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PSB Image B6 – was kommt vorne raus?

Inhaltsverzeichnis

  1. 2 PSB Image B6 - was kommt vorne raus?

psb image b6

Die Indierockband Moi Caprice hat anno 2005 mit „You Can’t Say No Forever“ ein spannendes und sehr gut gelauntes Album herausgebracht, das ich klanglich in den Bereich „Power Pop“ einsortieren möchte:

Eingängige, druckvolle, reich orchestrierte Songs mit Widerhaken, und all das hervorragend und vielschichtig produziert. Candy fürs Ohr: Es gibt auch nach dem x-ten Durchhören noch viel zu entdecken. Der Track „To The Lighthouse“ ist ein typischer Vertreter.cd-moi-caprice Ein Intro aus satten Synthesizern und Delaygitarren, die dann dem Gesangseinsatz Platz machen, welcher durch einen klug programmierten Drumcomputer, einen drahtigen Bass und Wohlfühl-Klangflächen begleitet wird – und all dies schwingt sich zu einen hymnischen Refrain auf. Später im Stück gibt es noch eine experimentelle Passage, in der mit Panorama-und Phasenschweinereien gearbeitet wird. Ganz schön was los also! Mein Erwartungshorizont war: Preisgünstige Kompaktboxen sind häufig mit einer solchen quietschbunten Mischung überfordert und beginnen dann zu „schreien“, also im Bereich der oberen Mitten und Höhen nicht wirklich klar aufzulösen.

Ganz anders die Image B6. Die ersten Stichworte bei den Hörnotizen waren: „luftig und klar“, gefolgt von „keine Spitzen“. Was meint das? Nun, die Sounds des oben erwähnten Drumcomputers sind bei dem Song „To The Lighthouse“ sehr obertonreich programmiert beziehungsweise gemischt. Das betrifft nicht nur die naturgemäß eh höhenlastigen Klänge wie Hi-Hat, Becken und Snare, sondern in diesem Fall auch die Kickdrum, bei der neben den tiefsten Frequenzen auch die Obertöne nochmal ein gerüttelt Maß im Mix betont wurden. Das ergibt ein sehr „tightes“ Auftreten, das bei im Höhenbereich allzu vorwitzigen Lautsprechern aber gerne auch mal den Klang ins knisternde Scheppern umschlagen lässt. Diesen Anfängerfehler macht die Image B6 gerade nicht. Sie gibt das Zusammenspiel aus Kickdrum und Snare in der Tat sehr „tight“, also tempogetreu und mit ansprechender Attack wieder, reißt den Sound aber nie ins zischelige, allzu Helle. Ebenfalls erfreuten bei diesem ersten Blind Date die saubere Stimmwiedergabe und die durchaus großzügige, dennoch vergleichsweise klare Raumaufteilung.

psb iamege b6 phaseplug+

Gehen wir mal ein paar Schritte näher ran, und zwar mit dem famosen Album „Instant Coffee Baby“ der Gitarrenschrammelband Wave Pictures. Diese Dreimanncombo schert sich offenbar wenig um großes Instrumente-Posing. Das Album hört sich an, als stünde die Band mit einem Sammelsurium von Flohmarktinstrumenten in einem besenkammergroßen Proberaum, wobei der Sänger durch ein in den Gitarrenamp gestecktes 10-Euro-Mikrofon singt. Und mit solcher Musik soll man Lautsprecher testen können?

Ja, kann man, denn trotz des hörbar billigen Instrumentariums sind Produktion und Aufnahme selbst über jeden Zweifel erhaben, was das Ungeschliffene der Musik umso besser zur Geltung bringt. Der Song „Strange Fruit For David“ vereint knurrigen Bass, knackiges Uptempo-Gitarrenschrabbeln, leichtwave pictures angezerrten Gesang, treibendes, mit Besen gespieltes Schlagzeug – und als süßes Gegengewicht eine Violine. Der Image B6 scheint das Spaß zu machen. Dem „fiesen“, deutlich verzerrten Gesang nimmt sie durch eine vornehme Zurückhaltung in der Höhe die Schärfe und bildet zugleich die Instrumente sehr schön straff positioniert im Raum ab. Besonders gefällt wiederum die schnelle, federnde Gangart im Tieftonbereich, sowie die tonal ausgeprochen natürliche Darstellung der Gitarre, deren mit virtuoser rechter Hand geschlagenen Akkorde den Fuß zum sofortigen Mitwippen animieren.

Schon nach diesen zwei Stücken lässt sich eine klare Richtung erkennen. Paul Barton tat gut daran, der B6 tonal ein wenig von dem mitzugeben, was auch das Topmodell, die hier schon seit einem halben Jahr als Arbeitsgerät installierte Synchrony One, auszeichnet: Eine leicht samtige, aber noch eben nicht dunkle Abstimmung im Höhenbereich, verbunden mit bruchlos angekoppelten, recht ausdifferenzierten Mitten, sowie eine angesichts des Preisbereichs mehr als brauchbare Präzision in der räumlichen Darstellung. Und da ich eingangs ja den Vergleich zum Hersteller Nubert zog, warum nicht auch hier? Wenn ich die Image B6 aus der Erinnerung heraus mit der ähnlich gepreisten nuLine 32 von Nubert (Paar 570 Euro) kontrastiere, mache ich da klanglich schon leichte Unterschiede aus: Die Nubert erscheint mir hochtonseitig etwas „straighter“, linearer durchgezeichnet als die PSB Image B6. Der B6 hingegen möchte ich eine etwas präzisere räumliche Staffelung beziehunsgweise „Positionszuteilung“ attestieren. Beide Lautsprecher wiederum haben die für ihre Preisklasse gut ausdifferenzierten Mitten gemein.

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Zurück zur B6. Es dürfte sich natürlich von selbst verstehen, dass von der B6 kein echtes Grollen im Tiefbass zu erwarten ist. Trotzdem möchte ich sie einmal mit wuchtiger Musik konfrontieren, und zwar Katatonias „Nephilim“ vom Album Night Is The New Day:katonia Düstere, verhallte Gitarren und Gesang, fette Drums mit alles andere als sparsamem Beckeneinsatz und veritabel knallenden Snares. Ruhige, elegische Strophen werden von dröhnenden Refrains abgelöst. Mal sehen, was die B6 daraus macht! Nun, wenn man von der „großen Abhöre“ auf die B6 umschaltet, dann kann sich der Rezensent ein kurzes Grinsen nicht verkneifen. Wo beispielsweise die (fast sieben Mal so teure) Synchrony One ein dröhnendes Bassdrumgewitter in den Raum prügelt, kann man bei der B6 eher von einer Art Wetterleuchten sprechen. Aber das ist auch ein ungerechter Vergleich.

Trotzdem muss konzediert werden, die B6 kann recht bissig werden, und das meine ich positiv. Die fehlende Oktave im Tieftonbereich pariert sie mit einer flotten Gangart und kurzen, flinken Attacks. Insgesamt befindet die B6 in Sachen Tieftonautorität preisklassen- und größenbezogen aber auf einem sehr wettbewerbsfähigen Level, hier klingt sie zum Beispiel ähnlich wie die nuLine 32 ohne ATM, vielleicht etwas zurückhaltender als die ebenfalls kürzlich hier getestete Elac AM 150 mit ihrem zarten Oberbasshöckerchen, aber dafür wohlmöglich wiederum auch ehrlicher/realistischer.

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Test: PSB Image B6 | Kompaktlautsprecher

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