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Spendor ST: Technik & Konzept

Inhaltsverzeichnis

  1. 2 Spendor ST: Technik & Konzept

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Spendor nimmt für sich in Anspruch, stets Lautsprecher entwickelt zu haben, die auch unter „realen Wohnraumbedingungen leicht integrierbar sind“ – ein Gedanke, der bei den Überlegungen zur physischen Dimensionierung der ST ebenfalls Pate gestanden haben mag. In erster Linie aber ist das Gehäusekonzept – und mithin auch die -größe – auf die Minimierung störender Resonanzen ausgerichtet, wie mir Philip Swift, der seit 2001 amtierende Inhaber Spendors, erklärte.

Dabei richte man das Augenmerk zum einen auf eine hohe Steifigkeit, zum anderen auf eine spezielle (zum generell ja etwas überstrapazierten Wörtchen „speziell“ komme ich gleich noch) Leichtbauweise. Spendor habe bei seinen Konstruktionen generell noch nie auf Masse gesetzt, so Philip Swift, was unter anderem auch die mit 18 Millimetern nicht gerade auf Rekordniveau befindlichen Wandstärken der ST erklärt.

Lautsprecherkonstruktionen, bei denen als Mittel zur Resonanzbekämpfung vor allen Dingen Masse-Dämpfung dient, stehe man generell kritisch gegenüber, da es so unweigerlich – mehr Masse „schluckt“ automatisch mehr Energie – zu zeitlich ausgedehnteren Speicherprozessen im Gehäuse käme, mithin sich die Energie störender Resonanzen langsamer umwandle, was, so ist man ferner überzeugt, zu einem verwischten und weniger agil wirkenden Klangbild führe. Ein gutes Timing sei aber „elementar für den Musikgenuss“, sind sich die Spendor-Entwickler sicher.

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Das „Spezielle“ an diesem Konzept ist nun – neben der in der Tat merklichen Festigkeit des Gehäuses – eine Lösung, die Spendor in seinen Produktbeschreibungen marketinggriffig als „Dynamic Damping“ bezeichnet. Hinter diesem Doppel-D verbirgt sich eine Gehäusestruktur, die Energien zu bestimmten „strategischen“ Stellen leiten lässt, an denen sich sehr steife, hoch verdichtete Polymer-Blöcke befinden, welche störende Schwingungen kurzerhand und akustisch neutral in Wärme umwandeln sollen. Flankiert werde das Ganze – ja, das spricht sich ebenfalls recht schön – von „Machined Steel Stabiliser Discs“, die auch von außen sichtbar sind:

spendor Machined Steel Stabiliser Discs

Für meine Hörversuche kamen bodenschonende und auch klanglich in der Regel sehr gute Ergebnisse erzielende Antispikes von Audioplan zum Einsatz – wenn die Angelegenheit aufgrund der neben den Gewindehülsen hervorstehenden Schrauben auch etwas frickliger wurde

Diese die Spikes aufnehmenden Elemente sollen nicht nur für einen besonders festen, der mechanischen Stabilität und somit der Akustik dienlichen Stand sorgen – irgendwelche weitergehenden Ausleger oder Verbreiterungen am Sockel der STs seien daher überflüssig, so Spendor -, sondern sind zudem mit tiefreichenden Stahlbolzen verankert, die gleichzeitig die Bodenplatte sowie das innere „Linear-Flowport-Reflex-System“ (das im Vergleich zum herkömmlichen Bassreflexsystem mit einer bis zu dreifach geringeren Luftstromgeschwindigkeit arbeiten soll) zusätzlich fixieren.

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Die Chassis sind auffallend sauber ins Gehäuse eingepasst und ruhen zur zusätzlichen Resonanzbekämfung auf zwei Lagen Schaumstoffringen

Interessanterweise fährt man mit dem Dynamic Damping bewusst ein anderes Konzept als bei den Classic-Lautsprechern – wie zum Beispiel bei den sich in gleicher Preisklasse bewegenden SP 100 R2: Bei Letzteren wird zwar ebenfalls auf Masse-Dämpfung verzichtet, allerdings gleichzeitig ein leichtes Mitschwingen des Gehäuses bei tieferen Frequenzen erlaubt, was dem Klangbild einen Tick Extrawärme verleihen soll.

