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Wer die ersten Sprossen einer Leiter erklimmt, fragt sich recht bald, wie es wohl ganz oben aussehen mag. Schön, dass ich mit dem Rockna Wavedream Reference Signature dazu heute die Gelegenheit habe. Die „untere Sprosse“ namens Rockna Wavelight+ PRE/DAC leistet mir schon seit Jahren gute Dienste, doch jüngst haben die Digitalexperten zwei neue DAC-Spitzenmodelle aufgelegt, von denen besagter „Signature“ das Flaggschiff darstellt – und zum gut vierfachen Kurs meines kleinen Wavelights angeboten wird. Das ist natürlich das Problem, wenn man dann auf der letzten Sprosse steht: Schnell wird einem schwindlig.
Auf dem Weg nach oben kommt man zunächst am „normalen“, vor zehn Jahren erstmals aufgelegten Wavedream-DAC vorbei, er steht mit 10 kEuro in der Liste, dann erreicht man den neuen Wavedream Reference für knapp 17 kEuro, um schließlich bei unserem aktuellen Probanden – und damit bei 26.490 Euro – zu landen. „Ab einer gewissen Schwelle wollen die Kunden einfach nur das Beste, tatsächlich habe ich mehr Anfragen für den Wavedream Reference Signature als für den ‚einfachen‘ Reference“, so Walter Kircher, der den Vertrieb in Deutschland und Österreich besorgt. Theoretisch bin ich ja auch so drauf, aber meine verdammte Bank bremst mich da immer etwas aus. Wie gut, dass ich Highend-Tester geworden bin: Reiche man mir das Beste! Zumindest leihweise.

Die letzte Sprosse: Der Wavedream Reference Signature ist der Flaggschiff-D/A-Wandler von Rockna. Der Hersteller hat sich auf Ladder-DACs und Server/Streamer spezialisiert und verfolgt einen ziemlich rigorosen Inhouse-Ansatz: Bis auf die Programmierung der Steuer-App machen die Rumänen in Grunde alles selbst
Rockna Wavedream Reference Signature – technisches Konzept
Über den Wavedream Reference Signature ließen sich seitenlange technische Ausführungen schreiben, doch ich vermute, damit tue ich weder Ihnen noch mir einen Gefallen. Deshalb möchte ich mich auf die Darstellung der Grundkonzeption und der Unterschiede zum DAC-Einstiegsmodel, dem Wavelight+, sowie dem fast 10 kEuro günstigeren Wavedream Reference konzentrieren – der äußerlich der Signature-Variante übrigens wie ein Ei dem anderen ähnelt.
Funktionen und Eingänge – Ab- und Zugänge
Was der Wavelight den Wavedream-Reference-Modellen tatsächlich voraus hat, ist ein analoger Hochpegeleingang. Die großen Wavedream-DACs besitzen keinen, was wahrscheinlich der Überlegung geschuldet ist, dass Kunden in dieser Liga in der Regel sowieso schon eine sehr hochwertige (Vor-)Verstärkung am Start haben und einen solchen Analog-Eingang deshalb eh nicht nutzen. Tatsächlich geht‘s mir mit dem Rockna Wavelight+ PRE/DAC schon so.
Eine Lautstärkeregelung besitzen die Rockna-Wavedream-Reference-Modelle freilich – eine rein digitale, mit 32-Bit-Auflösung, und deshalb vorgeblich weitestgehend verlustfreie. Er wolle damit zwar keinen Weltklasse-Vorstufen Konkurrenz machen, so sinngemäß Nicolae Jitariu, der Gründer und Eigentümer von Rockna Audio, doch viele Kunden, die ausschließlich digital hörten, seien mit der integrierten Lösung sehr zufrieden.

