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Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Adrette Attacke
  2. 2 SPL Performer s1200: Klangtest & Vergleiche

Wenn ich in mein HiFi-Rack gucke, kommen wesentliche Geräte von Firmen, die Studiotechnik bauen. Sei es mein DAC von RME, meine Endstufe von Bryston, seien es meine alte Vorstufe von EAR Yoshino oder meine neue von SPL electronics. Apropos SPL: Die haben seit einiger Zeit auch Endstufen im Portfolio. Der neuste Amp, der Stereo-Endverstärker SPL Performer s1200 (6.499 Euro | https://spl.audio/de/), steht testbereit im Rack.

Tonstudio & Wohnzimmer …

Zum Hintergrund von SPL electronics und dazu wie es kam, dass die Studio-Profis aus Niederkrüchten am Niederrhein mit den Geräten der „Professional Fidelity“-Serie (Pro-Fi) auch HiFi-Kunden bedienen, habe ich mich im Test des Kopfhörerverstärkers SPL Phonitor se recht ausführlich ausgelassen. Für alle, die dem Link jetzt nicht folgen, die Kurzfassung: Der ursprünglich für den Studio-Einsatz konzipierte Kopfhörerverstärker Phonitor II fand in der Kopfhörerszene regen Anklang. Neben dem exzellenten Klang und den faszinierenden Möglichkeiten, die das Gerät bietet, hat sicher auch das coole Design zum Erfolg beigetragen. SPL ließ sich auf den neuen Kundenkreis weitergehend ein und so entstanden in den letzten Jahren mit den „Professional Fidelity“-Lösungen Geräte für den Einsatz im heimischen Wohnzimmer.

SPL Performer s1200 mit SPL Elektorrstufe

Die passende Vorstufe zum SPL Performer S1200 ist die SPL Elektor, die der Autor seit Kurzem in seinem Gerätepark hat

Wobei SPL seinen fürs Tonstudio entwickelten Technologien treu bleibt. Die Pro-Fi-Geräte unterscheiden sich im Wesentlichen hinsichtlich der Ausstattung und der Anschlüsse von den Studiogeräten. So gibt es bei den Studiogeräten meist mehr Ein- und Ausgänge – logisch, hier kommen Signale verschiedener Quellen zusammen, werden durch zusätzliche Geräte geschleift etc. – und die Anschlüsse richten sich eher nach in Studios üblichen Standards. Wie etwa die Klinkenbuchsen, die man im Heimbereich lediglich für Kopfhörer verwendet.

Während Kopfhörerverstärker, Vorverstärker oder DACs Geräte sind, die man sowohl im Tonstudio als auch im heimischen Hörraum benötigt, ist das bei Endstufen wie der der SPL Performer s1200 etwas anders. Denn im Tonstudio werden häufig Aktivlautsprecher eingesetzt, bei denen die Leistungsverstärker integriert sind. Die Endstufen von SPL wurden deshalb eigens für die Pro-Fi-Serie entwickelt – in der HiFi-Welt sind eben passive Lautsprecher üblich. Technisch mussten sich die Entwickler dabei gar nicht so weit strecken: Die von SPL selbst entwickelten und in fast allen professionellen Geräten eingesetzten Operationsverstärker in 120-Volt-Technik, bei SPL „VoltAir“ genannt (auch dazu mehr im Testbericht des Phonitor se), sind so kräftig, dass sie problemlos als Treiberstufe für Leistungstransistoren eingesetzt werden können. Die Entwicklung startete zunächst mit einer schlanken Schaltung, die dann ausgiebig klanglich optimiert wurde.

Bau der SPL Performer s1200 bei SPL

Roman Groß von SPL electronics bei den ersten Schritten der internen Verdrahtung der Performer s1200

Ich hatte das Glück SPL electronics zu besuchen, als die ersten Prototypen der Endstufenschaltung im Haus kursierten. Das mit dem Kursieren ist durchaus wörtlich zu nehmen. Denn SPL electronics ist trotz der großen Produktportfolios und eines erstaunlichen Geräte-Outputs sehr überschaubar. Und so ist jeder Mitarbeiter überall ein bisschen involviert – egal, was seine Hauptaufgabe ist. Ich übertreibe nur wenig, wenn ich schreibe, dass quasi jeder von der Reinigungskraft bis zum Firmenchef einen Prototypen mit nachhause nehmen, ausprobieren und seine Meinung zu dem Gerät kundtun darf. Die wichtigste Frage lautet stets: Hattest Du Spaß beim Musikhören?

