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Die Sonus faber Chameleon T im Hörraum

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Sonus faber Chameleon T im Hörraum

Den Sonus faber Chameleon T liegen Metallspikes bei, für den Test kamen aber Audioplan Antispikes zum Einsatz

Mein erster Gedanke nach den ersten Minuten intensiverer Zweisamkeit mit den Sonus faber Chameleon T: „Durchaus Pfeffer im Hochton, das hätte ich von den stilvollen Italienern gar nicht erwartet.“ Im richtigen Maße Ein- oder besser Auswinkeln heißt also die Devise bei der Lautsprecheraufstellung. Direkt auf den Hörplatz ausgerichtet, wirken etwa die Becken und Hi-Hat in Peter Gabriels „Sledgehammer“ (Album: So) – zugegebenermaßen eh eine unschöne „Plastikaufnahme“ – nicht peter gabrielganz so integriert wie ich mir das wünsche. Zu stark nach außen ausgerichtet, raubt es dem Klangbild aber wiederum zu viel Luftigkeit – na ja, kein Hexenwerk, halt nach Gusto einfach ein bisserl herumrücken, irgendwann passt es. Auch der Wechsel der Lautsprecherkabel vom WSS Platin Line LS4 (hervorragend präzise, neutral, akkurat, „knackig“ wirkende Strippen) zum Audioplan SLS 9A (etwas ruhiger, fließender, weniger silbrig, sehr authentische Klangfarben) macht sich bezahlt, das Klangbild gerät noch etwas organischer. Gerade der – so würde ich meinen – untere bis mittlere Hochton mutet zwar immer noch prägnant an, aber ich vermute auch für empfindliche Trommelfelle nicht unbedingt zu scharf oder vorwitzig, zumindest wenn man mit eher sanftmütiger bis neutral-sauberer Elektronik hört.

Auflösungstechnisch ist man hochtonseitig solide ausgestattet mit den Sonus faber Chameleon T, die wohl nicht als Hochauflöser durchgehen wie etwa – wenn ich die Lautsprecher auch nicht im direkten Vergleich am Ohr hatte – die vom Kollegen Michael Bruss kürzlich getesteten, in etwa gleichteuren Quadral Chromium Style 8 mit ihren Bändchen. Aber vernuschelt, verwischt oder unter den Teppich gekehrt wird ebenso wenig.

Sonus faber Chameleon T Hochtöner

Was unbedingt auch für den Tiefton gilt – der sich beispielsweise in Downloads „Out After“ (Album: The Eyes of Stanley Pain ) bestens konturiert gibt und etwa die in kurzen Stufen abfallenden Sequenzerbassläufe präzise nachzeichnet. Und das mit involvierendem Druck. Ja, die Tieftonabstimmung der Chameleon T stellt sich als ziemlich wohlgeraten dar, eine gute Mischung aus zupackend-emotional und kraftvoll – eindeutig nach Standbox klingend -, aber nicht aufdringlich. So wirkten meine ehemaligen Spendor SP100 R2 (Mitten/Hochton-Kohärenz und Räumlichkeit eine Klasse für sich!) zwar stets angenehm sonor in den tiefen Lagen, haben es bei fetter abgemischten Titeln dafür auch gernedownlaod The Eyes of Stanley Pain mal übertrieben, was dann bei höheren Pegeln zu Resonanzen in meinem Hörraum führte – solch Unbill ist für die Sonus faber Chameleon T kein Thema. In Sachen Tiefgang geht natürlich bei großen Lautsprechern wie etwa den Spendor oder erst recht meinen Sehring 902 noch mehr, da werden auch noch abgründige Frequenzen in den Raum geschoben, die eher für unterschwellige Fülle und „Macht“ als klar definierte Töne sorgen. Aber in Anbetracht der Größe und des Preises der Chameleon T geht es absolut angemessen weit gen Süden, für die meisten Wohnzimmer wohl eine gute Balance aus raumakustischer Verträglichkeit und hinreichender Substanz.

