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Man kennt ja den guten alten Spruch: „Nur der Kleingeist hält Ordnung, das Genie beherrscht das Chaos“. So sehr das auch nach Kaffeetassenweisheit oder drögem Bürohumor klingt, ein Körnchen Wahrheit steckt vielleicht doch dahinter: Denn ein bisschen was Genialisches umflort ihn schon, den Eidgenossen Martin Gateley, seines Zeichens Kopf und Chefentwickler der kleinen Manufaktur Soundkaos (deutscher Vertrieb: https://www.nortus-audiotronic.de/). Sonst würde er es wohl nicht schaffen, ein Dreiwegesystem wie das der VOX 3 A (12.950 Euro) mit vier Treibern ausgerechnet in ein waschechtes Bonsai-Gehäuse einzubauen. Und dann auch noch so, dass das am Ende nicht chaotisch, sondern ganz vorzüglich und im besten Sinne besonders klingt. Doch greifen wir nicht vor; der Reihe nach!
Das Portfolio von Soundkaos ist klein, aber fein und noch dazu ungewöhnlich: Vier Lautsprecher (hier mehr dazu) hat Gateley im Portfolio, wovon der kleinste, die VOX 3, in mehreren Varianten erhältlich ist. In einem wahrhaft schnuckeligen Massivholzgehäuse (170 x 350 x 240 Millimeter – BxHxT) musiziert ein Quartett aus zwei Tieftönern, einem Breitbänder sowie einem Bändchen-Superhochtöner. Angesichts der Abmaße dürfte auch Laien schnell klar werden, dass diese vier Treiber wohl kaum klassisch auf ein- und derselben Schallwand angeordnet sein können.
Dreh- und Angelpunkt: der maßgefertigte Breitbänder
Und so ist es auch: Die zentrale Rolle – wenn wir mal den abzudeckenden Frequenzbereich als Maß heranziehen – spielt ein Richtung Hörer gerichteter Breitbänder. Der stammt in der preisgünstigsten Variante VOX 3 F (8.450 Euro/Paar) vom taiwanesischen Hersteller Tang Band, der in Selbstbau- und Breitbänder-Freundeskreisen einen Ruf wie Donnerhall genießt – und nächstes Jahr bereits sein 30-jähriges Firmenjubiläum feiert; irgendwas müssen die Jungs offenbar richtig machen. Zumindest sagt man ihnen ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis nach.
Doch das soll heute nicht weiter von Belang sein, denn mir steht die Soundkaos VOX 3 A (12.950 Euro) zur Verfügung – und hier stammt der Breitbänder eben nicht aus Fernost, sondern vom in Baden-Württemberg ansässigen Hersteller Galm Audio, was nicht nur der Lieferkettenstabilität dienlich ist. Denn echte Hifi-Kenner schnalzen hier mit der Zunge: Galm Audio ist ein Hidden Champion. Das Unternehmen entwickelt sehr spezielle Treiber, unter anderem für Suesskind Audio (Joachim Gerhard), Odeon Audio und Backes & Müller – und scheint davon so gut leben zu können, dass man nicht mal eine eigene Homepage für nötig hält: Respekt! Der 11-cm-Breitbänder, der hier zum Einsatz kommt, ist eine Sonderanfertigung für Soundkaos. Er kommt mit einem Chassiskorb aus Bronze, einer Papierfasermembran französischer Provenienz, einer Papiersicke und einem Alnico-Antrieb. Martin Gateley rühmt an diesem Materialmix und Aufbau vor allem eines: außerordentlich geringe Eigenresonanzen und überdurchschnittlichen Detailreichtum. Der Arbeitsbereich des Breitbänders ist, wie es sich gehört, recht umfassend: Er deckt das Frequenzspektrum von 200 Hertz bis 18 Kilohertz ab.
