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Quadral Orkan VIII: Konzeptionelles

Inhaltsverzeichnis

  1. 2 Quadral Orkan VIII: Konzeptionelles

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Was, sieht man sich die Aurum Orkan VIII näher an, bei den sehr aufwändig verarbeiteten und lackierten, einem edlen Möbelstück in nichts nachstehenden Gehäusen beginnt – abgesehen von kleinen Lacknasen an der Rückseite, die eigentlich nicht sein müssen – und bei den sehr stabil und wertig anmutenden Bi-Wiring-Terminals – übrigens ab Werk klangfördernd mit Kabelbrücken statt billiger Blechstreifen ausgerüstet – noch nicht aufhört:

quadral orkan bi-wiring-terminal

Die Innenverkabelung liefert der Hersteller „Real Cable“, seit einigen Jahren zu Quadral gehörend, in Form hochwertiger Silberlitzen zu, der 17er-Mitteltöner arbeitet in einer eigenen Kammer, die in erster Ordnung trennende Frequenzweiche für den Tief- und Mitteltonbereich wurde auf zwei Leiterplatten verteilt, ein Teil befindet sich im Sockel des Gehäuses, der zweite an der Rückwandinnenseite. Um den für den Hochtonbereich zuständigen Magnetostaten „steil“ und konsequent von jenen Arbeitsbereichen abzukoppeln, die ihn überfordern würden – diese Treiberart reagiert in dieser Hinsicht ja bisweilen sehr empfindlich – wurde ihm ein steilflankiges Filternetzwerk vierter Ordnung vor die Nase gesetzt.

Nicht ganz so gelungen finde ich „die Sache mit den Spikes“. In dieser Preisklasse erwarte ich, dass dem Karton entweder Spikes oder ein anderes Tool zur geeigneten Entkopplung der Lautsprecher vom Fußboden beiliegen. Quadral sieht das anders. Es gibt zwar welche, doch muss man sie separat bestellen – sie werden dann immerhin kostenlos nachgeliefert. Das Argument, viele Kunden würden sie aufgrund des hohen Gewichts der Lautsprecher sowieso nicht montieren, halte ich eher für Unfug. Zumindest könnte der frischgebackene Kunde ja wenigstens mal ausprobieren, ob sie einen klanglichen Vorteil bringen oder eben nicht. Also: Wenn die Spikes löblicherweise eh nichts extra kosten, liebe „Quadraler“, dann legt sie doch einfach ins Päckchen und überlasst den Hörern die Entscheidung, was sie damit anstellen …

audral aurum orkan spikes

Materialkunde

Was dem einen Hersteller sein Kevlar, ist dem anderen sein Aluminium, seine Keramik oder schlicht sein beschichtetes Papier. Sie alle postulieren den Königsweg und haben doch nur ein Ziel: Das verwendete Membranmaterial soll möglichst leicht und dabei steif sein, damit es sich antrittsschnell und kontrolliert in Schwingungen versetzen lässt und dabei bestenfalls kaum Verzerrungen generiert.

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Auch Quadral steuert eine Lösung bei und nennt sie „Altima“. Ein Kunstwort, zusammengesetzt aus den Anfangsbuchstaben der drei Leichtmetalle Aluminium, Titan und Magnesium. Die Hannoveraner wollen mit diesem Material-Kompositum Eigenresonanzen der Membran weitgehend aus dem Hörbereich herausgedrängt wissen. Des Weiteren erlaube es die Mixtur, verbleibende Partialschwingungen so zu bündeln, dass sie durch geschickte Anpassung der Frequenzweiche eliminiert werden können. Das Ergebnis sei, so die Entwickler, ein Höchstmaß an Genauigkeit, Schnelligkeit und die weitgehende Abwesenheit von Eigenklängen des Lautsprechers selbst. Okay, klingt erst mal nett – auch wenn das alle anderen natürlich auch behaupten.

