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Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Eat the Bass!
  2. 2 Sonoro Meisterstück (2. Gen.): Hörtest & Vergleiche
  3. 3 Test-Fazit: Sonoro Meisterstück (2. Generation)

Im Sommer letzten Jahres brachte Sonoro die zweite Generation seines All-in-one-Audiosystems mit dem schönen Namen „Meisterstück“ auf den Markt, denn nicht alle Musik- und HiFi-Fans stehen auf große Gerätetürme mit dem Gewicht eines Hinkelsteins. Der in fünf Farben lieferbare, streamingfähige Fast-alles-Könner wurde optisch und technisch überarbeitet und soll nun noch mehr Wohlklang ins Wohnzimmer der Kundschaft zaubern. Mal sehen, wie sich das Sonoro Meisterstück Gen.2 (1.499 Euro | https://sonoro.com/)  in der Wohnlandschaft des Testredakteurs schlägt: Meisterstück gleich Musikglück?

Neuss am Niederrhein zählt zu den ältesten Städten Deutschlands, sie wurde bereits 16 v. Chr. als römisches Militärlager gegründet. Doch Alter ist freilich nicht gleichbedeutend mit Stillstand und Fortschrittsfeindlichkeit. Neben der Historie und vielen Grünflächen sagt man Neuss auch eine moderne, starke Wirtschaft nach. Darauf zahlt bestimmt auch die Sonoro Audio GmbH ein, die hier residiert. Das 2006 von Marcell Faller damals noch in Köln gegründete Unternehmen hat es sich laut Website zum Ziel gesetzt, „eine ästhetische Symbiose von Klang und Optik zu erzeugen“.

Das All-in-one-Audiosystem Sonoro Meisterstück Gen.2 von vorne

57 Zentimeter breit und mit fünf Treibern samt fünf dedizierten Endstufen bewehrt: das Sonoro Meisterstück Gen.2

Mit Erfolg: Sonoros Meisterstück (Gen.2) ist ein echter Hingucker. Das „German Audio Design“ wirkt zwar ein wenig zurückhaltend bis konservativ, aber auch sehr, sehr elegant und zeitlos. Dadurch fügt sich das 570 x 262 x 168 mm (B x T x H) große Musiksystem in nahezu jeden Raum ein, sofern genügend Stellfläche für das mithin nicht ganz kleine Soundsystem vorhanden ist. Auch die haptische Erfahrung, wenn man mit der Hand über das Gehäuse fährt, vermittelt ein sehr wertiges Gefühl: Dafür bürgen geringe Spaltmaße, edle Materialien (gebürstetes Aluminium und massives Holz) sowie sinnvoll angeordnete Bedienelemente mit zahlreichen Direkt-Tasten.

Besonders das Walnussholz des nagelneuen Testgeräts macht was her – es kostet 100 Euro Aufpreis, das Sonoro Meisterstück (Gen.2) in Gänze dann 1.599 Euro. Die anderen vier Farbvarianten (Graphit/Silber, Sandstein/Satingrau, Schwarz und Weiß/Silber) liegen allesamt bei 1.499 Euro. Die lasergeschnittene Aluminiumfront besteht laut Hersteller aus einem Stück und vermittelt eine „schwebende Optik“, doch mit rund zehn Kilo Kampfgewicht wird es so schnell nicht davonschweben – und auf den Fuß fallen sollte es lieber auch nicht.

Das All-in-one-Audiosystem Sonoro Meisterstück Gen.2 von oben

Optisch und verarbeitungsseitig macht das Sonoro Meisterstück Gen.2 einen verführerischen Eindruck – gerade auch mit seiner Walnussoberfläche

Auch das ausreichend große Vier-Zoll-Farbdisplay und die Aluminium-Drehregler auf der Oberseite wirken wie aus einem Guss gefertigt und machen Lust auf die Bedienung des Multitools. Als Zielgruppe nennt Sonoro sowohl Lifestyle-Käufer als auch HiFi-Fans. Übrigens: Wer möchte, kann mit dem „Sonoro Stand“ neuerdings auch einen Ständer kaufen, der perfekt zum Neusser Meisterstück passt. Der in Schwarz oder Silber lieferbare Ständer (249 Euro) verfügt über höhenverstellbare Füße und Dämm-Material auf der Auflagefläche.

