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Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Keine Klischees, bitte!
  2. 2 Klangtest und Vergleiche: Technics SL-1300G

Mit dem neuen Plattenspieler Technics SL-1300G (2.999 Euro) machen die Japaner ihr Hifi-Plattenspielerprogramm nochmals umfangreicher und transferieren gleichzeitig Technologien aus der eigenen Referenzklasse in einen attraktiveren Preisbereich (2.999 Euro | https://www.technics.com/de/). Bringen wir also den Teller des neuen „Grand Class“-Drehers  – der erste der 1300er-Reihe –  mal zum Rotieren und hören, was dabei so herauskommt.

Volle Kraft!

Der Plattenspieler Technics SL-1300G mit S-förmigen Tonarm aus Aluminium

Der Technics SL-1300G kommt – wie es sich für einen SL gehört – mit einem S-förmigen Tonarm aus Aluminium. Der Arm sieht mehr nach Retro aus, als er es tatsächlich ist

Vorab schauen wir kurz: und zwar zunächst auf das Herzstück eines jeden Schallplattendrehers, den Motor. Bereits der 2023 erschienene SL-1200GR2 überraschte mit einer interessanten Technologie namens ΔΣ-Drive (Delta-Sigma-Drive). Mithilfe der ΔΣ-Modulation, wie sie auch in den digitalen Verstärkern der Japaner arbeitet, soll ein stabiles und nahezu perfekt sinusförmiges PWM-Signal entstehen, das dem Motorlauf laut Technics eine unschlagbare Präzision verleihe. Die ΔΣ-Modulation findet sich selbstredend auch im SL-1300G, doch der wäre kein echter neuer Technics, wenn er nicht noch eine Schippe drauflegen würde. Die Ingenieure haben ihrem jüngsten Spross ein weiteres Highlight spendiert: einen rastmomentfreien, eisenkernlosen Doppelrotor-Motor mit einem Einzelstator. Was bedeutet das? Laut Technics vor allem viel Kraft für den Antrieb und eine gesteigerte Laufruhe. Die Doppelrotorkonstruktion soll nämlich das sogenannte „Cogging“, die kleinen Unregelmäßigkeiten in der Bewegung des Plattentellers, nahezu vollständig eliminieren. Und um die Laufruhe weiter zu perfektionieren, hat Technics die Spulenträgerplatine des Motors mit einer Verstärkung ausgestattet, die man vom Flaggschiff-Duo SP-10R/SL-1000R entliehen hat – ein Top-Laufwerk, das preislich eher in den Bereich von Kleinstwagen fällt. Diese High-End-„Schwingungswache“ reduziere die mechanischen Schwingungen, die bei der Rotation entstehen, noch weiter, sagt Technics.

Das macht mich persönlich schon mal sehr neugierig, denn in Sachen Gleichlauf bin ich empfindlich. Schon das minimale Leiern einer leicht welligen Schallplatte verdirbt mir für gewöhnlich den Spaß am Plattenhören ganz gewaltig, und ich bin gespannt, ob der Technics SL-1300G diesbezüglich meinen Nerv so gut trifft wie erhofft.

Lecker Sandwich

Die Stirnseite des Technics SL-1300G

Die zweischichtige Chassiskonstruktion des Technics SL-1300G aus Aluminiumdruckguss und BMC trägt zu seinem pfundigen 13 Kilogramm Nettogewicht bei

Wenn man den SL-1300G aus seiner Verpackung befreit, fällt zuerst mal das Gewicht auf. Mit satten 13 Kilogramm wirkt dieses Gerät vertrauenerweckend solide. Dafür verantwortlich ist vor allem die zweischichtige Chassiskonstruktion aus Aluminiumdruckguss und BMC (Bulk Moulding Compound), die für maximale Stabilität sorgen und Vibrationen effektiv minimieren soll. Die Dicke des unteren Chassis aus Aluminiumdruckguss soll dem Gerät zusätzliche Steifigkeit verleihen und unerwünschte Schwingungen einfach verpuffen lassen. Auf der Unterseite der Chassisplatte findet sich zudem eine speziell entwickelte Rippenstruktur, die Motorvibrationen vom Tonarm fernhält.