The Coral Curse of Love„Curse of Love“ – so heißt der Opener vom gleichnamigen Album der britischen Folk-Psychedelia-Combo The Coral. Ein Song, der einen schönen, gleichsam mit viel Leere/Schwärze wie mit allerlei repetitiv wiederkehrenden Klängen (Perkussion, Streicher, Gitarre, Bass und Stimme) durchsetzten Raum aufzieht, in dem man sich herrlich verlieren kann und der – wohl gerade weil der Song nicht überdicht arrangiert ist und sich jedes Instrument hinreichend Gehör verschafft – anregt, auf Entdeckungsreise zu gehen.

Was mit den Sonus faber Chameleon T gut funktioniert, machen sie in Sachen Ortungsschärfe und Plastizität doch einen tadellosen Job. Ob kurze Licks, kleine Melodienbögen, Akkorde, perkussive Zupfer der Gitarre oder ein aufblitzendes Ridebecken und die sparsam inszenierte Snare, aber auch der mittig positionierte Sänger: Alles fühlt sich realistisch greifbar und definiert an. Richtig nach vorne, Richtung Hörplatz prescht die Abbildung zwar nicht (ich selbst stehe ja durchaus auf offensive Klangbilder, anderen ist das wiederum zu aufdringlich), aber das ist kein echtes Bewertungskriterium.

Sonus faber Chameleon T Konus

Zu bekritteln hätte ich eher – normalerweise kenne ich das von Lautsprechern, bei denen der Hochtöner nicht das oberste Chassis auf der Schallwand ist -, dass sich die Bühne nicht allzu weit nach oben reckt und etwa auf Höhe der Boxenoberkante Halt macht. Ein Phänomen, das zum Beispiel auch bei meinen ehemaligen Spendor SP 100R2 zu hören war (bei denen der Tweeter aber eben auch zwischen Mittel- und Basstreiber positioniert ist). Bei den Sonus faber Chameleon T würde ich mir jedenfalls ein bisschen mehr Gestrecktheit wünschen, was bestimmt zu einem noch offeneren Klangeindruck führen würde.

toundraIn Sachen Dynamik stimmen mich die Italiener dagegen wieder froh. Und zwar sowohl fein- wie grobdynamisch: „Viesca“ der spanischen Postrocker Toundra (Album: IV, für Postrock-Verhältnisse vergleichsweise sanft und süffig; angenehm zu hören) beginnt mit einer aufnahmetechnisch sauber und unmittelbar-prägnant eingefangenen Akustikgitarre sowie – nach romantischem Regen oder Rohrbruch im Badezimmer klingendem? – Wassergeplätscher: Die Profiliertheit, mit der die Sonus faber Chameleon T sowohl die Attackphasen der Saiten auch als die feine „Plätschertextur“ transportieren, spricht – neben hoher Transparenz im Mittelton – auch für eine zackige Ansprache.

cakewalkEinen noch krasseren Feindynamiktest gibt Cakewalks „Ghosts“ (Album: Transfixed) her, bei dem nach grob anderthalb Minuten so etwas wie gesampelte Kurzwellengeräusche zu hören sind, die zuerst eher erratisch auf den Plan treten und dann immer rhythmischer moduliert quasi im Sägezahnsignaltakt zu flirren beginnen und schließlich im Stereopanorama hin und her wandern. Ja, auch in solch feindynamischen Grenzbereichen arbeiteten die Sonus faber Chameleon T im Grunde ebenso reaktionsschnell wie meine sechsmal teureren Sehring 902 (12.700 Euro). Die allerdings noch luftiger, mit mehr Ausbau im Superhochton zu Werke gehen und das Ganze ätherischer und feinseidiger erklingen lassen – alles andere hätte mich ehrlich gesagt aber auch gewundert.

