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Spendor ST Thiel CS 2.4 Bassbereich Test fairaudio

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  1. 4 Spendor ST Thiel CS 2.4 Bassbereich Test fairaudio

Wenn im Zusammenhang mit Dynamik auch das Wörtchen Musterknabe fiel – in puncto Grobdynamik, sprich dafür notwendiger Macht im Tieftonbereich und Reserven bei hohen Lautstärken geht freilich mehr, wenn man achttausend Euro für ein Pärchen Boxen auf den Tisch legen will:

In Miethäusern empfindlichere umliegende Nachbarn zu ärgern, sollte zwar schon drin sein, für exzessivere Partys oder Hören mit dem Bauch sind die Spendors aber definitiv nicht entwickelt worden, leidet doch das eben so gelobte Unnervöse, die Akkuratesse des Klangbilds bei hohen Pegeln zunehmend. Wobei die Spendors, auch das sei expressis verbis erwähnt, beim anderen Extrem, bei sehr leisen Pegeln, eine auffallend gute Figur abgeben, behalten sie doch stets ihren lebendigen, agilen Charakter bei.

spendor st

Der wie erwähnt ausnehmend durchgezeichnete, zackig-konturierte Bassbereich zählt mit ausschließlichem Blick auf Tiefgang und Druck zwar nicht zu den Dingen, mit denen unsere Probanden auf die Sahne hauen können (da liefern in loser Erinnerung u.a. Kandidaten wteh national ie Quadral Montan VIII, Geithain ME 150, Wharfedale Opus II-3 (!), die kürzlich getesten, vollaktiven Fonel La Ronda oder meine verflossenen Thiel CS 2.4 signifikant mehr „Macht“), allerdings auch nicht zu den ausgemachten Asketen zählen: So schaffen es die Spendor ST beispielsweise auch den von der sonoren Stimme Matt Berningers und einer satt-schweren Tieftonwelt getragenen Song „Sorrow“ des US-amerikanischen Indierock-Quintetts The National (High Violet, 2010) in der „richtigen“ vollmundig-warmen Atmosphäre involvierend zu vermitteln.

Ausnehmend gut gerät den Spendors die Durchhörbarkeit in den mittleren Lagen: So wird mir bei Coils „Where Are You?“ (Album: Musick To Play In The Dark2, 2000) spontan klar, dass die zu Beginn des Songs recht auffälligen metallisch-schabenden Perkussion-Geräusche in Wahrheit gesampelte, effektunterlegte Nasenschnäuzer sein müssen – interessant, da ich diesen Song schon öfter intensiv gehört hatte, eine Nase als Tonquelle mir zuvor aber niemals so bildhaft sagen wir ruhig: vor Augen gehalten wurde.

coil

Bei aller Offenbarungsfreude und Straffheit im Bereich der mittleren Lagen: Stimmen sind zwar tonal eher auf der frisch-leuchtenden denn betont vollmundig-kräftigen Seite zu Hause, wenn’s über die STs geht, wirken aber stets angenehm flüssig, cremig, organisch sowie – wohlmöglich auch eine Folge des „Aus-einer-Hand-Stammens“ beziehungsweise des breiten Arbeitsbereichs des Tiefmitteltöners – sehr eingängig und schlüssig.

Gleiches fällt nicht zuletzt bei akustischen Instrumenten ins Ohr: Cello und Violine in Clair Obscurs „Procession“ werden mit Nachdruck, mit Verve klar kontrastiert und konturiert wiedergegeben und eben auf gar keinen Fall wattiert oder diffus abgebildet – mit Begriffen wie hart, steril, rau oder körnig, gerade bei der dissonant in Szene gesetzten Violine von Bedeutung, haben die Spendors bei allem Hang, betont gefällige Weich- und Warmzeichnung zu vermeiden, dennoch rein gar nichts am Hut.

spendor st

Das bei aller Direktheit und Agilität gänzlich unnervöse Naturell der Spendor ST erfährt nach meinem Gefühl durch zwei weitere erwähnenswerte Charaktereigenschaften Unterstützung:

Zum einen ist dies die äußerst stabile, jegliche Diffusität vermeidende Bühnendarstellung der Spendor ST, die mich bisweilen schon an meine Thiel CS 3.7 erinnert, sich in ihrer vertikalen Ausdehnung allerdings nicht allzu ausladend zeigt, sondern etwa Lautsprecherhöhe erreicht. Auch die bühnentechnisch ebenfalls tadellos agierende Sehring S703SE bildet nach oben hin weitläufiger, größer ab, wobei die STs auch aufgrund ihres oben beschrieben Talents, Instrumente sehr konturiert und ja: perlend abzubilden, diese dafür räumlich konzentrierter, eindeutiger, greifbarer, gefasster ins Bühnenbild definieren als die Sehrings, was zugleich mehr Freiraum, quasi mehr schwarzen Hintergrund zwischen den Akteuren sichtbar werden lässt.

Zum anderen hat man den Spendor ST einen tonal eher dezenter zu Werke gehenden, nicht aufs letzte Quäntchen Luftigkeit ausgerichteten – aber bei alledem keinesfalls aufgeweichten, sondern rhythmisch durchweg akzentuierten – Hochtonbereich angedeihen lassen und stattdessen, ich deutete es bereits an, mit einem etwas intensiver leuchtenden Bereich in den oberen Mitten für tonalen Ausgleich gesorgt:

The Cancer ConspiracySo wirken die in The Cancer Conspiracys Song „I“ zu Anfang des Stückes von einem Bass begleiteten E-Gitarren-Zupfer etwas vordergründiger, etwas stärker vom Bass abgesetzt als zum Beispiel über meine Thiel CS 3.7. Das in Folge einsetzende, den Mittenbereich komplett abfordernde Saxophon tönt insgesamt vorbildlich echt und stimmig, im direkten A/B-Vergleich gar etwas weniger aggressiv, weniger „dreckig“ als über die mehr Hochtoninformation bereitstellende Amerikanerin, andererseits via Spendor ST aufgrund der unterschiedlichen austarierten Mitten alles in allem tonal dennoch ein Deut leichter und etwas direkter.

Test: Spendor ST | Standlautsprecher

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