News

Logo

Demnächst im Test:

Neat Momentum J6 Galion Audio Navy + Discovery Brinkmann Nyquist ONE Quad 3 + 3CDT Galion Audio Navy + Discovery Brinkmann Nyquist ONE Quad 3 + 3CDT Neat Momentum J6

Billboard

Die drei-Wege-Lautsprecher Spendor Classic 1/2 in Walnuss
HiFi-Test

Test: Spendor Classic 1/2 | Kompaktlautsprecher

Klassik mit Kick

Im Test: Spendor Classic 1/2 - passive Drei-Wege-Kompaktlautsprecher mit Bassreflexsystem

UVP zum Testzeitpunkt: 8.290 Euro

Web: https://3-h.de/

Classic – ja, ja, so heißt gefühlt fast jedes dritte Versicherungs-, Stromtarifangebot oder doppelgewhopperte Fleischbrötchenmenü. Die Wurzeln des Klassikers, um den es heute geht, reichen aber tatsächlich nicht nur weit zurück bis in die 60er-Jahre, sondern gar bis zu einem Meilenstein der Lautsprechergeschichte: der legendären BC1, die Spencer Hughes damals für die BBC entwickelte und die sogar ganz ähnliche Abmessungen aufwies wie ihr moderner Nachkomme Spendor Classic 1/2, den wir bitte freundlich als Gast begrüßen (8.290 Euro | https://3-h.de/). Aber klar: Ehrwürdige Ahnen allein machen noch keinen guten Sound – schauen und hören wir also, was die mit modernsten Zutaten entwickelte 1/2 aus ihrem reichen Erbe so herausholt …

Wieso so anders?

Die Schallwand der Spendor Classic 1/2
Drei Treiber und drei Wege – und eine vermeintliche Überraschung bei den Trennfrequenzen …

Ich mag Spendor-Lautsprecher grundsätzlich sehr gerne – und besaß über längere Zeit jeweils schon eine Spendor Classic 100R2 sowie später eine D9. Was mir stets gefiel, war die besondere Kohärenz im Sound inklusive einer involvierenden Bühnendarstellung, die ich nicht zuletzt auf den breitbandigen Einsatz der Mitteltöner schob – ein Kniff, den ich konzeptionell sehr spannend finde. Bei der 100R2 arbeitete der 18-cm-Konus bis 5000 Hertz, der Tweeter verkam da schon fast zum Superhochtöner. Umso enttäuschter bin ich zunächst, als ich sehe, dass der 15er-Konus der Classic 1/2 schon ab 2,7 kHz die Segel streicht. Weicht Spendor hier etwa von einer hauseigenen Philosophie ab?

Nein, sagt Torin Wilson, der Chefentwickler bei Spendor. Jeder Lautsprecher sei individuell zu behandeln und bringe ganz eigene Anforderungen mit sich – und die Abstimmung der Spendor Classic 1/2 habe auf Grundlage verschiedener „quantitativer und qualitativer Faktoren“ sogar besonders gut funktioniert.

Was matcht denn da?

Der Mitteltöner der Spendor Classic 1/2 im oberen Bereich der Schallwand
Der Paargleichheit seiner Lautsprecher misst Spendor auch aufgrund der BBC-Historie große Bedeutung zu – auch die Classic 1/2 seien auf 1 dB gematcht

Eine weitere Frage, die mir unter den Nägeln brannte, war die nach dem seit jeher von Spendor beworbenen Matching der ausgelieferten Lautsprecherpaare auf 1 dB. Dass die Paargleichheit von Spendor-Lautsprechern generell toleranzarm ausfällt, glaube ich gerne – zumal die Räumlichkeit nach meinen Erfahrungen, wie gesagt, stets zu ihren Stärken zählt. Aber: Wie können wir uns den Prozess der dezibelgenauen Abstimmung von Lautsprechern vor der Auslieferung konkret vorstellen?

Torin Wilson beschreibt das als automatisierten Prozess, der während der Treiber-Qualitätskontrolle erfolgt. Zunächst erfasst Spendor computergestützt alle Treiber einer Charge, die einen grundlegenden Qualitätscheck bestanden haben, um sie anschließend – ebenfalls computerbasiert – in einem iterativen, auf Pass/Fail-Kriterien gestützten Prozess paarweise zu verheiraten. „Alle Treiber, die nicht erfolgreich gepaart werden konnten“, so Wilson, „aber dennoch die grundlegende Qualitätskontrolle bestanden haben, kommen in die nächste Charge.“ Oder in die übernächste: Spendor führt diesen Prozess fort, bis Übereinstimmung besteht.

