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Klang Progressive Audio Extreme I (Teil 1)

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Sie können mir glauben oder nicht: Den Quasi-Reflex, bei kompakten Lautsprechern zuerst die Basspotenz auszuloten, habe ich zunächst unterdrückt. Dieses seltsame Ansinnen kennen wohl die meisten: Kaum hat man eine Kompakte vor sich, will man wissen, wo denn die Grenzen sind, oder besser darüber staunen, was die Lautsprecher jenseits aller Erwartungen an Bass in den Raum pumpen. Ich will es lieber anders machen und versuchen, ganz unvoreingenommen Musik zu hören. Das gibt meiner Meinung nach ein praxisnäheres Bild von einer Komponente. Ich finde es komisch, zum „Hörtest“ Musik heranzuziehen, die ich sonst nicht oder nur sehr selten höre, nur um hier die ultimativ tiefen Bässe zu vermissen, die bei der von mir üblicherweise gehörten Musik sowieso nicht vorkommen.

Progressive Audio Extreme I

Also fange ich mit einer schönen, kraftvollen Stimme an. Das Debütalbum der deutsch-ghanaischen Sängerin Y’Akoto, Baby Blues, war für mich Y'Akoto, Baby Blueseine Entdeckung. Endlich mal wieder eine richtig tolle Soul-Stimme, moderne Arrangements und eine junge Frau, die was zu sagen hat. Okay, die Produktion krankt für meinen Geschmack ein wenig daran, dass sie etwas zu synthetisch klingt – offen(hör)bar mochte sich die Dame beziehungsweise ihr Produzent nicht nur auf die Stimme allein verlassen. So hat man hier und da etwas zu viel die Register digitaler Studiotechnik gezogen. Bevor ich mich aber auf solche Aspekte konzentrieren kann, bin ich erst mal platt – was von etwas herrührt, dass ich gar nicht ausloten wollte: den unteren Lagen. Nicht nur in Anbetracht der vergleichsweise kompakten Abmessungen bietet die Extreme I ein Bassfundament, welches klar macht, was Koenen meint, wenn er sagt, dass seine kleinsten Lautsprecher keine Sparbrötchen seien. Das hat nämlich Substanz.

Also gut, wenn es sich so aufdrängt, dann eben doch zuerst der Bassbereich. Es ist absolut erstaunlich, was die Extreme I hier so anrichten. Wie gesagt sind mir die synthetischen Tieftonwelten auf dem oben genannten Album noch nie so aufgefallen. Meine gewohnten Geithains schieben hier nicht so sehr. Das ist sicher genau eines der Geheimnisse der Extreme I. Klar hören die unter 50 Hertz ziemlich schnell auf, kompensieren dies aber dadurch, dass sie knapp drüber noch ’ne Schippe drauflegen. Was hervorragend funktioniert. Vor allem, weil es mit den meisten Räumen und Aufstellungen klappt. Was nützt ein Lautsprecher, der zwar deutlich tiefer heruntergeht, damit aber hauptsächlich irgendwelche Raummoden anregt? Die Extreme I geben sich hier Progressive Audio Extreme Isehr unproblematisch. Ich habe einige Experimente mit der Aufstellung gemacht und egal, ob verhältnismäßig nah an der Wand oder sehr frei im Raum: Die Extreme I verhalten sich aufstellungsunkritisch – im Bass wie übrigens auch in den anderen Frequenzbereichen.

Nebenbei bemerkt ist es beeindruckend, was die Tieftonmembranen für Hübe meistern. Wüsste ich nicht, dass die Seas-Chassis extrem robust gebaut sind, würde mir angst und bange werden. So bin ich nur bass erstaunt, dass die kleinen Lautsprecher meinen circa 20 m² großen Hörraum ordentlich rocken. Klar, ab einem gewissen Pegel, vor allem auch in Abhängigkeit von den Tiefbassanforderungen des Musikprogramms, machen die Boxen dann irgendwann schon „dicht“ – die Physik lässt sich ja auch nicht ganz aushebeln.

Ein eigenes Thema ist die Bass-Qualität. Hier gehen die Meinungen etwas auseinander. Um es vorwegzunehmen: Ich bin sehr vom Tiefton der Extreme I angetan. Was ich auch den Kollegen nicht verschwiegen habe. Da ich mich sonst wohl eher selten derart überschwänglich über eine Komponente äußere, luden sich beide unabhängig voneinander zu einer kleinen Hörprobe ein. Beide waren ob meiner Äußerungen über den Bass der Extreme I eher skeptisch, denn beide hören daheim Lautsprecher, die im Tiefton mit 30-cm-Treibern bestückt sind: Jörg Dames mit einem Paar Spendor SP100R², Ralph Werner mit zwei Dynamikks Monitor 8.12. Während Jörg vom Fleck weg begeistert von den „Kleinen“ war, tönte es Ralph nicht knackig genug. So kann’s gehen. Will sagen, der Bass der Extreme I gehört eher zur saftigen, plastischen Art, weniger zur ultimativ straffen. Ich persönlich mag ein bisschen mehr Schwung im Tiefton ganz gerne – solange hier nichts „verwummert“, sprich: unkontrolliert wird. Das ist aber nicht der Fall. Die Extreme I arbeiten beispielsweise alle relevanten Aspekte eines Kontrabasses, die ich genau mitkriegen möchte, wunderbar heraus.

Test: Progressive Audio Extreme I | Kompaktlautsprecher

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