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Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Direkt zur Sache
  2. 2 Technics SL-1200GME: Klangtest und Vergleiche

Die Marke Technics besteht seit über 60 Jahren. Die kleine Pause zwischen 2010 und 2014 fassen wir mal als olympischen Zyklus auf, den die Japaner nutzten, um Kräfte zu sammeln und anschließend mit noch höherwertigen Lösungen in die High-End-Arena einlaufen zu können. Unter anderem legte Technics (www.technics.com/de/) seitdem diverse Plattenspieler in der Tradition des kultigen 1200er-DJ-Turntables auf. Die neuesten Modelle Technics SL-1200GME (silberfarben) und SL-1210GME (schwarz, beide 5.499 Euro) sollen nun die gesammelten Erfahrungen in einem Spitzenprodukt zusammenbringen. Das testen wir.

Fangen wir mit dem vielleicht größten kompetitiven Nachteil des Technics SL-1200GME (wir haben die silberne Variante zu Gast, die folgenden Ausführungen gelten natürlich ebenso für den 1210GME): Er sieht nicht aus wie ein Plattenspieler für fünfeinhalbtausend Euro. In dieser Klasse buhlen normalerweise wuchtige Masselaufwerke, raffiniert gestaltete Subchassisspieler oder luxuriös furnierte und lackierte Holzzargen um die anspruchsvolle Kundschaft. Der SL-1200GME hingegen ist bei weniger genauem Hinsehen kaum von seinen günstigeren Geschwistern wie dem SL-1300G (2.999 Euro) zu unterscheiden. Ein wenig Gold-Chichi hier (Tonarmrohr) und da (Logogravur) sowie ein, zwei Bedienelemente machen optisch die auffälligsten Unterschiede aus. Dabei stellt der 1200GME die laut Technics „endgültige“ Version des 1200ers der Grand Class (G) dar und soll als abschließender Höhepunkt der Reihe das gesamte Technics-Know-how vergangener Dekaden auf den Punkt bringen. So wirbt der Player dann auch, ganz unbescheiden, mit dem Namenszusatz „Master Edition“. Ganz in diesem exklusiven Sinne lässt Technics sein Meisterwerk nur als limitierte Version auf den Markt: Weltweit sind (selbstverständlich) 1200 Stück des silbernen SL-1200GME und 1210 Stück des schwarzen SL-1210GME erhältlich.

Das Innere zählt

Das Chassis des Technics SL-1200GME

Solidität dort, wo man es nicht gleich sieht, das vierschichtige Chassis des Technics SL-1200GME trägt zum Gesamtgewicht von 18 Kilogramm maßgeblich bei

Auch wenn die zurückhaltende Optik bei oberflächlicher Betrachtung wie ein Nachteil im Wettbewerb wirken könnte, entpuppt sie sich bei genauerem Hinsehen und -fühlen als Asset für die Praxis. Substance over Style? Ja, und zwar sowas von. Die Konzentration auf die inneren Werte resultiert nämlich in erstklassiger Verarbeitung, haptisch angenehmen Bedienelementen und einer allgemeinen Solidität, die man dem SL-1200GME ebenfalls nicht ansieht. Mit satten 18 Kilogramm steht ordentlich Masse auf dem hoffentlich tragfähigen Regal. Man kriegt also was für sein Geld, was ja gefühlt nicht ganz unwichtig ist. Zum hohen Gewicht trägt vor allem die vierschichtige Chassiskonstruktion bei, die der klassischen dreischichtigen Konstruktion der 1200er, bestehend aus Aluminium-Druckguss, BMC (Bulk Moulding Compound) und schwergewichtigem Kautschuk, eine strichgeschliffene, zehn Millimeter starke Deckplatte aus reinstem Aluminium hinzufügt. Das Ziel der vierschichtigen Verbundkonstruktion ist vor allem eine hohe Steifigkeit. Dass die Aluplatte dabei sehr hochwertig aussieht und sich auch so anfühlt, ist ein willkommener Nebeneffekt.