Das Anschlussfeld des Rockna Wavedream Reference Signature: So ziemlich alle bei Audiophilen angesagten Digitalschnittstellen sind an Bord, inklusive I2S. HDMI und WLAN fehlen allerdings (Bluetooth sowieso). Das gewandelte Signal lässt sich symmetrisch und unsymmetrisch abgreifen
Die beiden Rockna-Wavedream-Reference-Modelle bieten, wie der Wavelight, alle relevanten Digitalschnittstellen, spricht: Toslink, S/PDIF koaxial, AES/EBU, USB und I2S. Zusätzlich haben sie aber noch einen Streaming-Client mit an Bord, der über eine RJ45-Buchse mit Daten gefüttert werden kann. Mit ihm stehen zurzeit folgende Playerlösungen parat: Roon, UPnP, OpenHome, HQPNAA, Airplay, Squeezelite, Spotify und Qobuz Connect. Mit einem entsprechenden Streaming-Abo in der Tasche, kann man also direkt loslegen und in der App seines Cloud-Anbieters bleiben, was ja durchaus seinen Charme hat. Später mehr dazu. WLAN und HDMI? Nein, diese Schnittstellen befinden sich nicht im Paket. Dafür ist man bei Rockna wohl zu klassisch audiophil veranlagt.
Wie dem auch sei, der Rockna Wavedream Reference Signature geht jedenfalls als Streaming-DAC durch. Interessant dabei ist, dass die Rumänen hierbei nicht auf ein Zukauf-Streamingmodul setzen, sondern alles selbst machen. Typisch Rockna halt. Tatsächlich gibt es überhaupt kein „separates“ Streamingmodul im Wavedream Reference Signature, vielmehr sei der Renderer „integraler Bestandteil des digitalen Front-Ends“, so Jitariu. Um diese Aussage einzuordnen, müssen wir uns die Grundkonzeption des DACs vor Augen führen.
Das Konzept
Beim Rockna Wavedream Reference Signature handelt es sich um einen Ladder-DAC, die Wandlung ins Analoge geschieht hier also mittels einer R2R-Widerstandskaskade und nicht, wie beim Gros der D/A-Konverter am Markt, durchs Delta-Sigma-Verfahren. Wobei, um ganz genau zu sein: Er ist ein „Hybrid-Ladder-DAC“, da ein Teil der Dekodierung nicht via R2R erfolge, so die Rumänen etwas kryptisch.
Da die D/A-Wandlung symmetrisch vorgenommen wird, stecken im Rockna Wavedream Reference Signature vier Wandlermodule mit einer ganzen Armada an Einzelwiderständen, die von je vier FPGAs angesteuert werden – Halbleiterbausteinen, deren Programmierung von Rockna übernommen wird, woher auch ein Gutteil der Performance rühre.

Statt Wandler-Chips von der Stange setzt Rockna auf proprietäre Ladder-DAC-Technologie. Hier im Bild: Eines von vier Wandlermodulen des Rockna Wavedream Reference Signature, die aus Einzelwiderständen aufgebaut werden
Den FPGAs wiederum vorgelagert ist ein Zynq-SoC (System-on-Chip) von AMD, der die Kontroll- und Schnittstellenfunktionen (Display, App, Fernbedienung), das Management der Digitaleingänge und die „Übergabe“ an besagte FPGAs organisiert. Und auf eben diesem Chip und seiner maßgeschneiderten, proprietären Linux-Firmware läuft unter anderem der genannte Streaming-Renderer. Die nahtlose Integration des Streamers auf dieser Ebene biete laut Jitariu klare klangliche Vorteile.
Unterschiede
Die Unterschiede zwischen Rocknas Einstiegs- und dem Flaggschiff-DAC sind natürlich allgegenwärtig. So hat der Wavelight beispielsweise „nur“ zwei Widerstandskaskaden für den linken und rechten Kanal unter seiner der Haube, während der Wavedream Reference Signature mit besagten vier daherkommt, die zudem deutlich aufwendiger gestaltet – es handelt sich um überarbeitete Versionen der im bisherigen Wavelight verwendeten – und separat geschirmt wurden.

