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Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Hey, hey, Wickie!
  2. 2 Raidho X2: Hörtest und Vergleiche

Knapp sechs Millionen Menschen leben in Dänemark, doch offenbar muss man nicht wirklich groß sein, um in vielen Bereichen eine Vorreiterrolle innezuhaben. So ist die Hauptstadt Kopenhagen für manche inzwischen „die“ Gourmetmetropole Europas. Auch bei der Nutzung der Windkraft sind die Skandinavier weit vorn und Gleiches trifft auf die Milchleistung dänischer Kühe oder den bargeldlosen Zahlungsverkehr zu. Und keineswegs soll unterschlagen werden, dass die Dänen im Lautsprecherbau schon lange ein Wörtchen mitzureden haben: Namen wie Dynaudio, Dali oder Scan-Speak sind feste Größen im Business. Warum ich Ihnen das alles erzähle? Logo, Sie liegen goldrichtig, wenn Sie vermuten, dass die Raidho X2 (ab 12.900 Euro), die Lautsprecher, von denen ich Ihnen berichten will, gleichfalls aus dem Land unserer nördlichen Nachbarn stammen.

Die Firma

Raidho Acoustics? Dem ein oder anderen dürfte die Zuordnung immer noch ein wenig schwerfallen, auch wenn der Hersteller (Web: https://raidho.dk/) tatsächlich bereits seit 2001 am Markt ist. Damals taten sich Michael Børresen und Lars Kristensen, der auch für Nordost tätig war, zusammen, um im nordjütländischen Pandrup Lautsprecher zu bauen. Die außergewöhnlich schmalen Fronten der Schallwandler und die von Børresen entwickelten magnetostatischen Hochtöner sowie ebenfalls in Eigenregie konstruierte Bass- und Mitteltontreiber mit Keramikmembran garantierten einen hohen Wiedererkennungswert. Daran hat sich bis heute wenig geändert, wenngleich die Dänen die dahinterstehende Treibertechnologie immer weiter verfeinern konnten.

Typisch Raidho: Ein großer Magnetostat besorgt das Hochtonband

Typisch Raidho: Ein großer Magnetostat besorgt das Hochtonband

Als die Firma infolge der Finanzkrise 2008 ins Trudeln geriet, trat die Dantax Radio A/S – eine durch den zeitweiligen Besitz von Scan-Speak einschlägig vorbelastete Aktiengesellschaft, zu derem aktuellen Portfolio auch Scansonic (jüngst im Test: Scansonic MB3.5 B) und Gamut zählen – auf den Plan und sorgte dafür, dass das Raidho-Team seine Arbeit fortführen konnte. Und obwohl die Gründer inzwischen andere Projekte verfolgen, ist man bei Raidho Acoustics weiterhin darauf fokussiert, mit fortschrittlicher Technik die bestmögliche Performance zu erzielen. Dazu entwickelt man, um nur zwei Beispiele zu nennen, Membranen, die sich aus mehreren Schichten unterschiedlicher Materialien wie Aluminium, Titanium, Keramik oder gar Diamantstaub zusammensetzen oder tauscht die üblichen Ringmagnete der Chassis gegen deutlich kräftigere, zylindrische Neodym-Varianten, die von den findigen Dänen in einer offenen Anordnung verbaut werden.

Trotz alledem scheint Raidho Acoustics hierzulande eher als Geheimtipp gehandelt zu werden, zumindest fallen die Dänen bislang nicht durch Omnipräsenz auf. Auf internationalem Parkett sieht es etwas anders aus und es scheint, dass Raidho sich anschickt, auch bei uns zu einer festen Größe unter den Herstellern hoch- und höchstwertigster Schallwandler zu werden.

