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Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Maßstabssetzend
  2. 2 Rotel DX-3: Klangtest & Vergleiche

Seit 64 Jahren zählt der japanische Hersteller Rotel nunmehr zu den festen Größen auf dem HiFi-Markt. Dass Rotel sich so lange als Marke halten konnte, ist nicht zuletzt einer ständigen Weiterentwicklung des ursprünglich von Tomoki Tachikawa gegründeten Unternehmens zu verdanken. Und ist die Führungsstruktur heutzutage natürlich eine ganz andere: Rotel darf sich immer noch „japanischer Familienbetrieb“ nennen, wenngleich man unter dem Dach der Go Green Ltd. im chinesischen Zhuhai  eine eigene Fabrik betreibt. Recht frisch aus der Produktion kommt die DX-Serie: Neben dem Vollverstärker DX-5 gehört mit dem DX-3 (1.499 Euro | https://www.audiotra.de/) überdies ein hochwertiger Kopfhörer- und Vorverstärker zum Lineup. Und der trudelt nun bei uns zum Test ein.

Japanisches Understatement

Die Metallfernbedienung des Rotel DX-3

Edel: Die Metallfernbedienung des Rotel DX-3

Neben dem eigentlichen Verstärker befinden sich ein USB-C-zu-USB-C-Kabel, ein Kaltgeräte-Stromkabel, ein USB-Stick mit Windows-Treibern und PDF-Benutzerhandbuch sowie eine wertige Aluminium-Fernbedienung mit Pin-Nadel fürs Batteriefach in der Box.

Ein spektakuläres Erscheinungsbild will Rotel DX-3 nicht bieten, der Kopfhörer- und Vorverstärker spricht eher eine minimalistische Designsprache, wie man sie von einigen britischen Hifi-Komponenten kennt: Power-Knopf, Gain-Switch, Eingangswahlschalter, 2,5-Zoll-LCD-Display, zwei Kopfhörerausgänge (4,4-mm-symmetrisch und 6,3-mm-unsymmetrisch) sowie ein großer, stabil wirkender, aus Aluminium gefräster Lautstärkeregler etablieren ein Form-follows-Function-Design. Der Lautstärkeregler besitzt übrigens eine haptische Rasterung für die Lautstärkestufen und weist einen angenehmen, nicht zu schwergängigen Widerstand beim Drehen auf.

Kann digital – und analog …

Die Rückseite des Rotel DX-3

Ein Blick aufs Heck verrät es: Der Rotel DX-3 ist Kopfhörerverstärker, DAC und Vorstufe zugleich

Auf der Rückseite gibt sich der Kopfhörer- und Vorverstärker von Rotel ebenfalls im besten Sinne funktional, nämlich schön anschlussfreudig: Eingangsseitig stehen neben einer USB-C-Schnittstelle ein optischer Toslink- sowie ein koaxialer Eingang für Digitalsignale bereit. Analogpuristen freuen sich über ein RCA-Pärchen. Und wer es gänzlich ungebunden mag, goutiert sicherlich die Bluetooth-Funktionalität (SBC, AAC, AptX HD/Adaptive), wenngleich der DX-3 auf höher auflösende Codecs wie LDAC, LHDC oder den neuen LC3-Codec verzichtet. Ausgangsseitig wartet der Rotel DX-3 dann sowohl mit unsymmetrisch beschalteten RCA-Buchsen als auch mit einem symmetrischen XLR-Ausgangspaar auf. Die Ausgänge lassen sich im Menü lautstärkevariabel als Vorverstärkerausgänge für Endstufen/Aktivlautsprecher oder pegelfix für die Zuspielung zu anderen regelbaren Komponenten wie Vor- oder Vollverstärkern definieren.

Schlichtes Design hin oder her: Die Verarbeitungsqualität liegt durch die Bank auf sehr hohem Niveau. Die Spaltmaße sind gleichmäßig und die matte Lackbeschichtung mutet tadellos homogen aufgebracht an. Der Rotel DX-3 ist in schwarzer oder silberfarbener (sandgestrahlt und eloxiert) Ausführung erhältlich. Die erwähnte Alu-Fernbedienung kommt aber auch bei der schwarzen Verstärkervariante in Silber – für mich ein kleines Design-Hoppla.