Haube hoch: Blick ins Innere des Rockna Wavedream Reference Signature. Bei den vier silbernen Kästchen handelt es sich um die Wandlermodule – je zwei pro Kanal, da wir es hier mit einem symmetrischen Ansatz zu tun haben
Zwischen der Signature- und der Non-Signature-Version der Wandlermodule des Wavedream Reference liegt allerdings nur ein Bit. Theoretisch entspricht das allerdings gut 134 Millionen zusätzlich möglichen Spannungsstufen, wenn ich mich nicht verrechnet habe. What a difference a bit makes … Beim Signature wird zudem jedes Bit von einem eigenen IC-basierten Schalter angesteuert, während bei der Standardvariante je acht Schalter pro IC zusammengefasst werden. Solche Feinheiten der Ansteuerungen sollen weitere Vorteile bei der Schaltungstopologie bieten und sich klanglich bezahlt machen – wie auch die noch hochwertigere Clock, die im Signature ihren Dienst versieht. Weitere Unterschiede zwischen den beiden Wavedream-Reference-Modellen gibt es bei der Stromversorgung und vor allem der Ausgangsstufe, so Nicolae Jitariu weiter.
Apropos Stromversorgung: Zwei spezielle Ringkerntransformatoren versorgen getrennt die analogen und digitalen Sektionen der Schaltung. Zur Schirmung stecken sie unter einem dicken Kupferblech. Siebkondensatoren mit insgesamt 90.000 µF Kapazität stehen ihnen zur Seite, und über 20 geregelte Spanungsversorgungen minimieren Interaktionen zwischen den unterschiedlichen Schaltungsbereichen. Alle Audio-relevanten Abteilungen werden dabei linear geregelt, für Display, Kontrollschaltungen und ähnliches kommen dagegen auch Schaltregler zum Einsatz, was den Vorteil geringerer Wärmeentwicklung mit sich bringe – und weniger warm werdende Gerätschaften verhielten sich über die Zeit konstanter, so Jitariu.
Auch die symmetrische Ausgangsstufe wurde von Grund auf neu konzipiert: Es handelt sich um ein diskret aufgebautes Class-A-Design, in dem JFETs und bipolare Transistoren maximal rauscharm arbeiten und für eine geringe Ausgangsimpedanz und den edlen DAC-Modulen adäquate Transparenz sorgen, so jedenfalls die Rumänen – die sich im Weiteren aber nicht tiefer in die Karten schauen lassen wollen. Die Ausgangsstufe des Signature-Modells sei jedenfalls nochmals deutlich leistungsfähiger.
Filter, Schnittstellen, Player, Pegelreglung
Bei so einer Maschine wie dem Rockna Wavedream Reference Signature lässt sich vieles ausprobieren, und da das meiste nur weniger Fingertipps auf dem Handy/Tablet bedarf, habe ich ordentlich herumgespielt. Doch einiges ist, ehrlich gesagt, klanglich auch nicht wirklich spielentscheidend. Beispiel: Die proprietäre ASRC-freie PLL-Lösung besitzt zwei Modi, „Continuous“ und „Slow“ – doch da höre ich nun beim besten Willen keine Unterschiede heraus. Mit etwas gutem Willen dagegen bei den Digitalfiltern, derer drei an Bord sind plus die Einstellung „Off“ (NOS). Könnte schon sein, dass mir das Hybrid-Filter am besten gefällt, aber Sie vermuten ganz richtig: Gewaltig sind die Differenzen zwischen den Optionen nicht. Entscheidender ist da eher die Frage nach der Player-Lösung und den Schnittstellen. Hauptsächlich habe ich LAN, USB und I2S genutzt – sowie Squeeze, Roon und Qobuz Connect.
Letzteres ist ja schon eine coole Minimalistenlösung: LAN-Kabel hinten rein, Qobuz-App gestartet, los geht’s. Und es klingt verdammt gut. Allerdings ist nicht zu leugnen, dass die weniger minimalistische Variante mit meinem Musikserver im Signalweg (ein Antipodes K22), der dann via I2S am Rockna hängt, vernehmbar besser klingt. Ob das die zusätzlichen 10 kEuro Wert ist, sei mal dahingestellt.
Viele derer, die ernsthaft über das neue Rockna-Flaggschiff nachdenken, dürften daheim aber sowieso schon einen Server betreiben – und nicht unwahrscheinlich ist es, dass auf ihm Roon läuft, schließlich hat sich diese Software bei Audiophilen nicht ohne Grund breitgemacht. Die gute Nachricht für diese Hörer-Gruppe: Der Wavedream Reference Signature klingt mit aktiviertem Roon-Player und über LAN verbunden, richtig, richtig gut. Roon über I2S tönt bei mir tatsächlich nicht groß anders. Mit dem SqueezePlayer/LMS plus I2S klingt es allerdings doch wieder einmal am besten, wobei die Unterschiede nicht gewaltig sind – und der Bedienkomfort im Vergleich zu Roon deutlich nachlässt.
