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Klang Quadral Titan VIII

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  1. 3 Klang Quadral Titan VIII

quadral titan viii

Nun, man muss kein sonderlich austrainierter Hörer sein, um recht schnell zu merken: Nicht nur der Name unserer Probanden soll Autorität vermitteln – die Quadral Titan VIII klingen wirklich nach großer Box, meine ebenfalls nicht unbedingt zierlich gebauten Thiel CS 3.7 liefern da beispielsweise schon merklich weniger Schub und subsonische Lässigkeit bei grobdynamischen Attacken.

legendary pink dotsAuch die Bühnenabbildung gerät über die Hannoveraner ausladender, eindrucksvoller – insbesondere in der Höhe, was wohl nicht zuletzt schlicht und ergreifend an den 1,40 Metern liegt, die die Titan VIII in die Höhe ragen.

Ja, es ist für mich schon ein wenig überraschend, plötzlich zu erfahren, wie viel Tiefbassunterboden und Druck/Volumen doch im Titel „Rainbows Too“ der Legendary Pink Dots (Album: Plutonium Blonde) stecken, wie mächtig und eindrucksvoll dieser schleppend-hypnotische Song wirken kann.

Das vor Gitarrenbrei strotzende – wir legen flugs das nächste Album auf – „Afterglow“ (Album: A Gilded Eternity) der leider looplängst nicht mehr existenten Londoner Drone-Rocker Loop kann leicht zu hell, zu leichtgewichtig wirken, wenn der Impact der Bassdrum nicht genügend herausgearbeitet wird, was bisweilen auch über größere Standboxen passiert – aber die Titan vermitteln auch diesen Titel außerordentlich substanziell und eindringlich. Dabei tönen sie grundsätzlich bar jeder Effekthascherei und schaffen es irgendwie, stets spektakulär und gleichzeitig entspannt-akkurat zu klingen.

residentsNun, die Lässigkeit, die Unangestrengtheit, die von den Quadral Titan VIII ausgehen, sind sicherlich nicht zuletzt das Resultat – ich deutete es eingangs schon an – ihrer Fähigkeit grobdynamische Impulse scheinbar mühelos aus dem Ärmel zu schütteln. Sei es das plötzliche Hereinplatzen elektronischer Fanfaren im bis dahin eher beschaulichen „Aging Musician“ der Residents (Album: Gingerbread Man) oder seien es die endzeitlichen Beat-Edownloadinschläge in Downloads mit allerlei sonderbaren Soundeffekten gespicktem „Suni C“ (Album: The Eyes of Stanley Pain) – man verliert mit den Quadral Titan das Gefühl, dass Boxen als (flimitierende) Vermittler im Raum agieren, es entsteht ein unmittelbarer Bezug zur Musik, den ich so eigentlich nur von klanglich guten Livekonzerten kenne.

Fast verwunderlich ist, dies sei nebenbei erwähnt, dass das alles bereits ab ungefähr zweieinhalb Metern Hörabstand von den Lautsprechern funktioniert – trotz fast 90 Zentimeter Chassis-Strecke vom unteren Tief- bis zum Hochtöner der Titan ist auch bei solch kurzer Hördistanz kein Zerfallen des Klangbildes in einzelne Frequenzbereiche zu vernehmen.

Aber noch einmal zurück zur Unangestrengtheit, von der ich sprach: Zu dieser trägt sicherlich auch der Hochton der Titan sein Scherflein alarma manbei, vermittelt er doch ebenfalls etwas sehr leicht Verdauliches und Eingängiges – nicht zuletzt, weil er weder durch zur Schau gestellte Präzision noch mittels einer besonders gefälligen, auf smooth getrimmten Gangart auf sich aufmerksam macht. Nun, langzeittauglich locker und seidig geht`s oben herum irgendwie schon zu, aber gleichsam präzise – hervorragend beispielsweise wie der Anschlag und das feine Abklingen einer Triangel in Alarma Mans „Pitch Grammar“ (Album: Love Forever; wer beispielsweise Math-Rocker wie die Foals mag, sollte sich die Schweden ruhig mal anhören) vom Rest der Musik differenziert wird.

Beim eher mittelmäßig aufgenommenen, aber genialen – zumindest für den, der es auch gerne mal ein wenig lärmiger mag – „Here Comes Dudley“ (Album: Goat) des leider längst verblichenen jesus lizardChicagoer Noise-Rock-Trios Jesus Lizard hebt Kollege Ralph hervor, dass ihm der Hochton satter, weniger pastellig als über meine Thiel CS 3.7 vorkommt. Und ja, Becken/Hi-Hat verkommen bei diesem Stück häufig zu über die Musik gelegten Kratzgeräuschen (wenngleich ich, um Missverständnissen vorzubeugen, auch die Thiel hiervon nachdrücklich freisprechen möchte), werden über die Titan aber mit so reichhaltiger Textur, so locker und natürlich artikuliert, dass ich staune, wie viel die Aufnahme hergeben kann.

Über die CS 3.7 wird der Hochton vielleicht einen Tick prononcierter, nachdrücklicher wiedergegeben. Aber es ist eigentlich nicht die bloße Dosis, die den Unterschied macht, jedenfalls vermag ich es nicht, eine der beiden Boxen von der tonalen Warte her als „richtiger“ oder „angenehmer“ zu bezeichnen. Nein, die besondere Stärke der Quadral Titan scheint vielmehr ihr Händchen für das saubere Nachzeichnen des Sustains zu sein, des vollständigen „Bis-zum-Ende-Aussprechens“ feiner Hochtonimpulse, was die oberen Lagen nicht nur etwas entspannter, organischer, etwas seidiger-fließender tönen lässt, sondern auch etwas informativer – der Hörer bekommt reinere sowie gleichsam eindeutigere Klangfarben und Texturen gereicht.

Wenngleich die Quadral Titan VIII, dass sei der Vollständigkeit halber gesagt, auch in Sachen Attack auf Zack sind – feindynamisch spielen sie mit meinen vorbildlich „schnellen“ Thiel im Grunde auf Augenhöhe.

quadral druckkammer

Okay, in puncto Hochton treffen die Titan schon so ziemlich meinen Geschmack, ich frage mich, ob ich hier überhaupt schon mal besseres in meinem Hörraum zu Gast hatte. Auch wenn beide Wandler grundsätzlich in andere Richtungen gehen, fallen mir da spontan nur die wohl noch einen Tick akzentuiertere, crispere Myro Whisky ein sowie die Stereokonzept 3, die Hochtonereignisse vielleicht noch ein wenig plastischer zeichnet, es dafür feindynamisch aber weniger flirren lässt.

Häufig allerdings vermitteln mir mit Bändchen, AMTs oder auch Magnetostaten bewehrte Lautsprecher das Gefühl (und sei’s in nur subtil wahrnehmbarer Ausprägung), den Hochtöner aufgrund seiner besonderen Qualitäten in gewisser Art und Weise heraushören zu können, eben so, als sei er beim Spielen nicht vollständig eins mit dem Rest der Treiber – da können sich die Messschriebe noch so neutral geben.

Und habe ich beispielswiese die Quadral Aurum Montan VIII, die mir seinerzeit ebenfalls sehr gut gefiel und nicht zuletzt mit dem fairaudio’s favourite Award ausgezeichnet wurde, mit einem sich tonal bisweilen einen Hauch von den Mitten absetzenden, frischeren Hochton im Ohr, so ist bei der Titan VIII die unbedingte Nahtlosigkeit, Homogenität im Zusammenspiel zwischen Hochton- und Mittenbereich hervorzuheben.

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Test: Quadral Titan VIII | Standlautsprecher

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