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Klang: Quadral Aurum Altan aktiv (Forts.)

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  1. 3 Klang: Quadral Aurum Altan aktiv (Forts.)

adeleWas aber nicht heißen soll, dass die Altan aktiv nur laut und krachig kann, im Gegenteil. Meine Gattin hört gerne Adele. Der Hit von ihrem Album 21, „Someone like you“, geht über die Quadral-Box auch mir nahe. Die herzzerreißende Trauer, die sie erkennen lässt, wenn sie singt, dass sie ihren verflossenen Liebsten noch mal besuchen musste, in der Hoffnung, dieser möge sie sehen und sich erinnern, dass es für sie noch nicht vorbei ist … ja, ja, ich weiß, das ist Schmalz, aber es ist richtig guter Schmalz und eine Emotion, die absolut echt wirkt. Die Altan lässt zwar die dicke Schicht Studio-Technik hören, die über diesem Track liegt, die Kompression, das Noisegate, das Gain-Riding, das Multitracking, aber sie öffnet trotz alledem den Zugang zu Adeles Stimme. Auflösung und Feindynamik sind wirklich hervorragend, ebenso wie die Stimmverständlichkeit. Dafür braucht die Altan aktiv keine sonderlich hohe Lautstärke, auch wenn sie nur leise spielt, ist der Klang gut differenziert und klar.

quadral altan viii aktivGanz anders kommt das Album „Chanchullo“ von Rubèn González, einem der Helden vom Buena Vista Social Club, daher. Sein Piano hat einen ganz eigenen Klang, der einerseits vom Instrument selbst herrühren dürfte und wohl auch von den verwendeten Mikrofonen, vor allem aber von der Anschlagtechnik dieses im Aufnahmezeitraums schon fast 80-jährigen Musikers. Diesen Klang geben die Altan aktiv äußerst natürlich wieder. Dies gilt zunächst in tonaler Hinsicht. Über einen ganz breiten Bereich ist die Quadral-Box weitgehend frei von Verfärbungen und liegt absolut auf dem Niveau sehr guter Studio-Monitore. Das gilt auch in dynamischer Hinsicht; die Boxen arbeiten die Besonderheiten des Anschlags, der zwar oft nicht so hart ausfällt wie bei vielen jüngeren Musikern, vor allem denen, die in den letzten zwanzig oder dreißig Jahren ausgebildet wurden, der aber im Akkordspiel doch energisch und zupackend ist, ohne weiteres heraus.

Und das gilt drittens auch für die Abbildung. Bei diesem Album besonders interessant ist, dass einige Tracks in dem kubanischen Studio aufgenommen wurden, aus dem auch BVSC-Sessions stammen, andere dagegen in „normalen“ Studios. Die spezielle Akustik des BVSC-Studios arbeitet die Altan aktiv sehr gut heraus. Der große Raum wird spür- und hörbar. Dass die Aufnahmen des Platte aus unterschiedlichen Räumen stammen, wird beim Abhören des Albums sehr deutlich. Das Piano wird im Übrigen sauber ortbar und plastisch abgebildet, mit mehr physischer Präsenz, als man einer Box von der Größe der Altan zutrauen würde.

Bei so viel Licht sei der Box auch ein ganz klein wenig Schatten verziehen. Hört man sie direkt auf Achse, dann kann sie eine Winzigkeit hart klingen. Das merkte ich, als ich die Box, wie es mir fast schon zur lieben Gewohnheit geworden ist, zu meinem Freund Tom schleppte, um sie an einer komplett anderen Anlage und in einem komplett anderen Raum zu hören.

Man lernt ja auch musikalisch nie aus. Tom spielte mir eine Band vor, von der ich noch nie etwas gehört hatte, Slim Cessna’s Auto Club, mit Musik einer Stilrichtung, die mir auch komplett neu war – Gothabilly. Das ist eine Spielart des Alternative Country, die Blovdy Tenent, Trvth and PeaceGothic-Elemente mit Rockabilly kombiniert – typischerweise schnelle, punkige, gitarren- und banjolastige, jedenfalls mit viel Geschrammel und schnellem Schlagzeug ausgestattete Musik mit ziemlich schrägen Texten. Beispiel gefällig? Der Ich-Erzähler des Stücks „This is how we do things in the country“ von dem 2004 erschienenen Album Blovdy Tenent, Trvth and Peace bringt zuerst seine Jugendfreundin um und manipuliert dann alle Werkzeuge im Wohnort der Dame, damit alle Häuser schief werden und ihr Grab das einzige „Gebäude“ mit geraden Wänden ist. Ääähhm ja … das interessiert den Psychiater des Songschreibers bestimmt sehr. Macht aber viel Spaß, der Song, und kann ich mir sehr gut live vorstellen.

quadral altan aktivboxDas Album ist auch eher punkig produziert – rauh, direkt, ein bisschen körnig. Der Klang soll den Hörer anspringen und ihn bei der Gurgel packen. Mit der Altan aktiv gelingt das sehr gut. Direkt auf Achse gehört, zeigte die Box für meinen Nicht-Punk-Geschmack sogar ein bisschen zu viel von der Rauheit der Produktion. Wurden die Boxen geradeaus ausgerichtet, ging das deutlich besser, weil etwas gnädiger. Entwickler Reckert meinte, manche Hörer würden so auf den Hochtöner reagieren, aber, wie ich auch schon bemerkt hätte, nur beim Hören direkt auf Achse.

Die Quadral Altan aktiv mit anderen Boxen, die ich für fairaudio beschrieben habe, zu vergleichen, fällt mir nicht ganz leicht, nicht zuletzt, weil ich gerade die Wohnung gewechselt habe und die Altan die erste Box ist, die ich im neuen Wohnzimmer hörte. Als „Vergleichsnormal“ kann ich vorrangig auf die Boxen zurückgreifen, mit denen ich umgezogen bin. Meine JBL LSR6322 (ehemaliger Preis: 4.000 Euro das Paar) hat Vorteile bei der Gleichmäßigkeit der horizontalen und vertikalen Abstrahlung, zudem treibt ihr 30-Zentimeter-Basschassis das Luftvolumen meines Raumes einfach mit größerer Selbstverständlichkeit. Dafür fällt sie ab zirka 70 Hz merklich ab; die Altan aktiv geht sehr deutlich tiefer (eine genaue Frequenz anzugeben, scheue ich mich, weil der Bass-Adjust-Schalter das Ergebnis doch sehr beeinflusst; mit der Pistole auf der Brust würde ich grob 40 Hz sagen). Bei alldem muss man aber auch den Preis der Altan aktiv berücksichtigen, die trotz aller verbauter Elektronik und den Möglichkeiten zur Klangbeeinflussung deutlich günstiger ist.

Test: Quadral Aurum Altan aktiv | Aktivlautsprecher, Kompaktlautsprecher

  1. 3 Klang: Quadral Aurum Altan aktiv (Forts.)
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