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Kontaktaufnahme I: Lautsprecherkabel Tellurium Green und Tellurium Black

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  1. 2 Kontaktaufnahme I: Lautsprecherkabel Tellurium Green und Tellurium Black

Das erste, was mir beim immerhin 990 Euro/2×3 Meter kostenden Lautsprecherkabel Tellurium Green auffiel, hatte schon ein klein wenig Überraschendes an sich, denn mein testerprobtes HMS Fortissimo (1.690 EUR/3 Stereometer) habe ich schon recht häufig querverglichen, aber eine solche Arthmas fortissimo von Unterschied im klanglichen Fingerabdruck bisher noch nicht so wahrgenommen: Denn ich kenne sowohl tonal hellere als auch dunklere Kabel als das HMS sowie Strippen, die im Hochton flirrender, zackiger zu Werke gehen oder auch mehr Unruhe, weniger Stabilität ins Klangbild tragen etc. Dass aber einzelne Klänge, vor allem im Hochton fiel mir das auf – wenngleich der Bass ebenfalls sehr durchgezeichneter, kohärenter Natur ist -, mit einem Mal etwas weniger fuzzy, weniger unscharf, dafür körperlich schlüssiger definiert erscheinen, hatte ich bei einem Wechsel vom HMS auf ein anders Kabel bisher noch nicht vernommen.

Celebrations hymnisch-dichtes „Holiday“ (Album: Celebration, 2005, für Freunde etwas experimentierfreudiger, polyrhythmischer Musik und eindringlich-fordernden Gesangs in jedem Falle eine Empfehlung) celebrationbeginnt recht aufgeräumt mit stakkatohaften Orgelklängen, einfachem Tom/Snare-Rhythmus sowie Schellenkranz: Und ja, mit der grünen Strippe von der Insel klingen solche Transienten schon ein wenig mehr auf den Punkt, fokussierter, wirken etwas definierter, ein bisserl – das trifft es vielleicht am besten – weniger „verwackelt“, und fühlen sich dadurch auch einen Deut zackiger, (fein)dynamischer in Szene gesetzt an. Wenngleich wir uns, wir haben es ja hier nicht mit einem Lautsprechervergleich oder ähnlichem zu tun, natürlich im Bereich von Feinheiten bewegen – die aber über transparent aufspielende Anlagen dennoch recht leicht heraushörbar sein sollten.

Beim im späteren Songverlauf auf den Plan tretenden, von einem fett-tiefen Basslauf fundierten dichten Soundgetümmel ist dieser Charakterzug sicherlich auch hilfreich dafür, dass das Klangbild durchhörbarer erscheint – die Einzelteile lösen sich mehr aus dem Geschehen, geben der Musik mehr Profil und lassen sie auch räumlich differenzierter wirken. Ja, das Tellurium ist da zweifelsohne besonders, mag es – logisch – je nach Anlage und Gusto auch Hörer geben, die beispielsweise die etwas weniger knackig-markant und dafür einen Hauch geschmeidigere, etwas beruhigte Gangart eben zum Beispiel des HMS Fortissimo zu schätzen wissen. Mit meinen zackig-schnellen Thiel CS 3.7 an der Leine kann ich mich nicht so recht entscheiden, finde je nach Song und Stimmung mal das eine, mal das andere besser, an meinen geschmeidiger zu Werke gehenden Sehring S703 ist das Tellurium Green aber dann doch eher der Favorit.

tellurium green

Wenngleich auch an den Berliner Wandlern die allerobersten Höhen mit der grünen Strippe als minimal trockener, nicht ganz so fein, seidig-luftig empfunden werden können, was mir aber erst in direkten A/B-Vergleichen mit dem erwähnten HMS sowie einem Analog Tools Performance Serie (1.200 Euro / 3 Stereometer) auffiel und auch nicht so weit geht, keine Sorge, dass hier etwas Unangenehmes in den Klang getragen würde, auch bei meiner nun alles andere als für Schönfärberei stehenden Arbeits-Kette (neben Thiel C.S 3.7 die Vor/Endkombi Funk MTX/Audionet AMP sowie vom Laptop gefütterter Northstar USB dac32) bleibt es klanglich langzeittauglich.

Bassseitig bleibt das Tellurium Green seiner im Rest des Frequenzgefildes eingeschlagenen Marschrichtung treu, sprich reicht hier dynamisch-punchy-präzise durch und liegt dabei tonal eher auf der sachlichen denn fülligen oder dicklichen Seite von neutral. Es als schlank klingendes Kabel einzustufen, ginge deutlich zu weit, aber um „schlank klingende Anlagen tonal zu pimpen“, wie sich Kollege Ralph ausdrückte, der übrigens in einigen wiederholten Blindvergleichen das Tellurium Q stets sicher heraushörte, ist es auch nicht konzipiert worden.

tellurium black

Das Tellurium Black für 350 Euro/3 Stereometer zeigt, dass preiswerter nicht unbedingt unterlegen heißen muss – zumindest nicht auf ganzer Linie: Denn auch mit diesem Kabel fühlt sich die Musik nach einem Wechsel vom HMS Fortissimo plötzlich wie ein wenig „gerade gerückt“, weniger verwackelt an, beim Song „Eskimo Lament“ (Album: Magic And Medicine) der englischen Rock-Fusion-Folk-Combo The Coral wirken die anfänglichen Piano-Akkorde, aber auch die stimmbegleitenden gezupften Akkorde der Westerngitarre klarer, weniger „fuzzy“ und gerade im dichter arrangierten Mittelteil des Songs, bei dem noch Bläser auf den Plan rücken, mutet die Widergabe rhythmisch exakter, schlüssiger, leichter verdaulich an. Das Klangbild beziehungsweise die einzelnen Instrumente bekommen räumlich mehr Eindeutigkeit, sind abermals etwas unmissverständlicher fokussiert/gefasst.

the coral

Ja, im Hoch/Mittelton gefällt mir persönlich das „kleine“ Black sogar besser als das Green und ebenso besser als mein HMS, vereinigt es doch die eingängig-schlüssige Definiertheit des grünen Kabels mit der Feinseidigkeit/Luftigkeit des HMS.

Das Tellurium Black ist zweifelsohne ein Kabel, das nicht nur in Relation zu seinem Preis aufhorchen lässt, dabei the loopallerdings als etwas schlanker klingendes Kabel einzustufen ist und als hochinteressante Lösung für etwas zu warm oder vollmundig geratene Ketten dienen kann: Vom Green aufs Black gewechselt, wirken etwa die tiefen Beats in Loops hypnotischen „Afterglow“ (Album: Wolf Flow – Peel Sessions, 1991) tonal etwas zurückhaltender, gerät die Westerngitarre im erwähnten „Eskimo Lament“ etwas leichter.

Test: Tellurium Q Black, Green, Graphite | Kabel

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