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Klang: Tellurium Q Black Diamond NF-, Phono- und Lautsprecherkabel

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  1. 2 Klang: Tellurium Q Black Diamond NF-, Phono- und Lautsprecherkabel

Dem Vernehmen nach hat Arnd Rischmüller, der übrigens auch den Deutschlandvertrieb für VPI-Plattenspieler innehat, die Leute von Tellurium Q sehr hartnäckig um die Entwicklung eines speziellen Phonokabels für die Black-Diamond-Serie gebeten, was ein wenig anmutet, als müsse man einen Bajuwaren dazu drängen, sein Bier künftig in Maßkrügen zu konsumieren, statt aus Champagnerflöten. Nicht umsonst gilt Großbritannien als ein Mutterland analoger Wiedergabe.

Tellurium Q Black Diamond Phono

Jedenfalls müssen sie ihn irgendwann erhört haben, denn genau dieses Black-Diamond-Phonokabel darf nun als erstes in den Ring steigen. Kaum hat es den Signaltransport zwischen Tonarm Pyon Sound Iris S.E. und Einsteins TTC zu verantworten, ist ein erheblich solideres Fundament mit substanziellen, gleichwohl sehr gut definierten Bässen und einer breit ausgespannten Palette an Klangfarben darüber zu vermelden. Der Signaltransport gerät auffallend homogen, Details werden schlüssig eingebunden und geben der Wiedergabe eine selten anzutreffende Selbstverständlichkeit. Neben einem Plus an Transparenz und Durchzeichnung dürfen sich Musiker und Instrumente zudem über konturenschärfere Körper und gesteigerte Plastizität freuen.

Scheiben, die sich bislang, etwa aufgrund einer weniger stabilen, tendenziell fisseligen Darstellung der Klangereignisse nicht für allerersten Klanggenuss qualifizieren konnten, gewinnen mit dem Black-Diamond-Phonokabel merklich an Ruhe und Gewicht.

Stan Getz So wird beispielsweise der Abend des 9. Oktober 1964, den Stan Getz und seine Sidemen, gemeinsam mit einem Trio um den Bossa-Nova-Star Joao Gilberto in der Carnegie Hall bestreiten (auf Amazon anhören), zu einem klanglich rundherum überzeugenden Erlebnis (Verve V6-8623 /2 stereo). Plastischer, körperhafter und erdverbundener als zuvor projizieren sich die Musiker auf einer Bühne, deren Ausmaße gleichfalls besser definiert erscheinen. Das mal sperrig, mal vehement geblasene Saxophon von Getz zeigt auf, dass der Gewinn an Homogenität und Solidität keinesfalls mit einer dynamikverzehrenden „Gesamtberuhigung“ bezahlt werden muss. Kritikpunkte? Suche ich diesmal vergebens. Damit reiht sich das Phono Tellurium Black Diamond mühelos in die überschaubare Riege mir bekannter, allerfeinster Phonokabel ein.

Tellurium Q Black Diamond Kabel

Nachdem die Qualität dieser bei der LP-Wiedergabe klanglich hochsensiblen Verbindung hinreichend geklärt ist, werden flugs die anderen unsymmetrischen NF-Verbindungen der Kette ausgetauscht. Mein Lautsprecherkabel belasse ich zunächst als bekannten Fixpunkt in der Anlage.

chie ayadoAuf dem Teller des Raven AC rotiert das Album To You der Sängerin und Pianistin Chie Ayado (SACD auf Amazon ansehen), worauf sie erfrischend puristische Versionen bekannter Songperlen zum Besten gibt. Gewöhnlich ist nach Aufsetzen der Nadel bis zum Einsetzen der Musik eine Melange aus Rillengeräusch und leisem, gleichwohl vorhandenem Rauschen, welches von der verstärkenden Elektronik herrührt, zu vernehmen. Erstaunlicherweise muten diese Geräusche spontan weniger vordergründig, weniger störend an als sonst üblich.
Dann setzt aus einem enorm ruhigen Background die Stimme Ayados ein. Von einem „schwarzen Hintergrund“ hat man ja schon öfters lesen können, dass der aber so buchstäblich finster ausfällt, wie mit den Black Diamond, hätte ich mir nicht erträumen lassen.

Tellurium Q Black Diamond RCA

Lässt sich das nur auf die Reduktion üblicher Phasenverschiebungen zurückführen? Oder wirken andere Kabel schon mal wie Antennen und überlagern das Audiosignal mit hochfrequenten Störungen? Offensichtlich scheinen die Black Diamond über recht probate Mittel gegen derlei Unbill zu verfügen.

Natürlich setzt man bei Tellurium Q nicht nur auf größtmögliche Störgeräuscharmut, sondern ist sich nicht zu schade, auch profanere HiFi-Disziplinen zu bedienen: Mit intensiven, fein abgestuften Klangfarben, einer Unzahl winziger Details und frappierend livehaftiger Dynamikentfaltung verleihen die Black Diamonds ihrem bereits preislich bedingten Premiumanspruch erheblichen Nachdruck.

