Test: Quad 3 und Quad 3CDT | Vollverstärker & CD-Transport
Heute ist yesterday
von Boris Fust
Im Test: Quad 3 und Quad 3CDT (Vollverstärker und CD-Laufwerk)
UVP zum Testzeitpunkt: (1.490 Euro und 749 Euro)
Wie mag es wohl gewesen sein, im Jahr 1959, als der Quad 22 erschien? Wie werden die Zeitzeugen das Gerät empfunden haben? Hielten sie das Design für modern im Vergleich zu Verstärkern in Holzgehäusen? Oder wirkte der Vorverstärker gar futuristisch angesichts der in die Frontplatte eingelassenen Drehregler? Rund sieben Dekaden später ist die Sache jedenfalls klar: Nachdem die britische Firma Quad (Vertrieb: https://www.iad-audio.de) unlängst mit dem Remake der Vor- und Endstufenkombi 33/303 für gewisse Furore sorgte, folgt nun der nächste Streich: Der neue Quad 3 ist ein halbformatiger Vollverstärker und schließt optisch an die Gründungsjahre des Unternehmens an. In Wirklichkeit handelt es sich natürlich um eine komplette Neuentwicklung, die zusammen mit dem CD-Transport Quad 3CDT die 33/303-Kombi zu einer ausgewachsenen Produktlinie erweitert. Passender Taufname: „Classics“.
Retro – so muss man das Antlitz des Quad 3 aus heutiger Sicht nennen. Die abgerundeten Seitenkanten fallen etwas dezenter aus als bei dem Museumsstück, aber der Rückgriff auf den Look des Vorverstärkers Quad 22 ist nicht zu leugnen. Es gibt eine Front mit Stufenebenen, im erhabenen Teil finden sich bündig eingelassene Drehregler. Das Grau der Blende wird kontrastiert durch das Schwarz des Gehäuses. An der Stelle einiger Drucktaster der zeitgeschichtlichen Komponente findet sich ein Displaystreifen, der bereits im ausgeschalteten Zustand ein leuchtendes Orange (retro!) verströmt. Das ist schick und passt mit einer geringen Breite von 30 Zentimetern nicht nur auf jedes Sideboard, sondern auch gut in die Zeit: Für die Anlieferung des 7,7 Kilogramm schweren Geräts braucht man weder Spedition noch Möbelpacker und verfügt über ein Gerät, das zwar „Vollverstärker“ heißt, dessen Funktionsumfang damit aber nur so halbwegs beschrieben ist.

Old at heart, aber …
Die Bluetooth-Stummelantenne verrät es: Der Quad 3 versteht sich im Unterschied zur 33/303-Kombination nicht nur aufs Analoge. Er verfügt über einen D/A-Wandler und nimmt digitale Signale über Bluetooth, USB, Toslink und S/PDIF koaxial entgegen. Wer nicht nur HiFi möchte, sondern Klang gerne als Begleitung von Bewegtbild genießt, kann die entsprechenden Signale per HDMI-ARC zuspielen – und zwar anständig: Der Quad versteht HDMI 2.1 und die eARC-Erweiterung des Standards: Das erlaubt Dolby TrueHD und die Verarbeitung von PCM-Signalen bis 24 Bit/192 kHz. Und wenn es mal Bluetooth sein muss – was ja vorkommt –, so versteht der Quad 3 eine Reihe von hochwertigen Standards wie aptx HD und AAC.

Analoge Quellen lassen sich über zwei Line-Eingänge (RCA) einspeisen. Zudem steht noch ein Phono-Anschluss zur Verfügung, der sich für MM-Systeme eignet und ziemlich amtlich Gain liefert. Raus geht es über vergoldete Speaker-Binding-Posts, die Bananenstecker, Gabelschuhe oder Litze aufnehmen. Die Endstufe lässt sich bei Bedarf über einen Pre-out umgehen.
Nicht ganz leicht zu entdecken ist die 6,35-mm-Klinkenbuchse für den Anschluss eines Kopfhörers. Denn die befindet sich neben dem Infrarotsensor für die – leider etwas billig wirkende – Fernbedienung unterhalb der Frontblende zwischen den Standfüßen. Dahinter verbirgt sich ein eigener Kopfhörerverstärker, dessen Current-Feedback-Design ein schnelles Ansprechverhalten verspricht.

