart und flirrend der Brite Fink im Stück „Pretty Little Thing“ an seinen Gitarrensaiten reißt und wie präsent seine Stimme mitten im Raum steht. Das macht Lust auf akustische Breitseiten etwa von Theory of a Deadman. Die Ex-Roadies der kanadischen Rockband Nickelback sind im selben Genre, aber härter und ungeschliffener unterwegs, donnern mit schweren Riffs und harten Drumloops ein ziemliches Gewitter in den Hörraum. Schweißtreibend, aber enorm anregend, wie mühelos präsent und wirklich knochentrocken auch diese wenig audiophile Musikrichtung zu Gehör gebracht wird.

Tool

Eine meiner beliebtesten nichtaudiophilen „Waffen“ stellt das 2006er Werk „10.000 Days“ von Tool dar. Die sich drohend und düster aufbauenden Metal-Epen können mitunter regelrecht explodieren und dabei die Verstärkertechnik gehörig ins Schwitzen bringen. Für den Solo Neo ist auch diese Aufgabe, trotz seiner moderaten Nennleistung, kein Problem. Fein, wie liebevoll er sich auch kleinsten Details widmet, ohne sie übermäßig zu strapazieren: Für ihn scheint die Musik das große Ganze zu sein, der ausgewogene Spielfluss ist ihm hörbar wichtiger als die Überinterpretation von Einzelereignissen. Ein auf lange Sicht sehr angenehmer Charakterzug.

Klang via Netzwerk-Streaming

Arcam Solo Neo

Wohlwissend, dass auch das klangliche Ergebnis von Streamern durchaus von der mechanischen Qualität des Speichermediums und im Falle der kabelgebundenen (LAN) Integration auch von der Güte des Kabels und der Kabelstrecke abhängt – nicht zuletzt selbstredend von der Auflösung und Qualität der hinterlegten Daten -, kann man den Solo Neo als Netzwerkplayer ohne Einschränkung empfehlen. Die klangliche Ausrichtung in diesem Betriebsmodus orientiert sich klar an der Abstimmung des CD-Laufwerks, gefällt mit Homogenität, Fluss, knackigem Timing und einem knorrigen, trockenen Fundament. Einzig die Raumabbildung reicht nicht ganz an die CD heran.

Klang des UKW/DAB-Empfangsteils

Ein Radio ist ein Radio, ist ein Radio, ist ein Radio. Welche Funktion übernimmt es in der Wahrnehmung des HiFi-Fans und wie wichtig ist es? Geht es darum, auf höchstem Niveau den Äther abzusurfen und etwa „Klassikradio“ in schier unglaublicher Transparenz zu lauschen? Diesem Anspruch wird der eingebaute UKW/DAB-Empfänger nicht gerecht. Er empfängt sauber, trennt gut und klingt angenehm. Nicht nur zur Hintergrundberieselung, sondern auch bei ambitionierter Gangart. Nicht mehr und nicht weniger. Für den „Hausgebrauch“ ist das völlig okay.

Test: Arcam Solo Neo |

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