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Soundcheck: Technics SU-G30

Inhaltsverzeichnis

  1. 2 Soundcheck: Technics SU-G30

Technics SU-G30 Eingangswahl

Vorab: Um eine nachvollziehbare Vergleichbarkeit herzustellen, habe ich dem Technics SU-G30 während des Hörtests Musikdateien im Dateiformat FLAC mit 192 kHz und 24 Bit zugespielt. Benutzt habe ich dafür vorwiegend die USB-B-Schnittstelle (auf die Unterschiede gegenüber „Netzwerkfütterung“ gehe ich weiter unten noch kurz ein).

udo lindenberg„Einer muss den Job ja machen“, Chefpaniker und Obernachtigall Udo Lindenberg eröffnete mit eben diesem Titel aus seinem jüngst erschienenen Longplayer Stärker als die Zeit (auf Amazon anhören) meinen Hörparcours. Ein klassisch strukturierter Rocksong, der mit knallendem Beat und fetter E-Gitarre ziemlich stramm vorwärts marschiert. Dabei fördert er gleich drei Tugenden des Netzwerkverstärkers zutage, die im Grunde auch bei allen anderen Testtracks zu vernehmen waren: Klarheit, Präsenz und Druck. Nicht in dieser Reihenfolge, sondern gleichzeitig.

Klarheit im Sinne von Transparenz, Präsenz im Sinne eines unmittelbaren Erlebens und Druck im Sinne eines markanten und kraftvollen Bassfundaments. So springt dem Zuhörer bereits die markante Eingangssequenz des Lindenberg-Songs förmlich auf den Schoß. Die angezerrte Gitarre sägt sich in den Gehörgang, während die Bassdrum zielgenau in die Magengegend tritt. Das Stück strotzt vor Energie, die der Technics-Amp zu übertragen weiß. Lindenbergs charakteristischer Nölgesang schält sich konturenscharf und mit griffiger Präsenz aus dem pulsierenden Treiben heraus und positioniert sich weit davor in den Raum. Dabei erlaubt der SU-G30 tiefe Einblicke in die Struktur des Songs und positioniert jeden Musiker ortungsscharf an seinen Platz. Eine Art „innere Ordnung“, die musikalische Details sehr wohl beleuchtet, aber niemals überbetont.

Lonely the Brave Eine Eigenschaft, die bei extrem dicht verwobenen Kompositionen besonders zur Geltung kommt. So kann der Titel „Rattlesnakes“ der britischen Rockband Lonely the Brave aus Cambridge (Album: Things Will Matter, auf Amazon anhören) über Komponenten, die kein so feinfühliges Differenzierungsvermögen aufweisen wie der smarte Japaner, schnell undifferenziert, verwaschen und auf Dauer nervig klingen. Nun will ich gar nicht verschweigen, dass dieses Album, wie so viele Vertreter des Genres, recht grenzwertig – also stark komprimiert – abgemischt wurde. Der Technics SU-G30 aber macht das Beste draus: Das engmaschige Geflecht aus verzerrten Gitarren und verfremdetem Gesang wird im Rahmen des Möglichen zumindest so gut „aufgedröselt“, dass sich der Melodiebogen sehr gut nachvollziehen lässt. Mehr noch: „Rattlesnakes“ wird mit fast cinemascopischer Wucht in meinen Hörraum „geschoben“ und füllt ihn umfänglich aus. Ich habe das Gefühl, mitten im Geschehen zu sitzen.

