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Nubert

Klang: Progressive Audio Extreme 2 Aktiv

Inhaltsverzeichnis

  1. 2 Klang: Progressive Audio Extreme 2 Aktiv

Nachdem die Progressive Audio Extreme 2 etwa dort zu stehen kommen, wo bisher meine Acapella La Campanella ihren Platz hatten, winkelt Herr Koenen die Lautsprecher annähernd auf den Hörplatz ein. Der Abstand beträgt gut zwei Meter und fünfzig. Noch mehr ginge auch Ordnung, versichert der Entwickler.

Progressive Audio Extreme 2 Aktiv

Hauptsächliche Zuspieler sind Accustic Arts Tube Preamp II Mk2, der Bladelius Gondul M und TW-Acustics Raven AC zusammen mit dem derzeit noch bei mir weilenden Phonovorverstärker Clearaudio Absolute Phono Inside. Womit seitens der Quellgeräte für Symmetrie gesorgt ist und sich die Aktivlautsprecher wohl kaum über schlechte Arbeitsbedingungen beklagen dürften.

Beim ersten „Reinhören“ greife ich gerne auf etwas Gesangliches zurück. Kann mich die Stimme mit ihrer Natürlichkeit überzeugen, hat der Lautsprecher vielleicht sogar das Zeug mich zu faszinieren, in seinen Bann zu ziehen oder lässt er mich kalt und unberührt auf dem Hörplatz zurück?

Volume III Audiophile Male Voices aus der Uncompressed World Serie von Accustics ArtsVolume III Audiophile Male Voices aus der Uncompressed World Serie von Accustics Arts ist dank extrem sorgfältiger Aufnahmetechnik so ein erster Prüfstein. Da gibt es „Thank you“ mit Udo Schild, dessen warme Stimme aufhorchen lässt, wenn sie via Extreme 2 den Hörraum flutet. Intensiv und präsent ist mein Eindruck. Offenbar war es dem Tonmeister wichtig, das Vibrieren der Stimmbänder schön lebensecht einzufangen. Die Aktivlautsprecher aus Essen machen es hörbar. Auch Singer-Songwriter Ian Parker beziehungsweise sein gelungenes Cover des U2 Songs „With or without you“ vermag aus dem Stand mit einer sparsam instrumentierten, gleichwohl ausgesprochen expressiven Gangart zu fesseln. Kalt lässt einen die schlanke Essenerin sicher nicht, vielmehr geht es hier schon ganz ordentlich unter die Haut.

Progressive Audio Extreme 2 AktivEine bloße Schmeichlerin, die mit betont emotionaler Stimmwiedergabe von Schwächen in anderen Bereichen abzulenken versucht, ist sie dabei aber ganz sicher nicht. Viel zu mitteilsam geht sie dafür ans Werk und wirkt dabei fast ein wenig detailverliebt. Allein die vielen feinen Artikulationsgeräusche, die an mein Ohr getragen werden. Die sind mit den Progressive Audio Extreme 2 eindeutig präsenter als mit meinen deutlich teureren Acapella, die Atemgeräusche und kleine Schnalzer weniger als Einzelgeräusche auffallen lassen und eher die Ganzheitlichkeit der Musik betonen.

Diese enorme Offenheit, das Direkte, mit der die Progressive Audio den Hörer anspricht, hat schon eine ganz besondere Güte – selbst wenn man Lautsprecher aus deutlich höheren Preisregionen als Maßstab heranzieht. Offensichtlich scheinen sich die Extreme 2 in die Riege sehr hochauflösender Schallwandler einordnen zu wollen … Eine kurze Liaison mit einem Paar Audiovector Symphonic kommt mir da in den Sinn. Dort werkelten sündhaft teure Treiber von Lowther mit atemberaubend fixer Ansprache. Leider hatten sie auch mit gewissen Verfärbungen zu kämpfen, von denen die Extrem 2 völlig frei zu sein scheinen. Dazu aber später mehr.