Aus der Tiefe bis ganz nach oben: Karbonmembran meets Bändchen
Den Hörbereich ab 200 Hertz abwärts erweitern zwei seitlich montierte und im Back-To-Back-Betrieb laufende 13-cm-Woofer. Auch diese stammen von Galm Audio. Die klassisch-dynamischen Lautsprecher kommen mit Karbonmembran und Neodym-Antrieb und werden mit 12 dB Flankensteilheit an den Breitbänder angekoppelt. Könnte man sich damit nicht begnügen? Rein messtechnisch würde die Soundkaos VOX 3 A auf diese Weise von 37 Hertz bis 18 Kilohertz spielen. Natürlich nicht. Und so finden wir auf der Oberseite der VOX 3 A noch ein Bändchen des serbischen Herstellers RAAL, das erst ziemlich spät, nämlich bei 15 Kilohertz „reinkommt“. Durch die Anbringung auf der Gehäuseoberseite, so das Kalkül, könne zum einen die Abstrahlcharakteristik noch weitreichender gestaltet werden, zum anderen werde der Breitbänder obenrum entlastet, sodass er sich seinem Hauptarbeitsbereich, dem klassischen Hörbereich, umso ungestörter widmen könne. Noch dazu sieht das irgendwie cool aus, wobei jemand, dessen Namen ich hier verschweigen möchte und der neulich bei mir zu Besuch war, tatsächlich meinte, da oben sei ein Aschenbecher auf dem Lautsprecher montiert. Banause!
Klangskulptur aus Massivholz
Technisch-konzeptionell ist das jetzt schon recht besonders, aber es geht noch weiter – man schaue mal auf die Fotos. Die Soundkaos VOX 3 A kommt in einer sehr ungewöhnlichen Gehäuseform, denn das untere Gehäusedrittel weist von der Front bis zur Unterseite hin eine sehr sauber ausgeführte Rundung auf. Schnell wird klar, dass man mit Standard-Stativen hier wenig Freude haben wird, denn wackelfreie Aufstellung wäre damit nur schwer möglich. Aus diesem Grund gibt es natürlich passende Ständer aus dem Hause Soundkaos – und zwar wahlweise aus Holz oder Metall. Diese sind erfreulich einfach zu montieren und auch recht geschickt ausgeführt: Sie werden direkt mit dem Lautsprecher verschraubt – und auf der Richtung Hörer zeigenden Traverse ist eine Art Gummi-Nupsi montiert, der die Lautsprecher geschickt etwas nach oben hin ausrichtet und zugleich einen entkoppelnden Effekt hat. Der Zweck dieser „Schräglage“ ist klar: Der Breitbänder soll trotz des kleinen Boxenformats und der relativ niedrigen Ständer genau auf Ohrhöhe spielen.
Anders als andere Hersteller setzt man bei Soundkaos auch nicht auf MDF oder HDF, sondern auf Massivholz: Das ist gewissermaßen historisch bedingt, denn Martin Gateley erzählt mir am Telefon, dass die Holzverarbeitung inzwischen fast schon in der DNA der Familie liege. Sein Großvater hatte eine Sägerei und sein Onkel eine Schreinerei. Außerdem sieht Gateley es als klaren Vorteil, dass Massivholz Resonanzen und Schwingungen sehr schnell abbaut. Als Beispiel führt er an, dass ein 25-Millimeter-Kubus aus Fichtenholz mehr als drei Millionen mikroskopisch kleine Löcher aufweise, die Schwingungen höchst effizient absorbierten. Bei dichteren Materialien wie MDF und HDF, so Gateley weiter, müssten Resonanzen im Material hin und her schwingen und könnten darob viel langsamer über die Zeit abgebaut werden. Übrigens auch ein Grund dafür, dass die Deckseiten von Violinen üblicherweise aus Fichtenholz gebaut werden. Und wer die Wahl hat, hat die Qual: Soundkaos bietet gleich acht Massivholzvarianten an: Die Basis bieten die Hölzer Walnuss, Kirsche, Esche und Eiche, wobei Esche und Eiche wiederum in unterschiedlichen Farben geordert werden können.
