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Hörkontakt: PSB Synchrony One

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  1. 2 Hörkontakt: PSB Synchrony One

Zum Beschnuppern stelle ich die Synchrony One mit 1,8 Metern Seitenabstand und etwas über zwei Meter Hörabstand auf, minimal, wenige Grad sanft nach innen eingewinkelt. Der musikalische Erstkontakt findet statt über die hervorragend aufgenommene Babyshamblesund produzierte CD Down in Albion von den Babyshambles, und zwar mit dem Song „Merry Go Round“. Sparsam instrumentiert, nicht zu schnell, mit Fokus auf Westerngitarre und der „schmutzigen“ Stimme von Pete Doherty. Und weil der erste Eindruck, das erste Bauchgefühl sich sehr oft als richtig erweisen, sei er hier auch ungefiltert wiedergegeben: Die PSB Synchrony One strahlen eine gewisse angenehme „Schwere“ aus. „Schwer“ im Sinne von solide, standfest, eine klare klangliche Richtung einschlagend. Dies gilt für gleich mehrere Disziplinen, von denen ich als erste auf die Raumdarstellung eingehen möchte:

Ohne dass ich größere Aufstellungsbasteleien hätte betreiben müssen, rastet die Bühnendarstellung sofort ein. Klangquellen stehen felsenfest und definiert im Raum, haben dabei sowohl seitlich als auch nach hinten Platz, sich zu entfalten; ein Eindruck, der sich erfreulicherweise nicht nur in einem kleinen Sweet Spot einstellt, sondern auch drum herum. Dies gilt sowohl für horizontale, als auch für vertikale Auslenkungen. Ganz gleich, ob ich in meinem etwas tieferen Sesselchen, kerzengerade auf einem Stuhl mit höherer Sitzposition sitze oder den Kopf etwas drehe – die Synchrony One beschallt den Hörraum kohärent.

Neben spitzen Spikes liegt den PSBs auch eine bodenschonende Lösung bei

Es fällt in diesem Zusammenhang auch auf, dass sich der Klang fast völlig von den Lautsprechern löst. Ich kenne es von etwas zickigeren Lautsprechern so, dass – bei schwieriger Raumakustik oder suboptimaler Aufstellung – sehr stark voneinander abweichende Impressionen von der stereofonen Bühne entstehen. Vom „Mittenloch“ bei zu hohem Seitenabstand der Lautsprecher bis hin zum Zusammenkippen der Bühne bei zu geringem; vom Zerfallen oder Driften des Klangbilds nach links und rechts bis hin zu pegelmäßigen Unregelmäßigkeiten, vor allem dann, wenn beide Lautsprecher keine ähnliche „Arbeitsumgebung“ haben, also akustisch vergleichbare Verhältnisse (Raumecke kontra Freifläche, unterschiedlich bedämpfende Materialien im näheren Umfeld der Lautsprecher).

Die Synchrony One ist – neben der Nubert nuVero11 – der erste Lautsprecher in meinem Haus, der auf derlei Unzulänglichkeiten überdurchschnittlich gelassen reagiert. Bleiben wir noch ein wenig im Thema und sind mal fies! Ich rücke den linken Lautsprecher in eine Ecke, die sich aus der langen Wohnzimmerwand und einem Regal-Raumteiler ergibt, während der rechte deutlich mehr Luft zum Atmen hat – gleicher Wandabstand nach hinten, aber nach rechts mehr als zwei Meter „Luft“. Eine absolut tödliche Kombination, die zum Beispiel bei meiner seligen Triangle Altea dazu führte, dass der linke Lautsprecher in den Höhen so deutlich leiser war, dass ich schon mal den Verstärker des mangelhaften Kanalgleichlaufs zeihen wollte.

Der PSB Synchrony One war es beinahe wurscht, immer noch ergab sich ein sehr brauchbares, gleichmäßiges Klangbild. Sie gestattet es sogar – bis zu einem gewissen Maximum, versteht sich – die Basisbreite zwischen beiden Lautsprecher größer zu wählen als den Abstand zwischen Hörer und Lautsprecher. Das führt bei mir üblicherweise zum „Mittenloch“ und zum ungünstigen Kleben des Klangs an beiden Lautsprechersäulen. Bei der Synchrony One hingegen wirkt die Bühne nun einfach breiter und die Instrumentenstaffelung kaum unpräziser. Ein weitergehendes Verlaufsprotokoll meiner Lautsprecherschiebeaktivitäten erspare ich Ihnen, fest steht, dass die eingangs intuitiv gewählte Aufstellung sich tatsächlich als die beste, weil realistischste und angenehmste erwies, dass die Synchrony One aber auch weniger günstige Aufstellungen verzeiht.