Die Raidho X2 im glänzenden Maple-Burl-Furnier

Die Raidho X2 im glänzenden Maple-Burl-Furnier

Raidho X2 – technisches Konzept

Sehen wir uns die Raidho X2 etwas genauer an. Mit einer Höhe von 102 Zentimetern und 41 Zentimeter Tiefe sind die Däninnen überschaubar groß, zumal die Schallwand kaum mehr als 14 Zentimeter misst. Hängen bleibt das Auge an den hellgrauen Keramikmembranen der beiden 5,25-Zoll-Tiefmitteltontreiber und dem charakteristischen Hochtöner, den sich alle Raidhos teilen und der den „technischen Look“ der Speaker bestimmt. Dazu trägt auch das elegant designte, gleichwohl kompakte Gehäuse bei, dessen rückseitige Form dem Bug eines Bootes ähnelt; hier dürften nicht nur gestalterische Überlegungen verantwortlich gewesen sein, die Formgebung minimiert auch stehende Wellen im Inneren des Gehäuses. Darüber hinaus mögen strömungstechnische Überlegungen, man denke nur an die legendären Schallwandler von Lumen White, zum charakteristischen Look des rückseitig ventilierten Gehäuses geführt haben.

Das Lautsprechergehäuse der Raidho X2 verjüngt sich noch hinten

Das Lautsprechergehäuse der Raidho X2 verjüngt sich noch hinten

Ein echtes Leichtgewicht sind die Raidho X2 trotz wenig ausufernder Physis dann doch nicht geworden, allerdings lassen sich die 23 Kilogramm noch ganz gut händeln. Tunlichst darauf achten sollte man aber, beim Anheben der Lautsprecher nicht versehentlich in die empfindlichen Membranen zu langen!

Mit 12.900 Euro pro Paar mutet der Preis eines Pärchens X2 nicht wie ein Sonderangebot an. Das ändert sich auch nicht, wenn ich Ihnen verrate, dass wir es hier mit dem zweitkleinsten Modell aus der Edelschmiede in Pandrup zu tun haben, die ihre Produktrange in drei Linien, die X/XT-Series, die klassische D-Series und in der Spitze die XD-Series aufgeteilt haben. Aus ersterer stammen unsere X2. Die X-Serie stellt zwar den Einstieg bei Raidho dar, gleichzeitig soll die Performance der Lautsprecher aber durchaus mit denen aus den anderen, teureren Serien konkurrieren können.

Die 5,25-Zoll großen Keramiktreiber sind eine proprietäre Raidho-Entwicklung

Auch die 5,25-Zoll großen Keramiktreiber sind eine proprietäre Raidho-Entwicklung

Typischerweise wurde bei der X-Serie, neben dem Bändchenhochtöner (okay: Quasi-Bändchen, technisch gesehen handelt es sich um einen Magnetostaten), frontseitig für den Mittel- und Tieftonbereich nur eine Treibergröße verwendet: Raidhos proprietärer 5,25-Zoll-Ceramix-Treiber mit dem optimierten Neodym-Magnetsystem. Erst die kürzlich erschienene Raidho X1.6 bricht mit ihrem 6,5 Zoll großen Tiefmitteltöner diese Tradition. Bei den XT-Modellen tragen die Membranen eine zusätzliche dünne Schicht aus Titanium, was die Steifigkeit erhöht, gleichzeitig aber den Preis spürbar ansteigen lässt. So kommt ein Paar Raidho XT2 auf immerhin 16.000 Euro.

Doch bei Raidho geht noch mehr: Unsere Testlautsprecher schmücken sich mit einem hochglänzenden, spiegelsymmetrisch zusammengesetzten Ahorn-Wurzelholzfurnier (Maple Burl). Ein Hingucker, doch der Aufpreis von 3.000 Euro ist nicht minder beeindruckend. Standardmäßig wird das Gehäuse in Schwarz geliefert.