Für Studiokopfhörer und In-Ears

Die Gain-Schaltung des Rotel DX-3

Die Gain-Schaltung des Rotel DX-3 macht den Betrieb beispielsweise auch von In-Ears möglich

Eine Verstärkungsleistung von bis zu 2,8 Watt an 16 Ohm ist selbst für anspruchsvolle Kopfhörer mehr als ausreichend. Diese Leistung erreicht der Rotel DX-3 allerdings nur am symmetrischen 4,4-mm-Pentaconn-Ausgang. Die unsymmetrische 6,3-mm-Buchse wird mit einer Ausgangsleistung von maximal 765 mW an 16 Ohm merklich zurückhaltender beliefert, sollte aber mit den meisten dynamischen Kopfhörern auch für gehobene Lautstärkepegel genügen. Die niedrigen Ausgangsimpedanzen (LINK) von 0,3 Ohm am unsymmetrischen beziehungsweise 0,6 Ohm am symmetrischen Kopfhörerausgang bürgen zusätzlich für einen reibungslosen Betrieb von impedanzkritischen Kopfhörern, wie zuweilen bei Magnetostaten oder auch In-Ears mit Balanced-Armature-Technik der Fall. By the way: Mittels der Gain-Regelung an der Front kann der Verstärkungsfaktor um 6 Dezibel (Medium Gain) oder 12 Dezibel (Low Gain) abgesenkt werden, was den Rotel DX-3 – speziell am unsymmetrischen Ausgang – auch für In-Ears prädestiniert.

Innenschau

Öffnet man den Rotel DX-3, sticht zuallererst der große gekapselte Ringkerntransformator mit dem prominenten „R“ ins Auge: Eine Eigenentwicklung und für das Gros der streufeldarmen und stabilen Spannungswandlung und -versorgung zuständig. Der wesentliche Teil der Verstärker-Schaltung ist bis hin zur 4,4-Millimeter-Pentaconn-Buchse symmetrisch aufgebaut. Übrigens: Der Rotel erkennt automatisch, wenn an den Kopfhörerbuchsen nichts eingesteckt ist und schaltet die Ausgänge dementsprechend stumm. Auch im reinen DAC-Modus bleiben die Kopfhörerausgänge signallos, um Schäden sowohl am Ohr als auch am angeschlossenen Kopfhörer zu vermeiden. Eine Einschaltverzögerung besitzt der Rotel DX-3 außerdem, welche die Lautstärke erst nach kurzer Zeit auf den eingestellten Pegel erhöht.

Der Rotel DX-3 von innen

Der Rotel DX-3 von innen – die Lautstärkeregelung arbeitet analog

Neben den prominenten Steuerchips von XMOS und ARM ist natürlich der ES9028PRO von ESS Technologies ein entscheidender Baustein, der die audiophile Digital-Analog-Wandlung verantwortet. Signale über den Toslink- und den koaxialen Eingang sind auf 24 Bit und 192 kHz beschränkt. Über den USB-Eingang nimmt der Wandler eine doppelt so hohe Samplingrate (384 kHz) mit einer Wortbreite von bis zu 32 Bit entgegen. Auch DSD bis zu 11,2 MHz und DoP bis 5,6 MHz beherrscht der Rotel DX-3. Für DSD/DoP über einen Windows-PC oder Mac müssen die per beiliegendem USB-Stick verfügbaren USB-Treiber (Windows/Mac) installiert werden; das reine PCM-Signal nimmt der Rotel DX-3 auch ohne Treiber (Win 11/Linux/MacOS) via klassischem Plug and Play entgegen.