Alles dreht sich

Nicht nur das Chassis, auch der Plattenteller folgt dem Sandwich-Prinzip und ist dreischichtig aufgebaut – aus Aluminiumdruckguss, einer Messingschicht und einer Gummibeschichtung. Dieser Tripledecker bringt es auf ebenfalls nicht ganz schmächtige 3,6 Kilogramm, soll Resonanzen besonders effektiv den Garaus machen und gleichzeitig mit seiner schieren Schwungmasse dafür sorgen, dass der Teller möglichst gleichmäßig läuft. Nicht ganz unwichtig bei dieser Mission dürfte überdies die laut Technics konsequente Feinauswuchtung jedes einzelnen Tellers im Werk sein. Wer mal einen schlecht ausgewuchteten Reifen aufgezogen hatte, wird das bestätigen können.

Der Nutzer kann den Technics SL-1300G übrigens ganz einfach und komfortabel über die bekannten und mittlerweile geradezu ikonischen Drucktaster ein- und ausschalten, die Geschwindigkeit wählen (33, 45 und 78 Umdrehungen pro Minute sind wählbar) oder den Plattenteller in Bewegung versetzen beziehungsweise stoppen.

Blick auf die Messingschicht des Plattentellers des Technics SL-1300G

Der Plattenteller des Technics SL-1300G ist ein „Dreidecker“ – von unten nach oben: Aluminiumdruckguss, Messing (Foto) und Gummi

Nostalgie mit Schwung

Der Technics SL-1300G kommt mit einem S-förmigen Tonarm, ganz so, wie es sich für einen SL eben gehört. Der Arm sieht zwar ein wenig Retro aus, ist aber alles andere als altmodisch. Er ist aus Aluminium gefertigt und besitzt Präzisionslager, die ein sehr geringes Losbrechmoment aufweisen. Zu Deutsch: Schon bei einer sehr geringen Krafteinwirkung wird der Reibungswiderstand der Lagerteile überwunden, der Arm setzt sich leicht in geschmeidige Bewegung. Durch die Höhenverstellbarkeit des Arms des SL-1300G können Nutzer den vertikalen Abtastwinkel (VTA) präzise anpassen – egal, ob dicke 180-Gramm-Schallplatten oder Schallfolien aus dem YPS-Heft aufliegen.

Die Silikon-Gummifüße des Technics beim SL-1300G

Vibrationen von außen tritt Technics beim SL-1300G mit höhenjustierbaren Silikon-Gummifüßen entgegen. Die sollen für eine effektive Entkopplung von der Stellfläche sorgen

Sparfuchs

Das Thema Energiekosten treibt neuerdings auch mich um – seit geraumer Zeit ertappe ich mich dabei, selbst vermeintlichen Kleinverbrauchern auf die Energieeffizienzlabel zu schauen, denn da kommt schneller ein erkleckliches Sümmchen zusammen, als man Ruheverbrauch sagen kann. Mit einem Verbrauch von nur 10 Watt im Betrieb und mickrigen 0,3 Watt im Standby-Modus kann ich beim Technics SL-1300G Entwarnung geben – er ist nicht nur gut für die Ohren, sondern auch fürs grüne Gewissen. Einen anderen Aspekt von Sparen offenbart der SL-1300G mit dem beigepackten Phonokabel. Das ist allem Anschein nach leider eine schnöde Standardstrippe und gehört einfach nicht in diese Preisklasse. Aber eventuell denkt man sich im Hause Panasonic ja, dass der werte Kunde da sowieso lieber selbst wählen will, was die zarten Signälchen übertragen soll. Irgendwie ja auch konsequent.

Klangtest und Vergleiche: Technics SL-1300G

Manchmal spielt der Zufall wohlwollend mit. Denn ganz zufälligerweise bietet sich auf meinem Rack ein geradezu ideales Setup für einen interessanten Quervergleich: Nicht nur, dass ich mir kürzlich erst den Plattendreher ATR Celebration 40 (3.000 Euro inklusive SPU-MC-Tonabnehmer) als „Arbeitsesel für den Alltagsbetrieb“ angeschafft habe, ich bin auch ein glücklicher und zufriedener Besitzer des SACD-Players, Streamers und DACs Technics SL-G700 der ersten Generation (2.499 Euro). So steht mir ein zum SL-1300G preislich einigermaßen passendes Umfeld alternativer Quellen zur Verfügung. Klar, beim Testobjekt wird noch ein adäquater Tonabnehmer fällig, sodass es am Ende etwas teurer als die beiden anderen Geräte ausfällt. Wohlgemerkt soll das hier kein A/B/C-Vergleichstest werden – doch ein recht guter Eindruck davon, wie sich der SL-1300G in diese so unterschiedliche Riege einordnet, dürfte sich am Ende doch ergeben.

