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Aktiv-Lautsprecher Abacus A-Box 5

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Vorne dezent, hinten universell – und was finden wir innendrin? Eine ganze Menge, vor allem eine ganze Menge von dem, was man in einer Aktivbox so nicht erwarten würde. Die A-Box 5-Verstärkerschaltung basiert auf dem Prinzip des Transkonduktanzverstärkers. Was will uns dieses Zungenbrecherwort sagen? Nun, um es mal didaktisch reduziert auszudrücken: Ein Transkonduktanzverstärker ist ein auf Halbleitern basierender Verstärker, bei dem der Ausgang nicht als Emitterfolger arbeitet, sondern bei dem der Strom an den Kollektoren der Endtransistoren abgegriffen wird. Damit wird eine Spannung am Eingang in einen Strom am Ausgang umgewandelt. Dies wiederum entspricht dem Prinzip einfacher Röhrenschaltungen, denn auch in der Röhre steuert die Spannung am Steuergitter den Anodenstrom – der im Ausgangsübertrager wiederum in eine Spannung umgewandelt wird. Es wäre damit nicht völlig falsch zu sagen, dass ein Transkonduktanzverstärker Elemente aus der Röhren- und Transistortechnik vereint.

Abacus A-Box 5

Vorteil des Transkonduktanzverstärkers soll es aus messtechnischer Sicht sein, eine hundertprozentige Gegenkopplung des Lautsprechers realisieren zu können, wobei der Lautsprecher – so sagt man bei Abacus – „wie an einer Stange“ geführt wird und nicht wie an einem Abschleppseil. Die Philosophie, äh, physikalische Grundlage des Transkonduktanzverstärkers sei es aber auch, dass der Lautsprecher – und seine Zuleitung – als permanent überwachte komplexe Last in das System des Verstärkers eingebunden ist, während der klassische Emitterfolgerverstärker dem Lautsprecher – so die Abacus’sche Theorie – mehr oder weniger ein Signal hinknallt, dass dieser zu verarbeiten hat, ob es ihm nun „schmeckt“ oder nicht. Indem der Transkonduktanzverstärker über eine vorgeblich hundertprozentige Gegenkopplung den Lautsprecher im wahrsten Sinne des Wortes kontrolliert, sollen auch Zuleitungsprobleme mit ausgeglichen werden.

Doch dieser Transkonduktanzverstärker ist nicht die einzige Besonderheit der Abacus-Box. Denn schaltungstechnisch davor liegt noch ein aufwendiger DSP-Prozessor, und zwar ein ADAU1701 von Analog Devices. Dieser Prozessor versammelt unter anderem mehrere 28- und 56-Bit AD- und DA-Wandler und einen programmierbaren Signalprozessor. Letzterer kann eine ganze Menge, davon auch einiges, was in einem High End Lautsprecher eigentlich nichts zu suchen hat. Die Feature-Liste des ADAU1701 umfasst nebst umfangreichen EQ-Möglichkeiten (erlaubt) auch Multiband-Dynamik-Eingriffe (na, na, na) und sogar ein (pfui Spinne!) Stereo-Basisverbreiterungs-Tool. Trau, schau, wem. Ich fragte Karl-Heinz Sonder, welche der zahlreichen Funktionen des ADAU1701 in der A-Box 5 genutzt werden. Die postwendend eintreffende Antwort war:

Der Adau übernimmt die Bassentzerrung bis 16 Hertz linear, linealmäßige Glättung des Frequenzgangs, Aktivweiche, Überlastschutz, Hitzeschutz, Ein- und Ausschaltautomatik. Ein EEPROM sagt dem ADAU, was er kann und was er tun soll. Eine Kompression könnte er machen, tut er aber nicht.

Na gut, dann wollen wir das mal glauben.

Abacus A-Box 5 Anschlussfeld

Ich möchte jetzt wissen, wie das klingt und baue die Lautsprecher auf. Beim Anblick des 6,3mm-Klinke-Eingangs juckt es mich einen Moment lang in den Fingern, erst mal meine E-Gitarre anzuschließen, doch dafür werde ich ja nicht bezahlt. Als kleine Dreingabe legten die Leute von Abacus electronics noch ihren „Prepino“ mit in das Postpaket, einen kleinen, puristischen Vorverstärker mit sechs Line-Eingängen und einem Ausgang. Doch erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Da jeder Lautsprecher seinen eigenen Volume-Regler hat, heißt es zunächst mal eine Messton-CD einlegen, den Hörplatz einnehmen und mit Hilfe der Tochter, die brav auf Zuruf an den Gain-Potis dreht, beide Lautsprecher auf den gleichen Pegel bringen. Kurzer Gegencheck mit Rauschen aus dem Tuner – passt.

Abacus A-Box 5 - der Hochtöner

Bevor es mit dem Hören losgeht, sei kurz angemerkt, dass der in der A-Box 5 verbaute Verstärker nicht völlig frei von Grundrauschen ist. Bei einer Gain-Poti-Stellung von 5 ist dieses Rauschen – auch bei nicht angeschlossener Quelle – aus den Hochtönern bis zu einem Hörabstand von etwa einem Meter vernehmlich, was in einer klassischen Wohnzimmeraufstellung unproblematisch sein dürfte, im Nahfeld oder auf dem Desktop hingegen nicht ganz optimal ist. Durch Nutzung der Einschaltautomatik wird man der Sache aber für die meisten Anwendungen Herr.

Test: Abacus A-Box 5 | Aktivlautsprecher, Kompaktlautsprecher

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