Echt anlog: die Lautstärkeregelung

Übrigens: Die Lautstärkeregelung wird nicht etwa digital über den Wandlerchip selbst gemanagt, sondern von einem separat nachgeschalteten NJW1195A-Analogcontroller, der sich in 0,5-dB-Schritten mit dem gerasterten Lautstärkeregler steuern lässt. Hier werden gleich zwei Probleme umgangen, die bei rein digitalen Lösungen (verringerter Dynamikumfang bei leisen Pegeln) oder bei analogen Potenziometern (Kanalungleichlauf, Verschleiß) typsicherweise auftreten können.

Einstellungen: Fernbedienung unverzichtbar

Die Fernbedienung ist für manche Einstellungen am Gerät obligatorisch. Will man zum Beispiel den Rotel DX-3 statt als Vor- und Kopfhörerverstärker im reinen DAC-Modus mit fixem Ausgangspegel betreiben, kann man das nur im Menü umstellen. Und dorthin kommt man ausschließlich mittels Fernbedienung. Dabei muss man sich mit einer recht kleinen Schrift im Display zufriedengeben, die aus größerer Entfernung nur mit Mühe ablesbar ist und so den Vorteil der Fernbedienbarkeit von der Couch aus zum Teil verpuffen lässt.

Die dB-Pegelanzeige des Rotel DX-3

Die dB-Pegelanzeige des Rotel DX-3

Im Einstellungsmenü gibt es neben den beiden genannten Betriebsmodi überdies Helligkeitseinstellungen für die Status-LED und das Display, eine Begrenzung der Maximallautstärke, eine Balance-Regelung sowie die Wahl zwischen einer numerischen und einer dB-Skala als Lautstärkenanzeige. Für die Lautstärkeregelung, die Eingangswahl, die Displayhelligkeit und das Stummschalten der Ausgänge hat‘s auf der Fernbedienung eigene Taster. Als praktisch empfinde ich die Abschaltautomatik. Der Rotel DX-3 geht dann nach 20 Minuten oder ein, zwei, fünf, zwölf Stunden in den Stand-by-Betrieb.

Rotel DX-3: Klangtest & Vergleiche

Gehört habe ich überwiegend mit am 6,3-Millimeter-Klinkenausgang verbundenen Kopfhörern. Die Vorverstärkerfunktion kommt natürlich ebenfalls zum Zug – ich habe ihr mit Aktivlautsprechern auf den Zahn gefühlt. Die Möglichkeit, Kopfhörer vom Rotel symmetrisch beschicken zu lassen, testen wir natürlich auch noch an.

Eines fällt mir bereits nach den ersten Takten deutlich ins Ohr – und ich falle daher mal gleich mit der Tür ins Haus: Dieser kompakte Kopfhörer- und Vorverstärker ist weder ein Schönfärber noch ein charmebefreiter Analytiker, sondern einer der ausgewogensten Amps, die ich bisher im Test hatte. Aber schön der Reihe nach.

Der verkabelte Rotel DX-3

An die Buchsen, fertig, los …

Spitzen-Hochton ohne Spitzen

Und so präsentiert sich der obere Frequenzbereich weder zu spitz noch irgendwie zurückgenommen, sondern derart linear, dass es schwierig ist, eine signifikante Charakteristik herauszuarbeiten. Sogar der kürzlich von uns getestete und bereits als sehr neutral empfundene Goldnote HP-10 Deluxe (2.390 Euro) wirkt aufgrund seines drahtigeren Bassbereichs im direkten Vergleich etwas heller als der sich für mich wie ein akustischer Eichstrich anfühlende  DX-3.

Ja, die tonale Klangfärbung im Hochton überlässt der Rotel DX-3 rein den angeschlossenen Kopfhörern. Er übermittelt auch im Superhochton noch genügend Informationen, ohne dass man als Hörer das Gefühl hat, etwas zu vermissen. An das besondere „Glitzern“ im Hochton des Goldnote HP-10 kommt der Rotel DX-3 zwar nicht heran, er kann sich gegenüber dem rund 1.000 Euro teureren Amp dennoch sehr gut behaupten.