Womit wir zur Verarbeitung kommen: Die ist, wie nicht anders in der Preisklasse zu erwarten, spektakulär gut. Die Gehäuse werden vierschichtig hergestellt, wobei die Innenprofile auf der CNC-Maschine als Halbschalen gefräst und dann miteinander verleimt werden. Ganz am Schluss werden dann noch die Ausschnitte für Treiber und Terminals von außen herausgefräst. Das erfordert reichlich Sachkenntnis und Erfahrung, aber auch einen entsprechenden Maschinenpark – das alles sollte man Soundkaos also nicht so schnell nachmachen können. Im Ergebnis zeigt sich die Soundkaos VOX 3 A als ziemlich kleine, aber sagenhaft feine Klangskulptur.
Mehr Technik, please?
Das sind nur die wichtigsten Details – und ich könnte noch seitenweise weiterschreiben über die Genese dieses ungewöhnlichen Schallwandlers. Wahrscheinlich möchten Sie so langsam aber auch wissen, wie das alles klingt. Aus diesem Grund verweise ich auf die Ausführungen von Srajan Ebaen – er ist Chefredakteur des mit fairaudio freundschaftlich verbundenen Magazins 6moons.com und hat sowohl die Entwicklung der VOX 3A als auch der VOX 3F ebenso ausführlich wie sachkundig begleitet. Sollten Sie sich also für einen geziemenden Technik-Deep-Dive interessieren, dann empfehle ich dringend die Lektüre beider Texte.
One more thing
Eine letzte Info bin ich Ihnen aber noch schuldig, bevor es in den Klangteil geht. Denn es gibt auch noch neben unserem Probanden VOX 3A die VOX 3 AFW (14.950 Euro). Die letztgenannte ist mit einem ganz besonderen Gimmick ausgestattet, nämlich einer avancierten Innenverkabelung mit dem „LessLoss C-Marc“-Kabel sowie einem passiven „LessLoss“-Filter, das zwischen Anschlussterminal und Frequenzweiche liegt. Auch hierüber könnte man locker einen eigenen Bericht schreiben, denn es handelt sich dabei um eine recht ungewöhnliche und möglicherweise ins Esoterische lappende Tuning-Maßnahme in Form eines passiven Filters, der einen noch kontrastreicheren Klang mit sich bringen soll. Martin Gateley hat mir dankenswerterweise eine extern zu verkabelnde Version dieses Filters mitgeliefert, sodass ich testhalber meine 3A in eine 3 AFW „verwandeln“ kann. Was ich damit erlebt habe, schildere ich am Schluss des Artikels.
Nun aber in die Praxis!
Soundkaos VOX 3A – Klangtest & Vergleiche
Eines haben Sie sich wahrscheinlich schon gedacht: Die Soundkaos VOX 3A ist keine Generalistin. Das will sie auch nicht sein, denn Martin Gateley sagt achselzuckend: Den Kampf gegen Großserienhersteller, die im Sechsmonatstakt neue klassische „Schuhkartons“ herausbringen, wolle und könne er auch gar nicht aufnehmen. Ihm sei es bei der Entwicklung vielmehr um ein exquisites Klangerlebnis gegangen. Wenn Sie also auf Tiefbassimpulse stehen, die donnernd in die Magengrube fahren, können Sie die Lektüre dieses Texts theoretisch gleich abbrechen – das kann die kleine VOX 3A nämlich nicht. Beziehungsweise daran verhebt sie sich, wenn man merklich über Zimmerlautstärke hinausgeht. Die gute Nachricht: Dafür kann sie eine Menge anderer Dinge, die umso verführerischer und faszinierender sind.