Zum Tonalen: Ich falle mit der Tür ins Haus – so richtig hundertprozentig straight durchzeichnend wie ein Studiomonitor ist die Synchrony One für mein Gefühl nicht. Ich habe schon den Eindruck, dass sie sanft in Richtung „erdig“ abgestimmt ist. Damit meine ich weniger das Rock’n’Roll-artige, was man beispielsweise mit Lautsprechern der Marke Klipsch assoziiert, sondern eine – auch je nachdem, wie viele der Bassreflexlöcher man stopft – leicht bassfreundliche Wiedergabe in Verbindung mit zwar gut auflösenden, aber zu keiner Zeit funkelnden oder crispen Höhen.

Bis auf den leichten Hochtöner (Kunstoffgewinde und Spaxschrauben, siehe Bild) sind alle Treiber via Maschinengewinde mit der doppelwandigen Alu-Front verschraubt

Nehmen wir die Akustikgitarre im Song „Merry Go Round“. Doherty spielt sie auf gewohnt schlampige Art und Weise ohne Furcht vor Umgreifgeräuschen oder schnarrenden, nicht vollständig heruntergedrückten Saiten. Die Gitarre klingt hierbei völlig „richtig“, klar tönend, nicht bauchig oder sonst wie verformt, es scheint kein Frequenzband über- oder unterbetont, jedoch rücken die obertonreichen Nebengeräusche dahin, wo sie im Grunde ja auch hingehören, nämlich tendenziell in den Hintergrund. Da agiert die Synchrony One grundlegend anders als mein Referenzlautsprecher, die Neat Momentum 4i. Deren magnetostatischer Hochtöner stürzt sich, vor allem bei aufs Ohr eingewinkelter Aufstellung der Lautsprecher, in einer fast schon pornografisch-expliziten Art und Weise auf jedwede akustische Information und kehrt Umgreifgeräusche, versehentlich entstandene Flageolett-Töne und dergleichen zu keiner Sekunde unter den Teppich.

Die Stimmwiedergabe der Synchrony One finde ich sehr gelungen: Sie ist natürlich, nah, greifbar, lebendig. Doherty scheint im Raum zu sitzen. Als nach gut einer Minute der – für die Babsyhambles eher verhalten gespielte – Bass einsetzt, kommen wir zum anderen Frequenzbandende der Erdigkeits-Disziplin: Der Oberbass erscheint mir – in Sachen Bassreflexöffnungen hatte in der Regel „offen“ gehört – ab Werk leicht betont, was der Darstellung insgesamt eine gewisse (in meinen Ohren hier angenehme) Vollmundigkeit gibt. Was hingegen der Tiefbass kann, das wird mir dieser Song wohl nicht mehr offenbaren, daher schwenke ich nun zu etwas rockigerer Kost, nämlich „Shame“ von Jimmy Eat World: Knalliges Schlagzeug mit viel Raum. Richtig fetter E-Bass. Sägende Gitarren, klassisches „sanfte Strophe/Haudrauf-Refrain“-Schema.

Ich sag’s mal etwas populistisch: Lecker, was die Synchrony an Bass in den Raum stellt und wie sie es in den Raum stellt. Rockisten benutzen ja gerne auch mal Begriffe wie „fett“ oder „voll das Brett“, und ausnahmsweise möchte ich diese ein wenig nach Pommes riechenden Attribute einmal übernehmen. Freunde eines kernigen Bass-Sounds werden die PSB Synchrony One lieben, denn sie vereint das Talent, richtig Schub bis ganz unten zu geben, mit einer feindynamischen Akkuratesse und der Fähigkeit, trotzdem in den anderen Lagen die Übersicht zu behalten – meistens jedenfalls, dazu noch später. Einen Lautsprecher einfach nur mit ordentlich Schub im Bass auszustatten ist ja per se keine Kunst. Denn wenn die Gruppenlaufzeiten nicht stimmen oder die Anbindung an die restlichen Frequenzbereiche nicht gelingt, macht der schönste Antritt im Bass keinen Spaß.

Die Synchrony One hingegen füllt den Raum auf eine ausgesprochen körperlich spürbare, sinnliche Art und Weise mit tiefen Lagen, ohne jedoch, dass der Hörer dabei eine gewisse Präzision und/oder Geschwindigkeit vermissen würde. Wer es „untenrum“ etwas schlanker mag, hat die Möglichkeit, mittels der erwähnten Gummimöppel an der Charakteristik der tiefen Lagen zu feilen – ich persönlich bevorzugte tatsächlich die „möppelfreie“ Variante.

Test: PSB Synchrony One | Standlautsprecher

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