Technics SU-G30 Fernbedienung
Neben der App lässt sich der Technics SU-G30 natürlich auch per mitgelieferter Fernbedienung steuern

Nun muss ich lange überlegen, um einen adäquaten „Sparringspartner“ für den Technics SU-G 30 zu finden, damit dieser sich in seinem Wettbewerbsumfeld einigermaßen sicher verorten lässt. Und: Ich scheitere daran! Mit seinem speziellen Konzept hat der neue Technics, zumindest derzeit, keinen direkt vergleichbaren Gegner. In seiner Preisklasse sowieso nicht. Also behelfe ich mir mit dem famosen Hybridvollverstärker Magnat RV-3 – der mit dem fairaudio’s favourite Award ausgezeichnet wurde, vom technischen Konzept her viel klassischer und ausstattungsärmer aufgebaut ist (keinerlei Netzwerk-/Digitalfeatures) und klanglich ebenfalls dieses „Mittendrin-statt-nur-dabei-Gefühl“ vermittelt. Der Magnat „langt“ – dank fast dreifacher Ausgangsleistung – noch nachdrücklicher und mit mehr Schub „hin“. Nach „unten“ hat der RV-3 mehr Reserven, gründelt tiefer im Frequenzkeller und stellt den Bassbereich auf ein massiveres Fundament. Auch grobdynamisch kann der Magnat seine Akzente ungefährdet setzen, ein dicht abgenommener und beherzt getretener Kickbass trifft ungefiltert voll in die Magengrube. So gelangt ein stämmiger Rocksong zwar insgesamt noch kraftvoller und kerniger zu Gehör, bei der Detailarbeit jedoch muss der martialisch designte Rheinländer den optisch viel puristischer angelegten und auch akustisch filigraner auftretenden Japaner knapp ziehen lassen. Der Technics SU-G30 löst dichte Gemengelagen in der Tat einen Hauch feiner auf und stellt strukturelle Informationen ein wenig klarer dar. Dazu passt, dass er auch tieftonseitig sportlich-sehniger und kontrollierter ans Werk geht, gerade mit aktiviertem Einmesssystem „LAPC“ fiel dies bei meinen Versuchen auf.

Technics SU-G30 volume

Dass mir bei dieser Gegenüberstellung gerade Bud Spencer und Terence Hill in den Sinn kommen, mag Zufall sein, aber: Bildlich gesprochen wächst nach einem wuchtigen Hieb des Magnat kein Gras mehr, während der Technics dann doch taktisch etwas ausgeklügelter an die Sache herangeht.

patti smithCharakterliche Unterschiede, die sich bei der Wiedergabe von Stimmen noch deutlicher festmachen lassen. So tönt Patti Smiths ohnehin warm timbriertes Gesangsorgan in „Seneca“ (Album: Banga, auf Amazon anhören) über meinen Magnat ein Quäntchen fülliger. Nicht übertrieben, aber im Direktvergleich zur Performance des Technics doch so, dass der Japaner – dank seiner insgesamt etwas nüchterner wirkenden Mittenabbildung – die Rauigkeit und Brüchigkeit in der Tonlage der Smith deutlicher transportiert. So entsteht der Eindruck, dass der Technics SU-G30 mit schärferen Konturen zeichnet, einzelne Ereignisse in der Musik deutlicher voneinander abgrenzt und mithin einen Deut plastischer abbildet. Schön, dass dies nie auf Kosten der Lebendigkeit und des musikalischen Flusses geht. So kann ein „’64 Stingray“ der Rockabilly-Kombo Boppin’B (aus dem gleichnamigen Album: Boppin’B) herrlich „fluffig“, beschwingt und groovy aus den Lautsprechern rollen. Das hat Tempo, Verve und macht einfach Spaß.