Die Raidho X2 in der Standardausführung Schwarz

Die Raidho X2 in der Standardausführung Schwarz liegt preislich bei 12.900 Euro

Wählt man diese schlichtere Ausführung, können die X2 in der Disziplin „optisches Understatement“ eine Menge Punkte für sich verbuchen. Dass Raidho es aber dennoch ernst meint, zeigen dem Kenner Details wie die hervorragenden Gerätefüße unter den Auslegern, in denen resonanzableitende Kugeln stecken und die üblichen Spike-Lösungen klanglich deutlich überlegen sein sollen. Auch die Ports der Bassreflexkanäle sind „speziell“, nämlich strömungsgünstig designt – ein wenig erinnern sie an Belüftungsöffnungen teurer Sportwagen.

Das Heck der Raidho X2 zeigt interessante Bassreflexausgänge. Darunter: das hochwertige Single-Wire-Lautsprecherterminal

Das Heck der Raidho X2 zeigt interessante Bassreflexausgänge. Darunter: das hochwertige Single-Wire-Lautsprecherterminal

Die Raidho X2 bedienen sich des sogenannten Zweieinhalb-Wege-Prinzips, wobei dem unteren Chassis die Funktion eines klassischen Basstreiber zukommt. Er hat einen Einsatzbereich von 60 bis 220 Hertz, während der obere Tiefmitteltöner bis 3,5 kHz läuft, darüber ist dann das Hochtonbändchen verantwortlich. Auch ausgebaut machen die Ceramix-Treiber eine prima Figur. Gewicht und ultrastabile Bauweise wirken vertrauensbildend. Natürlich hat so etwas seinen Preis.

Der hinter stabilisierenden Verstrebungen, tief unten im Gehäuse versteckten Frequenzweiche 2. Ordnung konnte ich leider nicht ansichtig werden, doch Morten Nielsen, Sales & Marketing Director bei Dantax, versicherte mir, dass es da nicht wirklich viel zu sehen gäbe, was ich mal als Hinweis werte, dass es sich um eine nicht allzu komplexe, aus nur wenigen Bauteilen bestehende Konstruktion handelt.

Statt üblicher Ringmagnete verbaut Raidho bei den Tiefmitteltönern zylindrische Neodym-Magnete in einer speziellen Anordnung

Statt üblicher Ringmagnete verbaut Raidho bei den Tiefmitteltönern zylindrische Neodym-Magnete in einer speziellen Anordnung

Mit 85 dB/W/m fällt der Wirkungsgrad der Raidhos eher durchschnittlich aus, weshalb bei der Paarung auf allzu schwachbrüstige Verstärker besser verzichtet werden sollte. Allerdings ermuntern die Dänen in der Betriebsanleitung ausdrücklich dazu, den Einsatz von Röhrenverstärkern in Betracht zu ziehen und verweisen dabei auf einen recht gutmütigen Impedanzverlauf von um die 6 Ohm.

Raidho X2: Hörtest und Vergleiche

Es wird geraten, die Raidho X2 weiter auseinander als gewöhnlich zu positionieren und ordentlich einzuwinkeln, wobei der Abstand zu den seitlichen Wänden unkritisch sein soll. Ist alles entsprechend eingerichtet, gilt es, eine längere Einspielzeit einzukalkulieren. Bis die Keramiktreiber und das Hochtonbändchen eine homogene Einheit bilden, vergehen gut und gerne 500 Stunden. Und auch eine gewisse Sensibilität für Lautsprecherkabel lässt sich ausmachen. Meinem eher dünnen Exemplar von Analog Tools scheinen die Däninnen durchaus zugetan, während sie ein querschnittstärkeres Vovox Fortis, sonst eigentlich ein umgänglicher Verbinder, mit schleppendem Bass und leicht aufgedunsenen Mitten abstrafen.

Der eigentliche Hörtest beginnt also mit ein wenig Verzögerung, doch dann darf meine Stereoendstufe Dartzeel NHB-108 den Raidhos die ersten Tracks servieren.

