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Audio Reference / Krell
Demnächst im Test:

Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Yin & Yang
  2. 2 Soundcheck & Vergleiche: RHA CL1 Ceramic & Dacamp L1
  3. 3 Test-Fazit: RHA CL1 & RHA Dacamp L1

Während der Brexit um sich greift, schmieden die Schotten lieber tragfähige Allianzen. Beispielsweise mit dem RHA CL1 Ceramic In-Ear und dem portablen DAC/Kopfhörerverstärker RHA Dacamp L1, die sich beide ganz nebenbei auch mit den amtierenden Größen der Branche messen wollen. Spannend also die Frage, wie sich die beiden Herausforderer präsentieren werden – dem gemütlichen Inselsound zugeneigt oder eher als dynamisches Duo aufwartend?

RHA Technologies (www.rha-audio.com/de) ist im Grunde ein noch highfideler Jungspund und wurde erst 2011 im schottischen Glasgow gegründet. Zunächst rein auf In-Ear-Monitore fokussiert, konzentrierte sich das junge Technologie-Unternehmen auf günstige, aber qualitativ hochwertige Produkte im Einsteigerbereich. Nur logisch, dass die Schotten basierend auf ihren Erfahrungen im Spritzguss und der Treiberentwicklung aus der T-Serie ihr Sortiment nach oben hin erweitern. Und dabei kompromisslose Klang-Connaisseurs anpeilen, die unterwegs ihre hochwertigen Bügelhörer lieber zuhause wähnen und dennoch platzsparend und komfortabel bestmögliche Wiedergabequalität in den Händen halten wollen.

Technisches zum RHA CL1 Ceramic

RHA CL1 Ceramic In-Ear Kopfhörer

Nähern wir uns zunächst dem In-Ear RHA CL1 Ceramic, dessen Treibergehäuse aufwändig poliert werden, bis sie in tiefem Schwarz und feiner und glanzvollen Struktur zu schimmern beginnen. Rein auf das Treibergehäuse bezogen, fällt die große Ähnlichkeit zum RHA T20i auf. Man beließ es bei der bewährten organisch-runden Formgebung, wechselte aber von Edelstahl auf ein keramisches Material. Diesem werden besondere resonanzdämpfende Eigenschaften nachgesagt, aber auch ein umso anspruchsvollerer Produktionsprozess. Hier gilt es das spröde Material auf die gewünschte Festigkeit und Form zu trimmen und so ein hochfestes, solides Treibergehäuse aus Zirkoniumdioxid herzustellen. Der CL1 soll laut RHA sogar einen Sturz auf blankem Asphalt klaglos überstehen – eben auch dank des Materials, das unter anderem in synthetischen Diamanten oder in der Medizintechnik Verwendung findet.

Die Formgebung fördert den Tragekomfort und erlaubt eine flexiblere Ausgestaltung der akustischen Kammer, immerhin kommen im RHA CL1 gleich zwei Treiber zum Einsatz. Während den Frequenzbereich ab 8 kHz aufwärts bis in unhörbare 45 kHz hinauf ein mit 0,11 mm hauchdünner, im Kern aus Keramik bestehender Treiber verantwortet, übernimmt ein dynamischer Treiber die Reise bis zu tiefen 16 Hz hinunter. Für einen bruchlosen und gleichphasigen Übergang „fadet“ sich der keramische Treiber während des Ausblendvorgangs seines dynamischen Kollegen sanft ein. Interessant hierbei, dass sich RHA beim keramischen Treiber des piezoelektrischen Effekts bedient. Aus drei unterschiedlichen Materialschichten bestehend, fließt das Nutzsignal über die rückseitige Silberschicht zur frontseitigen Zinkbeschichtung. Auf mehrere Schichten verlässt man sich auch beim dynamischen Wandler und setzt bei der Membran statt auf der sonst üblichen Monoschicht aus zumeist Mylar auf eine Kombination mit einem weiterem, nicht näher benannten synthetischen Material, um dem Ganzen ein präziseres Ein- und Ausschwingverhalten zu verleihen.