Moderner Medienmeister

Das Sonoro Meisterstück Gen.2 in Weiß auf dem optionalen Ständer

Das Sonoro Meisterstück Gen.2 gibt es in fünf Oberflächenausführungen – beispielsweise auch in Weiß – und optional mit Ständer (249 Euro)

Schauen wir uns an, welche Möglichkeiten Sonoros Meisterstück zum Musikhören bietet. Die Bezeichnung „All-in-one-Kompaktanlage“ trifft den Nagel jedenfalls auf den Kopf – es gibt fast nichts, was das Meisterstück nicht auf dem Kasten hat: Radiohörer freuen sich über die Möglichkeit, neben UKW-Sendern auch DAB-Sender und Internetradio empfangen zu können. Streaming gelingt selbstverständlich auch per direktionalem Bluetooth in hoher Qualität (aptX), AirPlay oder Google Cast (Chromecast built-in). Wer die entsprechenden Apps auf seinem Smartphone oder Tablet installiert und ein Abo hat, kann Spotify Connect, Qobuz Connect oder Tidal Connect aus den nativen Apps heraus direkt zum Meisterstück streamen. Für Podcast-Fans gibt’s sogar eine eigene Podcast-Taste am Gerät. Die Oldschool-Fraktion freut sich über den eingebauten CD-Player mit Slot-in-Laufwerk, das die Silberscheiben gierig in sich hineinsaugt und schnell einliest.

Analog und digital: Schnittstellen satt …

Hören von Podcasts mit dem Sonoro Meisterstück Gen.2

Auch an eine separate Taste zum Anwählen von Podcasts haben die Entwickler des Sonoro Meisterstück Gen.2 gedacht

Doch das ist noch lange nicht alles: Kopfhörer docken über die frontseitige 3,5-mm-Klinkenbuchse an. Ein Blick auf die Rückseite des Sonoro Meisterstück (Gen.2) zeigt, dass es sich über die HDMI-eARC-Schnittstelle auch mit dem Fernseher verbandeln lässt, um müden TV-Ton aufzupeppen. Streaming gelingt selbstverständlich über die beiliegenden WiFi-Antennen drahtlos, wer hingegen die kabelgebundene Variante bevorzugt, verwendet die integrierte LAN-Buchse. Über Line Out lässt sich ein Subwoofer ins Geschehen einbinden, während die USB-A- und USB-C-Buchsen externen Speichermedien Anschluss bieten und auch zum Laden von Smartphones und Tablets zum Einsatz kommen können. Überdies gibt es zwei S/PDIF-Eingänge (optisch und elektrisch). Die Wandlung übernimmt ein D/A-Wandler von ESS Sabre, die genaue Typenbezeichnung ließen sich die Entwickler auch auf Nachfrage nicht entlocken. Zu guter Letzt geht’s sogar analog in das Sonoro Meisterstück (Gen.2) rein, dafür stehen je ein RCA- und Line-In-Eingang (3,5 mm) zur Verfügung.

Steuerung: App-solut unter Kontrolle    

Steuern lässt sich das Ganze über die beiliegende Fernbedienung oder natürlich über die kostenlos für Android und iOS erhältliche Sonoro-Audio-App, in der sich ebenfalls die gennannten Streaming-Services plus Deezer, Napster und Amazon Music verwalten lassen. Ist gerade weder das eine noch das andere zur Hand, freut man sich über die zahlreichen Tasten direkt am Meisterstück. Und es gibt noch eine vierte Alternative: Wer möchte, kann das Meisterstück per Webclient befehligen, also über den Browser.