SPL Performer s1200 in der Produktion: Einspielvorgang

Die fertigen SPL Performer s1200 werden im Werk „voreingespielt“

Design, Leistung und eine kleine Beschwerde

Spaß habe ich bereits am Design der Geräte – und damit bin ich offenbar nicht alleine. Bestechen die in Midi-Breite gehaltenen Kopfhörerverstärker, DACs und Vorstufen der Pro-Fi Serie vor allem durch schick gemachte Schalter und Knöpfe sowie zwei runde VU-Meter, die für die großen DACs, Kopfhörer- und Vorverstärker charakteristisch sind, punktet das Design der Leistungsverstärker mit Schlichtheit.

Auf meine dezente Beschwerde, dass ich den Einschaltknopf der SPL Performer s1200 auf der Rückseite neben dem Netzanschluss etwas unpraktisch finde, kam die Antwort, dass ich doch bestimmt nicht wolle, dass die schöne klare Front durch einen Schalter verunstaltet würde. Außerdem verfüge das Gerät ja über einen Anschluss für einen 12-Volt-Einschalttrigger, sodass man es von einem anderen Gerät aus, etwa dem passenden Vorverstärker, ferneinschalten könne.

SPL Performer s1200 - Netzanschluss

Was macht man nicht alles für ein schönes Gesicht? Der Netzschalter der SPL Performer s1200 befindet sich rückseitig

Ein spezielles „Design-Feature“ ist das austauschbare Inlay der Frontplatte. Die Fronten der Pro-Fi-Geräte (und auch die vieler Studiogeräte) bietet SPL in Schwarz, Silber oder Rot eloxiertem Aluminium an. Und jeder SPL Performer s1200 liegen, unabhängig von der Grundfarbe der Front, Inlays in allen drei Farben bei. Die Inlays haften magnetisch, sodass man seine SPL Performer s1200 nach Belieben umdekorieren kann – monochrom oder bicolor.

Ich finde, dass die SPL Performer s1200 echt cool aussieht. Dazu trägt definitiv auch ihre eindrucksvolle Bauhöhe bei. 205 Millimeter bringt man zwar nicht mehr in jedem HiFi-Rack unter, doch die Höhe braucht es, weil in der Endstufe ordentlich was drin steckt. Die klassische Class-A/B-Verstärkerschaltung wird von einem Ringkerntrafo versorgt, der für die beachtliche Scheinleistung von 1440 VA ausgelegt ist. Der fette Trafo bietet souveräne Reserven für eine Ausgangsleistung von zwei mal 300 Watt an acht Ohm und zwei mal 550 Watt (jeweils RMS) an zwei Ohm.

SPL Performer s1200 - Frontinlays in Silber, Schwarz und Rot

Der SPL Performer s1200 liegen Frontinlays in drei Farben bei

Dafür „mogelt“ SPL bei den Kühlkörpern. Die sind nämlich zu klein, um die unter hoher Last beträchtliche Verlustwärme rein passiv abzuführen. Die Performer s1200 verfügt deshalb über sechs Lüfter, pro Kanal drei. Die drehen im Normalbetrieb ganz langsam und absolut unhörbar mit, um bei Bedarf hochzufahren und vehement die Abführung von Verlustwärme zu befördern. Keine Sorge, ich verspreche Ihnen, dass Sie diese Lüfter lediglich ganz kurz beim Einschalten hören werden, wenn sie kurz hochdrehen und dann quasi im Leerlauf auf ihren Einsatz warten. Der vermutlich niemals kommen wird. Und wenn, dann höchstens bei Abhörlautstärken, bei denen garantiert keiner mehr nach Lüftergeräuschen fragt.

SPL Performer s1200 von der Seite

Hinter den seitlichen Luftschlitzen der SPL Performer s1200 befinden sich Ventilatoren

Die Ausstattung des SPL Performer S1200 ist übersichtlich. Der Endverstärker bietet Anschlüsse für Cinch- und XLR-Stecker, kann also asymmetrisch wie symmetrisch angesteuert werden. Zwischen den beiden Anschlussarten wird mit einem Kippschalter umgeschaltet. Ganz Studio-like kann man die Eingangsempfindlichkeit regeln. Während sich die Verstärkung meiner Bryston 4B³ lediglich in zwei Stufen um sechs Dezibel umschalten lässt, bietet die SPL Performer s1200 zwölf Stufen zwischen 0 und -5,5 Dezibel. Kanalgetrennt. Ansonsten gibt es auf der Rückseite nur noch die Lautsprecheranschlüsse.

