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Klang SAC La Finezza (Teil I)

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  1. 2 Klang SAC La Finezza (Teil I)

„Welches Netzteil soll’s denn sein?“, so die erste Frage, die es zu klären galt. Die Antwort war schnell gefunden: das große, bitte!

La Finezza - Netzteile
Welches Netzteil? Das große, bitte!

Ja, 500 Euro Aufpreis sind in Relation zu 3.500 Euro, die die La Finezza im Grundausbau, also mit der kleineren Stromversorgung, kostet, nicht unerheblich. Der klangliche Gewinn aber ebenfalls nicht. In meinen Notizen heißt es dazu: „Kleines Netzteil – etwas schärfer bei S-Lauten, tonal insgesamt leichter/heller, Bühne etwas flacher, weniger plastisch. Großes Netzteil – ruhigerer, schwärzerer Hintergrund, sehr plastisch, tiefe Bühnenausleuchtung, tiefer und fester im Bass.“

SAC La Finezza Netzteile

Wie immer bei solchen Dingen ist der klangliche Ertrag eher etwas Graduelles, es tut sich nicht gleich eine ganz andere Welt auf. Trotzdem, unterm Strich würde ich schon sagen, dass das große Netzteil – vor allem, wenn die SAC-Vorstufe in einer transparenten, durchlässigen Kette zum Einsatz kommt – fast schon ein Pflicht-Upgrade ist. Man verschenkt sonst zu viel Potenzial. Ich jedenfalls habe es fürs weitere Hören verwendet.

Dann also mal los. Um mit dem Tonalen zu beginnen: Die SAC La Finezza wirkt geradezu mustergültig neutral und ausgewogen. Im Vergleich zu meiner Octave HP300 MKII kann man zwar den Eindruck gewinnen, untenrum geschehe mit der SAC mehr, dafür im Hochton/Superhochton weniger. Doch das liegt eher daran, dass die Octave ein wenig vom neutralen Pfad der Tugend abweicht (und zwar im Tiefton). Der Essener Vorverstärker reicht einfach durch und gibt sich präferenzlos, was die Frequenzbereiche angeht.

SAC La Finezza

Interessanter als das ist aber wohl das Qualitative, auch und gerade an den Frequenzextremen. Die Octave gibt sich im Hochton wunderbar geschmeidig, luftig und aufgelöst. Im direkten Vergleich mit dem reinrassig transistorisierten Amp aus Essen – bei der Octave handelt es sich ja um ein Röhren/Transistor-Hybrid – werden die Ticks auf die Becken beim Miles DavisMiles-Davis-Stück „Hannibal“ (Album: Live around the World) beispielsweise noch ein wenig feiner nachgezeichnet und etwas mehr Texturen offengelegt, wie sich auch insgesamt eine leicht flirrigere, offenere Klangcharakteristik bei dieser Live-Einspielung einstellt, hat der Pre aus Baden das Sagen. Aber wohlgemerkt: leicht. Weshalb dies auch als Kompliment für SACs Vorverstärker zu lesen ist, denn für eine Transistorvorstufe dieser Preisklasse schlägt sie sich mehr als wacker im Obergeschoss. Da müsste ich mich schon sehr täuschen, wenn beispielsweise der Electrocompaniet-Pre EC 4.8 seinerzeit nicht etwas trockener/spröder in den höchsten Höhen geklungen hätte, oder umgekehrt: die La Finezza geschmeidiger agiert.

Eivind AarsetEine echte Stärke ist’s freilich, was die SAC im Frequenzkeller so anstellt. Da ist nicht nur genug Schub und Schmackes vorhanden, sondern auch eine wunderbare Durchzeichnung. Électronique noire vom norwegischen Jazz-Gitarristen Eivind Aarset läuft, und beim dritten Titel „Lost and found“ gibt’s diese herrlich tiefen Synthi-Bassverschlingungen, die eigentlich nur dem Atmosphärischen dienen. So zumindest meine Theorie, bevor ich die SAC in die Anlage integriere. Die zeigt mir nämlich jetzt auf, dass da ganz unten durchaus noch mehr Schattierungen und Nuancen vorhanden sind, von denen ich vorher höchstens am Rande etwas mitbekam. Sieh mal einer an!

Terminal der SAC La Finezza
Terminal der SAC La Finezza: zwei Pre-Out, zwei Tape- und ein AV-Out sowie sechs Hochpegeleingänge. Hinzu kommen optional Phono-MM und -MC. XLR-Buchsen sucht man vergeblich

Die La Finezza präsentiert ein erstklassig abgestuftes und klar konturiertes Bild vom tonalen Untergeschoss. Gerade in Kombination mit dem in Relation zur Octave-Vorstufe druckvolleren, kräftigeren Vortrag stellt das einen deutlichen Performancegewinn dar. Zumal dieser ungemein stimmige Bassbereich auch die Basis für das erstklassige Rhythmusverhalten der SAC abgibt – bei ihr wird nie etwas verschleppt, eher schon pointiert. Tolle Sache!

Test: SAC La Finezza | Vorstufe

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