Der Quad 3 kann also recht viel für einen Vollverstärker. Im Unterschied zu den Heerscharen von digital-analogen Alleskönnern mit entsprechend breiter Ausstattung lassen die Merkmale des Quad 3 allerdings eine Qualität vermuten, die dann doch nicht ganz so selbstverständlich ist: Für rund 1.500 Euro dürfte man eigentlich eine Komponente erwarten, der man deutlichere Kompromisse anmerkt als nur eine Fernbedienung aus Kunststoff.
Doch der Eindruck, man hätte eine Art Normalverstärker hastig mit irgendwelchem Digitalgedöns aufgemöbelt und dabei immer hübsch auf den Pfennig geschielt, will und will sich nicht einstellen. Tatsächlich wirkt der Quad 3 durchdacht und anständig ins Werk gesetzt. Zum Beispiel der Wandler: Quad setzt auf den ESS-Chip 9038Q2M, der PCM bis 32 Bit und 768 kHz sowie DSD bis DSD512 verarbeiten kann und dem geringe Verzerrungen und eine gute Dynamik nachgesagt werden. Wer sich etwas mit der Materie auseinandersetzen will, kann eine ziemliche Finetuning-Palette zum Einsatz bringen. So gibt es fünf verschiedene Digitalfilter, mit denen sich Parameter wie Pre-Ringing, Roll-off-Geschwindigkeit oder Phasengang per Preset beeinflussen lassen, was meist zu eher subtilen Klangveränderungen führt. Der Quad 3 kann zudem MQA-Pakete vollständig entpacken und diese wahlweise vor der Dekodierung noch hochrechnen. PCM kann man ebenfalls einem Upsampling unterziehen.

Auch wenn es bei der Neuentwicklung sicher nicht ganz leicht gewesen sein dürfte, angesichts des geringen Platzangebots das Schaltungslayout unterzubringen und den Signalweg vor Einstreuungen zu schützen – die Verstärkersektion ist dann wieder typisch Quad. Die Endstufe ist diskret aufgebaut arbeitet ganz traditionell nach dem Push-Pull-Prinzip in Class-AB, zugrunde liegt auch hier eine Complementary-Feedback-Topologie.
Bei der Vorverstärkersektion geht es minimalistisch zu: Was über Line reingeht, wird direkt der analogen Lautstärkeregelung zugeführt. Angetrieben wird all das durch einen großzügig dimensionierten Ringkerntrafo (235 VA). Im Ergebnis liefert der Verstärker 65 Watt pro Kanal bei 8 Ohm respektive 100 Watt an 4 Ohm – also vollkommen genug, wenn man nicht die totalen Stromfresser bei Monsterpegeln beschicken muss. Die Neat Momentum 4i (88 dB/W/m), den Bryston Mini A (87 dB/W/m) und erst recht mit den Heco direkt Premium (94 dB/W/m) führte der Quad 3 an kurzer Leine.
Klang? Lässt sich regeln!
Eine Quad-typische Spezialität ist die Tilt-Klangregelung. Sie besteht aus einem Kippfilter (engl.: tilt shelf). Beim Quad 3 ist dieser bei 650 Hertz verankert. Um diese Frequenz ist eine Gerade angesiedelt, die sich kippen lässt: Man kann also Frequenzen oberhalb dieses Punktes anheben, wobei man gleichzeitig die darunter befindlichen Frequenzen spiegelbildlich um bis zu 3 dB absenkt – und umgekehrt. Ausgeführt ist die Klangregelung analog und nicht per DSP: Ein Mikrocontroller empfängt die Eingaben, eine Reihe von IC-Bauteilen regelt die Widerstandswerte. Ergänzend steht noch ein Bass-Regler zur Verfügung, falls einem die Bassabsenkung im Falle einer Mitten- beziehungsweise Höhenanhebung doch zu weit geht. Ob man davon Gebrauch machen möchte, ist Geschmackssache: Auf jeden Fall muss man sich darauf einstellen, dass die Eingriffe recht deutlich ausfallen, der Tilt-Regler ist ausgesprochen mächtig.
Insgesamt darf man also sagen, dass man mit diesem vollausgestatteten, vollintegrierten Vollverstärker für die allermeisten Szenarien des Musikhörerlebens anständig gerüstet ist.
CD-Laufwerk Quad 3CDT

Zum Test erschien der Vollverstärker in Begleitung des CD-Transports Quad 3CDT. Gleiche Serie, gleicher Look; und weil der Quad 3 ja einen DAC an Bord hat, kann der 3CDT sich darauf konzentrieren, Daten auszulesen und elektrisch oder optisch per S/PDIF weiterzureichen. Das ist schon mal gut: Erstens spart ein purer CD-Transport dadurch natürlich Geld (der 3CDT schlägt mit vergleichsweise schlanken 749 Euro zu Buche), zweitens erleichtert dies die unverfälschte Auslieferung des Signals.