Sonus faber Chameleon T Schallwand Detail

Grobmotorisch gehen die Italiener ebenfalls ohne mit der Wimper zu zucken ans Werk: Ein bisschen erstaunt bin ich sogar, wie dirty-rockig die äußerlich so fancy wirkenden Sonus faber Chameleon T mir „Monkey Trick“ von The Jesus Lizard um die Ohren schlagen. Der Bass (von David Wm. Sims wie gewohnt maschinell-stoisch-treibend gespielt, leider hat sich Band 2009 aufgelöst, das Album Goat ist ein Meilenstein im Noiserock!), die Bassdrum und Toms sitzen wie eine Eins, muten derart punchy und konturiert an, wie ich es auch sonst von zupackenden Lautsprechern gewohnt bin. Jetzt weiß ich, warum die Chameleon T Lederkutte tragen …

jesus lizardMit Blick auf den wichtigen Stimm- beziehungsweise Mittenbereich gefällt mir das Volumen, die Wärme, mit der die Sonus faber Chameleon T das Geschehen unterfüttern, ohne dabei zu übertreiben: Auch bei Alt-Js „Matilda“ (Album: An Awesome Wave) dickt nichts an, bleibt die tonale Balance der Stimme Joe Newmans trotz des teilweise schon recht voluminös eingemixten Basses (sowas rieben einem meine Spendor SP100R2 wie gesagt insbesondere bei höheren Lautstärken gerne mal unter die Nase) gewahrt – prima. Kompaktboxen wie die absolut empfehlenswerten Quadral Megan VIII (hervorragender Monitor: neutral, dynamisch, gut auflösend, aber akkurat angesteuert nicht nervig) rauben im direkten Vergleich der Stimme merklich Körper, inszenieren sie etwas heller. Klar ist ein Kleinboxenkonzept wie das der Megan hier prinzipbedingt im Nachteil, zudem haben die Quadral-Entwickler löblicherweise drauf verzichtet, ihre Kleinen mit einer Oberbass-/Grundtonanhebung zu frisieren.

the bugAuch weibliche Stimmen haben die Sonus faber Chameleon T drauf: Der einleitende, sehr pure, weil nur von ein bisserl Perkussion begleitete Gesang in „Insane“ des englischen Dubstep-Projekts The Bug (Album: London Zoo, abgefahrener Stoff, Tipp für Experimentierfreudige) wurde aufnahmetechnisch sehr unkomprimiert und direkt eingefangen, so dass man meint – gutes Audioequipment vorausgesetzt -, die im Verlauf des Songs zunehmend hysterisch-zynisch wirkende Warrior Queen, so ihr lieblicher Künstlername, livehaftig vor sich zu haben. Ein fast irritierender, weil eben ungewohnt echt anmutender Effekt – den die Sonus-faber-Säulen anstandslos in den Hörraum stellen. Gute Mittentransparenz, Klangfarbenreinheit und eben das rechte Maß an tonaler Wärme zählen hier zu den notwendigen Ingredienzien.

Ja, in Sachen organische Klangfarben und dem daraus resultierenden Gefühl von Natürlichkeit bei der Stimmwiedergabe kann man die Italiener – auch weil es im Mittelton niemals hart, spröde oder eckig tönt – eigentlich nur loben. Nur oberhalb des Stimmbereichs, etwa bei den recht hoch intonierten Toms im erwähnten „Matilda“, fällt auf, dass ein Monitor wie die Quadral Megan VIII in ihrer Spezialdisziplin Auflösung ein kleines bisschen die Nase vorne hat, setzen sich die einzelnen Beats doch noch etwas akzentuierter und differenzierter in Szene. In puncto Klangfarben haben die Hannoveraner wiederum das Nachsehen: Sie zeichnen tonal sachlicher und kühler, das Gefühl von einem Sänger aus Fleisch und Blut vermitteln einem die glutvolleren Chameleon T deswegen glaubwürdiger.

Sonus faber Chameleon T

Test: Sonus faber Chameleon T | Standlautsprecher

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