Raidho X2 im Hörraum

Raumtalent

Unerhört weiträumig ist das Klangbild, das die Raidho X2 in den Hörraum projizieren. Komponist und Multiinstrumentalist Stephan Micus ist immer gut für ungewöhnliche Sounds und auf Nomads Songs klingt „Everywhere, Nowhere“ so, als habe er nicht im Studio aufgenommen, sondern in der freien Natur, wo keinerlei Reflexion den Eindruck von räumlicher Begrenzung aufkommen lässt. Ob es sich wirklich so verhielt, weiß ich nicht, doch stehen die Raidhos diesem Eindruck jedenfalls nicht im Weg. Auch scheinen die X2 sich selbst völlig auszublenden, denn als Schallquelle nehme ich sie überhaupt nicht wahr. Das funktioniert aufgrund der schmalen Frontflächen offensichtlich nochmals überzeugender als mit den etwa gleich hohen, aber etwas breiteren meiner Ichos N°Four SE (ab 8.900 Euro). Was sich meiner Wahrnehmung vollkommen entzieht, ist ein auch nur ansatzweise zu detektierendes „Mittenloch“. Sicher wird das durch meinen sich akustisch sehr symmetrisch messenden Hörraum begünstigt, doch Tatsache ist auch, dass sich Raidhos Aufstellungstipps zu bestätigen scheinen.

The King's Singers GoldNicht weil ich mit der Abbildung der X2 unzufrieden wäre, sondern weil mich die sehr nah an den Seitenwänden stehenden und deutlich eingewinkelten Boxen optisch irritieren, rücke ich sie nun wieder etwas näher aneinander und richte die Hochtöner auf meine Ohren aus. Am weiträumigen akustischen Panorama ändert sich fast nichts, und was die Tiefenausdehnung angeht, meine ich sogar einen kleinen Zugewinn verbuchen zu können. Meine Ichos N°Four SE und die Acapella La Campanella (circa 22.000 Euro) bilden sicher nicht flach oder wenig ausladend ab, doch was die kleinen Raidho X2 an Raumtiefe abliefern, ist ein ordentliches Pfund. Die Kings Singers, die ich mit großer Freude „All of me“ (Album: The King’s Singers – Gold; auf Amazon anhören) schmettern lasse, staffeln die Däninnen tatsächlich nochmals mit mehr Abstand in den rückwärtigen Raum, während sie den Akteuren auch in der Breite, ich erwähnte es ja bereits, mehr Platz zugestehen und mit dieser Großzügigkeit die wahre Größe der Schallwandler nahezu ad absurdum führt.

Zweieinhalbwege-Lautsprecher Raidho X2 in Schwarz

Nur nahezu? Vor ein paar Wochen hatte ich Gelegenheit, bei einem Händler in der Nähe die Raidho X1t hören. Sozusagen eine Monitorausführung der X2 mit titanbeschichteter Membran für 5.800 Euro pro Paar. Nun, das Böxchen zauberte den gleichen umwerfenden Raumeindruck, was zugegeben beeindruckend war, da es gerade einmal über ein schuhkartongroßes Volumen verfügt.

Überraschende Basspower

Was der XT1 allerdings verwehrt bleibt, nämlich ein glaubhaft tiefer Bass mit Substanz, liefern prompt unsere Probandinnen. Wenn sich die Gitarrenlegenden Larry Carlton und Robben Ford auf Derricks Blues (nein, das hat mit dem Fernsehkommissar nix zu tun) gegenseitig mit coolen Riffs und Soli herausfordern, sorgt Carltons Sohn Travis am Bass für die nötige Unterstützung im Frequenzkeller. Die unscheinbaren 5,25-Zöller der Raidho wuchten unerwartet mächtige Bässe in den Hörraum und es fällt schwer zu glauben, dass da nicht auch unter den als Grenzfrequenz angegebenen 60 Hertz noch einiges passiert, zumindest scheint der Roll-off der Basstreiber wohl eher flach zu verlaufen.