Das Laufwerk wird von einer eigens entwickelten Servo-Steuerung in Schach gehalten. Für die präzise Laufwerkssteuerung und die Fehlerkorrektur ist ein Tandem aus einem RISC-Prozessor mit 32 Bit und Dual Core sowie einem separaten Mikrocontroller zuständig. Dadurch soll das Laufwerk auch in der Lage sein, Ton- oder Datenträger zu lesen, die schon mal den einen oder anderen Fettfinger gesehen haben oder im Laufe der Jahrzehnte leichte Kratzer bekommen haben. Das Laufwerk liest dabei nicht nur Red Book, sondern versteht sich auch auf das Handling von CD-R und CD-RW und auf Dateiformate wie FLAC, WAV, WMA, MP3 und APE.

Quad 3: Hörtest und Vergleiche
Die Briten sind gemeinhin bekannt für Höflichkeit und Understatement. Gut möglich, dass nicht nur der hohe Teekonsum, sondern auch der britische Verstärkerbau dazu beigetragen hat. Der Quad-Sound gilt als typischer Vertreter einer Klangcharakteristik, die sich weder durch Bass-Geballer noch durch offensiven Hochton auszeichnet. Zu erwarten dürfte also eher ein ausgewogener Auftritt sein, der seine Stärken vor allem in der Mittenwiedergabe hat und Knalleffekte im Sinne musikalischer Höflichkeit meidet.

Schauen wir also, wie der Quad 3 sich im Duett mit dem CD-Transport in einem recht weitgespreiztem Umfeld macht: Auf der einen Seite galt es, sich gegen den „very british“ musizierenden Uralt-Creek Evo durchzusetzen – was zugegebenermaßen etwas unfair ist, da der Creek altersbedingt nicht wandeln kann und auch sonst spartanisch ausgestattet ist. Auf der anderen Seite stand mit der „Symphonia“ von T+A ein hochgerüstetes Schlachtschiff zur Verfügung, das zwar ebenfalls das Analoge mit dem Digitalen versöhnen will, aber mit einem fulminanten Bass und ätherischen Höhen auf das fast schon gegenteilige Klangideal hinauswill: Es feuert mit bis zu 250 Watt pro Rohr und kostet locker das Sechsfache.
Im Reich der Mitten
Schon direkt aus dem Karton erkennt man beim Quad 3 eine entspannte Grundhaltung. Er liefert ein ausgeruhtes, vollständiges Klangbild, das sofort überzeugt. Das gelingt ihm sogar beim direkten Umstieg von der weitaus teureren T+A-Lösung. Die liefert zwar unten und oben deutlich mehr, aber der Quad hat eine Stärke, die schon beim Erstkontakt Lust auf entspanntes Dauerhören macht: ausgewogene Mitten. Das zeigt sich beispielsweise bei der Wiedergabe von Stimmen.
Spielt man „The Ballad of Lucy Jordan“ von Marianne Faithfull in der Version vom Livealbum Blazing Away per Qobuz zu und wandelt über den internen DAC, ist der Quad 3 umgehend in seinem Element: Wir erleben eine 42-jährige Faithfull, deren faszinierendes Timbre sich noch weiter in die tieferen Register verlagert hat. Der Quad hebt die Stimme aus dem umgebenden Hall einer New Yorker Kirche empor und legt sie in ihrer Brüchigkeit frei, bettet sie aber überzeugend in das Spiel der Band ein. Die Nachzeichnung gelingt mit feinem Strich, vor kalter Analytik schützt aber gewissermaßen ein wärmender Mantel: So hat man sich das vorgestellt.
Tatsächlich bleibt die Klangsignatur auch bei andersartigen Aufnahmen und unterschiedlichen Quellen bemerkenswert stabil, etwa wenn es gilt, die Stimmen von Bonnie Raitt und John Lee Hooker der Schallplattenaufnahme von „In The Mood“ elegant ineinanderlaufen zu lassen und von der Slide-Gitarre abzulösen: Der Gesamteindruck ist nochmals wärmer. Hier setzt der Quad sich auch vom Creek ab: Trotz einer grundlegend ähnlichen Charakteristik wirkt der Quad etwas organischer und voller, während der Creek bisweilen etwas spritziger klingt.