Zu guter Letzt der Vergleich: Rockna, direkt an der Endstufe vs. Rockna an der Vorstufe. Nun, was soll ich sagen? Ich sehe keinen Anlass, mich von meinem Electrocompaniet-Vorverstärker zu trennen. Vielleicht ist meine Kette ja auch zu laut für dieses Setup – ich musste am Rockna immer circa -20 bis -30 dB herunterdrehen – und in anderen Konstellationen mag sich das anders darstellen. Aber bei mir war der Unterschied letztlich der zwischen einer sehr guten und einer magischen Performance. Im Weiteren habe ich deshalb die Vorstufe im Signalweg gelassen.

Die App des Rockna Wavedream Reference läuft stabil, lässt sich intuitiv bedienen und erlaubt viele Einstell-Möglichkeiten. Die Steuerung der Musik geschieht hierüber aber nicht, sondern über die Lösung des jeweiligen Players bzw. der Quelle
So, bevor ich mich weiter in Details verliere, kommen wir besser zum großen Ganzen, zum generellen Klangeindruck dieses „Über-DACs“. Und damit zu den eigentlichen Schwierigkeiten.
Rockna Wavedream Reference Signature: Hörtest und Vergleiche
Die sind nun bestimmt nicht der Performance des Wavedream Reference Signature geschuldet – ich habe noch keine bessere Digitalquelle gehört, so viel darf ich schon mal spoilern. Schwierig wird’s eher, wenn ich mich frage, woran das denn liegen mag und wie ich es plausibel darstellen soll. Aber gut, ich stelle das Jammern jetzt ein und beginne mit dem Einfachen, mit der …
Tonalität
Was schrieb Kollege Frank Hakopians in seinem Test des Rockna Wavelight PRE/DAC? Folgendes: „Tonal ausgewogen abgestimmter DAC mit geringfügig wärmerem Timbre, ohne Aufdickungseffekte.“ Mehr muss ich zur Gesamtbalance des Rockna Wavedream Reference Signature eigentlich auch nicht sagen, denn es ergeben sich keine wesentlichen Unterschiede im Vergleich zum Einstiegs-Wandler der Rumänen.
Besagtes wärmeres Timbre resultiert dabei aus einem etwas kräftiger gehaltenen Bass, weniger aus dem Grundton, ein Unterschied etwa zu einem Aqua Formula xHD (aktuell circa 15.000 Euro). Der Grundtonbereich kommt tatsächlich – wie die Mitten und Höhen – rechtschaffen neutral rüber. Und wenn ich von einem etwas kräftigeren Tiefton spreche, meine ich das auch so. Insbesondere sollten Sie nicht an eine Bassbetonung à la Ideon Audio Eos DAC (9.900 Euro) denken, die definitiv Charme besitzt, aber doch Geschmackssache bleibt und sich anders auswirkt als der zwar substanzielle, schlussendlich aber mehr an der „Wahrheit“ orientierte Tiefton des Wavedream Reference Signature.
Der Gott der kleinen Dinge
Gerne höre ich Testkandidaten ein paar Tage lang am Stück und switche erst dann zu einem Vergleichsgerät, denn so treten die relevante Unterschiede schneller ans Licht, als wenn man fortwährend nervös hin- und herwechselt. Bisweilen muss man aber auch Hardcore-mäßige A/B-Vergleiche durchziehen – so geschehen im aktuellen Fall mit „Colomb“ von Nicolas Jaars Debütalbum Space Is Only Noise, genauer: mit den ersten 20 Sekunden des Songs. Zugegeben: Man kommt sich ein wenig bescheuert dabei vor. Doch es ist aufschlussreich.