Marken-Logo an der Spendor Classic 1/2
Kleiner Sticker, lange Tradition …

Und auch dann ist die audiophile Kuppelei noch nicht zu Ende. Genau: keine echte Liebesgeschichte ohne Frequenzweiche. So messe man etwa die Spulen einzeln durch, bevor sie auf die Platine verlötet werden, und achte in Qualitätskontrollen darauf – klar, das macht hoffentlich jeder seriöse Hersteller –, dass alle montierten Platinen nahezu identisch sind.

Apropos Frequenzweiche: Diese folgt, so Torin Wilson, keineswegs konventionellen Filtertypen, sondern arbeitet mit einer Kombination verschiedener Filterordnungen, um einen – dieses zugegebenermaßen etwas schwer zu fassende Kriterium schätze ich ja ziemlich – „kohärenten“ Klang zu erzielen. Als Besonderheit aller Weichen der Classic-Serie darf überdies eine Induktivität (vulgo: Spule) im Autotransformator-Stil gelten, die im Hochpassfilter ohne Verwendung eines dem Signalweg buchstäblich im Wege stehenden Widerstands dämpft. Durch die Vermeidung eines solchen in Reihe geschalteten Widerstands, wie er für viele Frequenzweichen typisch ist, will Spendor Verzerrungen zusätzlich minimieren.

Eine der beiden frontseitigen Bassreflexöffnungen der Spendor Classic 1/2
Die Tuningfrequenz des Bassreflexsystems der Spendor Classic 1/2 liegt bei 30 Hz

Treiber nach Hausrezept

Und wenn meine Neugier sich schon so schön Bahn brechen darf: Man hört immer wieder, dass Spendor zu den wenigen Lautsprecherherstellern zählt, die nicht nur die Lautsprechergehäuse in einer eigenen Fabrik fertigen – welche übrigens auch für andere Marken schreinert –, sondern auch ausschließlich hausgemachte Treiber einsetzen. Es gibt übrigens sogar Videos, in denen man die Membranherstellung verfolgen kann. Als ich seinerzeit den Hochtöner meiner D9 ausbaute, sah dieser allerdings eher weniger nach einem Eigengewächs aus. Die Auflösung: Tief- und Mitteltöner entstehen direkt vor Ort in East Sussex im Südosten Englands. Hochtönerseitig wendet man sich jedoch bewusst gen Norden: „Wir pflegen eine enge Beziehung zu SEAS, die uns seit vielen Jahren mit von uns spezifizierten Hochtönern beliefern“, so Torin Wilson.

Warum ausgerechnet Tri-Wiring?

Zu den Treibern sage ich gleich noch etwas, aber vorher muss ich doch noch eine weitere Frage loswerden: Schon meine 100R2 zwangen mich dazu, mit Kabelbrücken zu experimentieren. Und auch den Spendor Classic 1/2 hat man Tri-Wiring-Terminals spendiert – ich würde ja lieber „aufgenötigt“ schreiben.

By the way: Die werkseitig ausgelieferten Brücken werden der hohen Qualität der Classic 1/2 nicht gerecht, unter anderem hört man es am weniger gut integrierten Hochton. Leider habe ich nur diverse Bi-Wiring-Brücken in meiner HiFi-Krams-Kiste und musste daher am Terminal unserer Gäste „mischen“. Klingt trotzdem schon besser. Aber es geht noch besser. Nämlich am besten mit echtem Tri-Wiring – oder zumindest mit echten Tri-Wiring-Brücken wie den Epic Tri-Wire (449 Euro) von Chord Company, die ich für sämtliche Hörrunden nutzte. Dankenswerterweise werden diese hierzulande ebenso wie Spendor vom renommierten Drei-H-Vertrieb aus Hamburg distribuiert. Testen Sie das Ganze beim Händler einfach mal selbst an.