Die Fernbedienung des Sonoro Meisterstück Gen.2

Das Sonoro Meisterstück Gen.2 bietet vier Möglichkeiten der Ansteuerung, eine davon ist die good old Fernbedienung

Es lässt sich daher leicht verschmerzen, dass das Farbdisplay des Sonoro Meisterstück (Gen. 2) nicht als Touchscreen ausgeführt ist. Die Bässe und Höhen sind einzeln regelbar von -12 dB bis +12 dB, auch spezielle Klangfeatures wie 3D-Sound oder Dynamic-Bass stehen bereit – ebenso wie die Möglichkeit, das Gerät in Smart-Home-Systeme zu integrieren.

Besitzer von Apple-Geräten genießen den exklusiven Vorteil, dass sie eine weitere App kostenlos herunterladen können: die Sonoros Room-Correction-App zur Minimierung von Raummoden, die ich selbstverständlich auch ausprobiert habe (mehr dazu später). Mit ihr lässt sich das Meisterstück dann an die räumlichen Gegebenheiten anpassen, indem das iPhone oder iPad als Mikrofon fungiert und bei der Einmessung assistiert. Auf meine Frage, ob irgendwann auch eine App für Android-Geräte folgen soll, lautet die erwartbare Antwort: „Das ist technisch vorerst nicht möglich, weil unterschiedliche Android-Geräte unterschiedliche Mikrofone mit nicht zu kontrollierenden Eigenschaften nutzen.“ Die Messung generiert eine Korrekturkurve, die dauerhaft im Gerät gespeichert wird, sich auf Wunsch aber auch wieder deaktivieren oder ändern lässt.

Die rückseitigen Schnittstellen des Sonoro Meisterstück Gen.2

Ob rein oder raus, ob digital oder analog: Das Sonoro Meisterstück Gen.2 sollte wohl regelmäßig eine passende Schnittstelle parat haben, es fehlen eigentlich nur XLR-Buchsen und ein Phonoeingang

Im Stand-by-Betrieb zeigt das Gerät die Uhrzeit und den Wochentag an, und wer will, kann es auch als Wecker benutzen und verschiedene Weckzeiten einstellen. Hinzu kommen noch eine Abschaltautomatik mit minutengenauer Einstellung zwischen fünf und 120 Minuten sowie 99 Favoritenspeicherplätze für alle möglichen Musikquellen.

Unterm schönen Kleid: die Soundtechnik

Unter dem schicken Kleid sorgen zwei 0,75-Zoll-Hochtöner sowie zwei 3-Zoll-Mitteltöner für den hoffentlichen Wohlklang des 2.1-Soundsystems. Der fünfte im Bunde, der 5,25-Zoll-Subwoofer, strahlt nach unten ab und wird von einem ebenfalls südwärts ventilierenden Bassreflexrohr supported. Für die entsprechende Power sorgen fünf separate Class-D-Endstufen, also pro Treiber eine, wie es bei einem echten Aktivsystem sein sollte, während der digitale Soundprozessor (DSP) verschiedene Klangprofile ermöglicht – inklusive der erwähnten Raumkorrektur oder des Dynamic-Bass-Features. Die Entwicklungsabteilung von Sonoro habe unter anderem vor der Herausforderung gestanden, „alle Komponenten auf engstem Raum unterzubringen“, heißt es auf meine Nachfrage. „Da der Tieftöner nicht mittig platziert werden konnte, war eine präzise akustische Abstimmung erforderlich. Um die Stereobalance nicht zu beeinträchtigen, haben wir den Tieftöner so konfiguriert, dass er auch tiefe Frequenzen sauber wiedergibt. Gleichzeitig haben wir spezielle Dämpfungsmaßnahmen getroffen, um das CD-Laufwerk vor Vibrationen zu schützen.“