Rückseite des Tiefmitteltöners der Raidho X2

Rückseite des Tiefmitteltöners der Raidho X2

Raphael Schwab VolonsAnders als 30 oder 38 Zentimeter große Woofer, die sich dafür kaum aus ihrer Ruhelage bemühen müssen, sind für Raidhos kleine Keramiktreiber recht ordentliche Hübe angesagt. Dafür pushen sie die Bässe dann regelrecht in Richtung Hörer, was eine beachtliche Grundschnelligkeit im Bass suggeriert und einen dynamischen Eindruck hinterlässt. Das führt zur verblüffenden Erkenntnis, dass ausgerechnet diese schmalen Boxen eine Basspower in meinen Hörraum entfachen, wie ich sie mit größeren Schallwandlern selten erlebe. Auch wenn sie sicherlich etwas tricksen – ein Oberbassbäuchlein gibt es, echten Tiefbass dafür weniger –, gelingt den Raidho X2 das zu generieren, was man gemeinhin „Anmachfaktor“ nennt. Angesichts dessen darf man schon mal darüber hinwegsehen, dass der akustische Bass Raphael Schwabs auf Volons (auf Amazon anhören) die ein oder andere Farbschattierung vermissen lässt oder die Stahlsaiten von Marcus Miller bei „I‘ll be there“ auf Renaissance nicht ganz so wohlig-metallisch knurren, wie ich es von meinen größeren Acapella La Campanella kenne.

Am anderen Ende …

Am anderen Ende des Frequenzbereichs, also dem Einsatzort des legendären Raidho-Flächenstrahlers, wartet prompt die nächste Überraschung. Prägnanter Hochton, flirrende Becken, schrille Flötentöne? Nicht mit den X2, die sich obenrum betont handzahm geben und beispielsweise die Bläsersätze und filigrane Percussionarbeit des Ensembles der britischen Saxofonistin Jasmine Myra auf ihrem 2022er-Debütalbum Horizons in ein eher mildes Licht setzen. Unterschlagen werden die vielen Hochtondetails dabei aber nicht, allenfalls etwas abgedimmt.

Der Raidho-Magnetostat

Meiner populärmusikalischen Seite gefällt Carlos Santana und insbesondere seine kürzlich zusammen mit Steve Winwood aufgenommene Version von „A Wither Shade of Pale“ (Album: Blessings and Miracles). Vermutlich wurde die Aufnahme weniger für highendige Fledermausohren denn für Autoradios und mediokre Ohrstöpsel produziert, weshalb man ihr wohl auch eine ordentliche Prise Hochtonpfeffer spendierte. Mit den ziemlich straight durchreichenden Ichos kann so ein Mix die Freude am gelungenen Remake des Procul-Harum-Klassikers ganz schön runterziehen. Die Raidho nehmen, dank dezent zurückgenommener Höhen, diese Hürde mit mehr Anstand. Auch für hochtonsensible Hörnaturen eine erquickliche Angelegenheit, wenn die für Altmeister Santana so typischen Gitarrenriffs ein wenig „smoother“ in den Gehörgängen ankommen.

Rückseite des in der Raidho X2 verbauten Flächenstrahlers

Rückseite des in der Raidho X2 verbauten Flächenstrahlers

Goldene Mitte?

Gianmaria Testa PreziosoDazu passt, dass der anschließende Mitteltonbereich nicht auf zu strengem, puristisch-neutralem Pfad wandelt. Auch wegen der leichten Betonung im Oberbass ergibt sich eine milde Wärme in den Mitten, die das prägnante Organ Gianmaria Testas auf „Povertempo nostro“ (Album: Prezioso; auf Amazon anhören) mit mehr Schmelz als üblich versieht. Der reibeiserne Touch seiner Stimme wirkt etwas geglättet, eleganter und geschmeidiger. Auch eine Frage des Auflösungsvermögens? Geizen die Raidho X2, für Magnetostaten-Hochtöner eher untypisch, am Ende gar mit feinen und feinsten Details?

