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Quadral Orkan VIII: Klangliches

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  1. 3 Quadral Orkan VIII: Klangliches

Die Orkan VIII pegelmäßig an ihre Grenzen zu treiben und mir – nomen est omen – von ihr das Haupthaar fönen zu lassen, habe ich mich übrigens nicht getraut. Bevor dieser Lautsprecher signalisiert, dass er nicht mehr kann, haben vermutlich quadral orkan viiizuerst ich mein Hörzimmer, mein Hund sein Körbchen und dann meine Nachbarn ihre Häuser verlassen. Die lackschwarzen „Laut-Sprecher“ verfügen ganz offenkundig über sehr großzügige Pegel- und Dynamikreserven. Ich gebe gern zu, dass ich zu Beginn des Tests ein wenig skeptisch war, ob mein knapp 20 Quadratmeter großes Arbeitszimmer/Hörraum dieser Box gewachsen sein würde. Besonders ohrenfällig wird die Basspotenz dieses Lautsprechers bei Autoscooter- und Diskothekentauglicher Musik wie etwa von Gossip. Die Knallernummern „Love Long Distance“, „Dimestore Diamond“ oder „Heavy Cross“ vom Erfolgsalbum „Music For Men“ zeigen die massive, ja felsenfeste Tieftonperformance der Hannoveranerin. Der stakkatohafte Rhythmus geht bis ins Mark und nicht zuletzt in die Dielen des Parkettbodens unter meinen Fußsohlen – ohne auch nur ansatzweise aufzuweichen oder ins Wummern zu geraten. Zwerchfellmassage, wie sie sein sollte und mir ein diebisches Lächeln ins Gesicht zaubert.

Erstaunlich ist dabei, dass diese fundamentale „Kellerarbeit“ nie die darüber liegenden Frequenzbereiche „überfährt“ oder zuschmiert. Nun ist diegossip Gossip-Kombo um ihre schwergewichtige Frontfrau Beth Ditto sicher nicht angetreten, audiophile Perfektion zu produzieren, Miss Dittos kraftvolles Gesangsorgan aber stellt sich fast scherenschnittartig und hervorragend mittig zwischen den Lautsprechern verortbar vor die Anlage, wirkt fast losgelöst von der doch mächtigen „Soundwall“, die ihre Band aufbaut. Ein Eindruck von räumlicher Tiefe und „klanglicher Balance“, den ich der gekonnten Abstimmung des Mittelhochtonbereiches und hier vor allem der Arbeit des Magnetostaten zuschreibe.

Doch schalten wir live ins Ruhrgebiet. Am 17. Oktober 2009 war die britische Prog-Rock-Band Marillion im Gasometer in Oberhausen zu Gast, um mit „Less Is More“ das erste Akustik-Album ihrer langen Karriere vorzustellen. In einem kreisrunden, ehemaligen Gaskessel ein besonderes Ereignis. marillionAtmosphärisch wie akustisch. Wie Sie diesen Zeilen ganz richtig entnehmen, war ich selbst als bekennender Fan dabei und habe mir das Konzert zwei Tage später als 320 Kbit/s-MP3-Download von der Band-Homepage geladen. Eine schöne und auch qualitativ recht gut eingefangene Erinnerung. Via Netzwerk-Streaming dient mir der Gig nun als Vorlage, um die Qualitäten der Orkan VIII in Sachen Raumdarstellung und Natürlichkeit zu überprüfen. Wobei mich die polierte „Sturmbraut“ abermals nicht enttäuschte. Großzügig, mit einem weiten Blick in die „Runde“ bildet die Quadral ab, lässt sowohl allen fünf Musikern als auch dem sehr intensiv eingefangenen, weil separat mikrofonierten, Publikum viel Luft zur Entfaltung. Trotz aller Größe und räumlicher Tiefe sind die Musiker gut zu orten. Die klanglichen Eigenarten des für ein Konzert sicher ungewöhnlichen Ortes werden anstandslos realistisch dargestellt. Das Oberhausener Gasometer hat einen ganz eigentümlichen Nachhall, der mir in Worte zu fassen schwer fällt, vielleicht am ehesten zu vergleichen mit den akustischen Bedingungen in einer U-Bahn-Station. Und über die Orkan wird dieser Eindruck wiedererlebbar, man fühlt sich quasi in das stählerne Industriedenkmal zurückversetzt.

quadral orkan viii

Zudem muss man bei den Alben der Briten mitunter ganz genau hinhören. Gerade Sänger Steve Hogarth experimentiert gern mit ungewöhnlichen Instrumenten, kleinen Holzrasseln, triangelähnlichen Gebilden oder seinen „electric gloves“. Dünne, weiße Handschuhe, innen mit Sensoren beklebt und via Midi-Schnittstelle mit diversen Effektgeräten verbunden. Was er da so treibt, ist zuweilen recht leise, beeinflusst den Charakter des Musikstückesquadral orkan im hoerraum dennoch oft nachhaltig. Gerade live geht so etwas in der Gemengelage gern unter. Nicht so hier. Mal „erklingelt“ er Teile der deutschen Nationalhymne, um hier und da Texturen anderer Titel einzustreuen. Die Quadral löst diese verschmitzt eingeflochtenen Klangereignisse aus dem großen Ganzen heraus, lässt ihre Zuhörer auch an feinen Details hautnah teilhaben. Ohne aber je den musikalischen Fluss aus dem Blick zu verlieren.

Test: Quadral Aurum Orkan VIII | Standlautsprecher

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