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Klang SAC La Finezza (Teil II)

Inhaltsverzeichnis

  1. 3 Klang SAC La Finezza (Teil II)

Nick CaveUm den Mittelton- und insbesondere den Stimmbereich abzuchecken, lege ich unter anderm Nick Caves neues Album (Push the sky away) und Portisheads altes (Dummy) in den CD-Player – und bekomme tonal wiederum das bestätigt, was ich oben schon gesagt habe. Weder tönt Beth Gibbons Gesang tiefer noch Caves Organ heller als ich’s von anderen balancierten Geräten her kenne, das darf man rechtschaffen neutral und ehrlich nennen. Soweit so gut – aber das allein ist auch nicht wirklich besonders.

PortisheadBesonders an der SAC ist vielmehr das hohe Auflösungsvermögen und die fokussiert-konzentrierte Abbildung des klanglichen Geschehens. Der Portishead-Song „Roads“ ist generell ja schon berührend, aber wenn die Gibbon dann derart plastisch herausskulptiert, vom Hintergrund klar abgesetzt, aber doch auch nicht künstlich getrennt erscheint – wow, das hat wirklich was, das macht es noch ergreifender.

Mazzy StarBleiben wir beim Thema, wechseln aber das Album: Mazzy Star/Among my Swan. Das Stück „Flowers in December“ beginnt mit ein paar Gitarrenakkorden, langsam setzt die Bassbegleitung ein, eine Mundharmonika taucht auf – und schließlich Hope Sandovals Stimme. Actionreich ist der Song nun wirklich nicht gerade, aber er macht mir das Wesentliche der SAC La Finezza deutlich. Etwas, das mit dem Wörtchen „lokalisationsscharf“ völlig unzureichend beschrieben wäre.

SAC La Finezza

Natürlich ist die SAC-Vorstufe auch das, in hohem Maße sogar. Doch da ist mehr. Instrumente und Stimmen wirken mit ihr einfach konzentrierter, verdichteter. Es ist, als würde das Areal, das der Ton sonst einnimmt, jetzt ein wenig komprimiert: Gitarre und Mundharmonika erscheinen dadurch 1.) etwas kleiner als ich es gewohnt bin, aber 2.) auch deckkräftiger, klangfarblich gesehen (oder anders formuliert: weniger pastellig) und zudem 3.) klarer umrissen, einfach plastischer und dreidimensionaler, durch und durch solide. Und es ergibt sich – quasi als Folge aus dem Genannten – 4.) auch ein sehr aufgeräumter und tief ausgeleuchteter Bühnenraum. Da wandert nichts, da zittert nichts, die Einzelklänge wirken wie in Reinform in den Raum gegossen. „So und nicht anders!“, lautet das Credo der SAC La Finezza. Sehr überzeugend. Und vor allem: involvierend.

Motorbetriebenes Alps-Poti
Motorbetriebenes Alps-Poti

Überzeugend aber für jeden Hörgeschmack? Vielleicht nicht. Wechseln wir die Perspektive und fragen uns: Was ist eigentlich mit dieser, naja: „Klangaura“ passiert, dem Eindruck, dass sich beispielsweise um eine Gitarre – eigentlich: um den Gitarrenton – herum die Luft bewegt, atmet und irgendwie energetisch aufgeladen ist? Höre ich da jetzt etwa ein Raunen: „Pah, Journalistengeschwurbel!“? Nun, der SAC-Vorverstärker scheint da ganz ähnlicher Ansicht zu sein, oder anders gesagt: Auratischer als mit „der Feinen“ geht’s durchaus noch.

Infrarotsensor der SAC La Finezza
Infrarotsensor der SAC La Finezza

Die vermeintlich mystische Eigenschaft, die einige mit dem Bauteil Röhre in Verbindung bringen (böse Zungen würden glatt von „Hallfahnen“ sprechen), steht bei der La Finezza nicht weit oben im Pflichtenheft. Und das passt zu ihrem ehrlichen, straighten Charakter, gerade das Unmittelbare, Schleierfreie zeichnet sie ja aus. Mit der SAC ist’s tatsächlich ein wenig so, als würde man auf den „Kern“ des Klanges schauen, während es bei anderen Vertretern der Gattung, so auch bei der Octave HP300, drum herum noch eine weitere Schicht gibt, diese „angeregte Luft“, die naturgemäß diffuser, akzidentieller, flüchtiger wirkt als der harte Kern im Innern – manchem Hörer aber wichtig ist. Ich selbst bin da undogmatisch, mir gefällt beides: Bei der HP300 schätze ich die natürliche, organische und etwas üppigere Abbildung von Instrumenten und Stimmen – bei der La Finezza die zweifellos größere Akkuratesse und den nackten, unverschleierten Blick auf die Dinge, der etwas sehr Direktes und damit emotional Ansprechendes hat.

Test: SAC La Finezza | Vorstufe

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