SPL Performer s1200 - Wahl des Verstärkungsfaktors und Eingänge

Hinein geht’s in die SPL Performer s1200 per Cinch oder XLR, der Verstärkungsfaktor lässt sich kanalgetrennt in zwölf Stufen einstellen

Noch ein – nennen wir es lieber Hinweis denn Kritik: Das Einschalten der SPL Performer s1200 geht nicht völlig geräuschlos vonstatten. Ein Ein- und Ausschaltimpuls ist (beim Einschalten trotz kurzer Einschaltverzögerung) in den Lautsprechern hörbar. Das wäre sicher durch schaltungstechnische Maßnahmen zu verhindern. Solche Maßnahmen stehen aber in dem Ruf, den Klang negativ zu beeinflussen. Da scheint man bei SPL eine klare Entscheidung zugunsten des Klangs getroffen zu haben.

SPL Performer s1200: Klangtest & Vergleiche

Normalerweise mag ich es nicht so, wenn man einer Endstufe ihre Kraft anhört. Es sei denn, die Kraft macht sich so bemerkbar wie bei der SPL Performer s1200: durch souveräne Kontrolle. Das hört man vor allem im Bass. Und das selbst im Zusammenspiel mit meinen Lautsprechern Horns FP12 Mk2. Die benötigen mit ihren 93 Dezibel Wirkungsgrad und ihren gutmütigen acht Ohm Impedanz nämlich gerade keine riesige Leistung. Dennoch nimmt die SPL Performer s1200 die polnischen Schallwandler noch kontrollierter an die Leine als das meine geschätzte Bryston 4B³ (um 8000 Euro) vermag, die mit ihren zwei mal 300 Watt an acht Ohm in der gleichen Leistungsklasse spielt (und 10 kg weniger wiegt).

SPL Performer s1200 komplett

Kontrolliert aber nicht protzig – die SPL Performer s1200

Präzises Basspfund

Kandace Springs IndigoUnd die Bryston ist in Sachen Basskontrolle schon wirklich eine Macht. Doch was Konturen und Abgrenzung von aufeinanderfolgenden oder sich überschneidenden Bassimpulsen betrifft, legt die SPL überraschenderweise tatsächlich nochmal einen drauf und klingt hier noch akzentuierter, klarer und gleichzeitig substanzieller. Damit schafft sie es mal so nebenbei meine neue persönliche Referenz in Sachen Bass zu werden. Nehmen wir „Don’t Need The Real Thing“ von Kandace Springs (Album: Indigo; auf Amazon anhören). Die Beats, mit denen Drummer und Producer Karriem Riggins den Track unterlegt hat, kommen ungeheuer tief, mächtig und sauber, wie ich es bisher noch nicht gehört habe. Ein anderes Beispiel: Die Saiten des gezupften Kontrabasses in „What a Difference a Day Makes“ (Album: This One’s for Dinah) von Cina Moses und Raphaël Lemonnier klingen über die SPL noch einen Hauch straffer als über die Bryston, gleichzeitig besitzt der Bass noch mehr Autorität. Wobei diese Autorität „natürlich“ und nicht „aufgesetzt“ im Sinne von betont wirkt.

Volle Attack!

SPL Performer s1200 mit schwarz-silberner Front

Die SPL Performer s1200 mit silbernem Inlay

Für meine Ohren setzt die SPL Performer s1200 auch in den Mitten mit Blick auf einige Aspekte Maßstäbe. Sie löst unterm Strich gut auf und liegt hier auf hohem Klassenstandard. Überdurchschnittlich ist dabei ihre Fähigkeit, dynamische Abstufungen klar und akzentuiert wiederzugeben – das Gehörte fühlt sich extrem schnell, aber nicht hektisch an. Sehr gut wahrnehmbar ist das bei der Energieentladung und Präzision von Klavieranschlägen. Das Stück „Tears for Esbjörn“ in der Einspielung von Iiro Rantala und Michael Wollny auf dem Album Jazz at Berlin Philharmonic – hier spielen zwei der aktuell wohl besten Jazzpianisten – ist todtraurig und technisch unglaublich virtuos gespielt. Und das bringt die SPL-Endstufe eindringlich und faszinierend rüber. Im Vergleich zu meiner in dieser Sache wirklich nichts anbrennen lassenden Bryston wirkt die SPL Performer s1200 tatsächlich noch attackiger und dynamisch akzentuierter. Der Fokus der SPL Performer s1200 liegt dabei vor allem auf den Anschlägen, die sie förmlich aufstrahlen lässt. Im Gegenzug widmet die Bryston 4B³ den Ausschwingvorgängen etwas mehr Aufmerksamkeit und Auflösung: Die Anschläge wirken nicht ganz so pointiert, dafür wirkt das leise Ausklingen der Töne etwas feiner.