Was zudem überrascht, ist, dass die relativ handlich wirkenden Extreme 2 zu einer richtig erwachsenen Abbildungsgröße fähig sind, die auch in der Höhe recht deutlich über den guten Meter der Lautsprechergehäuse hinausreicht. Nichteingeweihte würden mit geschlossenen Augen wohl auf deutlich größere Schallwandler tippen, die nun mit traumwandlerischer Präzision das Orchester der Academy of St.Martin in the Fields in meinen Hörraum transportieren.

Dabei staffelt sich das Orchester mit den einzelnen Instrumentengruppen in der Tiefe des Raumes sehr gut nachvollziehbar. Mittig davor findet die Soloklarinette in Person Sabine Mayers ihren Platz. Die großzügige und präzise Raumdarstellung der Extreme 2 sollte – nicht zuletzt eingedenk der Preisklasse, in der wir uns bewegen – allgemein für anerkennendes Nicken beim Hörer sorgen. An der Sache mit dem Koax und der Punktschallquelle muss wohl ernsthaft etwas dran sein. Und auch die relativ schmale Front der aktiven Schallwandler dürfte dem Ergebnis alles andere als im Wege stehen.

Progressive Audio Extreme 2 Aktiv

Da ist es leicht zu ertragen, wenn eine Symphonie in großer Besetzung wie Mahlers Achte (Deutsches Symphonie-Orchester, Rundfunkchor Berlin, Dirigent Kent Nagano, Harmonia mundi-2CD) meinen Acapellas mit ihrem Plus an Membranfläche und Gehäusevolumen doch noch etwas mehr an „Raumgefühl“ entlocken kann. Schließlich sind es ja vor allem niederfrequente Schallanteile im Bereich von 60 bis etwa 20 Hertz hinab, die unserem Gehör ermöglichen, einen großen Konzertsaal in seinen Dimensionen vollständig zu erfassen. Selbst ein so raffinierter Treiber wie der Seas-Koax muss sich da wohl der Physik, wenn auch etwas zähneknirschend, unterordnen.

Zähneknirschend, weil die Progressive Audio Extreme 2 im Kreise vergleichbar großer Kollegen mit ihrem Tieftonpotential keineswegs zurückstehen muss. Die Extreme 2 punkten mit einem pieksauberen, ziemlich schlackelosen Bass der schnellen Sorte, der auch schon mal bis grob 30 Hertz hinunter reichen kann. Das ist zwar kein Mörderbass aus 38-Zentimeter-Membranen, der großvolumigen Subwoofern das Fürchten lehren könnte, aber eben flink und angesichts der Dimensionen des Zwei-Wege-Koax-Konzepts unserer Probanden auch unerwartet tief reichend. Tatsächlich verfügen Aktivlautsprecher häufiger über ein erstaunlich solides Bassfundament, welches in einem gewissen dadawaWiderspruch zum tatsächlich vorhandenen Gehäusevolumen zu stehen scheint. Die Extreme 2 machen diesbezüglich da keine Ausnahme.

Die Synthiebässe auf Dadawas Album Sister Drum lassen sie jedenfalls mit in einer Festigkeit und Substanz durch meinen Hörraum rollen, welche ich den schlanken Säulen nicht unbedingt zugetraut hätte. Darüber hinaus geraten die meisten Membranen ähnlicher Größe – insbesondere die von Passivlautsprechern – mit diesem „Futter“ haltlos ins Flattern, zumindest bei Pegeln, die eine Unterhaltung gemeinhin nicht mehr zulassen. Auch den Essenern lässt sich der versprochene Hub von +/- 7,5 mm deutlich ansehen, akustisch macht sich das aber nicht bemerkbar. Und wenn es nicht gerade die Hard’n’Heavy-Party des örtlichen Motorradclubs ist, taugen sie wahrscheinlich sogar zur Beschallung diverser häuslicher Feierlichkeiten.

Test: Progressive Audio Extreme 2 Aktiv | Aktivlautsprecher, Standlautsprecher

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