Die Unterseite des Sonoro Meisterstück Gen.2 mit Tieftöner und Bassreflexöffnung

Der Woofer und sein Helferlein: Die Basswiedergabe des Sonoro Meisterstück Gen.2 wird von einem südwärts ventilierenden Bassreflexsystem unterstützt

Sonoro Meisterstück (2. Gen.): Hörtest & Vergleiche

Da nicht jeder ein Apple-Gerät besitzt, verzichte ich zunächst auf die Einmessung mit der Sonoro-Room-Correction-App, beschreibe gegen Ende des Testberichts aber was sich tut, wenn man sie verwendet. Die 3D-Sound-Funktion aktiviere ich hingegen von Anfang an, weil sie die Bühne deutlich vergrößert und deshalb für meinen Geschmack immer aktiv sein sollte. Standort des Meisterstücks ist ein Schrank auf Ohrenhöhe, der Wandabstand nach hinten beträgt rund 25 Zentimeter. Gehört habe ich überwiegend per drahtlosem WiFi-Streaming (Tidal) und CD, wobei ich klanglich keine erwähnenswerten Unterschiede feststellen konnte.   

Zugang zu TIDAL mit dem Sonoro Meisterstück Gen.2

Gehört wurde überwiegend via Tidal und CD-Wiedergabe

Der Bass: Paaaaaartyyy!!!

Bush I Beat LonelinessBeim Bass muss ich mich erst mal vergewissern, dass er ohne jegliche Hilfsmittel auskommt, so kräftig gerät er auf Anhieb. Yep, die zuschaltbare „Dynamic Bass“-Funktion ist deaktiviert – es reicht auch ohne sie locker für eine Party in einem gut gefüllten Wohnzimmer mit gut abgefüllten Gästen, wobei die einzigen Verlierer die Nachbarn sind. Denn das gute Stück kann ohrenbetäubend laut spielen, erst bei extrem hohen Pegeln geht dem Tiefbass etwas die Luft aus. Generell wirkt dieser jedoch nicht nur bei per se basspraller Elektro-Mucke dominant, sondern auch bei Rockmusik, was eher ungewöhnlich ist. Die neue Bush-CD I Beat Loneliness flutscht beispielsweise mit extrem tiefem Bass aus dem Meisterstück. Bei der wuchtigen Single-Auskoppelung „60 Ways To Forget People“ kam bei mir nie der Wunsch nach mehr Bass auf – im Gegenteil: Das war etwas zu viel des Guten, auch pegelseitig. Das gilt erst recht, wenn die „Dynamic Bass“-Funktion aktiv ist, sie verstärkt den Eindruck noch und sollte lieber inaktiv bleiben.

Ich stehe ja grundsätzlich auf einen kräftigen Bass, aber hier greife ich dann doch lieber zum entsprechenden Klangregler, indem ich ihn auf -5 einstelle. Anschließend wirkt’s zwar immer noch schön tief, aber wesentlich definierter und knackiger – also so, wie man sich es wünscht, wenn die Musik auf einem festen, aber nicht schwammigen Fundament aufbauen soll. Der stylishe Marantz Horizon (3.800 Euro, Test demnächst) kommt ähnlich tief herunter, bleibt dabei aber deutlich knackiger und konturenreicher – er kostet jedoch auch mehr als das Doppelte.

Das dem Sonoro Meisterstück Gen.2 beiliegende Zubehör

Das dem Sonoro Meisterstück Gen.2 beiliegende Zubehör – als da wären: Fernbedienung, Netzkabel, FM/DAB-Wurfantenne, FM/DAB-Teleskopantenne und WiFi-Antenne

Dynamik: Feinschliff oder Faustschlag?