Vergleicht man den Rotel mit der Kombination aus SMSL-DO200-DAC (400 Euro) und Burson Soloist SL MK II (700 Euro), wird schnell klar, dass der DX-3 im Hochton sehr detailliert tönt – und hier die Nase vorne hat. Die ausgewogene Wiedergabe des Rotel DX-3 fällt auch im Vergleich zum HifiMan/Goldenwave Serenade II (1.140 Euro) ins Ohr, wenngleich dessen unterm Strich wärmere, weniger transparente Präsentation freilich zu kühler tönenden Kopfhörern auch gut passen kann.

Der Rotel DX-3 mit dem SMSL-DO200-DAC

Weinselig: Der Rotel DX-3 in trauter Eintracht mit dem SMSL-DO200-DAC

Blick in die Mikrowelt

Diese bis in den Superhochton reichende Geradlinigkeit des Pegelverlaufs des Rotel DX-3 zahlt natürlich mit drauf ein, dass Microdetails sauber hörbar werden. Die Hi-Hat sowie die Obertöne des Klaviers und des Kontrabasses bei Gogo Penguins „Time-Lapse City“ leitet der DX-3 scheinbar verlustfrei weiter, selbst feinstes Sustain klingt so lange aus, wie es die Aufnahme hergibt. Apropos: Ausgemachte Leisehörer wird der DX-3 entzücken, nicht zuletzt da die Transientenwiedergabe auch bei geringer Lautstärke von hoher Qualität ist. Bestimmt sorgt auch der erwähnte Lautstärkecontroller mit dafür, dass bei sehr niedrigen Pegeln keinerlei Hochtoninformationen verschleiert werden.

Bei alledem ist’s nur logisch, dass der Rotel-Kopfhörerverstärker feindynamisch überzeugt: Impulse, wie die sanften Anschläge der Snare präsentieren sich dem Hörer mit akkuraten Konturen der Pegelverläufe – ohne, dass es künstlich angespitzt klänge.

Gerne auch effizient …

Der Lautstärkeregler des Rotel DX-3

Nicht zuletzt durch sein niedriges Grundrauchen ist der Rotel DX-3 auch ideal für Leisehörer

Verbindet man einen Balanced-Armature-In-Ear wie den Audiofly AF160 (300 Euro) mit dem DX-3, wird man mit einem sehr erwachsenen und detaillierten Klangbild belohnt. Dabei bewegt sich das Grundrauschen auf einem niedrigen Niveau, es ist auch mit niederohmigen In-Ears so gut wie nicht wahrnehmbar. Der Rotel DX-3 ist also einer der wenigen potenten Verstärker, die ebenso qualifiziert mit effizienten Kopf- und Ohrhörern umgehen können, die wenig Leistungsreserven in Anspruch nehmen.

Genau in die Mitte getroffen

Wilhelmine Komm wie du bistDer Übergang vom oberen Mittenbereich in den Hochton gestaltet sich qualitativ wie quantitativ bruchlos. Die nahtlose Anbindung kommt vor allem Klavieranschlägen, gezupften Gitarrensaiten und Stimmen zugute, welche der Rotel-Amp rechtschaffen präsent und klangfarblich unverfälscht wiedergibt. Ein Aune S17 Pro-Evo (839 Euro) beispielsweise verliert gegenüber dem DX-3 in den Mitten deutlich an Strahlkraft und Dynamik. Und so bringt der Rotel DX-3 in den Song „Komm wie du bist“ von Wilhelmine (Album: Komm wie du bist) gewissermaßen neuen Schwung. Die Stimme der deutschen Singer-Songwriterin mutet detailliert und – natürlich auch dank der Hochtonqualitäten des DX-3 – sehr gut verständlich an, ohne die Ohren zu stressen. Die Gitarrenbegleitung wirkt agil und überdeckt dennoch nicht den Gesang.