Der Technics SL-1300G mit Sumiko Songbird High Output MC

Der Technics SL-1300G mit Sumiko Songbird High Output MC

Um den Technics SL-1300G „auszufahren“ versehe ich ihn mit einem standesgemäßen Abtaster und montiere das warm-musikalische Sumiko Songbird High Output MC (999 Euro) unter der abnehmbaren Headshell. Zum Abgleich „nach unten“ nutze ich das eher nüchtern, präzise und hochdynamisch aufspielende Ortofon-MM 2M Bronze (420 Euro). Am integrierten MM-Phono-Pre meiner Vorstufe Norma REVO SC-2 DAC/Phono (8.935 Euro) dürfen beide Kombis zeigen, was sie draufhaben.

Erwartungen und Erfüllung

Und das ist verdammt viel – so viel, dass ich fast ins Schwärmen komme, unabhängig vom Tonabnehmer. Wer die alten SL-Modelle kennt, erwartet von diesen soliden Direkttrieblern einen entsprechenden Sound mit Punch und Druck – und den liefert der neue Technics SL-1300G zur Genüge. Doch er addiert eine erstaunliche Transparenz, eine gehörige Portion Präzision und eine differenzierte Sicht auf die verwendeten Tonabnehmer hinzu.

Der Technics SL-1300G von der Seite

Der Technics SL-1300G kurz vor seinem Einsatz …

Kraftvoll und tief im Bass

Blessed Are the Sick Morbid AngelsGeradeheraus gesagt: Der Tieftonbereich des Technics-Plattenspielers fällt vollumfänglich überzeugend aus. Der neue SL liefert mit beiden Tonabnehmern satte, organisch-kraftvolle und sehr tiefe Bässe – tiefer und energiegeladener als mein Celebration 40 mit seinem „kleinen“ SPU es vermag. Zudem sprinten die Double-Bass-Attacken in „Blessed Are the Sick“ von Morbid Angels gleichnamigem Album wie Usain Bolt auf den 100 Metern – kein Hauch von Schwammigkeit oder übermäßiger Fülle, hier herrschen Präzision und Disziplin. Bei schwungvollen Kontrabass- oder E-Bass-Läufen fügt der Technics insbesondere mit dem Sumiko auch die fluide Geschmeidigkeit und schwerelose Agilität des Jahrhundertläufers hinzu – jede Note sitzt, wo sie hingehört, die Übergänge gelingen natürlich, tiefe Pianonoten strotzen vor stählerner Energie und hölzerner Resonanz. Da bin ich fast schon geneigt, meinen J. Sikora Initial Max zum Vergleich zu bemühen – und atme ein wenig auf, als dieser die alleruntersten Lagen noch einen Hauch differenzierter und konturierter aus den Rillen liest. Aber ehrlich: Riesig ist der Unterschied nicht. Fast noch erstaunter als über diesen relativ geringen Qualitätsunterschied bin ich darüber, dass sich der (SA)CD-Player Technics SL-G700 keinen Bass-Vorteil gegenüber seinem Analog-Geschwister erspielt – dabei laufen „erschwingliche“ Laufwerke oft Gefahr, vom Luftschall bei der Basswiedergabe beeinträchtigt zu werden. Diese Klippe scheint Technics beim SL-1300G mit seiner aufwändigen Konstruktion bravourös umschifft zu haben.

Das rückseitige "Anschlussfeld" des Technics SL-1300G

Erwartungsgemäß schlicht gibt sich das „Anschlussfeld“ des Technics SL-1300G

Mitten im Staunen

Das gilt auch für den Mittenbereich. Ach was, hier stinkt der Digitalo geradezu ab, wenn ich ihn mit dem Vinyldreher aus demselben Elternhaus vergleiche. Okay, schon die Kombi des Drehers mit dem Ortofon-MM kostet gute 900 Euro mehr, doch die sind auch deutlich hörbar: Stimmen, männliche wie weibliche, stellt der Technics SL-1300G auf hohem Niveau klar, differenziert und natürlich dar, vor allem aber präsent und mit richtig viel Luft und Licht. Dagegen klingt der SL-G700 – auf den ich in seiner Preisklasse und in der digitalen Welt eigentlich wenig kommen lasse – fast schon verwaschen, blass und distanziert (sorry, Kumpel!).