Angesichts eines kompakten All-in-one-Systems überrascht die Grobdynamik des Sonoro Meisterstück (Gen. 2). Keine Brachialakrobatik, sondern geschmeidige, elegante Dynamik, die eher an das sanfte Dahingleiten einer Limousine mit Luftfederung erinnert als an eine wilde Achterbahnfahrt. Dadurch wirkt die Darstellung nie nervös oder hektisch, sondern vermittelt eher eine runde, harmonische Kraftentfaltung – selbst dann, wenn ein Orchester im Hintergrund loslegt. Anders ausgedrückt: Wer extrem abrupte, brachiale Pegelsprünge oder generell ein „sportliches“ Klangbild sucht, wird vom Sonoro wohl nichts vollends bedient. Doch gerade diese eher fließende Art macht das Meisterstück langzeittauglich und angenehm: In Lana Del Reys „Born To Die“ etwa verwandelt es den Kontrast zwischen zartem Beginn und orchestraler Wucht in ein stimmiges Ganzes – nicht schroff explodierend, sondern souverän und atmosphärisch dicht.

Tool LateralusFeindynamisch agiert das Meisterstück der zweiten Generation dann schon etwas sportlicher. Feine, nuancierte Lautstärkeunterschiede treten deutlich zutage, wie beispielsweise „Disposition“ vom legendären Tool-Album Lateralus (2001) zeigt, das ich über meinen Tidal-Account streame. Das sehr reduzierte, fast schon meditative Stück setzt auf einen langsamen Aufbau, feine Trommeln und dezente Gitarren – hier zeigt unser Testkandidat, wie flink er auf kleinste Impulse reagieren kann. Das kurze Aufblitzen eines Beckens zündet unmittelbar und verliert nichts an Prägnanz, selbst wenn es nur leise ins Geschehen eingebettet ist. Auch das feine Nachschwingen einer Gitarrensaite erfolgt nicht verwischt, sondern spurtreu und fein nachgezeichnet. Damit wirkt die Darbietung rhythmisch griffig und lebendig – keineswegs weich oder gar verwaschen. Applaus, in dieser Disziplin zieht das Meisterstück sogar gleich mit dem Marantz Horizon!

Keine Ablenkung bitte: die Auflösung

Agnes Obel Citizen of GlassBetrachten wir das Auflösungsvermögen: Wie gut arbeitet Sonoros Meisterstück in seiner zweiten Inkarnation Details heraus? Um das herauszufinden, eignet sich „Familar“ von Agnes Obel (Album: Citizen Of Glass) sehr gut – ein von der Klassik inspiriertes, puristisches Stück mit Kammerinstrumenten und glasklarem Gesang und viel Luft zwischen den Instrumenten. Auf guten Anlagen hört man bei den leisen, zerbrechlichen Klavieranschläge jeden noch so zarten Ausklang sowie bei ihrem Gesang Atemzüge und Mundgeräusche. Letztere treten beim Meisterstück ein wenig in den Hintergrund. Sie sind zwar noch hörbar, wirken aber leiser und rücken dadurch weniger deutlich in den Vordergrund. Manche Hörer mögen das sogar als angenehm empfinden, weil es den Fokus stärker auf die musikalische Linie lenkt und nicht auf kleinste Nebengeräusche. Wie dem auch sei: Für eine 1.600 Euro kostende Kompaktanlage bietet das Meisterstück dennoch eine sehr gute Auflösung.

Das Bedienfeld auf der Front des Sonoro Meisterstück Gen.2

Falls weder Fernbedienung noch Smartphone oder Rechner zur Hand sind, lässt sich das Sonoro Meisterstück Gen.2 auch unmittelbar am Gerät bedienen

Hochton mit Kunstgriff

Wie sieht es mit den Höhen aus? Nerven sie irgendwann – oder sind sie langzeittauglich? Ein guter Hochton sollte die Ohren auch bei langen Hörsessions nicht ermüden, zudem auch keine Details unter den Tisch fallen lassen. „Show Yourself“ von Mastodon (Album: Emperor Of Sand) kommt mit satten, rauen, verzerrten E-Gitarren mit einer gewissen Brillanz daher – nicht besonders vorlaut, aber bei hochtonaggressiven Anlagen kann das irgendwann in den Ohren schmerzen. Rotiert das besagte Stück auf CD mehrmals hintereinander im Meisterstück, stellen sich bei Zimmerlautstärke keine Abnutzungserscheinungen ein. Auch bei höheren Pegeln zeigt sich das Gerät von seiner besten Seite: Zischelige Härten oder Schärfen treten nicht auf. Stattdessen entfalten die Höhen eine angenehme Leichtigkeit – die Becken beispielsweise klingen klar und fein aus, ohne metallisch zu scheppern.