Tellurium Q Black Diamond Cinch

Wie klar und prägnant die Japanerin Klassiker wie Lennons „Imagine“ oder Billie Holidays „God Bless the Child“ intoniert! Im Verein mit einer wohl bemessenen Dosis Wärme und Geschmeidigkeit gelingt den Black Diamond ein ungemein authentisches Hörerlebnis, dass sich durch große innere Geschlossenheit und Ruhe auszeichnet. Gleichwohl kommt zu keiner Zeit das Gefühl auf, auch nur im Geringsten auf Feininformation oder Durchzeichnung verzichten zu müssen. Dafür bürgt der Hochtonbereich, der wunderbar offen, informativ und fast ein wenig seidig ausgestaltet ist. Dass dabei jeder unnötige Anflug von Aggressivität und Schärfe vermieden wird, dürfen sie getrost als „gesetzt“ ansehen. Solche Unarten mögen Audiokabel vielleicht im ersten Moment dynamischer und detaillierter erscheinen lassen, taugen letztendlich aber nur dazu, die Hörnerven blank zu legen.

Suite EspanolaDie Tieffrequenz-Abteilung lässt sich natürlich besser mit großem Besteck ausloten, wozu ich häufig auf Albeniz Orchesterversion der Suite Espanola mit dem New Philharmonia Orchestra unter dem jungen Rafael Frühbeck de Burgos (Vinyl-Platte auf Amazon ansehen)
zurückgreife. Decca SXL 6355 war schon vor zwanzig, dreißig Jahren eine beliebte Vorführplatte in besseren Hifi-Studios, die auf der zweiten Seite mit „Asturias“ den Anspieltipp schlechthin bietet.

Kurz nach Beginn des Stückes gibt es mehrfach heftige, schlagartig und unisono ausgeführte Akkorde zu verdauen, die schließlich von tief gestimmten Kesselpauken Unterstützung erhalten. Da geht es gleich mächtig in den Basskeller und der Hörraum darf ruhig ein wenig nachbeben. Doch werden die Impulse nicht sauber und akkurat übertragen, verrunden Basskonturen schnell, weichen auf und büßen einen Teil ihrer Dramatik ein. Nicht so mit den Black Diamonds im Signalweg. Die explosiven Tutti mit den tiefen Pauken stehen wie aus Granit gemeißelt im Raum. Und daran ändert sich auch beim allertiefsten Ton rein gar nichts.

Die schwarzen Diamanten bewahren selbst in den alleruntersten Etagen ihre athletisch-breitschultrige Statur, sprich erzeugen einen mächtigen, auf positive Art anmachenden Bass, der zu keiner Zeit aufweicht oder einknickt.

Tellurium Q Black Diamond

Ist das noch neutral? Aber ja doch, wenn vielleicht auch nicht nach strengster puritanischer Lesart. Grundsätzlich stehen die Black Diamonds tonal mit beiden Füßen fest auf dem Boden der Tatsachen. Und die Fähigkeit, auch noch mit tiefsten Tönen lässig zu jonglieren, wird in dieser Preisklasse schlicht und einfach erwartet. Mir jedenfalls gefällt diese Abstimmung, harmoniert sie doch mit meiner Anlage, die von Hause aus weder zu analytisch noch wohlig warm klingt, außerordentlich gut.

Im Handumdrehen handeln die Strippen dann dank „Asturias“ eventuell noch verbliebene Fragen bezüglich ihrer dynamischen Schlagkraft ab, denn die Tutti des Orchesters bieten nicht nur Tiefgang, sondern sind auch ultraschnell, ultrahart und ultralaut. Was mitnichten ein Problem für die Black Diamonds darstellt. Abgeklärter und nicht so quirlig-flirrend wie etwa Nordosts Heimdall 2, erfüllen die Tellurium-Q-Kabel dynamische Aufgaben so ungerührt wie ein sizilianischer Mafiakiller kurz vor dem verdienten Ruhestand seinen letzten Job.

Tellurium Q Black Diamond XLR-Stecker

Sie benötigen ein symmetrisches Kabel mit XLR-Steckern? Dann müssen Sie meist ein wenig tiefer in die Tasche greifen und auch Tellurium Q lässt sich den Mehraufwand mit weiteren 270 Euro bezahlen.

allan taylorAn den symmetrischen Analogausgängen des Bladelius Gondul M beeindruckt die symmetrische Verbindung abermals mit diesem extrem schwarzen Background. Aus dieser Ruhe heraus gewinnt die Stimme Allan Taylors bei „All is One“ von der gleichnamigen Stockfisch-SACD (auf Amazon anhören) an Sonorität und Eindringlichkeit, werden die ihn begleitenden Instrumente besser organisiert und stabiler abgebildet. Die Tellurium Q Black Diamond halten die Zügel auch merklich straffer in der Hand als die sonst an dieser Stelle zum Einsatz kommenden Magnans. Auch gegenüber den unsymmetrischen Black-Diamond-Bindern, mit denen sie sich ansonsten die bis hierhin dokumentierten klanglichen Eigenschaften weitgehend teilen, erweisen sie sich in dieser Hinsicht knapp überlegen. Ein Phänomen, das ich schon häufiger beobachtete, wenn sich ein symmetrisches neben einem unsymmetrischen Verbindungskabel gleicher Provenienz auf dem Prüfstand befanden.