Vorsicht, Gegenverkehr: Die Räumlichkeit
Aus diesem Grund beginnen wir diesen Text auch mit einer Disziplin, die nicht selten erst „weiter hinten“ beleuchtet wird: der Räumlichkeit. Ja, was die Soundkaos VOX 3A hier abliefert, kann man guten Gewissens als spektakulär bezeichnen. Wenn, ja, wenn man sich die Mühe der korrekten Aufstellung macht. Das Interessante ist: Es klingt bei fast jeder Aufstellung „mehrheitsfähig“, aber wenn man genau die richtige Positionierung gefunden hat, wird’s geradezu magisch. Die kleine Schweizerin zeigt außerdem ein etwas ungewöhnliches Verhalten. Normalerweise ist es ja so, dass die gefühlte Räumlichkeit immer größer und beeindruckender wird, je weiter man die Boxen horizontal auseinanderzieht. Man erkauft sich damit natürlich zuweilen ein gewisses „Mittenloch“ beziehungsweise eine nicht mehr ganz so akkurate Mittenmanifestation. Bei der VOX 3A ist es anders: Hier kann es durchaus sinnvoll sein, die beiden Exemplare nicht zu weit auseinanderzustellen. Ja, die Tiefe des Raums kann durchaus zunehmen, wenn man die Boxen etwas näher zusammenrückt – ohne dass die empfundene Raumbreite sich einengt. Am Ende bin ich bei einem seitlichen Abstand von anderthalb Metern (zwischen beiden Boxen) und einem Hörabstand zwischen Hörsessel und Boxengrundlinie von zweieinhalb Metern gelandet, so war es perfekt.
Als ich Kraftwerks ikonisches Stück „Autobahn“ starte, bin ich richtig geflasht: Es beginnt ja mit dem Geräusch eines Anlassers, ein Motor startet, dann fährt das Auto davon. Und über die Soundkaos VOX 3A möchte ich fast auf die Couch springen, um nicht überfahren zu werden! Das Auto scheint wirklich von rechts unten nach links oben durch den Hörraum zu brausen. Nun könnte man meinen, die VOX 3A sei eine Art Effektgerät, das ist sie aber nicht! Sie kann verrückte Effekte, die auf der Aufnahme sind, aber kongenial abbilden – bei „normaler“ Stereofonie dichtet sie hingegen nichts hinzu. Bei Radioheads Stück „Codex“ zum Beispiel erzeugt sie eine sensationelle Raumtiefe – als wenn die hintere Wand des Hörraums einfach verschwindet und man freien Blick nach draußen hat – und nagelt Sänger Thom Yorke hyperplastisch in der Stereomitte fest, während später die Flügelhörner deutlich außerhalb der sichtbaren Grundlinie blasen.
Und bei einer Live-Orchesteraufnahme (Richard Wagner: Rienzi Ouvertüre, Metropolitan Opera Orchestra) zeigt sich ein stupendes Gefühl, dabei zu sein – denn das Einatmen der Bläser vor ihrem Einsatz, der Schwung des Dirigentenfracks (swoosh!), das Knarzen der Stühle: Alles das wird so authentisch mit seinen entsprechenden (wenn auch sehr leisen) Hallanteilen im Raum wiedergegeben, dass man sich glaubhaft vor Ort wähnt. Ganz ehrlich: In einer derartig in den Bann ziehenden Ausprägung habe ich das Thema Räumlichkeit bisher bei keinem anderen Lautsprecher gehört – das hier ist allererste Sahne! Da kommt nicht mal eine Harbeth P3ESR-XD2 mit, die ich ansonsten nachgerade stilprägend finde, wenn es um immersive Raumerlebnisse geht. Mit isoliertem Blick auf die reine Ortungsschärfe – also die millimetergenaue Ortbarkeit von Schallquellen jenseits immersiver Raumklangerlebnisse – ergibt sich ein Bild, das mir der Preisklasse absolut angemessen erscheint, aber auch nicht deutlich drüber hinauslugt: Aktive Konzepte von Genelec mit vergleichbarem Preisschild zeichnen hier womöglich noch etwas exakter mit Laser und Millimeterpapier – was allerdings manchmal auch etwas statisch oder auch überanalytisch klingen kann und somit nicht zwingend jedem schmecken muss.