Der rückseitige Netzschalter des Sonoro Meisterstück Gen.2

Der Netzschalter findet sich auf der Rückseite des Sonoro Meisterstück Gen.2

Sonoros All-in-one-System weist bei hohen Frequenzen eine leichte Seidig-, Samtig- und Geschmeidigkeit auf, die ermüdungsfreie Hörsessions ermöglicht. Dass die allerhöchsten Frequenzen dabei pegelseitig eher minimal zurückgenommen als streng neutral erscheinen, ist ein Kunstgriff, der mir bei einem All-in-one-Gerät dieser Klasse angemessen erscheint, um die Langzeittauglich zu erhöhen.

Verzeihung, Mr. Vedder

Auch im Mittenbereich hat das Meisterstück seine Stärken: Stimmen und akustische Instrumente wirken farbig und natürlich, wie Eddie Vedder mit „Elderly Woman Behind The Counter In A Small Town“ vom Pearl-Jam-Album Vs. (1993) zeigt. Unser Testkandidat transportiert die leicht rauchige, nasale Textur seiner Stimme gut, aber nicht überragend gut. Es könnte noch etwas mehr intime Nähe entstehen, wenn die Präsenz im Mittenband noch etwas stärker ausgeprägt wäre: Stimmen bleiben gefühlt eher einen halben Schritt zurück, was ihren Ausdruck etwas sanfter und weniger intensiv erscheinen lässt. Dadurch mangelt es im direkten Vergleich zu hochklassigen HiFi-Ketten ein wenig an Transparenz und Durchsetzungskraft. Dieser entspannte Charakter bietet allerdings den Vorteil, sich zurücklehnen zu können, um die Musik als stimmiges Ganzes zu genießen. Da ist es wieder, das erwähnte Limousinenfeeling.

Das Sonoro Meisterstück Gen.2 in der Ausführung "Walnuss"

Nur echt mit Limousinenfeeling: das Sonoro Meisterstück Gen.2

Tonales Zwischenfazit

Man kann es dem bisher Gesagten eigentlich schon entnehmen, dennoch will ich an dieser Stelle kurz die Gesamttonalität darstellen, wenn alle Klangverbesserungsmaßnahmen inklusive Raumeinmessung deaktiviert sind. Obwohl die Mitten eher dezent klingen, bleibt bei mir dennoch ein eher warmer, verzeihender, langzeittauglicher Grundcharakter hängen. Das liegt einerseits am voluminösen Bass und andererseits an den geschmeidigen, leicht samtigen Höhen, die die Ohren auch auf Dauer nicht ermüden. Wirklich neutral klingt Sonoros Meisterstück also nicht, aber das wird die meisten Hörertypen gar nicht oder kaum stören: Dafür gibt es nicht zuletzt den Equalizer, den ich in puristischen High-End-Systemen nicht gerne sehe, der aber bei einer Lösung wie dem Sonoro Meisterstück (Gen. 2) ein absolut willkommenes, hilfreiches Tool ist.  

Bühne frei!

