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Aktiv-Lautsprecher Klangwerk Ella – Testbericht – fairaudio

Inhaltsverzeichnis

  1. 2 Aktiv-Lautsprecher Klangwerk Ella - Testbericht - fairaudio

Das Konzept …

Klangwerk produziert seit 1997 – im Schweizerischen Biel gegründet, wurde 2004 der Firmensitz schließlich nach Zürich verlegt. Was die reine Herstellung betrifft, konzentriert man sich ausschließlich auf den Bereich Lautsprecher. Allerdings vertreiben die Schweizer auch ausgesuchte Fremdmarken wie Thule, Sonos, Quad oder Manger. Der deutsche Spezialist für Biegewellenwandler dient zudem als Zulieferer – die große Onda (16.800 EUR) trägt als Herzstück nämlich ein Manger-Chassis.

Das eigentliche Steckenpferd von Klangwerk heißt aber Aktivtechnik. Technisch wie klanglich sollen so „hochwertigere“ Lösungen erreichbar sein: Dafür sorgen beispielsweise die erweiterten Anpassungsmöglichkeiten an die akustische Umgebung, die größere Flexibilität bei der Aufstellung (auch wandnah ist möglich), die Realisierung kleinerer Gehäuse, ein Überlastungsschutz und darüber hinaus Konzepte wie das CPR (Compensated Phase Response system) oder das AOI (Adaptive Output Impedance System) – beide Konzepte erfahren weiter unten aber noch eine nähere Erläuterung.

klangwerk ella

Als Konsequenz dieser Maßnahmen soll u.a. eine verbesserte Zeitrichtigkeit bei der Wiedergabe zu Buche schlagen. Ja, die Annäherung an ein möglichst „perfektes“ Zeit- bzw. Phasenverhalten ist bei Klangwerk durchaus als ein wichtiges konzeptionelles Leitbild oder gar als grundsätzliche Entwicklungsphilosophie zu verstehen. Dies drückt sich auch darin aus, dass sämtliche Klangwerk-Wandler ausschließlich in reiner 2-Wege-Technik daherkommen – die angestrebte zeitliche Homogenität wäre mit höherer Wege-Anzahl ungleich schwieriger zu realisieren.

Die (rein analoge) Aktivelektronik sämtlicher Modelle stammt von Relec SA und wird für die Klangwerker maßgefertigt. Relec SA stammt ebenfalls aus der Schweiz (aus der Stadt Yverdon) und besitzt rund 30 Jahre Erfahrung in der Produktion von Studiolautsprechern – der ORF sowie einige Schweizer Radiosender gehören zum Kundenkreis.

ELLA …

klangwerk ella

Ich bin ja ein Fan von „richtigen“ Namen und verstehe die Vorliebe vieler Hersteller nicht, ihre Zöglinge mit sperrigen Buchstabenkürzeln und/oder mehrstelligen Zahlenkombinationen zu brandmarken. Gerade Menschen mit flüchtigen Speicherkapazitäten im Kopf (wie mich), die froh sind, wenn die eigene Telefonnummer spontan abrufbar bleibt, vergessen solche „Namen“ doch schon, ehe sie aus der Ladentür raus sind oder ihr HiFi-Magazin zugeschlagen haben. Ella macht`s einem da jedenfalls schon mal ein bisschen leichter und klingt auch netter …

Dass mir die Formgebung der Klangwerk Ella – die übrigens in den verschiedensten Farbvariationen erhältlich ist – gefällt, hatte ich schon erwähnt. Aber auch auf andere scheint diese durchaus inspirierende Wirkung zu haben: Wie „von ‚oben‘ empfangende Hände“ sollen sie aussehen, wenn sie so dastehen. Oder wie eine „Sängerin mit geschwellter Brust“. Etwas animalischer drückte sich Kollege Ralph aus – sah er in meinem Hörzimmer doch „Pinguine“ stehen.

O.k. – genug der Interpretationen und hin zu den harten optischen Merkmalen: Während ein Teil des Gehäuses der Ella aus schlichtem MDF besteht (welches im Inneren mit Schwerplatten bzw. Bitumen bedämpft wird), ist die Frontplatte aus ganz anderem Holz geschnitzt:

Besser gesagt, aus gar keinem Holz: Creanit heißt das Material, welches hier zur Anwendung gelangt und über eine doppelt so hohe Dichte wie MDF sowie eine besonders hohe innere Dämpfung verfügt. Creanit ist ein Kunststein, der unter hoher Hitze gebogen werden kann – was die geschwungene Form der Ella ermöglicht:

ella klangwerk

In die akustisch vom restlichen Gehäuse entkoppelte Frontplatte sind sowohl der Hochtöner, als auch einer der drei Bassmittelton-Treiber eingelassen. Zwei weitere (identische) Bassmitteltöner werkeln – einmal links, einmal rechts an der Ella montiert – in Push-Push-Anordnung. Die gegenüberliegende Anordnung hilft dabei, die durch die Treiber auf das Gehäuse einwirkenden Kräfte zu minimieren – kompensieren sich die Aktivitäten der Treiber aufgrund ihres 180 Grad-Versatzes doch im gewissen Maße gegenseitig.