RHA CL1 Ceramic In-Ear Kopfhörer/ XLR Kabel

Ein Mini-XLR Kabel gehört unter anderem zum Lieferumfang des RHA CL1 Ceramic

Eine Ventilierung der Schallkammer verhindert, das rückwärtig aus den Treibern emittierende Schallanteile wieder als Reflexionen auf die Membranen zurückstrahlen, sichtbar anhand eines gerade mal zwei Millimeter großen Metallgrills des Auslass-Ports im Rücken der Membranen. Auf die aus der T-Serie bekannten auswechselbaren Filtereinsätze, die der Wiedergabe entweder mehr Höhen- oder Bassanteile verleihen, wurde hingegen verzichtet, denn für ein häufiges Auf- und Abschrauben von Filtereinsätzen ist Keramik materialbedingt ungeeignet.

Im Unterschied zu besagtem RHA T20i fällt auch umgehend das insbesondere dem Gehäusematerial geschuldete geringere Gewicht auf. Gerade mal 14 Gramm bringt der RHA CL1 pro Kanal auf die Waage. Es gilt die Faustregel „je geringer das Gewicht, desto größer der Komfort“ – und der kann sich im Falle des CL1 als durchaus formidabel bezeichnen lassen. Die Kombination aus geringerem Gewicht, dem Ohr nachempfundener organischer Gehäuseform sowie die hautschmeichelnde feine Oberflächenbeschaffenheit überflügeln auch den hohen Maßstab des T20. Nicht zuletzt aufgrund mitgelieferter Ohranpassstücke aus Memoryschaum von Comply und einem Reigen Ohrpassstücke unterschiedlicher Größe und Form aus Silikon lässt sich der CL1 entspannt über einen längeren Zeitraum tragen und bietet eine gute Abdichtung – wichtig für ein ausgewogenes Klangbild.

Für viele vielleicht eher ungewohnt ist die flexible, hinter dem Ohr verlaufende Kabelführung des RHA CL1. Ein weich ummanteltes Drahtgeflecht erlaubt die individuelle Anpassung an den Träger für besseren und vor allem stabileren Sitz. Eine Fixierung des Kabels an der Kleidung mittels mitgelieferter Klammer minimiert Reibung an der Kleidung und damit einhergehende Mikrofonieeffekte.

Ohrstöpsel RHA CL1 Ceramic In-Ear

Im Gegensatz zur T-Serie erlaubt der CL1 mittels seiner sMMCX-Steckverbindung auch den Einsatz von Kabeln anderer Hersteller und so auch die Verwendung des praktischerweise gleich mitgelieferten Mini-XLR Kabels. Die sich bis zum Kabelsplitter in geflochtener Form emporwindenden Adern bestehen bei der 3,5-mm-Klinkenvariante aus sauerstoffarmen, hochreinem Kupfer, während die Mini-XLR-Variante Silberleitungen in störsignalunterdrückender symmetrischer Schaltung beinhaltet.

Mit seiner für einen In-Ear recht hohen Impedanz von 150 Ohm ist Antriebsleistung ein entscheidendes Stichwort. Für ein gewöhnliches Smartphone jedenfalls eine eher herausfordernde Aufgabe mit ungewissem Ausgang, die förmlich nach einer externen Verstärkungslösung ruft. 

Technisches zum RHA Dacamp L1

Hierzu muss der geneigte Hörer auch gar nicht lange suchen, denn mit dem RHA Dacamp L1 bieten die Schotten erstmalig einen selbstentwickelten mobilen handlichen Kopfhörerverstärker und D/A-Wandler an. Dieser soll nicht nur den RHA CL1 oder jedweden anderen In-Ear adäquat antreiben, sondern als klangverbesserndes Drehkreuz für digitale wie analoge Inhalte – ob vom Laptop oder anderen Quellen stammend – dienen. Dank üppiger Leistungsabteilung soll er darüber hinaus auch in der Lage sein, selbst hochohmige Over-Ears zu beflügeln. Aber dazu später noch mehr, denn die Anschlussoptionen und Einsatzmöglichkeiten des Dacamp sind durchaus vielseitig und interessant.