Tri-Wiring-Brücken Epic Tri-Wire von Chord Company
Die ab Werk montierten Tri-Wiring-Brücken sehen zwar vertrauenerweckender aus als übliche Blechbrücken, tun aber weder der harmonischen Integration des Hochtons noch einer akkuraten Basswiedergabe gut. Die Hörrunden im Test erfolgten daher ausschließlich mit den hier abgebildeten Tri-Wiring-Brücken Epic Tri-Wire (449 Euro) von Chord Company

Aber ich bin vom Kurs abgekommen: Warum Tri-Wiring, liebe Spendorianer? „Letztendlich gefällt uns, dass diese Option für den Kunden stets verfügbar ist, wenn er sie wünscht. Wir verstehen, dass diese Funktion möglicherweise nicht ständig genutzt wird, aber sie ermöglicht Audiophilen, die sich in diesen Bereich vertiefen möchten, volle Flexibilität beim Soundsystem.“ Heißt: Die Spendor Classic 1/2 sollen optimierungsfreudige Hörer also zum Ausreizen des Klangpotenzials animieren – ein legitimer Ansatz, der allerdings eben auch mit etwas Mühe und womöglich Kosten einhergehen kann. Okay.

Rein, weich, agil – die Treiber der Spendor Classic 1/2

Bevor wir uns an die Startlinie des Hörparcours begeben, wie versprochen noch ein paar Worte zu den hausgemachten Treibern unseres Drei-Wege-Lautsprechers: Die 15-cm-Membran des Mitteltöners besteht aus einem proprietären Polymer, das Spendor serienübergreifend einsetzt und für seine Massearmut bei gleichzeitig hoher Dämpfung schätzt. Das Thermoformen der Membranen wird ebenfalls inhouse erledigt. Letztlich soll das von Spendor „EP77“ getaufte Polymer einen „reinen, weichen, aber agilen Klang“ zeitigen, der besonders gut im Mitteltonbereich funktioniere. Und das ist auch wichtig, denn die Mittenwiedergabe zählt ja bekanntlich zu den Kernkompetenzen der Engländer – und mithin zu den Gründen, warum sich Kenner solche Lautsprecher kaufen. Der 22-cm-Tieftöner ist noch klassischer bestückt: Hier schwingt eine gedämpfte Papiermembran. Deren inverser Dom auf Kevlarbasis stellt hingegen eine Besonderheit dar. Er soll die gesamte Membran steifer und stabiler halten, gerade bei der Wiedergabe tiefer Frequenzen ein offenkundiger Vorteil, da hier ja auch schon einmal gröbere Kräfte walten.

Spendor Classic 1/2: Hörtest & Vergleiche

Wunder gibt es immer wieder. Und Überraschungen auch. Hätte ich vor den Hörrunden tippen müssen, wie die Spendor Classic 1/2 klingen … ich wäre so ziemlich auf dem falschen Dampfer unterwegs gewesen.

Die Spendor Classic 1/2 auf dem optionalen Ständer von Spendor
Die Spendor Classic 1/2 spielen bei uns auf den optionalen Original-Ständern (1.690 Euro/Paar) von Spendor. Fußseitig kommen Audioplan Antispikes statt der mitgelieferten Metallspikes zum Einsatz

Nur knapp vertippt: die Räumlichkeit

Bei der Räumlichkeit hätte ich mich allerdings nur knapp vertippt. Denn schon meine Spendor Classic SP100R2, die ich vor vielen Jahren einmal besaß, gingen das Thema Räumlichkeit so akkurat und schlüssig an, dass man es mit Blick auf die Lautsprecher vielleicht gar nicht erwartet hätte. Da hatte bestimmt der sehr breitbandig eingesetzte Mitteltöner – typisch für viele Spendor-Entwicklungen, auch aus der D-Serie – ein Wörtchen mitzureden.

Tim Berne Yikes TooFür die Spendor Classic 1/2 gilt dieses Argument allerdings nicht: Der Mitteltöner übergibt schon bei für Drei-Wege-Systeme handelsüblichen 2,7 kHz an den Hochtöner (bei der aktuellen Classic 100 sind es 3,6 kHz). Trotzdem zählt die Räumlichkeit zu den Highlights der Classic 1/2, die mir als Erstes angenehm ins Ohr fallen. Und das vor allem bei akustischer Musik. Ja, experimenteller Jazz à la Portico Quartet aus England, Peloton aus Norwegen oder Musik des amerikanischen Saxophonisten Tim Berne (Album: Yikes Too) lässt mich gleich doppelt aufhorchen. Zum einen wegen der kreativen Experimentierfreude der Musiker samt besonderer Sounds, zum anderen, weil die Spendor gerade bei solcher Musik mit einem Realismus aufwarten, der mich begeistert – und mich selbst meine Wilson SabrinaX sowie einige deutlich teurere Lautsprecher, die ich in letzter Zeit zu Gast hatte, leicht vergessen lässt.