Runde Sache

Auch der dreischichtige Plattenteller ist nicht von schlechten Material-Eltern; seine Konstruktion verbindet zwei Plattenteller aus Messing und Aluminiumdruckguss miteinander. Das macht den Teller schon mal sehr steif. Die gesamte Unterseite hat Technics zusätzlich mit einem dämpfenden Gummi überzogen, um Resonanzen zu vermeiden und eine noch höhere Schwingungsdämpfung zu erreichen. Weniger Schwingungen und Resonanzen gleich sauberere Wiedergabe, lautet die Rechnung. Und wenn dann auch noch der Gleichlauf stimmt, sollte die Grundlage für einen „runden“ Klang gelegt sein. Dieses Teller-Gesamtkonstrukt soll eine höhere Trägheitsmasse als beim Klassiker SP-10MK2 und sogar eine mehr als doppelt so hohe wie bei der DJ-Legende SL-1200MK5 aufweisen. Die ungewöhnlich gleichmäßige Rotationsstabilität dürfte eine direkte Folge davon sein. Technics geht aber noch einen Schritt weiter und wuchtet den Teller mit Hilfe hochpräziser Messgeräte präzise aus. Warum? Nun, eine ungleichmäßige Gewichtsverteilung des Plattentellers führt während der Rotation zu Vibrationen, die das Audiosignal beeinträchtigen können. Danach erhält der Plattenspieler einen Aufkleber auf der Unterseite mit der Aufschrift „BALANCED“.

Der Plattenteller des Technics SL-1200GME

Eine Wucht (oder das gerade nicht): Der Plattenteller des Technics SL-1200GME

Kernloser Direktantrieb

Beim Technics SL-1200GME bleibt der Hersteller seiner Paradedisziplin treu: dem Direktantrieb. Allerdings nicht in der Form, wie man sie aus früheren Generationen kennt. Hier arbeitet der Motor nämlich kernlos, was das klassische Rastmoment – das berüchtigte „Cogging“ – von vornherein ausschließt. Der Rundlauf ist daher gleichmäßiger, ohne das minimale Ruckeln, das man bei anderen, einfacheren Konstruktionen durchaus noch messen kann. Die Doppelrotor-Konstruktion verfolgt dabei einen interessanten Ansatz: hohes Drehmoment, aber weniger Belastung für das Lager. Das senkt mechanische Spannungen und reduziert Mikrovibrationen, also genau jene Störungen, die sich bei hochauflösenden Systemen klanglich bemerkbar machen können. Bei der Spulenhalterung setzt Technics auf dasselbe Verstärkungsmuster wie bei den Referenzmodellen SL-1000R und SP-10R, was ein echter Prestigeverweis ist.

ΔΣ-Antrieb (Delta-Sigma-Drive)

Neu beziehungsweise weiterentwickelt wurde der sogenannte ΔΣ-Drive. Dahinter steckt eine sehr konsequente Fortführung der PWM-Signalverarbeitung, die Technics seit Jahren verfeinert. Die Trägerfrequenz des Antriebssignals wurde von etwa 2 kHz auf über 20 kHz, und damit über das theoretisch hörbare Spektrum, angehoben. Der Effekt ist relevant, denn er soll weniger hochfrequentes Rauschen und weniger Anregung mechanischer Resonanzen mit sich bringen. Besonders bei komplexen Musiksignalen und leisen Passagen zahle sich das aus, weil der Antrieb schlicht weniger „mitredet“, so Technics.

Dämpfungsfüße und Entkopplung

Die Füße des Technics SL-1200GME

Auf leisen Sohlen: Die Füße des Technics SL-1200GME sollen über ein breites Frequenzspektrum dämpfend wirken und überdies nachhaltig formstabil sein