Drehregler von RHA Dacamp L1

Der Drehregler des RHA Dacamp L1 dient sowohl als Ein/Aus-Schalter als auch als Lautstärkeregler

Ganze drei Jahre habe es gedauert, so RHA, bis der Dacamp L1 vom Grundentwurf bis zur Serienreife die für ein Erstlingswerk hoch gesteckten Anforderungen erfüllte. Man hätte sich das Leben einfacher machen können, indem man auf den symmetrischen Aufbau verzichtet oder auf einen einfachen Bass-Boost-Schaltkreis statt einer aufwendigen Klangregelung gesetzt hätte. Aber um renommierten Größen wie dem Chord Mojo oder dem Audio-Technica AT-PHA 100 Paroli zu bieten, muss schon ein gewisser Aufwand betrieben werden.

Mit seinen Dimensionen von knapp 12 cm Länge, 7,2 cm Breite und 2 cm Höhe sowie einem Gewicht von 233 Gramm liegt der RHA Dacamp L1 gut in der Hand, um überall hin mitgenommen zu werden. Das nahtlos aus einem Stück hochfestem Aluminium gefertigte, mineralgraue Gehäuse wirkt äußerst robust und dürfte im Alltag sicherlich einiges wegstecken. Noch besser wäre aber eine maßgefertige Schutzhülle, will man unschöne Kratzer auf dem Blechkleid vermeiden. Zwar liefert der Hersteller ein kleines Tuch mit, aber das dient gemeinsam mit den zwei Gummibändern eher der schonenden „Hochzeit“ mit dem Zuspielgerät.

Der RHA Dacamp L1

Das theoretisch eigentlich einhändige Bedienkonzept wurde mittels integrierter, fein rastender Drehregler realisiert. Während der Zeigefinger der rechten Hand den oberseitig angebrachten Lautstärkeregler, der gleichzeitig auch als Ein- und Ausschalter fungiert, fein dosierbar bewegt, lassen sich mit dem Daumen nach viel Übung auch die drei seitlich angebrachten Drehknöpfe bedienen. Wobei das in der Praxis ehrlich gesagt aufgrund der Schwergängigkeit, die ein versehentliches Verstellen der Regler vermeiden soll, doch wohl regelmäßig beidhändig erfolgen wird.

Die weich gummierten, geriffelten Drehregler erlauben sowohl die Anhebung (+9 dB) oder Absenkung (-3 dB) von Höhen und Tiefen als auch die Anpassung des Verstärkungslevels (Gain). Kommen also empfindliche In-Ears zum Einsatz, kann der Verstärkungsfaktor heruntergefahren werden – das sorgt nicht zuletzt für eine längere Akkuleistung sowie für eine feinere Einstellung der Lautstärkeregelung. High Gain empfiehlt sich für hochohmige Kopfhörer wie den im Hörtest verwendeten Beyerdynamic DT 880 mit seinen 600 Ohm Impedanz, während sich im Einsatz mit dem RHA CL1 In-Ear das mittlere Gain-Level als besonders passend darstellt. Oberseitig findet sich auch der Mini-XLR-Ausgang sowie gegenüberliegend der klassische 3,5-mm-Klinkenausgang.

Die Laufzeit des mit 4000 mAh spezifizierten Akkus ist in der Praxis mit 9,5 Stunden am hochohmigen 600-Ohm-Over-Ear bei normaler Lautstärke durchaus respektabel, volle Akkuleistung stand beim Laden mit einem handelsüblichen Smartphone-Ladegerät (5 V, 2 A) nach knapp vier Stunden wieder zur Verfügung.