Das Gehäuse der Spendor Classic 1/2 i der Nahaufnahme
Kein Test, in dem nicht auf die „dünnen Wände“ der Gehäuse hingewiesen wird – sie gehören schlicht zum Konzept solcher Lautsprecher. Hochdichte Faserplatten (HDF) und gezielte Verstrebungen sind dafür ebenso elementar wie das besondere interne Dämpfungssystem, bei dem entlang der Innenwand hochdämpfende Bitumenpolster sitzen, um Plattenresonanzen zu absorbieren. Die Versteifung der Gehäuse sorgt zudem für eine Erhöhung der Resonanzfrequenz, die dadurch leichter absorbiert werden kann

Ja, wenn man von der Bühnenhöhe einmal absieht, die nicht weit über die obere Boxenkante hinausgeht, ist die räumliche Abbildung – ich übertreibe nur wenig – ein Traum: Einzelne Instrumente positionieren sich nicht nur ortungsscharf, sondern verströmen eine besondere Kohärenz, die sie besonders plastisch in meinem Hörraum virtualisiert. Nicht zuletzt Transienten beziehungsweise einzelne Percussionsounds bekommen dadurch etwas ungemein Realistisches mit auf den Weg. Sie wirken so, als wären sie tatsächlich leibhaftig in meinem Raum entstanden und nicht bloß reproduziert – sodass ich beim Hören wiederholt aufmerken muss.

Bestimmt zahlt darauf auch die tolle Tiefenstaffelung ein. Ein Kriterium, das ich beim Hören sonst nicht unbedingt weit oben auf meiner Prio-Liste habe. Doch die Spendor Classic 1/2 zählen tatsächlich zu den wenigen Lautsprechern, die mich auf dieses Talent geradezu stoßen beim Hören: „Schau mal da, wie der Hall des Saxophons von der Rückwand des Aufnahmeraums reflektiert wird.“ Großes Kino.

Bei alldem gerät die Ablösung des Klangbilds nach vorne Richtung Hörer so, wie ich das von vielen anderen Lautsprechern her kenne: nicht auf der Grundlinie klebend, aber auch nicht offensiv auf dem Schoß des Hörers stattfindend. Eine Extraerwähnung verdient der vergleichsweise deutliche Raum zwischen einzelnen Instrumenten, die dadurch schön definiert auf Abstand gehalten werden – was bestimmt mitverantwortlich für die schöne Plastizität ist. Aber auch auf einem kleinen Trick beruht, den sich die Spendor Classic 1/2 herausnehmen. Dazu später mehr.

Die unteren Verstrebungen des Ständers der Spendor Classic 1/2
Der original Spendor-Lautsprecherständer ist zwar bewusst massearm konzipiert (Stichwort: Energiespeicherung), aber dennoch rigide, dafür sorgen nicht zuletzt die unteren Verstrebungen

Den Instrumenten am Rockzipfel – die Dynamik

Okay, aber gemütlich ist unser ebenso altehrwürdiger junger Klassiker schon unterwegs? Dynamisch kommt da eher Limousinen- als Sportwagenfeeling auf? Nö.

Die schnelle Dynamik der Classic 1/2 hört man schon mit den oben genannten Alben gut heraus, zumal ich glaube, dass diese Spurtreue bei Pegelan- und -abstiegen eine der Voraussetzungen für die tolle Räumlichkeit ist, da sie en passant die grundsätzliche Definition von Instrumenten und insbesondere auch Impulsen befördert: Ob Hang Drum, Piano oder Saxophon, ob eher kurze Impulse, perlende Läufe oder sanfte Variationen – die Spendor Classic 1/2 hängen groben wie feinen Pegelveränderungen quasi am Rockzipfel. Mit ein Grund dafür, dass man dem Sound der 1/2 mit Fug und Recht das Adjektiv „knackig“ attestieren darf.

Animals as Leaders WeightlessSelbst der 22er-Basstreiber, den ich in dieser Sache als Schwachpunkt im Drei-Wege-Konzept gesehen hätte, macht grobdynamisch einen guten Job und bringt in die extrem gehaltvollen, gleichwohl rein instrumentalen und virtuosen Sounds der amerikanischen Progressive-Metaller Animals as Leaders (Album: Weightless) so viel zackige Kontur, dass man gerade bei hohen Lautstärken einen Höllenspaß hat und gleichzeitig buchhalterisch die trockenen 16tel-Bassdrumschläge akkurat einzeln abzählen könnte, wenn man denn möchte.