Mit Spannkraft: der Bass
Ich erwähnte es eingangs: Die Soundkaos VOX 3A kann keinen echten Tiefbass. Sie müht sich zwar redlich, schickt aber bei elektronischen Subbass-Bassdrums mit Staccato-Impulsen (z.B. bei einigen überproduzierten Billie-Eilish-Tracks) parallel auch schon mal ein kleines Strömungsgeräusch („Zwitschern“) aus dem Bassreflexkanal mit – allerdings nur, wenn man zu arg am Lautstärkeregler dreht. Bei Zimmerlautstärke hingegen gibt sie ein sauber grundiertes Fundament, bei dem man angesichts eines Kompaktlautsprechers nichts vermisst – und macht bei Subbass-Tönen zumindest noch den „genetischen Fingerprint“ des Basses hörbar. Wenn beispielsweise in Radioheads „How to disappear completely“ (Album: Kid A) die permanent umherwandernde Bassfigur ein gewisses Unbehagen sät, dann erntet man das auch beim Hören und erlebt ganz eigentümlich-melancholische Stimmungen. Und wenn der Bass bei der Schweizerin auch nicht allzu tief heruntergeht, so zeigt er auf der anderen Seite erstaunlich viel Spannkraft und Agilität. Er ist also weniger sonor-saftig, sondern involvierend sportlich, sprich sehnig-flink.
Ausnehmend allürenfrei: die Mitten
Beim Mittenband erfreut mich sehr, dass dieses komplett ohne Näseleien daherkommt, wie ich es von vielen, auch teuren Breitbandkonzepten kenne. Das hat Gateley geschickt gelöst, indem er dem Treiber zwischen 1 und 2 Kilohertz ein kleines, aber effektives Notchfilter über die Frequenzweiche angedeihen lässt. So klingt es wirklich herrlich bruchlos – was ich gerne mit Hammondorgelmusik abprüfe. Man nehme Jimmy Smiths Album The Cat und das Stück „Delon’s Blues“: Hier zeigt sich die Orgel über die Soundkaos VOX 3A in Topform: Vom sanft tremolierenden Grundton über die leichte heisere Rauchigkeit in den mittleren Lagen bis hin zum beißenden Diskant, insbesondere, wenn Mixturen hinzu registriert werden. Noch dazu lässt sich das gewollte und langsam ansteigende Klirrspektrum bei zunehmendem Durchtreten des Volume-Pedals bis hin zum saftigen „Growl“ perfekt nachvollziehen – und natürlich auch der leise, aber eben vorhandene Key Click oder die leicht klirrenden „Percussion“-Effekte. Alles da, alles an der richtigen Stelle.
Ebenso kann man aber auch ohne jede Schwierigkeit im ersten Anlauf heraushören, dass Kraftwerk in „Autobahn“ eben nicht nur mit ihren teils selbst gebauten Synthesizern spielen, sondern dass sich auch eine echte Querflöte ins Stück hineingemogelt hat. Es erfordert tonale Akkuratesse – und natürlich auch gutes Auflösungsvermögen – solche kleinen Details herauszuschälen. Zu erwähnen ist vielleicht noch zur Qualität, dass dem Mittenband der Soundkaos VOX 3A stets eine gewisse Leichtigkeit und Entspanntheit innewohnt, sie verzichtet – anders als beispielsweise der ein oder andere klassische englische Monitor – im Sinne unbeschwert-sachlicher Reproduktion auf romantisch-üppige Klangfarbenwärme.
Monitoresk: der Hochton
In den Höhen zeigt sich ein ähnliches Bild: Hier gerät die Abbildung geradezu monitoresk-straight. Eher abgedunkelte Tracks (Steely Dan / Aja) werden nicht künstlich mit Neonlicht bestrahlt – und wenn es auf der Aufnahme mal richtig im Hochton beißt, dann hält die VOX 3A damit nicht hinterm Berg. Es ist ein Genuss, The Police im Track „Wrapped around your finger“ zuzuhören: Wenn Stewart Copeland im Refrain mit aller Kraft auf die Snare ballert und dazu parallel mit der anderen Hand noch ein Crashbecken drischt, dann kommt richtig ein Luftzug im Raum an – das ist „direct to ear“, wie ich es mag. Eine grundlegende Tendenz ist hier übrigens im Hochton nicht zu erkennen, es ist grundsätzlich perfekt ausbalanciert und kippt zu keiner Seite ins mellow-güldene oder spitz-silberne. Wenn er das tut, dann weil es so auf der Aufnahme zu hören ist. Qualitativ setzt sich auch hier das Bild der Mitten fort: Der Hochton ist trotz seiner ungebremsten Natur nie scharf, nie beißend, sondern eher feinstofflich – wenn auch nicht gleich engelsgleich ätherisch. Ja, Bling-Bling ist die Sache der angenehm allürenfreien Soundkaos VOX 3A grundsätzlich nicht.