Dass ein Kompaktsystem, dessen Lautsprecher nicht mal einen halben Meter auseinander liegen, keine monströse Bühne aufbauen kann, liegt auf der Hand. Das hält mich trotzdem nicht davon ab, ausgesprochen räumliche Musik abzuspielen und zu sehen, was passiert – erst mal ohne aktivierte 3D-Sound-Funktion. Das cineastische „Old Heart Falls“ der schwedischen Melancholie-Metaller Katatonia (Album: The Fall Of Hearts) weist eine präzise Raumstaffelung auf und zeigt, was eine Anlage in dieser Hinsicht auf dem Kasten hat. Hier zeigt sich, dass die Breite und die Höhe des Klangbilds des Sonoro Meisterstück (Gen. 2) erwartungsgemäß begrenzt sind und kaum über das Gerät hinausreichen.

Die Updatefunktion des Sonoro Meisterstück Gen.2

Bitte immer schön aktuell bleiben: die Updatefunktion des Sonoro Meisterstück Gen.2

Mit aktivierter 3D-Funktion öffnet sich das Klangbild dann, die Bühne gewinnt an Breite, alles wirkt weitläufiger und offener. Auch in puncto Tiefenstaffelung und Ortungsschärfe tut sich etwas: Vordere und hintere Klangquellen lassen sich nun schön aus dem Geschehen heraushören, wobei das Geschehen auf der Ebene der Mittel- und Hochtöner beginnt und sich ziemlich weit nach vorne erstreckt. Das überrascht positiv für eine Kompaktanlage dieser Art und zeigt, wie gut die 3D-Schaltung arbeitet und nicht zuletzt – nomen est omen – für mehr Dreidimensionalität sorgt.

Room-Correction-App

Doch was passiert, wenn die nur für Apple-Geräte verfügbare Room-Correction-App samt Einmessung ins Spiel kommt? Antwort: Sie verändert viel zum Positiven. Der Einmessvorgang ist allerdings extrem laut, weshalb sich geschlossene Fenster und vorher informierte Mitbewohner empfehlen. Das Ergebnis der Messung taucht später in der „normalen“ Sonoro-App auf und lässt sich zu Vergleichszwecken im Handumdrehen zu- und wieder abschalten. Der Bass tönt jetzt nicht mehr ganz so dominant, während die Höhen und vor allem die Mitten etwas kräftiger und präsenter wirken. Durch die Einmessung klingt das Meisterstück also viel neutraler (manuelle Einstellungen am Equalizer mal außen vor). In meinem Raum macht sich das Sonoro Meisterstück (Gen. 2) klanglich am besten, wenn die Eimessungsergebnisse und der 3D-Sound aktiviert sind und ich auf Dynamic-Bass verzichte. Außerdem sollte man aufgrund der Bassautorität auf hinreichend Wandabstand achten.

Test-Fazit: Sonoro Meisterstück (2. Generation)

Anzeige des CD-Laufwerks auf dem Display des Sonoro Meisterstück Gen.2

Party? Na klar! Aber Obacht, bitte keine Bierflaschen auf dem edlen Walnussholz abstellen, das gibt hässliche Ränder. Aber mal im Ernst: Dass sich Sonoros Meisterstück der zweiten Generation auch als Partylöwe entpuppt, hätte ich angesichts des edlen, eher dezenten Erscheinungsbilds nicht gedacht. Doch das gute Stück erreicht partytaugliche Pegel und beeindruckt mit dem Bass einer größeren Stereoanlage, der sich aber bei Bedarf unter anderem durch die Raumeinmessung gut einfangen lässt.

Klanglich weist das Sonoro Meisterstück (Gen. 2) auch neben dem mächtigen Bass eine klare Handschrift auf: Sie charakterisiert sich durch warme, nicht sonderlich präsente Mittenfarben sowie angenehm seidige Höhen, die stundenlang ermüdungsfreies Hören ermöglichen. Dynamisch zeigt sich das All-in-one-System eher geschmeidig als explosiv, und auch das deutet klar auf die Zielgruppe hin: Genusshörer, die es eher sonor und rund als monitoresk lieben. Darüber hinaus punktet das All-in-one-Gerät mit einer hervorragenden, absolut makellosen Verarbeitung und einer extrem flüssigen Bedienung, die keine Wünsche offenlässt – egal ob per Fernbedienung, App oder direkt am Gerät. Ein stilvoller Alleskönner, der Herz und Alltag gleichermaßen anspricht – und selbst heiße Nächte nicht ausschließt. Hoch die Hände, Wochenende!

