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Nubert

Höreindrücke: ADAM Column Mk3

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  1. 3 Höreindrücke: ADAM Column Mk3

Mein erster Eindruck von den noch nicht eingespielten Lautsprechern ist umwerfend. Auflösung bis zum Gehtnichtmehr, Dynamik, Energie – entgegen meines ursprünglichen Plans, die Lautsprecher erst mal mit Hintergrundmusik einspielen zu lassen, bleibe ich vor den Säulen sitzen und höre ein paar Stücke:

Jazz: Caroline Wegener Acoustic Trio, „Jazzscetches“. Musikalisch geht die CD in Ordnung, aufnahmetechnisch durfte sich hier ein B. Krbetscheck an der Hochschule für Film und Fernsehen Babelsberg so richtig austoben:Caroline Wegener Acoustic Trio, „Jazzscetches“ Die Aufnahme ist überdurchschnittlich gut. Und das wissen die Studiogene der Column Mk3 offensichtlich zu würdigen. Selten habe ich Klavieranschläge so detailreich gehört. Ich kann mich nicht losreißen und wechsele zu Chihiro Yamanaka „Abyss“, meiner persönlichen Referenz für Jazzklavier. Und es ist schierer Wahnsinn, was die ADAMs so in meinen Hörraum pusten. Klavier, Hi-Hats – im Mittel-Hochtonbereich zeigt die aufwändige Chassistechnik, wozu sie fähig ist. Was hier an Dynamik und Auflösung transportiert wird, ist schlicht phänomenal. Und das, obwohl die Lautsprecher noch nicht einmal eingespielt sind. Der Bassbereich scheint allerdings noch nicht richtig verbunden – tiefe Töne kommen zwar sauber, aber irgendwie vom restlichen musikalischen Geschehen losgelöst rüber. Anscheinend müssen die Tieftöner noch geschmeidig werden.

Nach ein paar Tagen Einspielzeit, kleinen Korrekturen der Aufstellung und der Montage der Spikes hat der Bass den Anschluss an die restlichen Frequenzbereiche weitgehend gefunden.paul kuhn trio Die Talente in Sachen Feinauflösung und Durchhörbarkeit haben sich während der Einspielzeit noch ein wenig gesteigert und liegen auf einem Niveau, das preisklassenunabhängig bestimmt nur wenige Lautsprecher erreichen. Bei Stimmen kommt jede Feinheit der Artikulation zum Ausdruck. Und immer wieder Klavier. Steve Kuhn Trio – „Mostly Coltrane“. Das Steve Kuhn‘sche Klavier und das Saxophon von Joe Lovano schaffen magische Augenblicke. Oder lieber klassisch? Claude Debussy, von Nelson Freire am Klavier interpretiert (Album: Nelson Freire Plays Debussy), lässt mich nur staunen. Welche Nuancen der Pianist den Preludes des prémier livre zu verleihen mag – ganz ganz großes Kino.

Ich gebe zu, ich erwische mich dabei zu überlegen, was ich für ich meine Geithain ME 150 auf dem Gebrauchtmarkt noch bekomme. Diese Columns mit ihrem faszinierenden Auflösungsvermögen muss ich haben.

Nach einigen Wochen intensiven Hörens hat sich meine spontane Begeisterung etwas beruhigt. Bei einem nüchterneren Blick auf die Columns lassen sich sogar ein paar kleine Kritikpunkte ausfindig machen. So wird die hohe Auflösung mit einem etwas schlanken Grundton erkauft. Auch wenn der Bassbereich nach oben hin sauber Anschluss findet, habe ich den Eindruck, dass in den unteren Mitten eine Spur Substanz fehlt. Stimmen wirken unglaublich detailliert, aber nicht ausnehmend körperreich – Sänger wirken über die Column etwas schlanker, als ich es gewohnt bin. Bei hellen Frauenstimmen fällt das allerdings kaum ins Gewicht.

Zur Wiedergabe von Instrumenten: Das Sirren von Gitarrensaiten zeichnen die ADAM mit höchster Akkuratesse nach, dabei bringen sieLa Chicana Milonga de los Perros Album:Tango Agazapado die Dynamik des Instruments mit begeisternder Eindringlichkeit rüber, lassen jedes Griffgeräusch nachvollziehbar werden. Gitarren haben aber auch einen Resonanzkörper. La Chicanas „Milonga de los Perros“ (Album: Tango Agazapado): Der Gitarre von Acho Estol fehlt dagegen ein Hauch Nachdruck. Meiner Meinung nach da, wo der Resonanzkörper der Gitarre sonst etwas Volumen einbringt. Mit der Stimme von Dolores Solá können die ADAM Wandler dagegen wieder eine Menge anfangen – die wird auf atemberaubend hohem Niveau wiedergegeben.

Ok, es ist Zeit für ein Geständnis: Ich habe ein Faible für kitschige Musikfilme. Und auch, wenn Soundtracks meist keine audiophilen Qualitäten besitzen, gibt es davon ein paar in meiner Musiksammlung. In Sister Act (Teil 1 – der einzig wahre) singt der Nonnenchor bei seinem ersten Auftritt unter deradam audio Leitung von Schwester Dolores (Whoopi Goldberg) „Hail Holy Queen“. Dabei entdeckt die junge Schwester Mary Robins (gespielt von Wendy Makkena, gesungen von Andrea Robinson) ihre Stimme. Unglaublich kitschig, aber schön, wie sich ihre Stimme aus dem Chor abhebt, mit Nachdruck Chorpassagen wiederholt. Allerdings kann sich die Stimme von Schwester Mary Robert in der Flut von Details nicht mehr so wirkungsvoll vom Chor abheben. Gleiches Sujet, anderer Film: Chicago. Roxie singt von ihren Traum, ein Star zu sein („Roxie“). Die ADAM lassen sie dabei nicht nur wie das begeisterte, hoffnungsvolle Starlett klingen, sondern auch ein klein wenig wie einen hysterischen Teenager. Aber wenn wir mal ehrlich sind, hat Catherine Zeta-Jones eh eine bessere Stimme als Renée Zellweger.

Test: Adam Audio Column Mk 3 | Standlautsprecher

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