Foo Fighters Echoes, Silence, Patience & GraceE-Gitarren wie bei „The Pretender“ von den Foo Fighters (Album: Echoes, Silence, Patience & Grace) geraten natürlich und ohne Tendenz zur Schwammigkeit. Klar, gibt es Amps wie den Burson Soloist SL MK2, der hier fließender und euphonischer tönt, im Gegenzug jedoch weniger akkurat und ehrlich wirkt. Und tiefere Männerstimmen präsentiert der Rotel DX-3 dann wieder natürlicher als etwa der erwähnte, etwas vollmundiger zur Sache gehende Verstärker aus dem Hause Hifiman – der DX-3 glänzt durch die Abwesenheit jeglicher hörbarer Verfärbungen, wobei das linear aufspielende Hochtonspektrum mit seinen wohl dosierten Obertönen wieder unterstützend wirkt.

Dass auch der Grundtonbereich angemessen Berücksichtigung findet, beweisen Celli und die Basssaiten von Gitarren, die schön gehaltvoll und mit genügend Körper dargeboten werden ohne schönfärberisch-warm zu klingen oder gegenüber anderen Instrumenten tonal den Kürzeren zu ziehen.

Der Rotel DX-3 von der Seite

Der Rotel DX-3 zeigt sich auch von der Seite ansehnlich

Räumlichkeit: Qualität vor Quantität

Mit Blick aufs räumliche Darstellungsvermögen stellt der neue Kopfhörer- und Vorverstärker von Rotel zwar keine Rekorde auf, kann nichtsdestotrotz mit Präzision punkten. Sowohl in der Tiefe als auch in der Bühnenbreite positioniert sich der DX-3 im guten Mittelfeld seiner Preisklasse. Der Hifiman Serenade und der Burson Audio Soloist SL MKII schaffen in Verbindung mit dem dedizierten DO200-DAC von SMSL eine etwas weitläufigere Darstellung und verteilen Instrumente großzügiger im Raum. Die Abgrenzung der einzelnen Instrumente zueinander gelingt allerdings dem japanischen Minimalisten besser, auch wenn er sie näher aneinanderrückt als die genannten Raumkünstler.

Power, Pegel und Symmetrie

F.E.I.D.L. WödmusikHat der Rotel DX-3 sein Talent bei leiser Wiedergabe bereits unter Beweis stellen können, so kann er ebenso mit Kopfhörern gut umgehen, die nach etwas mehr Antriebskraft verlangen. Selbst mit dem Magnetostaten Audeze LCD-2.2 (1.000 Euro) oder dem dynamischen High-Ender Sennheiser HD800S (1.600 Euro) geht dem Japaner nicht die Puste aus. Bei hohem Pegel machen sich weder Verzerrungen noch Kompression bemerkbar – sofern der Kopfhörer solche Lautstärken mitmacht. Etwas fetzigere Musik mit reichlich verzerrter E-Gitarre wie von der Wiener Punk-Band F.E.I.D.L. – zum Beispiel „Gusch“ vom Album Wödmusik – verdaut der Rotel DX-3 ohne Wenn und Aber. Er überholt den Burson Soloist SL MKII, den Hifiman Serenade und den Aune S17 Pro Evo in Sachen Dynamik und Direktheit mit Leichtigkeit, ohne die In-Your-Face-Charakteristik des Nuprime HPA-9 zu erreichen, die man auch mögen muss. Wie gesagt: Der DX-3 ist kein Amp fürs Extreme, sondern ein Kämpfer für Ausgewogenheit, könnte man sagen.

Über den symmetrischen Kopfhörer-Ausgang können noch höhere Kraftreserven abgerufen werden, als der unsymmetrische Ausgang bereits zur Verfügung stellt. Das merkt man zum Beispiel mit dem symmetrisch verbundenen HD800S. Im Vergleich zur unsymmetrischen Verkabelung steigt nicht nur einfach die Lautstärke, der HD800S gewinnt nochmals an Präzision hinzu. Instrumente zeichnen genauer, die für die Preisklasse eh schon tadellose Ortungsschärfe steigt weiter – insgesamt liegt gerade die symmetrische Performance in einer Liga, die man dem DX-3 nicht zutrauen würde.