Im Grunde passiert in diesen 20 Sekunden nicht viel, neben der (vermutlich computergenerierten) kleinen Melodielinie gibt’s im Hintergrund drei Dinge zu entdecken: fließendes Wasser, ein leises elektronisches Rauschen, so als ließe man über ein Ventil Luft ab, und dann atmet da noch jemand. Die drei Signale sind nicht nur leise, sondern auch in ähnlichen Frequenzgefilden unterwegs. Ich starte mit dem Rockna Wavedream Reference Signature und wechsle danach zum Wavelight – „Das darf nicht wahr sein!“, entfährt es mir unwillkürlich –, und dann wieder zum Reference zurück.
Mag schon sein, dass die Frequenzgefilde ähnlich sind, doch das heißt ja nicht, dass Klangfarbe und Textur der Geräusche gleich sind – wie mir jedenfalls der Rockna Wavedream Reference Signature verdeutlicht. Er unterscheidet dabei nicht nur das Liquide/Glitzernde des Wassers sauber vom Atmen und Rauschen, sondern auch diese beiden voneinander, was schwerer ist, da sie sich ähnlicher sind. Nun wirft mein Wavelight-DAC zwar nicht alles in einen Topf, soweit würde ich nicht gehen, doch Timbre und Textur der Signale verschwimmen im Vergleich zum Rockna-Flaggschiff doch schon sehr ineinander. Zur besseren Differenzierung trägt beim Wavedream Reference Signature allerdings auch der räumliche Aspekt bei: Nicht nur, dass die Bühne deutlich mehr Tiefe bekommt und Einzelklänge somit mehr Platz zur Entfaltung – ihnen selbst wird ebenfalls mehr Tiefenprofil zugestanden, sie wirken 3D-hafter, nicht wie „flache Scheiben“, übertrieben formuliert. Ja, der Wavelight kommt tatsächlich (relativ, wohlgemerkt) diffuser und flächiger rüber.
Nun kann man sich natürlich fragen, ob das denn wirklich so relevant ist, schließlich geht’s hier nur um leise Hintergrundgeräusche in einem Song, und die Musik als Ganzes lässt sich auch ohne Ausleuchtung bis ins hinterletzte Detail genießen. Erstens: Ja, das stimmt. Zweitens: Ich komme Ihnen jetzt mal wieder mit einer Foto-Metapher:
Sie knipsen dasselbe Motive einmal mit Ihrer neuen Vollformatkamera, einmal mit dem Handy, und schauen sich die beide Bilder als Ganzes im Vergleich an. Zu Ihrer geringen Überraschung stellen Sie fest, dass das von der Vollformatkamera „irgendwie besser“ ausschaut. Doch warum? Jetzt zoomen Sie ordentlich rein und entdecken, dass Sie bei der Vollformataufnahme immer noch klare Strukturen, Kanten, Unterschiede und Verläufe erkennen, wo Ihnen das Handy-Pic fast nur noch Matsch zeigt, sodass man sich glatt fragt, wie daraus eigentlich das doch recht ordentlich ausschauende Gesamtbild zusammengesetzt werden konnte. – Natürlich muss ich nicht immer in jede Musikaufnahme hineinzoomen, um sie genießen zu können. Doch meine These ist, dass diese Akkuratesse bei leisen, ähnlichen, aber nicht gleichen und nur scheinbar nebensächlichen Signalen eine wesentliche Erklärung fürs „irgendwie besser“ des großen Ganzen ist.

Das Kupferblech schirmt unter anderem die beiden Ringkerntrafos des Rockna-DACs ab, die in Summe auf 80 VA Leistungsaufnahme kommen
Das große Ganze
Andererseits muss man aber nicht so „mikroskopisch“ hören, um zu entdecken, dass der Rockna Wavedream Reference Signature etwas sehr Besonderes ist – die Makroperspektive vom Sweetspot auf das Bühnengeschehen tut’s auch. Etwas schlicht formuliert: Wow!