Als ziemlich hörspaßförderlich empfinde ich zudem, dass der Bass der Spendor nicht nur rechtschaffen knackig tönt, sondern auch einen tollen Druck entwickelt. Grobdynamik lebt ja gefühlt nicht nur von der Geschwindigkeit, mit der Impulse übermittelt werden, sondern auch davon, dass Klangmasse bewegt wird, dass Wumms vermittelt wird. Und hier sind wir unterm Strich auf einem Niveau, das sich selbst vor spielfreudigen Standlautsprechern dieser Klasse nicht verstecken muss: Kick it like Spendor Classic 1/2!

Hallo, Klischee – satter Bass?

Der Basstreiber der Spendor-Classic 1/2 mit Papiermembran und einem Dom auf Kevlarbasis
Der inhouse gefertigte 22-cm-Basstreiber der Spendor-Classic 1/2 mit Papiermembran und einem Dom auf Kevlarbasis

Klar: In Sachen Definition und Leichtfüßigkeit der Tieftonwiedergabe legen meine Wilson SabrinaX noch einmal hörbar einen drauf und muten überdies etwa bei der schlackenlosen elektronischen Bassdrum auf Clock DVAs „Final Program“ noch reiner und unverfärbter an. Ich meine, dass man hier klangfarblich das Membranmaterial oder vielleicht auch die Bassreflexöffnung der Spendor Classic 1/2 ein wenig durchhört. Aber hier sind meine deutlich teureren Wilson SabrinaX eben auch in ihrem Metier.

Überraschen mag den einen oder anderen, dass man nicht sagen kann, die Classic 1/2 verfügten über einen tonal merklich angehobenen Bass. Meine alten SP100R2 waren hier sicherlich dominanter. Ich würde den Mid- und Oberbass unterm Strich als eine Spur – wirklich nicht mehr – praller als Normalnull einordnen. Ohne wirklich künstlich anzudicken, wird so ein Tick zusätzliche Emotionalität befördert.

Zumal die Spendor Classic 1/2 auch in Sachen Tiefgang gut abliefern. Drum-and-Bass-Tracks geraten in manchen Passagen zwar nicht so abgründig wie über manche größere Standlautsprecher, aber das will auch nicht das Kaufargument für die Spendor Classic 1/2 sein. Die letzte Handbreit an echtem Tiefbass braucht schlichtweg größere Gehäuse oder aktive Elektronik.

Das Tri-Wiring-Terminal der Spendor Classic 1/2 mit Tri-Wiring-Brücken Epic Tri-Wire von Chord Company
Das Tri-Wiring-Terminal der Spendor Classic 1/2 mit Tri-Wiring-Brücken Epic Tri-Wire von Chord Company

Dennoch empfinde ich das Gesamtpaket aus Bassdruck, hoher Pegelfestigkeit (partytauglich) und Tiefgang unterm Strich als sehr attraktiv: Es mangelt an nichts. Das übliche Kompaktlautsprecherniveau lassen die offiziell „kompakten“ Classic 1/2 deutlich hinter sich, und der Hörer darf sich über ein erwachsenes, grobdynamisch packendes, nach großen Lautsprechern tönendes Klangbild mit ordentlich Fleisch am Spieß freuen, mit dem sogar Drum and Bass oder Step Dub Spaß macht. Für handelsübliche Rock- und Popmusik reicht es sowieso allemal …

Wichtig: Mein Lautsprecherpärchen hatte zwar wohl schon den einen oder anderen Testlauf hinter sich, spielte sich aber mindestens noch hundert weitere Stunden ein. Gerade der Bass profitierte: Pegelseitig nahm er ab und domestizierte sich tonal zunehmend, in Sachen Tiefgang legte er hingegen zu.

Brüder im Geiste: Mitten & Höhen

Ich wollte ja noch einmal auf das Thema „Knackigkeit“ (da fällt mir ein, dass ich vor dem Sommer unbedingt noch etwas für meine Figur tun muss) zu sprechen kommen. Denn der Hase liegt noch woanders im Pfeffer: nämlich im Mittelhochtonbereich, den ich hier gerne in einer Rutsche beleuchten möchte, so kohärent, so aus einem Guss wirkt er.