Fakten:

  • Sonoro Meisterstück (2. Generation)
  • Kategorie: All-in-one-Kompaktanlage
  • Preis: 1.499 Euro (Walnuss: 1.599 Euro)
  • Maße & Gewicht: 570 x 262 x 168 mm (B x T x H), 10 kg
  • Farben: Graphit/Silber, Sandstein/Satingrau, Schwarz, Walnuss/Silber, Weiß/Silber
  • Digitale Eingänge: 1 x HDMI-eARC, 1 x LAN-Buchse, 2 WiFi-Antennen, 1 x USB-A, 1 x USB-C, 1 x Toslink, 1 x RCA
  • Analoge Eingänge: 2 x Aux In
  • CD-Player: Slot-In-Laufwerk für CD, CD-R, CD-RW, MP3-CD, WMA mit Repeat- und Shuffle-Funktion
  • Analoge Ausgänge: 1 x Line Out (Subwoofer), 3,5-mm-Kopfhörer-Klinke
  • Streaming: bidirektionales Bluetooth aptX/aptX HD, Apple AirPlay, Google Cast, UPnP/DLNA
  • Streamingdienste: Spotify Connect, TIDAL Connect, Napster, Qobuz Connect, Deezer, Amazon Music
  • Radio: UKW, DAB, Internetradio
  • Sonstiges: Bass- und Treble-Regler, Fernbedienung, harter Netzschalter, 3D-Sound-Funktion, Dynamic-Bass-Funktion, Raumkorrektur-App (nur für Apple-Geräte)   
  • Zubehör: Fernbedienung, 2-m-Netzkabel, FM/DAB-Wurfantenne, FM/DAB-Teleskopantenne, WiFi-Antenne
  • Garantie: zwei Jahre
  • Weitere technische Informationen auf der Webseite des Herstellers

Hersteller & Vertrieb:

sonoro audio GmbH
Hammer Landstraße 45 | 41460 Neuss
Telefon: +49 (0) 2131 / 88 34 141
E-Mail:  info@sonoro.com
Web: https://sonoro.com/

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Test: Sonoro Meisterstück Gen.2 | All-In-One-Verstärker

  1. 1 Eat the Bass!
  2. 2 Sonoro Meisterstück (2. Gen.): Hörtest & Vergleiche
  3. 3 Test-Fazit: Sonoro Meisterstück (2. Generation)

Über die Autorin / den Autor

Equipment

Analoge Quellen: Plattenspieler: Thorens TD1500 Tonabnehmer: Ortofon 2M Black

Digitale Quellen: D/A-Wandler: PrimaLuna EVO 100 Tube DAC CD-Player: McIntosh MCD301 AC Musikserver: Innuos Zenith MK3, NAD M50.2 Computer/Mediaplayer: Macbook Air mit Audirvana-Software Sonstiges: Silent Angel Bonn N8 (Switch)

Vollverstärker: McIntosh MA8950 AC, PrimaLuna EVO 300

Vorstufen: Phonoverstärker: AVM PH 30.3

Lautsprecher: Sonus Faber Olympica Nova 3, Canton Reference 7

Kopfhörer: Focal Clear MG, Hifiman Arya

Kopfhörerverstärker: McIntosh MHA100

Kabel: Lautsprecherkabel: Inakustik Referenz 2404 MK2, Wireworld Eclipse 7 NF-Kabel: Goldkabel Executive Digitalkabel: Audioquest Diamond (USB-Kabel) Netzkabel: Shunyata

Rack: Solid Tech

Größe des Hörraumes: Grundfläche: 26 qm Höhe: 2,60 m

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