marillionWas die Raumabbildung anbetrifft, orientiert sich der ausschließlich in silberner Farbgebung erhältliche Netzwerker streng an der jeweiligen Vorgabe. Der von mir sehr geschätzte und im Gasometer in Oberhausen aufgenommene Mitschnitt von Marillions Akustiktour Less is more, beispielhaft am Titel „Interior Lulu“, (auf Amazon anhören) transportiert die besondere Atmosphäre innerhalb des kreisrunden, ehemaligen Gaskessels so realistisch wie intim. Die virtuelle Bühne wird weder in ihrer Tiefe noch in ihrer Breite über- oder unterrepräsentiert, die Musiker lassen sich zudem exakt orten. Beim sphärischen „Out of this World“, welches den tragischen Unfalltod der britischen Speedboat- und Motorsportlegende Donald Campbell thematisiert, der im Jahre 1967 bei einem Rekordversuch ums Leben kam, präsentiert der Technics SU-G30 einen fein detaillierten und hell ausgeleuchteten Hochtonbereich, der, so scheint’s, in jede Ecke strahlt, aber niemals blendet, sprich: glasig oder bissig zu werden droht. Die japanischen Klangtüftler haben auch hier eine sehr gute Balance gefunden. Gerade bei sparsam instrumentierten und viel Live-Atmosphäre versprühenden Stücken wie denen auf dem „Less is more“-Album der britischen Progrocker, rastet die wohlbalancierte Gesamtabstimmung des SU-G30 voll ein, es resultiert ein sehr stimmiges, homogenes und flüssiges Ganzes. Da hört man sehr gern lange zu.

Technics SU-G30 Terminal Lautsprecher

Naturgemäß muss man, das wird Sie nicht überraschen, beim Streamen von Musikdateien via Bluetooth oder Apples AirPlay kleinere Abstriche in Sachen Auflösung und Räumlichkeit machen, auch wenn CD-Qualität mit 44,1 kHz und 16 Bit gefahren wird. Sowohl AirPlay als auch Bluetooth stehen in dem Ruf, klangliche Einbußen zu verursachen. Nicht ganz zu Unrecht. Was erstaunt, ist, dass diese klanglichen Abstriche gar nicht so groß sind, wie ich zunächst erwartet hätte. Ich habe den Technics SU-G30 vom meinem iPad aus mit einer willkürlichen Auswahl aller möglichen Titel aus meiner umfangreichen iTunes-Mediathek „bespielt“. Auch einige, beileibe nicht audiophil zu nennende 256-kBit-AAC-Dateien waren darunter. Und: Ja, natürlich hört man einen Unterschied. Aber: Der grundsätzliche Charakter der Performance bleibt stets erhalten. Für „den kleinen Hörspaß zwischendurch“ oder die adäquate Beschallung einer Hausparty reicht das allemal. Man sollte in Sachen Bluetooth indes darauf achten, dass der „Sender“ die Musik mittels „aptX“-Codec überträgt. Das beherrschen nicht alle Handhelds, ältere Apple iPhones beispielsweise nicht. Dann klappt die Übertragung mittels „Blauzahnfunk“ zwar trotzdem, tönt aber recht fad. Man findet diese Angabe meist in der Betriebsanleitung oder auf der Verpackung seines Smartphones oder Tablet-PCs unter „Audiostandards“.

Technics SU-G30 USB A und Kopfhörer
An einen Kopfhörerausgang hat Technics ebenfalls gedacht

Wer zu Recht danach fragt, ob es einen klanglichen Unterschied zwischen der Übertragung via USB-B und Streaming aus dem Netzwerk gibt, dem kann ich nicht ganz eindeutig antworten. In meinem Hörtest stellten sich die Unterschiede, die ich festzustellen glaubte, als derart marginal dar, dass ich mich fast nicht traue, eine absolute Empfehlung für die eine oder die andere Betriebsart auszusprechen. Hatte ich zunächst das Gefühl, die Wiedergabe via Netzwerk (eingespeist über LAN-Kabel) wirke räumlich ein wenig enger und insgesamt nicht so klar aufgelöst wie über den USB-B-Eingang, relativierte sich dieser Eindruck bei der Verwendung eines alternativen Netzwerkkabels – dass ich ausdrücklich nicht aus vermeintlich qualitativen, sondern aus anderen Gründen getauscht hatte – wieder. Insofern: Probieren Sie es einfach selbst!

Test: Technics SU-G30 | Vollverstärker

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