Burial UntrueDie flotte Dynamik hatte ich oben ja schon gelobt – sie gilt ganz ausdrücklich auch für Mitten und Höhen. Doch auch die Transparenz kann sich sehen lassen: Gerade die Offenbarung und Differenzierung einzelner Klangereignisse gelingt extrem gut. Hier geht Auflösung Hand in Hand mit der bereits beschriebenen tollen Räumlichkeit. Mit den Spendor Classic 1/2 kann man die Wall of Sound eines dichten Post-Metal-Tracks (meine All-time-Favourites: Isis) oder facettenreiche Elektronik (z. B. Burial, „Etched Headplate“, Album: Untrue) als Ganzes genießen und sich im Geschehen herrlich verlieren. Aber ebenso erfolgreich versuchen, in diesen Wimmelbildern Einzelheiten wie die Snare, Hi-Hat oder ein unscheinbares Sample aufzuspüren.

Die 1/2 haben ein tolles Händchen sowohl fürs große als auch fürs kleine Bild. Mit dieser Sowohl-als-auch-Kompetenz schlagen sie wohl fast alle handelsüblichen Kompaktlautsprecher (großes Bild) sowie eine Menge Standlautsprecher in der Unter-10k-Euro-Klasse (kleines Bild).

Die 15-cm-Mitteltöner-Membran der Spendor Classic 1/2 besteht aus einem proprietären Polymer
Die 15-cm-Mitteltöner-Membran der Spendor Classic 1/2 besteht aus einem proprietären Polymer

Zwei Eigenheiten gönnen sich die Spendor Classic 1/2 aber schon:

Wenngleich ich Stimmen und Instrumente von den ersten Hörrunden an als tadellos sonor und fundiert empfunden habe, muss sich irgendwo im Bereich des Grundton- oder unteren Mittenbereichs ein kleiner Dip im Frequenzgang verstecken und weiter oben in den Mitten womöglich ein kleiner Peak. Vor allem bei manchen Tonlagen von Handtrommeln (pegelseitig etwas zurückgenommen) oder beim Volumen von Akustikgitarrenakkorden (ein Tick weniger voluminös-körperhaft) fällt mir das leicht ins Ohr. Sicherlich ein bewusster, keineswegs unüblicher Trick der Entwickler, um die überdurchschnittlich knackige, griffig-direkte Mittenwiedergabe und die vereinnahmende Räumlichkeit hörpsychologisch zu befördern – und mithin eine Geschmackssache.

Dass der Hochton straight und eigentlich auch tadellos luftig bis in den Superhochton durchzieht, kann man sich nach dem bisher Gesagten eigentlich schon denken: Die Spendor Classic 1/2 wirken hier wie saubere, aber nicht überzogene Studiomonitore. Keineswegs romantisch, vielmehr definiert und offen – aber eben nicht die Bohne künstlich silbern, gläsern oder scharf, sondern absolut unbedenklich langzeittauglich.

Polklemme am Tri-Wiring-Terminal der Spendor Classic 1/2

Trotz ihrer Offenheit scheinen die Classic 1/2 die ätherischen Obertonwölkchen, die Aura oder den „Bloom“, der Stimmen und Instrumente ummantelt, etwas auszusparen – ja, ich weiß, das liest sich wie ein Widerspruch, hört sich aber so an. Wer beispielsweise einmal die in dieser Sache absolut mustergültigen, diamantenhochtönerbewehrten AudiaZ Opera Riva Diamond gehört hat, die im Superhochton übrigens keineswegs überprägnant tönen, weiß genau, wie sich extrem fein ausgearbeitete Obertonstrukturen anfühlen.

Und genau: Die diesbezügliche Zurückhaltung der Spendor nimmt ein bisserl Lockerheit und Subtilität aus dem Klangbild, befördert aber dafür das direktere, griffige Hörgefühl und die klarere, weniger diffuse Räumlichkeit – und damit genau die Highlights dieser britischen Lautsprecher.

Nicht zuletzt aufgrund der Hochtonqualitäten geht vom Klangbild der Classic 1/2 für meine Ohren dann auch ein Flair aus, das trotz der straighten Höhen nicht das Geringste mit „metallisch schimmernd“ zu tun hat. „Frisch-holzig“ schießt dem Synästhetiker schon eher in den Sinn, wenn er mit den Spendor hört. Ihrer Optik und dem klassischen Erbe steht das ja irgendwie auch bestens zu Gesicht.

Die Spendor Classic 1/2 mit aufgesetzter, magnetisch haftender Frontabdeckung
Die Spendor Classic 1/2 mit aufgesetzter, magnetisch haftender Frontabdeckung

Billboard


PREMIUM-HÄNDLER, die Spendor führen

Keine Ergebnisse

Zur Fairaudio-Händlersuche

Leserbrief

    Hier gelangen Sie zu unserer Datenschutzerklärung.