Tellurium Q Black Diamond

Ob symmetrisch oder nicht – offensichtlich beherrschen die Tellurium Q Black Diamond NF-Kabel ihren Job so oder so ausgezeichnet und auch das Preis-Leistungsverhältnis stimmt. Schließlich wird ein klanglich vergleichbares großes Magnan Vi Signature mit immerhin 2.000 Euro in den Preislisten geführt. Auch gelingt es den Tellurium-NFs sich von meinen zwar leicht in die Jahre gekommenen, preislich aber vergleichbaren Magnan Vi, ebenso wie von den neueren Nordost Heimdall 2 doch ein recht gutes Stück abzusetzen.

Tellurium Q Black Diamond

Das Lautsprecherkabel tanzt schließlich, zumindest beim ersten Blick aufs Preisschild, etwas aus der Reihe, sind doch fast 5.000 Euro zu berappen, was nichts anderes bedeutet, als dass sich das Tellurium Q Black Diamond gegen Konkurrenz aus der allerersten Liga behaupten muss.

Da ich auf eine Reihe anderer Lautsprecherkabel zurück blicken kann, darunter Straightwires Crescendo, Magnans Signature, NBS Monitor 0 und eben mein aktueller Favorit aus heimischen Landen, ist die Neugierde groß, ob das Black Diamond hier eine bleibende Duftmarke setzen kann.

sultanMachen wir es kurz. Die Duftmarke sitzt, und wie. Nicht nur, dass der ohnehin schon pechschwarze Hintergrund unglaublicherweise noch schwärzer und samtiger ausfällt, selbst der kraftvolle Bassbereich gewinnt abermals an Statur, was die fullrange-tauglichen La-Campanella-Lautsprecher ausgesprochen freudig zu goutieren wissen. Satte Techno-Computerbässe, die auf Sultan – einer Kooperation des leider 2012 verstorbenen Ambient-Künstlers Pete Namlook mit dem Perkussionisten Burhan Öcal – zu hören (auf Amazon anhören) oder besser zu fühlen sind, knabbern dann auch gehörig an der Basskompetenz meines eigenen Lautsprecherkabels.

Wenn das Black-Diamond-Lautsprecherkabel mit ins Spiel kommt, legt auch die Raumabbildung, obschon bereits auf erfreulich hohem, klassegemäßem Niveau befindlich, nochmals an Ausdehnung und Finesse zu. Superb die Vorne-Hinten-Ortung die sich mit einer leicht nach vorne, Richtung Hörer rückenden Bühne einstellt. Das akustische Licht fällt jetzt zudem etwas mehr in deren Ecken. Alles scheint ein Stück weit großzügiger abgebildet als gewöhnlich zu geraten.

Tellurium Q Black Diamond am Lautsprecher

Tonal zeigt sich das Black Diamond-Lautsprecherkabel in einer Linie mit seinen NF-Verwandten. Unterm Strich vermag das Tellurium Q die weiter oben genannten Lautsprecherkabel nicht zuletzt mit angenehm temperierten Klangfarben, bemerkenswerter Souveränität und einer ihm eigenen stressbefreiten, natürlichen Hochtonwiedergabe auf die Plätze zu verweisen.

Unbestreitbar ist schließlich eine Komplettverkabelung – die ich natürlich ebenfalls ausprobiert habe – mehr als die Summe seiner Teile, der „Familienklang“ der Black Diamond ist nicht zu überhören:

Bereits ein einziges Kabel kann den Gesamtklang der Installation signifikant nach vorne bringen. Am deutlichsten zeigt sich dies, nicht ganz unerwartet, beim Austausch der Boxenkabel. Wechselt man weitere Verbindungen, so intensiviert sich diese Änderung und erreicht bei Komplettverkabelung der ganzen Kette allerhöchstes Niveau. Damit besteht für den engagierten Audiophilen latent eine große Gefahr, sich vollständig mit Tellurium Q Black Diamond verkabeln zu wollen. Mein Tipp für Kostenbewusste und falls es für das Lautsprecherkabel noch nicht ganz reichen sollte: Mit den NF-Verbindungen beginnen, das schont das Budget und bringt schon einiges.

Tellurium Q Black Diamond Vorstufe

Test: Tellurium Q Black Diamond | Kabel

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