Technics hat die Füße der beiden neuen GME-Modelle von Grund auf entwickelt. Der „Isolator“ kombiniert ein Zinkdruckgussgehäuse mit dem von der TAICA Corporation entwickelten αGEL-Material. Das ist ein weiches, gelähnliches Material auf Silikonbasis, das – anders als herkömmlicher Gummi oder Schaum – eine hohe Dämpfung über ein breites Frequenzspektrum bietet und dabei lange formstabil bleibt, also wenige bleibende Verformungen zeigt. Es wird in verschiedenen technischen Anwendungen eingesetzt, von der hochpräzisen Vibrationskontrolle bei empfindlichen Komponenten bis hin zu größeren industriellen Maschinen, in denen Schwingungen reduziert werden sollen. Das Ziel ist eine breitbandige Dämpfung von Trittschall, Körperschall und Rückkopplungen. All dies soll möglichst wirkungsvoll geschluckt werden, ohne den Spieler schwammig zu entkoppeln. In der Praxis fühlt sich das sehr stabil an, keine Spur von wabbelig-weicher Isolation. Der Technics SL-1200GME steht so stabil und solide auf meinem Regal, dass man leicht glauben kann, dass das Laufwerk seine mechanische Unversehrtheit jederzeit bewahrt.

Die kardanische Tonarmlagerung des Technics SL-1200GME

Die bewährte kardanische Tonarmlagerung von Technics

Goldiges Ärmchen

Der S-förmige vergoldete Tonarm besteht aus etwas, das an dieser Stelle zumindest mir noch nicht untergekommen ist: kaltgezogenes Magnesium. Magnesium an sich dürfte in Tonarmen kein Unbekannter sein, denn Magnesiumlegierungen sind leicht, steif und weisen eine günstige Vibrationsdämpfung auf, also eine natürliche Neigung, unerwünschte Resonanzen zu dämpfen. Das ist bei Tonarmen relevant, weil jede unkontrollierte Schwingung das Signal aus der Rille verfälschen kann. Das „Kaltziehen“ ist mir jedoch neu. Bei diesem Prozess wird ein bereits vorgeformtes Metallteil (Stab oder Rohr) durch eine formende Öffnung, den sogenannten „Ziehkönig“, gezogen, um Durchmesser, Toleranzen und Festigkeit endgültig zu definieren, ohne die Rekristallisationstemperatur zu überschreiten. Bei Magnesiumlegierungen ist das grundsätzlich schwierig, weil sie bei Kaltverformung schnell verhärten und spröde werden; daher ist der Prozess technisch anspruchsvoll und wird meist mit sorgfältiger Kontrolle und Zwischenerwärmungen kombiniert. Durch das Ziehen soll das Material eine dichter gepackte, gleichmäßigere Kornstruktur erhalten, wodurch sich wiederum die mechanischen Eigenschaften verbessern: höhere Festigkeit, geringere interne Spannungen, bessere Oberflächenqualität und ein gleichmäßigeres Verhalten unter Last. Diese Merkmale sind besonders wichtig, wenn man dünnwandige, hochpräzise Rohre herstellen will – etwa Tonarmrohre, bei denen Masse, Steifigkeit und interne Dämpfung unmittelbaren Einfluss auf die Klangwiedergabe nehmen können.

Der Tonarm des Technics SL-1200GME

Der Tonarm des Technics SL-1200GME besteht aus kaltgezogenem Magnesium

Die bewährte kardanische Lagerung von Technics soll zusammen mit sehr präzise gefertigten Lagern für eine leichtgängige Bewegung sorgen. Die Anlaufempfindlichkeit liegt entsprechend hoch – beziehungsweise der Losbrechmoment sehr niedrig –, was der Abtastung durch den Tonabnehmer entgegenkommt, weil der Nadelträger kaum laterale Belastung erfahren muss, um den Arm „mitzuziehen“. Der in Gold lackierte Arm fügt sich meines Erachtens erstaunlich unaufdringlich ins Gesamtbild ein und unterstreicht den Sonderstatus der GME-Edition.

Netzteil

Die Stromversorgung ist ein oft unterschätzter Punkt bei Plattenspielern. Technics setzt hier auf ein mehrstufiges, geräuscharmes Netzteil mit separater Rauschunterdrückung. Die nachgeschalteten Filter sorgen dafür, dass Störungen gar nicht erst in empfindliche Baugruppen wie den Motor oder die Regelungselektronik gelangen. Eine stabile Drehzahl, eine saubere Versorgung der Motorsteuerung und ein insgesamt ruhigeres elektrisches Umfeld seien die Folge, so Technics. Letzteres kann gerade im Zusammenspiel mit nahestehenden hochwertigen Phonostufen einen Unterschied ausmachen.