Wirklich breiter als Rocknas Einstiegsofferte – und viele andere D/A-Wandler – bildet das Flaggschiff zwar nicht ab, aber was in der Tiefendimension an zusätzlichem Raum gewonnen wird, ist sehr beachtlich. Das Beste dabei: Oft gibt es diesen Trade-off zwischen einer involvierend-frontalen Präsentation mit limitierter Tiefe oder umgekehrt: einer tollen Tiefenstaffelung, die aber erst auf der Stereobasis startet, mithin etwas distanzierter wirkt. Der Wavedream Reference Signature versteht sich dagegen auf beides, marschiert gerne einen Schritt nach vorne und leuchtet gleichzeitig sehr tief nach hinten – und das klappt an den Rändern so gut wie im Zentrum der Bühne, was es noch erstaunlicher macht.
Und so hat Zaho de Sagazan – die Musik der Französin wird oft in die Schublade „Chanson trifft Elektro“ gesteckt – mit ihrem Song „Tristesse“ (Album: La symphonie des éclairs) und dessen Synthiesounds einfach deutlich mehr Platz zur Verfügung und kann dementsprechend ganz anders aufspielen als mit in Relation dazu zweidimensionaler arbeitenden D/A-Wandlern. Und das sind im Grunde alle mir bekannten. Hinzu kommt, dass der Reference Signature vom anderen Trade-off „weitläufig, aber leicht diffuse Abbildung vs. sehr lokalisationsscharf, doch eher kammermusikalisch-kompakt“ offenbar noch nie etwas gehört hat. Sprich: Die einzelnen Klänge werden extrem akkurat und vor allem griffig und 3D-haft modelliert, ich entsinne mich nicht, je Besseres vernommen zu haben. Sowas zahlt natürlich ebenfalls gehörig auf die Wirkung der elektronischen Klanglandschaft ein – und auf die Stimme der jungen Französin.
Überhaupt: Diese Stimmen! Wenn es eine Sache gibt, die sofort klar macht, worin der Klassenunterschied eines solch extremen DACs zum günstigeren Rest der Zunft besteht, dann die Stimmwiedergabe. Egal, ob nun der geschmeidige Gesang von Norah Jones oder das eher desillusionierte Kommentieren von Arab Straps Aidan Moffat (Album: Philophobia) – hier wird ein Level an Ausdruck und Überzeugungskraft erreicht, den ich allenfalls von meinem analogen Frontend kenne. Wobei das, ehrlich gesagt, mit der frappierenden Plastizität der Stimmwiedergabe von Rocknas Top-Wandler nicht mithalten kann. Ja, ganz richtig: Was der Wavedream Reference Signature hier aufführt, ist echt der Hammer.
Dynamik
Es liegt wohl in der Natur der Sache, dass ein derart hochauflösendes Gerät auch in der Lage ist, allerfeinste Pegeldifferenzen aufzuzeigen – kleine und kleinste Stimmvariationen, Änderungen des Drucks beim Bogenstrich, das zarte Verklingen einer Klaviersaite im Raum, wobei hier dann sogar das Kunststück beherrscht wird, Raumhall und Direktklang des Instruments noch im Verklingen auseinanderzuhalten. Kurz: Die Feindynamik ist gewissermaßen eine weitere Dimension des Auflösungsvermögens des Rockna Wavedream Reference Signature – und das ist hervorragend.
Selbstredend ist sich der große Rockna auch für grobe Signalwechsel und rhythmisch-treibende Musik nicht zu fein. Interessant finde ich hier wieder den Vergleich zum Ideon Audio Eos beziehungsweise wie unterschiedliche Mittel zum letztlich ähnlichen Ziel führen. Während der genannte Eos DAC quasi augenzwinkernd mit einer kleinen Spaßbetonung im Bass groovig zur Sache geht, resultiert der Mitwippfaktor beim Rockna Wavedream Reference Signature vor allem daraus, dass er fast schon fanatisch auf den Punkt spielt. Zwar ist sein tonales Untergeschoss ebenfalls eher auf der satteren denn kargen Seite daheim, aber eben einiges näher an „Normal Null“ als das des Ideon. Doch so wie der Rockna in räumlicher Hinsicht alles ganz präzise herausmodelliert, so geht er auch mit Impulsen, der Attack und dem Ver- und Ausklingen um: Er swingt nicht nonchalant, er spielt rhythmisch-zwingend – ohne dass dem je etwas Zwanghaftes anhaften würde.
Test: Rockna Wavedream Reference Signature | D/A-Wandler, Netzwerk-Player