Ohne Lupe nach oben
Der Quellenwechsel fällt mitunter etwas mühsam aus: Das orangefarbene Display ist zwar hübsch anzusehen, aber nur aus unmittelbarer Nähe zuverlässig abzulesen. Die Fernbedienung hat zudem die Eigenschaft, dass sich mit ihr Verstärker und CD-Transport gleichermaßen steuern lassen, allerdings erst nach Betätigen eines entsprechenden Wahltasters. Auch der Betriebszustand beider Geräte sollte identisch sein, denn wenn eines der Geräte ausgeschaltet, das andere aber eingeschaltet ist, dann erfordert es etwas Überlegung, wie man das ausgeschaltete Gerät einschaltet, ohne das andere auszuschalten. Da jedes Gerät mit je der gleichen Fernbedienung ausgeliefert wird, geht es auch anders, man muss sich dann aber merken, welche Remote denn nun welcher Komponente zugedacht ist. Zugegeben: Das ist ein klarer Fall von einem „first world problem“. Aber trotzdem.

Wenn man zu Beginn aber etwas konservativer den Rotwein disponiert, so gelingt der Wechsel zum Hi-Res-Track „You Don’t Know What Love Is“ von Billy Holiday vom Album Lady In Satin doch souverän. Auch hier wird die Stimme sauber abgelöst von der bewegten Klangumgebung, vor allem aber bleibt das Changieren der stimmlichen Klangfarben auch bei starkem Streicherengagement gut nachvollziehbar. Obere Mitten und die Höhen werden sehr gut aufgelöst. In den oberen Lagen gelingt es dem Quad 3, viele Details herauszuarbeiten, insbesondere bei den Trompeten: Er zeigt sie in strahlendem Glanz und ringt ihnen sogar so manches Anblasgeräusch ab, was gar nicht so einfach ist, weil das Stück einen sinfonischen Charakter hat und der Aufnahme die für Jazz typische Lebendigkeit entsprechend aberzogen wurde.
Diesem Phänomen lässt sich mit deutlich hochwertigerer Verstärkung natürlich noch genauer nachspüren, denn was die Welt jenseits der 10 kHz im Superhochton zu bieten hat, lässt sich dann oft unter der Lupe betrachten. Das kann man vom Quad 3 nicht erwarten, man merkt aber, dass man dergleichen auch nicht unbedingt braucht: Insgesamt bleibt er in den oberen Registern ziemlich neutral, die Höhen wirken hinreichend frisch, klar und nicht überstrahlt. Den leichten Abfall im Superhochton nimmt man gerne in Kauf, jedenfalls dann, wenn man die Langzeittauglichkeit des Hörgenusses höher schätzt als die Information über die allerletzten Details im Airband.
Gut ausgeleuchteter Keller
Ähnlich benimmt sich der Quad 3 am anderen Ende des Spektrums, nämlich im Bassbereich. Hier lassen sich keine Orgien feiern – das wäre unbritisch und ist nicht gewollt. Das heißt freilich nicht, dass man auf ein ordentliches Pfund untenrum grundsätzlich verzichten müsste: Basslinien kommen angenehm trocken und sind stets durchhörbar, Bass Drums erscheinen nicht nur knackig, sondern werden auch in ihrer tonalen Kontur gezeigt: Bei „Funky Cold Medina“ von Tone Lōc sind Sustain und Körper, der typischerweise zwischen 60 und 80 Hertz liegen dürfte, hinreichend präsent – auch ohne eine Akzentuierung von Bassanteilen über die Klangregelung. Ein gewisses Understatement ist eben kein Nachteil, sondern trägt durchaus zum angenehm klaren Charakter des Quad 3 bei.