Vorsicht, Bläserattacken: Dynamik und Timing
Eins steht fest: Die Soundkaos VOX 3A ist richtig flink und kann (von den Limitationen im Bass gesehen) aus dem Stand Vollgas geben. Als ich den oben erwähnten Jimmy-Smith-Track höre, zucke ich regelrecht zusammen: Nach einem eher ruhigen Einstieg (ich drehe also auch schön laut) kommen irgendwann plötzlich von beiden Stereo-Seiten messerscharfe Blechbläserattacken. Zefix! Das schallert die VOX 3A dermaßen ungebremst in den Raum, dass einem leicht mal die Kaffeetasse aus der Hand rutscht. Trotzdem ist sie keine ausgewiesene Grobdynamikerin – dafür geht es im Bass dann doch etwas zu zahm zu, sowohl in Bezug auf Pegel als auch absoluten Tiefgang. Feindynamisch hingegen wird hier so abgeliefert, wie das in der Preisklasse zu erwarten ist. Das betrifft sowohl das Talent, selbst bei sehr geringen Lautstärken noch die Obertonaura von Instrumenten (Hammondorgel, Querflöte) durchzureichen, als auch die Fähigkeit, in unübersichtlichen und dicht instrumentierten Tracks noch winzige Details wie das sanfte „Tschick“ einer getretenen High-Hat mit vorbildlich akkurater Attack impulsiv abzubilden. By the way: Ausnehmendes Leisehören ist ebenfalls ein echter Genuss mit der VOX 3A.
Vorsicht, Esoterik? Exkurs
Ich hatte es eingangs versprochen: Man kann die Soundkaos VOX 3A auch noch in einer aufgebohrten Variante namens VOX 3 AFW bekommen. Zentrales Unterscheidungsmerkmal ist hier, dass passive Filter des Herstellers Lessloss zum Einsatz kommen (Link). Sie befinden sich innerhalb des Lautsprechers und sind zwischen Terminal und Frequenzweiche geschaltet. Ich bin ganz ehrlich mit Ihnen: Verstanden habe ich nicht, wie es funktionieren soll, trotzdem habe ich es natürlich probiert, indem ich die von Martin Gateley geschickten Demo-Filter außerhalb eingeschliffen habe – also zwischen dem lautsprecherseitigen Ende meines LS-Kabels und dem Terminal. Zähneknirschend muss ich zugeben: Es klingt wirklich nochmal besser. Und ich kann das auch recht gut beschreiben: Bei der exakten Ortbarkeit der Schallquellen bringt das Upgrade tatsächlich nochmal einen leichten, aber erkennbaren Zugewinn, vielleicht gerade auch deswegen, weil mir der Kontrast zwischen „Nutzsignal“ und „Hintergrund“ nochmal größer erscheint. Das ist gerade bei Klassik-Liveeinspielungen spürbar. Stellen Sie sich einfach vor, dass Sie jetzt nicht mehr in der fünften Reihe sitzen (wo sich vor Ihnen eine Dame mit hochformatigem Hut und schallschluckenden Pelz breitgemacht hat), sondern in der ersten – mit freiem Blick auf die Bühne. Ob Ihnen das den entsprechenden Aufpreis von 2.000 Euro wert ist, müssen Sie selbst entscheiden. Aber ich sage mal so: Wer schon mal bei den Bayreuther Festspielen war, der kann solche Preisunterschiede in Bezug auf die Platzwahl bereits bei dem Kauf einer einzigen Eintrittskarte erleben. Bei der Soundkaos VOX 3 AFW entrichten Sie den Aufpreis indes nur einmal und sind fürderhin noch ein Stückchen besser bedient als eh schon mit der VOX 3A.
Test: Soundkaos VOX 3 A | Kompaktlautsprecher










