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Die Spendor ST im Hörraum

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  1. 3 Die Spendor ST im Hörraum

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Persönlich finde ich es ja hilfreich, sich vor der Auseinandersetzung mit einer Komponente im Höraum möglichst von Stereotypen und Klischees freizumachen, die einem meist recht unvermittelt im Kopf rumspuken, sobald man irgendeinen Markennamen hört – ja, ja, das Konditionierungs-Päckchen, das man so mit sich rumträgt, ist generell nicht zu unterschätzen. Dass das zumindest als guter Vorsatz durchgeht, sich aber realiter nicht immer so ganz unproblematisch in die Tat umsetzen lässt, merkt man spätestens dann, wenn man sich nach ein paar gehörten Songs doch recht überrascht auf seinem Sofa vorfinden muss:

skullgridWas zum einem auch schlicht an der gewählten Musik lag – denn die Virtuosität, die Irrwitzigkeit, die Reizintensität, die vom irgendwo zwischen Math-Metal und Jazz anzusiedelnden Album „Skullgrid“ (2007) des unter anderem mit einer Warr Guitar bewehrten New Yorker Trios Behold… The Arctopus ausgeht, erstaunt doch jedes Mal aufs Neue. Erstaunt war ich insbesondere aber auch darüber, wie mühelos und engagiert die beiden doch eher aus konservativem Hause stammenden Spendor ST solch wildem musikalischen Treiben folgen zu vermögen.

Ob pfeilschnell gegriffene Riffs, Highspeed-Tapping auf dem Warr-Zwölfsaiter oder maschinengewehrartige Bassdrum-Salven – was man bei den Spendor ST schon mal auf keinen Fall befürchten muss: Dass sie zu langsam oder zu träge für irgendeine Art von Musik sein könnten – ja, in Sachen Dynamik und Impulstreue gehen unsere Engländerinnen glatt als Benchmark durch, auch weil es bei alledem nicht nur profan anmachend-attackig tönt, sondern auch das Sustain, der Verlauf von Tönen sehr akkurat nachgezeichnet wird, was bei aller Geschwindigkeit unter anderem mit dafür sorgt, dass dem Klangbild zu keiner Zeit etwas Nervöses oder Gehetztes anhaftet.

Deutlich wird das Talent der STs, Klängen quasi von der Attack- bis zur Release-Phase sorgsam auf der Spur zu bleiben, dann auch schon mal bei der Hintergrundberieselung, wenn clair obscure– wir wechseln das Genre und wenden uns klassischeren Klängen zu – die von Flöte begleiteten, aufnahmetechnisch schön eingefangenen Handtrommeln in Clair Obscurs „O Soleil“ (Album: Antigone, 1996) plötzlich von meiner abendlichen Mail-Korrespondenz ablenken: So unverschleppt, flink und kohärent die Anschlagsmomente zu Gehör gebracht werden, so spurtreu, so realistisch werden die für die Substanz, für die richtige Klangfarbe von Tönen maßgeblichen Ausschwingvorgänge gehalten – ja, meiner Meinung nach sind es häufig genau solche, bisweilen gar nicht so offenkundigen, aber dann zumindest vom Unterbewusstsein als „richtig“ goutierten Feinheiten, die die umstrittene Vokabel Highend mit Leben füllen.

Test: Spendor ST | Standlautsprecher

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