Natürlich lassen sich mit etwas Mühe Szenarien herbeiführen, in denen „mehr“ eben auch mehr ist: Das New Yorker Indie-Duo Sleigh Bells beispielsweise ist streng dem absoluten Low-fi verpflichtet, insbesondere das Frühwerk lebt von mutwillig herbeigeführten Verzerrungskaskaden, für die sich audiophiles Spezialequipment durchaus empfiehlt. So gibt es auf dem Track „Infinite Guitar“ neben unorthodox eingesetzten Kompressoren im letzten Drittel eine Bassattacke zu erleben, die einer plötzlichen Pegelanhebung durch eine stehende Welle gleicht: Bei T+As „Symphonia“ wackelt da auch die tragende Wand, die beiden britischen Verstärker mildern den Schock und schonen die Baustatik. Nun, man kann auch ohne voluminösen Tiefbass leben – und in diesem Falle sehr gut: Der mittlere bis obere Bassbereich des Quad ist präzise, trocken und konturiert, da verzeiht man ihm, dass ganz unten der letzte Durchgriff fehlt.
Einsicht und Durchsicht
Nur weil der Quad 3 recht vornehm musiziert, heißt das nicht, das er Dinge dezent unter den Tisch fallen ließe oder mit gebremstem Schaum zu Werke schreiten würde. Im Gegenteil, auch in fordernden Situationen, wie sie das Album Supersonic Generation des japanischen Gitarristen Hotei in Fülle bereithält, erweist er sich als souverän und klamüsert die Einzelteile im Gewimmel auseinander. Und das ist durchaus eine Aufgabe: Einerseits ist das Material völlig überproduziert, andererseits fallen aber auch noch beständig Mülleimer um, klicken Spiegelreflexkameras mit automatischem Filmtransport oder es laufen Jetturbinen hoch …
In diesem kunstvoll in Szene gesetzten musikalischen Chaos entgeht dem Quad 3 wenig. Er löst das irre Geschehen nicht nur allgemein überzeugend auf, sodass man die Schweinerockgitarren und die alles überlagernden Drum&Bass-Beats übersichtlich präsentiert bekommt. Er achtet auch auf die Abbruchkanten bei den extrem in Szene gesetzten Maschinengewehreffekten, die sich einstellen, wenn Samples kurz nach dem Attack übereinandergeschichtet werden. Es ist schon beeindruckend, wie viel Auflösung für diesen Preis geboten wird. Und ein nochmal feingranularer aufgelöstes Klangbild bekomme ich, wenn ich den Quad-eigenen DAC außen vor lasse und zu Vergleichszwecken meinen CD-Player C.E.C. CD5 analog einbinde – das ist aber auch keine Kunst, schließlich kostet dieser CD-Player ein Vielfaches des Quad 3. Nutzt man den C.E.C. hingegen lediglich zu Transportzwecken und beschickt den Quad-DAC, zeigen sich im Testsetup keinerlei Unterschiede zwischen dem Quad 3CDT und dem mit einem Riemenantrieb ausgestatteten Japaner.
Impulse statt Explosionen
Der Quad 3 bietet viel für einen überschaubaren Preis. Doch natürlich gibt es Dinge, die in dieser Klasse nicht zu erwarten sind: So kommen die Percussions auf „The Healer“ von John Lee Hooker zwar mit Biss, schließlich spielt Chepito Areas seine Timbales durchaus lebhaft. Die Sprungdynamik der Transienten bewältigt der Quad 3 schon souverän. Aber der Quad 3 ist kein Grobdynamiker vorm Herrn, hier liefert ein Creek Evo beispielsweise etwas mehr Punch. Auch im Feindynamischen muss man etwas genauer hinhören, um die Abstufungen des sehr ernst gemeinten Pianissimos der polnischen Symphonie von Tschaikovsky der Berliner Symphoniker unter Karajan zu entdecken, sowohl beim Attack des Staccatos der Violinen beim Trauermarsch wie auch den Verläufen der gebundenen Viertel der Oboen.

Dabei wird eine gute und durchaus großzügige Räumlichkeit geboten: Der Quad 3 eröffnet eine Bühne, auf der auch größere Klangkörper wie ein Orchester plausibel Platz finden – insbesondere in der Breite ist das sehr überzeugendes „großes Stereo“. Der Quad 3 spielt allerdings nicht übermäßig nach vorne, sondern bleibt nah an der Grundlinie, auch weitet er die Bühne klassentypisch nicht allzu stark nach hinten in die Tiefe. Letztlich ergibt sich mit ihm ein im positiven Sinne „unspektakulärer“ Raum, in dem alles seine gute Ordnung hat und sich Instrumente präzise orten lassen.
Testfazit: Quad 3
Keine Frage: Der Quad 3 ist ein angenehmer Geselle für den musikalischen Alltag, der einen aber auch an hohen Festtagen und bei nächtlichen Partys treu begleiten kann. Was er – vom schicken Design einmal abgesehen – nicht so gut beherrscht, ist großspurige Angeberei: Er musiziert stets kultiviert und trägt nicht auf.