Die Orkan VIII beherbergt in ihrem knapp über einen Meter hohen und – nach Angaben des Herstellers in Deutschland handgearbeiteten – Gehäuse, das im Falle des Testobjektes in edlem schwarzen Pianolack-Finish glänzt (auch erhältlich: Hochglanz weiß, Echtholz Kirsche, Eiche natur, Eiche „choco“), insgesamt drei Altima-Chassis. Zwei davon, so gibt das Datenblatt her, beackern als „Kellergeister“ parallel das untere Frequenzband von 28 bis 330 Hertz, der Mitteltöner übernimmt ab da und läuft bis 2700 Hertz.

Bei allen drei Konussen handelt es sich um 17 Zentimeter durchmessende Exemplare. Der Magnetostat wird von Quadral bescheiden als „Bändchentreiber“ bezeichnet. Das ist dem hifidelen Volksmund wahrscheinlich geläufiger, aber technisch nicht ganz eindeutig. Während bei einem „echten“ Bändchen die gesamte Membranfläche von Strom durchflossen wird, transportieren bei einem Magnetostaten die feinen, auf die hier gelbe Trägerfolie aufgedampften, Leiterbahnen den „Lebenssaft“. Beide Prinzipien benötigen keine separate Schwingspule und sollen ihren klanglichen Vorteil gegenüber herkömmlichen Kalotten vor allem in Sachen Feindynamik und Durchsichtigkeit ausspielen.

hochtoener quadral orkan

Dass ihnen das Vorurteil anhaftet, die höheren Lagen mitunter überzubetonen und damit dem Klangbild etwas zu viel Würze und Biss beizumengen, ist nicht dem Treiberkonzept an sich geschuldet, sondern fast immer der Abstimmung des gesamten Lautsprechers. Es gibt Extrembeispiele, die etwa mangels Basskraft oder Dynamik/Antrittschnelligkeit der Performance eines Bändchenhochtöners kaum etwas entgegen setzen können. In diesem Fall mag die klangliche Balance dann tatsächlich ins Scharfe kippen.

quadral hochtoener magnetostat bändchen

Bei der Orkan VIII muss man sich diesbezüglich aber wohl hoffentlich keine Sorgen machen (was wir im Hörraum freilich noch klären werden). Dafür soll unter anderem die konstruktive Besonderheit der Tieftonabteilung sorgen, die die Niedersachsen als Kombination aus Bassreflex– und Druckkammertechnologie bezeichnen. Ersteres ist Standard – die Basstreiber atmen durch ein in die Boxenrückwand eingelassenes Kunststoffrohr aus -, Letzteres will ich Ihnen kurz erläutern:

bassreflex quadral orkan

Quadral hat die beiden Basschassis, das wird Ihnen bereits aufgefallen sein, gegenüber den anderen verbauten Treibern deutlich ins Gehäuse hinein versetzt. Bewegen sich die Bass-Membranen nun, erzeugen sie – wie alle anderen Treiber auch – eine Bewegung der Umgebungsluft. Die im Lautsprechergehäuse beziehungsweise in der Kammer befindliche Luft soll nun einen grundsätzlich vermehrten, zu höheren Frequenzen überdies stetig steigenden Gegendruck aufbauen – und dieser stärkere Druck sorge dafür, dass mehr Energie an die benachbarte Luft abgeben werden kann, sprich bei geringerer Membranauslenkung ein höherer Wirkungsgrad der Bassabteilung erzielbar sei. Zudem versprechen sich die Hannoveraner gegenüber konventioneller Montage der Treiber eine linearere Schallabgabe.

Man findet das Prinzip der Druckkammer etwa auch bei Stadionlautsprechern, Sirenen und überall dort, wo mit geringen Abmessungen große Schalldrücke erzielt werden sollen. Dann sind derlei Lautsprecher zwar oft als Hornkonstruktion ausgeführt, die Zielsetzung aber ist die gleiche. Die vor den Tieftonchassis montierten Gummibänder haben übrigens keine akustische Wirkung und sind zudem abnehmbar. Was der Optik indes – aber das ist bitteschön eine ganz individuelle Geschmacksfrage – nicht unbedingt zuträglich ist.

Test: Quadral Aurum Orkan VIII | Standlautsprecher

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