Zudem macht sich im Inneren der Lautsprecher eine zwischen das „Push-Push-Duo“ horizontal gesetzte Stange breit, welche die beiden Treiber jeweils nach außen drückt, was für zusätzliche Stabilität und Resonanzminimierung des Lautsprechergehäuses sorgt.

Punktschallquelle?

Ein weiterer Vorteil (Stichwort „Zeitrichtigkeit“) dieser Treiberanordnung besteht darin, dass so die drei Bassmitteltöner räumlich eine recht enge Nachbarschaft eingehen können – eine perlenschnurartig bzw. von oben nach unten verlaufende Aneinanderreihung auf der Schallwand würde jedenfalls die Gesamtdistanz der Chassis zueinander vergrößern.

ella klangwerk

Durch dieses Zusammenrücken der Chassis wird eine verstärkte Annäherung an das Ideal der Punktschallquelle erreicht. Die nach hinten gerichtete Neigung der Schallwand sorgt schlussendlich dafür, dass dieses Treiber-Trio auf ein gemeinsames akustisches Zentrum zurückgreifen kann bzw. der Laufzeitunterschied des Hochtöners ausgeglichen wird (siehe auch Sprungantwort).

„Warum für den Bass-Mittelton eigentlich drei kleine Treiber verwenden, statt ein einzelnes und dafür großes Chassis?“, könnte man sich bei alledem schon fragen.

Treiber & Ansteuerung

Nun, kleinere Membranflächen zeigen sich – bei sonst gleichen Parametern – resistenter gegen Partialschwingungen und strahlen den Schall darüber hinaus weniger gerichtet ab, was gemeinhin ein verbessertes Rundstrahlverhalten und damit eine vergrößerte Hörzone (siehe auch Beugung) zur Folge hat.

Sowohl die sehr früh einsetzendeella klangwerk audax 25mm-Titankalotte (Trennfrequenz 1.500 Hz, 12dB/Oktave), als auch ihre die tieferen Register bedienenden Konus-Kollegen stammen von Audax aus Frankreich. Während erstere zur Resonanzbekämpfung mit einer besonderen Lackbehandlung versehen wurde, sind die 14cm-Bassmitteltöner mit fiberverstärkten Papiermembranen ausgerüstet und müssen inklusive Schwingspule gerade mal 7 Gramm (!) Masse in Bewegung versetzen.

Wenn dann schließlich Bewegung in die Membranen kommt, meldet sich gleichzeitig das bereits oben erwähnte Adaptive Output Impedance System ella klangwerk(AOI) aus der Aktivabteilung zu Wort und bewirkt, dass sich die Ausgangsimpedanz des bordeigenen Leistungsverstärkers der (im Laufe des Musiksignals) schwankenden Chassisimpedanz anpasst. Dieser „intelligente Dämpfungsfaktor“ – der mit passiven Systemen freilich so nicht darstellbar wäre – sorgt für eine kontrolliertere Ansteuerung der Treiber und aufgrund dessen für ein optimiertes Impulsverhalten (siehe Impulsantwort).

Durch das ebenfalls schon angesprochene Compensated Phase Response System (CPR) wird die Ella schlussendlich auch von der Elektronikseite her auf Zeitrichtigkeit gezüchtet: Verschiedene Allpass-Filter (Allpass: die Amplitude des Musiksignals bleibt im Gegensatz zum Hoch- bzw. Tiefpass über die gesamte Frequenzbreite unberührt) trimmen den Schweizer Wandler auf eine ab 200 Hz aufwärts nahezu an der Ideallinie (0 Grad-Linie) verlaufende elektrische Phase.

Rückseitig …

fallen neben dem Ein/Aus-Schalter für die Aktivelektronik zum einen die ausschließlich symmetrisch ansteuerbaren XLR-Buchsen auf – was entsprechende Anschlüsse am Vorverstärker (oder lautstärkeregelbaren CD-Player) mithin zur unverzichtbaren Voraussetzung macht.

Zum klangwerk ellaanderen sorgen zwei unscheinbar dreinblickende Rädchen für typische „Aktiv-Flexibilität“: Mit dem Level-Regler lässt sich die Lautstärke einer jeden Ella separat justieren – wichtig kann dies bei räumlichen Asymmetrien werden. Wird eine wandnahe Aufstellung gewünscht, so lässt sich zudem eine in diesem Zusammenhang zu befürchtende Aufblähung der unteren Frequenzgefilde gezielt bekämpfen – mit dem Roll-Off-Steller kann nämlich der Frequenzbereich unterhalb der 400 Hz-Marke abgesenkt werden.

Ja, Aktivtechnik hat schon was für sich. Aber das Für und Wider von Aktivlautsprechern einmal kurz beiseite gelassen: Schallwandler, bei deren Entwicklung der Marschbefehl „Zeitrichtigkeit“ besonders nachdrücklich ausgegeben wurde, wecken automatisch eine verstärkte Neugier in mir …

Test: Klangwerk Ella | Aktivlautsprecher, Standlautsprecher

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