Ohne hier jetzt einen Gegensatz aufziehen zu wollen, den es so deutlich gar nicht gibt, habe ich den Eindruck, dass die SPL Performer s1200 superschnell auf einen Impuls anspringt – die Transientenwiedergabe setzt sicherlich Maßstäbe –, dafür aber auch eher dazu tendiert, nach einer angemessenen Ausklingphase einen Punkt zu setzen. Schließlich warten da ja sicher schon die nächsten Töne auf ihre Aufmerksamkeit. Das kann man mögen (ich mag es sehr) und es kommt Hörern entgegen, die es gewohnt sind, bei Tönen eher auf die Attack zu achten. Wer es beim Hören dagegen eher gewohnt ist, dem Ausklingen, dem Sustain von Tönen nachzuhängen, wird mit der SPL Performer s1200 unter Umständen nicht 100 Prozent glücklich. Klangbeurteilung ist stets eine Frage dessen, wie man Hören gelernt hat beziehungsweise worauf zu achten man gewohnt ist.

Die SPL Performer s1200 mit schwarz-roter Front

Die SPL Performer s1200 mit schwarz-roter Front

Strahlemann

Auch im Hochton macht die SPL-Endstufe sehr klare, knackige Ansagen. Sie klingt nicht scharf, übt aber auch keine (falsche) Zurückhaltung. Sie kann im Hochton strahlen – und tut das etwa bei Blechbläsern auch angemessen. Glitzern oder funkeln ist dabei nicht ihr Ding. Sowas überlässt sie eher Röhrengeräten, die mit ein bisschen harmonischem Klirr kleine Feuerwerke entfachen können. Das kann sehr schön klingen. Das kann zuweilen auch etwas übers Ziel hinaus schießen. Und das macht die SPL definitiv nicht. Gleichwohl macht sie deutlichere Ansagen als beispielsweise eine Parasound Halo JC 5 – ebenfalls eine veritable Studio-Endstufe der 8.000-Euro-Klasse, die im Hochton etwas defensiver, milder abgestimmt ist. Meine Bryston würde ich in dieser Sache als zwischen den beiden anderen Amps liegend einordnen.

Nah dran

Eva Cassidy Live at Blues AlleyKommen wir zur Räumlichkeit. Hier gibt die SPL Performer s1200 sehr konkret wieder, was sich auf der Bühne abspielt (oder was uns der Toningenieur hören lassen will). Die Abbildung wirkt tendenziell etwas näher oder größer als ich das gewohnt bin, sprich Eva Cassidy sitzt auf Live at Blues Alley (auf Amazon anhören) recht weit vorne am Bühnenrand (oder ich sitze näher an der Bühne). Die einzelnen musikalischen Akteure geraten dabei angenehm plastisch mit klaren Konturen. Das alles wirkt sehr aufgeräumt, besonders, da die SPL Performer s1200 auch einen konkreten Eindruck des Aufnahmeraums und seiner Dimensionen vermittelt. Okay, bei der einen oder anderen Studioproduktion wirkt das fast schon etwas überschärft, fast hyperreal, aber ich bin sicher, dass das in solchen Fällen eben an der Aufnahme liegt und daran, dass der Toningenieur das genau so abmischte. Gute Live-Aufnahmen funktionieren hingegen genial. Hier kommt viel „Atmosphäre“ rüber, man fühlt sich schnell mitten im Publikum beziehungsweise gerne in der ersten Reihe. Hören Sie sich mal die legendäre Aufnahme E.S.T. Live in Hamburg über die SPL-Endstufe an. Man wird förmlich in die Aufnahme hineingezogen. Das ist einer der magischen Momente, die man mit hochwertigem HiFi erleben kann.

SPL Performer s1200 - Rückseite mit Anschlüssen

Die Rückseite der SPL Performer s1200 zeigt sich endverstärkertypisch aufgeräumt

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Nubert nuConnect

Test: SPL Performer s1200 | Endstufe

  1. 1 Adrette Attacke
  2. 2 SPL Performer s1200: Klangtest & Vergleiche

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