Technics SL-1200GME: Klangtest und Vergleiche

Technics SL-1200GME in der Draufsicht

Allzeit spielbereit! (Fast)

Ich kenne kaum einen anderen (oder keinen?) Plattenspieler, der so einfach zum Spielen zu bringen ist wie der Technics SL-1200GME. Und schon gar nicht in dieser Preisklasse, in der das Thema „Nutzerfreundlichkeit“ meist nachrangig behandelt wird. Insbesondere die Montage des Tonabnehmers im abnehmbaren Headshell gelingt mit der beigelegten Bajonett-Schablone einfach und dabei erstaunlich präzise (eine Kontrolle mit der Schön-Schablone liefert dennoch den letzten Feinschliff). Die Einstellung der Auflagekraft über das satt und geschmeidig drehende Gegengewicht ist ein Kinderspiel und im Bereich von 0,1 Nm genau; die Antiskatingkraft ist stufenlos per Drehrad einstellbar. Statt Gefummel mit einem Riemen gilt es nur, drei Schrauben zur Fixierung des Plattentellers am Direktantrieb einzusetzen. Deckel drauf, Kabel dran, fertig.

Okay, hier die einzige Kritik, die ich bereits beim Technics SL-1300G anzubringen hatte: Die Buchsen fürs Cinchkabel und die Erdungsklemme könnte man etwas leichter zugänglich auf der Rückseite anbringen, statt unter dem Chassis. Und: Das beigelegte Kabel ist solide, lässt aber klanglich noch Luft nach oben. Gehört habe ich mit zwei Tonabnehmern und der Standardverkabelung. Als günstige Einstiegslösung kam der MM-Tonabnehmer Ortofon 2M Bronze (ca. 400 Euro) zum Einsatz, und als realistische Bestückung das High-Output MC Sumiko Songbird HO (999 Euro), jeweils am hochklassigen Phonomodul der Vorstufe Norma Audio SC-2.

Der Technics SL-1200GME mit dem MM-Tonabnehmer Ortofon 2M Bronze

Bereits das günstige, neutral und dynamisch aufspielende Ortofon 2M Bronze steht dem Technics SL-1200GME hervorragend

Dreimal Hoch!

Donnerwetter! Wenn es sowas wie einen analogen Spezialisten für in Klang gegossenes Adrenalin gibt, dann ist es dieser Plattenspieler. Das gilt insbesondere für die Kombination mit dem eher straff abgestimmten Ortofon-MM, die bereits sehr überzeugend klingt und verdammt gute Laune macht. Das etwas sonorer und softer abgestimmte, farbstärker aufspielende Sumiko-MC verschiebt die Balance tonal leicht und ermöglicht eine etwas höhere Auflösung sowie eine großzügigere Räumlichkeit. Doch mit beiden scheint immer der Charakter der Laufwerk-/Tonarm-Kombination durch: Der Technics SL-1200GME spielt hochdynamisch, hochpräzise und hochauflösend. Aber der Reihe nach.

Dynamik, Impulse und Transienten

Chilly Gonzales Jarvis Cocker Room 29Es ist immer wieder erstaunlich, wie sehr wirklich gute Dynamik und Impulswiedergabe mit Material auffallen, das dafür eigentlich gar nicht prädestiniert scheint. Klar, knallige Drum-Soli à la Charly Antolini, die fetzigen Bläsersätze auf „Rat Race“ der Steve Gatt Band und die audiophilen Toms und Bongos des Hadouk-Trios serviert der Technics SL-1200ME auf allerhöchstem Niveau – so knackig, fetzig und auf den Punkt präzise, da kann mein großes Sikora-Masselaufwerk kaum mithalten. Doch wenn feindynamische Gradierungen und leise Passagen mit so einem Realismus wiedergegeben werden, dann sorgt das noch eher für Gänsehaut und Bewunderung. Erstaunlicherweise brilliert der Technics SL-1200GME mit seinen kolportierten DJ-Genen beim introvertierten Piano-Gesangs-Album „Room 29“ von Chilly Gonzalez und Jarvis Cocker ebenso wie mit dynamisch gröberem Stoff. Jegliche Art von abruptem Signalanstieg und -abfall – ob Mini oder Maxi – explodiert geradezu vor einem zutiefst schwarzen und sauberen Hintergrund und verschwindet ebenso gespenstig flott wieder. Das habe ich so nicht erwartet, und ich kenne auch kein Laufwerk der Unter-10K-Klasse, das hier mithalten könnte. Herrlich!