Mit dem Sumiko geht dann endgültig die Sonne auf: Sänger und Sängerinnen stehen mit einem realistisch voluminösen Körper greifbar im Raum und singen mit einer exemplarischen Offenheit im oberen Mittenbereich direkt ins Herz – da gibt es keine Spur von Distanz oder Verfärbung. Der ATR Celebration 40 kontert mit etwas kräftigeren Klangfarben, einem Hauch mehr Wärme und einem nochmals solideren Körper vor allem bei Männerstimmen, muss sich aber etwas hinter dem SL-1300G einreihen, was Einsichten in die Artikulation und Phrasierung von Jarvis Cocker auf Room 29 angeht. Kann das mein Sikora Initial besser? An dieser Stelle muss ich sagen: kaum. Er rahmt die Stimme von Jacintha oder das Altsaxophon von Arne Domnerus vielleicht noch fokussierter ein und setzt beides einen Hauch deutlicher von der Begleitband ab – doch ob einem dieser Unterschied das Dreifache wert ist, muss man von Fall zu Fall entscheiden. Klar, das Ganze ist zumindest die Summe seiner Teile und oft sogar mehr – hören wir also mal bewusst ins Frequenzoberstübchen rein.

Der Technics SL-1300G in Schwarz

Den Technics SL-1300G gibt es auch in Schwarz

Präzision ohne Härte in den Höhen

Dort, im Hochton und erstaunlich weitreichenden Superhochton zeigt sich der Technics SL-1300G von einer eher klaren und tendenziell analytischen Seite. Er enthüllt Details, die bei vielen anderen Geräten in seiner Klasse untergehen. Schon mit dem Ortofon kommt er auf ein Niveau, das den Celebration 40 etwas ratlos zurücklässt. Der österreichische Ruhrpöttler versieht das Geschehen obenrum mit einem minimal güldenen Glanz und einer (im direkten Vergleich) fein deckenden Patina, während die Schlagzeugbecken in Finks „This is the Thing“ mit der Technics/Ortofon-Kombi eine durchsichtige und eher silbrige Strahlkraft mit schwerelosem Charakter entwickeln. Das geht schon stark in Richtung des SL-G700, Blut ist eben dicker als Wasser.

The Spy MonophonaMit dem Sumiko Songbird HO stellt sich schließlich eine fantastische Balance ein, die mich wiederum in Richtung Sikora schielen lässt – doch der schwere Pole kann seinen ungleich günstigeren japanischen Herausforderer mit noch mehr Luft, einer feineren Textur und nochmals detaillierteren Analyse auf Distanz halten. Dennoch: Was der Technics-Plattenspieler in Sachen Detailreichtum und Raffinesse auch bei schwierigen Geräuschen wie den kniffligen Synthies in „Boy“ von Monophona (Tipp!) liefert, ist schlicht großartig. Vor allem, weil er bei aller Detailverliebtheit stets angenehm klingt und scharfe Klangkanten und -ecken gekonnt umschifft. Das gilt übrigens umso mehr, wenn ein gutes Phonokabel wie mein altes Musical Wire Cadence Signature (vor vielen Jahren etwa 600 Euro) die dünne schwarze Beipackstrippe ersetzt. Dann gerät die Auflösung nochmals feiner und luftiger. Unbedingt nachmachen!

Die zum Lieferumfang des Technics SL-1300G zählenden "Beipackstrippen"

Tipp: Die zum Lieferumfang des Technics SL-1300G zählenden „Beipackstrippen“ am besten gleich vorm ersten ausgiebigen Hören ersetzen

Dynamisch auf Zack

Electrified Boris BlankGrobdynamisch lässt der Technics SL-1300G kaum Wünsche offen. Wenig erstaunlich ist es sicherlich, dass er die tief donnernden Pauken in Orchester-Fortissimos überzeugend wiedergeben kann. Oder die Bässe in „Electrified“ von Boris Blank schön pointiert und präzise zu setzen weiß und die Trommeln diverser Schlagzeuge knackig explodieren lässt. Das fetzt, rummst, beeindruckt – wenn denn der Tonabnehmer mitspielt. Dann bleiben Verzerrungen und Übersteuern auch bei tiefen Rillenausgrabungen außen vor, was nicht zuletzt ein Verdienst der unerschütterlichen Führung des Abtasters durch den Tonarm sein dürfte.