Das gilt insbesondere im tonalen Bereich, wo er Bässe pointiert und trocken statt maximal tief und/oder mit (zu) viel Hubraum ausliefert und sich auf einen warmen, aber nicht verfälscht wirkenden Mittelton konzentriert, den er in den Höhen sanft umrandet. Das ist spontan einnehmend, funktioniert aber erst recht bei längeren Hörsitzungen. Seine Leistung reicht nicht nur für die allermeisten Lautsprecher aus, sondern ermöglicht auch höhere Pegel, die dem Ohr gut bekommen: Der Quad 3 bleibt auch beim Ausloten der Grenzbereiche des nachbarschaftlich Erlaubten immer klar und verzerrungsfrei. Wer aber ein maximal dynamisches Klangbild sucht, dem bieten sich Alternativen.
Kurz und gut: Mit dem Quad 3 erhält man für einen moderaten Preis einen Vollverstärker mit DAC, Kopfhörer-Amp und Phono-Stage und moderner Konnektivität, der klanglich auf Langzeittauglichkeit und Feingefühl getrimmt wurde – und dessen Show-Off-Qualitäten nur die Optik betreffen. Gut so.
Steckbrief Quad 3:
- Der Quad 3 gibt sich unaufgeregt, hat aber eine klare Stärke: In den Mitten löst er hervorragend auf, was zu einer sehr guten Stimmwiedergabe führt. Das sorgt für einen stets klaren Eindruck, auch wenn er sich eine gewisse Wärme erlaubt.
- Saubere und gut ausdifferenzierte Höhen machen den Quad 3 langzeittauglich. Auf Details in den Obertönen oder bei Geräuschen muss man nicht verzichten. Im Superhochton etwas dezenter unterwegs.
- Kontrolliert und pointiert: Die Bässe sind trocken und gut eingebettet ins Gesamtbild, der Quad 3 hat seinen Fokus auf Präzision und Kontur. Der mittlere und obere Bassbereich wirkt balanciert, im absoluten Tiefton wiederum etwas dezenter aufspielend.
- Der Verstärker und sein DAC bieten eine hohe Detailtreue und Auflösung, auch bei komplexerem Material trennt er die Klangereignisse sauber voneinander, ohne chirurgisch zu werden. Eine echte Stärke.
- Der Quad 3 zeichnet musikalische Impulse realistisch nach, lässt Transienten aber auch nicht gleicht „explodieren“, es gibt Vertreter der Zunft, die dynamischer aufspielen.
- Die Bühne wird breit aufgefächert dargestellt, es herrscht eine gute räumliche Ordnung. Die Tiefenstaffelung bleibt Normalmaß, gute Ortungsschärfe.
Fakten:
Quad 3
- Konzept: Vollverstärker mit DAC und Phono
- Preis: 1.490 Euro
- Maße & Gewicht: 30 cm x 10 cm x 33 cm (BxHxT), 7,7 kg
- Ausgangsleistung: 2 x 65 Watt an 8 Ohm / 2 x 100 Watt an 4 Ohm
- Eingänge: 2 x Line (RCA), Phono-MM (RCA), USB-B, koaxial (S/PDIF), Toslink, HDMI-ARC, Bluetooth, 12-V-Trigger
- Ausgänge: Lautsprecher, Pre-Out, 6,3-mm-Kopfhörerklinke, 12-V-Trigger
- Farben: Grau
- Sonstiges: Quad-Klangregelung mit Tilt-Shelf-EQ
- Garantie: 3 Jahre
- Weitere Informationen auf der Webseite des Vertriebs
Quad 3CDT
- Konzept: CD-Laufwerk
- Preis: 749 Euro
- Maße & Gewicht: 30 cm x 10 cm x 30 cm (BxHxT), 5,37 kg
- Eingänge: 12-V-Trigger
- Ausgänge: S/PDIF koaxial, Toslink, 12-V-Trigger
- Farben: Grau
- Garantie: 3 Jahre
- Weitere Informationen auf der Webseite des Vertriebs
Kontakt
IAD GmbH
Johann-Georg-Halske-Straße 11
41352 Korschenbroich
Telefon: +49 (0) 2161 617830
E-Mail: hifi@iad-gmbh.de
Web: https://www.iad-audio.de
PREMIUM-HÄNDLER, die Quad führen
Leserbrief