Elitärer Bass

Dr. Dog Critical EquationNicht ganz überraschend spielt der Technics SL-1200GME im Bass eher trocken, schlackefrei und vor allem sehr, sehr präzise. Hier gibt es keinerlei Dröhntendenzen, kein Nachschwingen, kein ungebührliches Aufdicken. Das bedeutet nicht, dass eine Bassdrum in irgendeiner Weise Druck vermissen lässt – auch der fünfsaitige Fretless-E-Bass im genannten „Rat Race“ knurrt böse und kraftvoll, und in „Listening In“ von Dr. Dog (Album: Critical Equation) drückt die große Trommel mit körperlich spürbarer, präzise fokussierter Energie aus den 25ern der ATC SCM50PSL. Aber dieser fokussierte, energiegeladene Bass überdeckt nichts anderes. Die charmant angezerrten Gitarren, die Synthie-Einsprengsel, die Stimme des Sängers – alles bleibt vollkommen unbeeindruckt und klar durchhörbar. Tief runter spielt der Technics auch – es hängt allein vom verwendeten Tonabnehmer ab, wie tief. Dazu sei gesagt, dass man diesen Unterschied eh nur mit extrem breitbandigen Schallwandlern hört – die Unterschiede über die ATC fallen minimal aus, während der Kopfhörer-Magnetostat Final D8000 Pro LE (4.500 Euro) klarmacht, dass das mehr als doppelt so teure Sumiko Songbird eine halbe Oktave tiefer gräbt und dabei im gesamten Bassbereich auch mehr Schattierungen vermittelt als das Ortofon.

Erdungsklemme und Cinchausgänge des Technics SL-1200GME

Erdungsklemme und Cinchausgänge sind am Technics SL-1200GME leider etwas unzugänglich positioniert

Diese Bassperformance hebt den Technics SL-1200GME weiter in eine eigentlich elitäre Klasse – so ausgewogen und fehlerfrei schaffen das nicht viele Dreher der 5.000-Euro-Klasse. Und der Technics setzt noch einen drauf, indem er den Slapbass von Stanley Clark ungemein knackig und irre gut durchzeichnet aus den Rillen extrahiert. Das macht richtig, richtig Spaß.

Master & Mitten

Gegengewicht zur Einstellung der Auflagekraft des Technics SL-1200GME

Die Einstellung der Auflagekraft über das geschmeidig drehende Gegengewicht ist ein Kinderspiel und mit 0,1 Nm skaliert

Klar, der geslappte Bass spielt schon ein gutes Stück in den soliden und geerdet wirkenden Grundton sowie mit seinen charakteristischen Fretless-Obertönen in den transparent durchhörbaren und ansatzweise trockenen Mittenbereich des Technics SL-1200GME hinein. Auch hier bevorzugt die Master Edition weniger eine romantische als eine prägnante, detaillierte und saubere Gangart. Je nach Tonabnehmer malt der japanische Plattenspieler mal weniger (Ortofon), mal mehr Klangfarben (Sumiko) und wirkt dabei nie fahl oder überschminkt. Anders ausgedrückt: Beim Hörer stellen sich weder Ernüchterung noch Übersättigung ein, diese Balance gelingt dem Technics nahezu perfekt. Auch Stimmen wirken weder kopf- noch brustlastig, Sara K.s feine Artikulationsdetails präsentiert der Technics fast schon beiläufig selbstsicher.