Wie aber sieht es mit der Mitten- und Hochtondynamik aus, zum Beispiel bei intensiven Klavierstücken oder jauchzenden Violinen? Klassengerecht mit Sternchen, würde ich sagen. Das Pianospiel von Chilly Gonzales auf Room 29 zum Beispiel entfaltet sich frei und offen, das Cello in Agnes Obels „Familiar“ wirkt unlimitiert. Dass sich mit dem Sikora Initial die Stimme von Dominique Fils-Aimé in „Nameless“ noch eindringlicher zu den lauten Passagen des Stücks hinaufschwingt, wirkt eher wie ein marginaler Unterschied – und dieses „kleine Mehr“ will relativ teuer erkauft werden.

Feindynamisch setzt sich der SL-1300G mit angemessener Nuancierungsfähigkeit in Szene. Das ist zwar nicht die Gänsehaut-am-ganzen-Körper-Liga, wenn Anna B. Savage den introvertierten Folk-Indie auf „You and I Are Earth“ mit ihrer zitternden und bebenden Stimme zum Besten gibt, aber lässt mir immerhin (kleine) Schauer über die Unterarme laufen.

Tonarmbasis und -lager des Technics SL-1300G

Das Tonarmlager des Technics SL-1300G soll ein sehr geringes Losbrechmoment aufweisen

Bühne: Breit und direkt

Die räumliche Darstellung ist für einen Direktantrieb-Plattenspieler überraschend großzügig. Die Bühne breitet sich weit aus, während die Tiefe hinter den Lautsprechern deutlich weniger stark ausgeprägt wirkt. Selbst die Orgel und das Altsaxophon in maximal „raumtiefen“ Aufnahmen wie „Jag vet en dejlig rosa“ von Arne Domnerus versammeln sich lieber knapp hinter der Lautsprecherbasis, während sie mit dem Celebration 40 – und erst recht mit dem Sikora Initial – einen beziehungsweise zwei Schritte nach hinten tun. Dass der Technics SL-1300G mit seinem Fokus auf eine knackige und klare, im positiven Sinne schneidige und direkte Wiedergabe lieber zeitgenössische populäre Musik als „altmodischen Kram“ goutiert, zeigt er mit einer tendenziell flächigen (im Gegensatz zu dreidimensional skulpturalen) und je nach Aufnahme auch etwas großformatigen Abbildung von Stimmen und Einzelinstrumenten, der die allerletzte Kantenschärfe abgeht (auch wenn hier ein höherwertiges Phonokabel abermals eine kleine Besserung mit sich bringt). Das tut dem Spaß an der Sache bei poppigen Tracks wie „The Matter With Me“ von The Boomers keinen Abbruch – doch Liebhaber von live aufgenommener und sparsam mikrofonierter Jazz- und Klassik-Klangkunst könnten sich weniger angefixt fühlen.

Das Bravourstück

Das Bravourstück des Technics SL-1300G sind jedoch weder seine neutrale Tonalität noch die offenen Mitten oder die für die Preisklasse erstaunliche Detailauflösung – und auch nicht die spaßbringende Grobdynamik. Was mich am meisten beeindruckt, ist seine unerschütterliche Stabilität und preisklassen- sowie bauprinzipbezogen ungewöhnlich tiefe Schwärze im Klangbild, die ich sonst nur von richtig fetten Masselaufwerken kenne (die das teilweise noch besser hinkriegen). Der unmittelbare Effekt ist der erhoffte: tiefe Entspannung. Da leiert nichts, da rumpelt nichts, da rauscht nichts unterschwellig nervend. Allein deshalb schon verdient der SL-1300G eine dicke Empfehlung von meinereiner. Und da haben wir noch gar nicht vom fixen Hochdrehen des nicht gerade leichtgewichtigen Plattentellers auf die Nenndrehzahl in weniger als einer Sekunde gesprochen. Nach kurzer Zeit mit dem Japaner frage ich mich tatsächlich, wie ich je wieder die teilweise ewigen Wartezeiten typischer Riementriebler akzeptieren können soll …

Der Technics SL-1300G mit Abdeckhaube

Ein Abdeckhaube zählt natürlich ebenfalls mit zum Lieferumfang des Technics SL-1300G

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IOTAVX SA3, PA3 und NP3

Test: Technics SL-1300G | Plattenspieler

  1. 1 Keine Klischees, bitte!
  2. 2 Klangtest und Vergleiche: Technics SL-1300G

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