RHA Dacamp L1 und iOS/Android als auch mit PC/Mac

Der RHA Dacamp L1 versteht sich sowohl mit iOS/Android als auch mit PC/Mac

Kurz zu den inneren Werten: Die symmetrische Schaltung des RHA Dacamp L1 kompensiert störende Einflüsse, die eventuell von Mobilfunk, WLAN oder Bluetooth-Komponenten besonders dann in Erscheinung treten können, wenn Smartphones oder DAPs via mitgelieferter Umspanngummis huckepack getragen werden. Für die Wandlung der digitalen Signale wird dediziert für jeden Kanal jeweils ein Sabre ES9018K2M-Wandlerkäfer des kalifornischen DAC-Herstellers ESS Technology in die Pflicht genommen. Diese zählen zu den besonders gut beleumundeten D/A-Wandlern und sind speziell für den Einsatz im mobilen Bereich auf energieschonende Wandlung trainiert.

Eingehende PCM-Signale bis hinauf zu 384 kHz Samplerate und 32 Bit Wortbreite werden ebenso wie eintreffende DSD-Dateien (bis zu 11,2 MHz) bearbeitet. Das gewandelte Signal reicht der Dacamp anschließend dank seines symmetrischen Aufbaus kanalgetrennt an zwei interne Amps, die mit 28 mW an 300 Ohm ordentlich Leistung liefern. Insgesamt versprechen sich die Schotten davon eine höhere Kanalseparation und geringere Übersprechstörungen.

Kartons von RHA CL1 Ceramic und CL1 Ceramic

Sowohl iOS- als auch Android-Geräte finden via USB-Schnittstellen (USB-A und USB-micro-B) Anschluss an den Dacamp L1. Externe Gerätschaften können hier auch die Energievorräte des Amps anzapfen, sollte ihnen unterwegs die Puste ausgehen. Der USB-micro-B-Anschluss nimmt nicht zuletzt DAPs mit USB-Audio-Ausgang asynchron in die Pflicht oder betankt den internen Akku. Besonderes bequem: Direkt via USB-A angeschlossen, kann bei Apple Devices auf ein sonst übliches Camera Connection Kit verzichtet werden. Android-User freuen sich über ein im Lieferumfang enthaltenes doppelseitiges USB-B-micro-Kabel. Bleiben wir bei USB-Audio: Der RHA Dacamp L1 unterstützt Mac-Rechner treiberlos mit sämtlichen möglichen Auflösungen, im Falle meines MacBooks Air PCM bis 384 kHz und DSD 128. Für Windows-Rechner ist wie üblich ein USB-Treiber downloadbar.

Wer das Dacamp/Macbook-Gespann nicht ausschließlich per Kopfhörer, sondern auch an seiner Anlage daheim erleben möchte, nutzt einfach den mit festem Ausgangspegel versehenen Line-Out des RHA Dacamp L1, der sich direkt neben den USB-Anschlüssen findet. In Verbindung mit iPhone, Audirvana Plus/iTunes und der Remote-App von Apple wird das Ganze sogar komfortabel vom Sofa aus fernbedienbar.

Aber auch stationäre Geräte wie etwa CD-Player können in den Genuss der Wandlerqualitäten unseres Probanden kommen. Hierzu kann auf den 3,5-mm-Klinkeneingang zurückgegriffen werden, der sich wahlweise analoger oder digitaler Signale annimmt. Bei analoger Zuspielung wird die Wandlersektion automatisch umgangen und das Signal direkt zur erwähnten Verstärkungsabteilung geleitet.

Test: RHA CL1 Ceramic & RHA Dacamp L1 | Kopfhörer, Kopfhörer-Verstärker

  1. 1 Yin & Yang
  2. 2 Soundcheck & Vergleiche: RHA CL1 Ceramic & Dacamp L1
  3. 3 Test-Fazit: RHA CL1 & RHA Dacamp L1
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