TOOL Fear InoculumAuch der Hochton des Technics SL-1200GME ist eindeutig und klar, der Japaner vermeidet jegliche Spur von Weichzeichnung. Die glasklaren Becken in Tools „Pneuma“ (Allbum: Fear Inoculum) haben insbesondere mit dem Ortofon 2M Bronze eher einen silbrigen als einen bronzenen Klang. Die Auflösung mit dem Sumiko gelingt formidabel. Ich vermisse weder Luft noch Mikroinformationen der filigranen Synthies in Boris Blanks Electroknaller „Electrified“. Dennoch habe ich den Eindruck, dass in dieser Disziplin noch ein Hauch mehr gehen könnte und Tonarm und Laufwerk auch das High-Output-Sumiko in diesem Aspekt ausreizen. Ein kurzer Quercheck mit dem Aidas Cu (4.500 Euro) bestätigt dies: Friedemanns Metall-Percussion zum Beispiel gewinnt mit dem ebenfalls eher warm und farbig abgestimmten litauischen Musik-Juwel nochmals einen Hauch an Durchzeichnung und Luftigkeit, und die an Verzerrungen grenzenden Synthieschwaden im fantastischen „Boy“ von Monophona klaren zu einer komplexen Textur auf, statt homogenen Nebel zu verbreiten. Dennoch glaube ich, dass ein Tonabnehmer der Ein-Kilo-Klasse wie das Sumiko Songbird, ein Ortofon MC Quintet Black S oder ein Goldring Ethos hier den besten Preis-Leistung-Kompromiss bietet.

Die Stroboskop-Anzeige des Technics SL-1200GME zur Geschwindigkeitskontrolle

Die Stroboskop-Anzeige des Technics SL-1200GME zur Geschwindigkeitskontrolle

Fotorealismus: die Abbildung

Der Technics SL-1200GME liefert eine stark involvierende Räumlichkeit, projiziert das Geschehen vor allem auf und tendenziell einen Tick vor die Lautsprecherebene. Die Echokammer-Illusion eines tiefen Raums hinter der Lautsprecherebene, die manche Konkurrenten in dieser Klasse liefern können, überlässt er eben jenen. Nur betont tiefenräumlich aufgenommenes Material verirrt sich akustisch mal eben dahin. Aber seien wir ehrlich: Alles andere würde auch gar nicht so recht zur dynamischen Gangart des Technics passen. Die evozierte Bühnenbreite wiederum hängt allein vom Musikmaterial ab – meistens bleiben Instrumente und Soundeffekte zwischen den Schallwandlern platziert, doch wenn der Soundingenieur sein Handwerk versteht, oder bei entsprechenden Spielereien mit der Phase, geschieht auch links und rechts davon noch etwas.

Absolut faszinierend ist – dieses Niveau habe ich keineswegs erwartet – wie klar der Technics SL-1200GME Ortungsinformationen vermittelt und eine quasi fotorealistische, dreidimensional differenzierte und geradezu haptisch greifbare Abbildung kreiert. Das mag auch an dem sehr ruhigen, „schwarzen“ Hintergrund liegen, dem man keinerlei Antriebsartefakte anhört – auch nicht subtil und über die Kopfhörer.

Die Pitch-Regelung des Technics SL-1200GME

Die Pitch-Regelung des Technics SL-1200GME zur Geschwindigkeitsanpassung

Alles in allem

So hart es klingen mag: Der Wechsel auf meine fast viermal so teure Referenzkombi enttäuscht mich im ersten Moment fast ein wenig. Interpretieren Sie es als meine persönliche Rückversicherung, um ja keinen Beziehungsärger zu riskieren: Das legt sich nach einigen Minuten zum Glück wieder, denn die polnisch-litauische Liaison setzt ganz andere Akzente und punktet bei den Soft Skills: Sie schafft mehr Atmosphäre, eine großzügigere Raumtiefe, organische Strukturen der einzelnen Instrumente, sattere Klangfarben und einen insgesamt wärmeren Klang. Das mag die noch organischere Art sein, Musik zu hören. Der harte Punch und die mitreißende Zackigkeit des Technics fehlen mir dennoch.

Billboard
Pass bei Audio Components

Test: Technics SL-1200GME | Plattenspieler

  1. 1 Direkt zur Sache
  2. 2 Technics SL-1200GME: Klangtest und Vergleiche

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