Das würde ich so nicht unterschreiben, denn wirklich vermissen müssen auch kritische Hörer kaum etwas. Allerdings legen die X2 ihren Fokus mehr darauf, dem Hörer ein angenehmes Musikerlebnis zu bescheren, als ihm permanent Detailwissen aufzudrängen. Sprich: Feine Details im Klangbild sind klar auszumachen, werden dem Hörer aber nicht „um die Ohren gehauen“. Ein Vorteil dieser feinsinnigen, nicht über Gebühr sezierenden Abstimmung ist die Fähigkeit der dänischen Schallwandler, auch aus nicht perfekten Aufnahmen einen erstaunlichen Hörgenuss zu extrahieren, selbst eine versehentlich überschlank abgestimmte Kette könnte mit ihnen zu einer neuen, ausgewogeneren Balance finden. Am Ende also mehr Wellness-Oase, denn Sporthotel? Ja, das signiere ich schon eher.

Blick in den Hörraum mit der Raidho X2

Blick in den Hörraum mit der Raidho X2

Dynamisches Verhalten

Seitens ihrer grob- und grenzdynamischen Fähigkeiten sind den Raidho X2 natürlich bauartbedingte Beschränkungen auferlegt, mördermäßige Lautstärken sind mit den eleganten Däninnen nicht drin.

Wer freilich nicht so sehr mit „Hells Bells“ von AC/DC in Originallautstärke liebäugelt, sondern eher am Abend oder gar nächtens in Zimmerlautstärke Musik genießt, wird von ihnen keinesfalls enttäuscht. Ganz im Gegenteil: Eine Schokoladenseite der Raidho X2 ist die Performance bei geringen Lautstärken. Die Raidhos spielen mit abgesenktem Pegel unglaublich kohärent und dynamisch stimmig. Darin sind sie richtig gut und toppen lässig meine Ichos N°Four SE. Selbst vor Acapellas famosen High Cellini, die in dieser Disziplin trotz ihrer Größe erstaunliches Talent bewiesen, müssen sich die Raidhos nicht verstecken. Dass deutlich oberhalb von Zimmerlautstärke manche Lautsprecher ihrer Preisklasse – wie etwa die kürzlich auf einer Messe entdeckte neue TAD E2 Evolution für 14.000 Euro oder eine Perlisten S7t für knapp 10.000 Euro – die Dynamik eines großen Symphonieorchesters überzeugender verarbeiten können, soll gleichwohl nicht verschwiegen werden.

Röhrenverträglich?

Da Soreals Röhrenvollverstärker Melissa noch bei mir weilt, wird dieser kurzerhand mit den X2 verkabelt, schließlich laden die Dänen zu Experimenten in dieser Hinsicht ein. Und was soll ich sagen – definitiv kein Mismatch!

Natürlich üben die Röhren im Bass eine etwas laxere Kontrolle als die transistorierte schweizerische Endstufe aus. Doch der Verlust an Basspräzision fällt kaum ins Gewicht, weil der Gewinn an Klangfarben dies deutlich aufwiegt. Etwa wenn das Bill Charlap Trio dem großen Duke Ellington mit „The Duke“ seine Referenz erweist. Peter Washingtons akustischer Bass hat nicht ganz den Grip, den ihm der Dartzeel verleiht, aber die schöne warme Timbrierung und das vibrierende Holz … so etwas können Röhren einfach richtig gut! Wenn dann noch die Klavierläufe Bill Charlaps geschmeidig und elegant aus den Membranen perlen, bleiben kaum Wünsche offen.

Oberer Teil der schwarzen Raidho X2

Wer Lautsprechern mit Keramikchassis bisher eine gewisse Tendenz unterstellt hat – mal als klar und prägnant, mal als hart und wenig natürlich beschrieben –, wird diese Haltung überdenken, sobald er die Raidho X2 an Soreals Melissa gehört hat. Röhrenverstärkerbesitzern können die X2 also ans Herz gelegt werden, wenn sie nicht gerade zu „Hells Bells“ die Metal-Faust schwenken wollen.

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Test: Raidho X2 | Standlautsprecher

  1. 1 Hey, hey, Wickie!
  2. 2 Raidho X2: Hörtest und Vergleiche

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