Dass die Spendor ST mit ihrem speziellen Reflexsystem ein offener Lautsprecher ist, hatte ich bereits en passant erwähnt, dass sie trotz der optisch recht unterschiedlich ausfallenden Treiber kein Drei-, sondern ein Zweieinhalb-Wege-Lautsprecher ist, noch nicht:

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Die Trennungen erfolgen bei 700 Hz – hier beendet der untere, ausschließlich auf den Bass spezialisierte Konus seine Arbeit – und des Weiteren bei recht hohen 4 kHz, wo der neben seiner Bassmitarbeit die Mitten allein verantwortende obere Konus an die Hochtonkalotte übergibt. Diese stammt von Seas und weist mit 29 Millimetern im Vergleich zu den ansonsten meist vorzufindenden 25-Millimeter-Kalotten eine leichte Übergröße auf und böte sich angesichts dieses Aspektes eigentlich auch für weiter unten ansetzende Arbeitsbereiche an. Spendor war es aber wichtig, den Mittenbereich – in welchem das menschliche Gehör bekanntermaßen seine größte Empfindlichkeit hat – möglichst breitbandig von einem einzelnen Treiber besorgen zu lassen: „Wie ausgefeilt auch immer die technischen Lösungen geraten mögen, das menschliche Ohr ist extrem gut darin, einem Übergang zwischen Mittel- und Hochtöner auf die Schliche zu kommen“, so Philip Swift.

Sowohl der Bass- als auch der Bassmitteltreiber stammen im Gegensatz zur Kalotte aus gänzlich eigener Entwicklung/Fertigung und sind eigens für die STs konzipiert worden. Zweiterer weist eine Polymermembran (ep39) auf, die man schon allein aufgrund des unbedingt akkurat zu erfolgenden Formungsprozesses beziehungsweise währenddessen stattfindender, exakt zu bemessener Temperaturdurchläufe inhouse produziert.

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Der Tiefmitteltöner mit Polymermembran und Phaseplug

Der Tieftöner ist dagegen mit einer Kevlar-Membran ausgestattet – wobei kein reines Kevlar zur Anwendung gelangt, sondern die zugrundliegenden Kevlarfasern vielmehr in Zellulose eingebunden wurden und das Ganze bei der Herstellung zudem eine zusätzliche Polymer-Dämpfung mit auf den Weg bekam. Aufgrund der Steifheit und der von Haus aus geringen Dämpfung sowie der daraus resultierenden Neigung, bei höheren Frequenzen aufzubrechen, sprich für Verzerrungen zu sorgen, sieht man bei Spendor Kevlar übrigens als ausschließlich für Tieftonaufgaben geeignet an und als „terrible for mid range!“ – diesem Umstand sei zwar durch entsprechende Materialbeimischungen in gewissem Maße beizukommen, dennoch seien die Resultate klanglich in der Regel suboptimal.

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Mit XXL-Dom: Der Basskonus

Auffällig ist der große Dom des Basstreibers: Zum einen soll er der Membrankonstruktion insgesamt eine größere Stabilität verleihen, zum anderen dafür sorgen, dass der obere Bassmitteltreiber während der Arbeit seinen unteren Kollegen „nicht sieht“, wie Philip Swift sich ausdrückte. Was ist damit gemeint? Anteile des vom Bassmitteltöners abgestrahlten Schalls, welche naturgemäß (siehe auch Beugung) stets auch in Richtung Basskonus-Trichter strömen, würden bei konventionellen Domkonstruktionen von diesem reflektiert und sich letztlich mit dem Direktschall des Bassmitteltreibers überlagern, was man mit der bei der ST vorzufindenden Domlösung weitgehend vermeide. Spendor schätzt diesen Effekt zwar insgesamt als „eher subtil, aber hörbar“ ein.

Wobei eigentlich auch schon das Stichwort fürs nächste Thema gefallen ist: Hören …

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Test: Spendor ST | Standlautsprecher

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