Die Frontpartie des Rotel DX-3

Gerade der symmetrische Kopfhörer-Ausgang des Rotel DX-3 kommt mit reichlich Power …

Der Rotel DX-3 als Vorstufe für Aktivboxen

Apropos symmetrische Ausgänge: Der Rotel DX-3 kann nicht nur als ebenso potenter wie feinfühliger Kopfhörerverstärker dienen, sondern ist ja auch ein Preamp. Ich höre zwar überwiegend über Kopfhörer, aber: In Verbindung mit den über den symmetrischen XLR-Ausgang angesteuerten Fluid Audio CX7 (1300 Euro) präsentiert sich ein sehr erwachsenes und kraftvolles Klangbild, das in jedem einzelnen Frequenzbereich ebenso wenig vermissen lässt wie im Kopfhörerbetrieb – und mit verfärbungsfreien Klangfarben, hoher Fein- und Grobdynamik, klar separierten Instrumenten sowie überzeugender Detailauflösung aufwartet.

Freude aus der Tiefe

Im Bassbereich können sich bei (Kopfhörer-)Verstärkern – meiner Erfahrung nach auch im höheren Preissegment – sowohl qualitativ als auch quantitativ große Unterschiede auftun. Manche Amps bringen zwar eine qualitativ superbe Tieftonwiedergabe mit, bieten dort aber im Verhältnis zum restlichen Frequenzgang hörpsychologisch eine weniger gehaltvolle Darstellung. Der im Grunde sehr linear aufspielende Goldnote HP10 ist zum Beispiel so ein Kandidat. Andere versuchen, eine weniger detaillierte und ungenauere Spielweise im Bass mit mehr Pegel zu überspielen.

Die seitliche Front des Rotel DX-3 in der Nahaufnahme

Profiliert – auch im Bass

Der Rotel DX-3 schafft das, was viele Verstärker vor ihm nicht schafften: Sich an die knochentrockene, tief hinabreichende und auch im Pegel linear aufspielende Basswiedergabe des für mich preisklassenunabhängigen Bass-Kings Nuprime HPA-9 (der vor allem im Hochton Federn lassen muss, 750 Euro) heran zu robben – ja, sogar auf gleichem Niveau zu spielen. Der Übergang vom Grundton zum Oberbass gelingt dem DX-3 dabei erwartungsgemäß nahtlos, Mid- und Kickbass gestalten sich ebenfalls schön homogen und ausgewogen.

Vor allem aber: Die Bass-Drum des experimentellen Drum’n’Bass-Duos Kern/Quehenberger kommt über den Rotel so dynamisch und energetisch rüber, dass es eine Freude ist. Keine übermäßige Trommelfellmassage, sondern ein wohl dosiertes und trocken-schnelles Ein- und Ausschwingverhalten der Bass- und Snaredrum steht beim Rotel DX-3 hier auf der Habenseite. Auch die Synthesizer-Bassbegleitung kann mit erwachsenem Tiefgang überzeugen, wie das Stück „Ha Ha Ha“ der gleichnamigen EP unter Beweis stellt.

Qualitativ ist die Bassperformance tatsächlich ähnlich zum teureren Goldnote HPA-10 Deluxe. Allerdings besitzt der Rotel DX-3 vor allem bei kräftigen Impulsen höhere Dynamikreserven und verleiht der Musik so die lebendigere Spielweise.  Noch ein Wort zum Tiefgang: Wo andere DAC-/Verstärker-Kombinationen – etwa das Gespann aus SMSL DO200 und Burson Soloist SL – ab einer gewissen Frequenz abfallen, fühlt sich der Rotel noch in der Lage, diese anstandslos weiterzugeben.

Das Marken-R von Rotel am Rotel DX-3

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Test: Rotel DX-3 | Kopfhörer-Verstärker, Vorstufe

  1. 1 Maßstabssetzend
  2. 2 Rotel DX-3: Klangtest & Vergleiche

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