
Test: Primare Allt-i-Ett | All-In-One-Lösung, Streaming-Lautsprecher
Moderne Musiktruhe
von Elmar Salmutter
Im Test: Primare Allt-i-Ett | All-In-One-System
UVP zum Testzeitpunkt: 2.990 Euro
Als ich ein Kind war und die Verwandtschaft besuchen durfte, besaß mein Onkel eine flache, breite Kompaktanlage, die mich magisch anzog: Plattenspieler, Kassettendeck und Radio in einem Gehäuse – plus Kompaktboxen, die man per Klingeldraht anschloss. An den Hersteller erinnere ich mich nicht mehr, wohl aber daran, dass ich davor Stunden verbrachte und davon träumte, so etwas auch mal in den eigenen vier Wänden zu haben.

Nun ist es so weit: Der Anblick des aus Schweden stammenden Primare Allt-i-Ett (https://www.in-akustik.de) erinnerte mich an diesen Kindheitstraum – aber nicht, weil das Teil Patina ansetzt und wie eine Antiquität aus längst vergangenen Zeiten wirkt, nein. Es ist vielmehr die längliche, flache Form, die an die Kindheit erinnert. Aber auch eine Soundbar oder ein Sounddeck kommen in den Sinn – mit dem Unterschied, dass sich beim Primare auf der Oberseite diverse Bedienelemente und Displays befinden (mehr dazu später). Mit Abmessungen von 69,0 x 30,3 x 15,0 Zentimetern (BxTxH) und 16 Kilogramm zählt der schwedische Allrounder eher zu den größeren und schwereren Vertretern seiner Zunft.
Rätselhaft
Rätsel gab mir der Name Allt-i-Ett beim Erstkontakt auf: „Allt-i-Ett?“, schoss es mir durch Kopf. „Was soll das sein? Eine Käsetheke im Discounter? Oder eine neue Diät?“ Nein, Allt-i-Ett ist Schwedisch und bedeutet so viel wie alles in einem oder All-In-One-Gerät. Was auf diese Komplettanlage von Primare ja zutrifft. Zum Glück heißt sie nicht Köttbullar, sonst wäre sie rund wie ein Fleischklops und würde unsere Hündin magisch anziehen. So klebe nur ich fetter Klops davor und lausche aufmerksam. Es gibt ja auch eine Menge zu entdecken und rumzuspielen, schließlich vereint der Primare Allt-i-Ett Multi-Source-Streaming, Radio, Verstärker und Lautsprecher in einem eleganten Gehäuse. Manchen Menschen könnte vielleicht noch ein eingebauter CD-Player wie etwa beim Sonoro Meisterstück Gen.2 fehlen, aber hey: Man kann nicht immer alles haben. Die Verarbeitung wirkt jedenfalls extrem hochwertig, was sich sowohl in der Materialwahl als auch in der Passgenauigkeit der einzelnen Elemente zeigt. Besser geht es kaum.
Zwei Displays
Auf der Oberseite gibt es zwei Displays, wobei sich das obere sogar aufstellen lässt, damit man auch aus der Entfernung erkennen kann, wer oder was hier gerade spielt. Es wird nicht manuell, sondern motorisiert bewegt, und zwar über das Menü am Gerät selbst, die Prisma-App oder die Fernbedienung. Primare warnt ausdrücklich davor, es mit der Hand zu bewegen, weil es sonst kaputtgehen kann. Das untere Display, mit dem man zum Beispiel die Eingänge wählt oder Musik startet und wieder anhält, ist unbeweglich, dafür aber als Touchscreen ausgeführt.

Die Menüstruktur zwischen Gerät und App ähnelt sich stark, was die Orientierung erleichtert. Grundfunktionen lassen sich zusätzlich über physische Bedienelemente wie einen zentralen, beleuchteten Drehregler und wenige Tasten steuern, die sich unterhalb der beiden Displays befinden. Man findet sich schnell zurecht, auch die Einrichtung des Netzwerks über das Gerätedisplay geht schnell und unkompliziert von der Hand. Schön ist auch der dezente Leuchtstreifen vorne an der Unterseite, der ein warmes Licht abgibt, sich aber auch deaktivieren lässt. Einziger kleiner Kritikpunkt bei der Bedienung: Plattencover und Interpret/Song stimmen auf dem oberen Klappdisplay nicht immer mit dem gerade spielenden Stück überein und synchronisieren sich manchmal nur verzögert.
Schnittstellen
Ein Blick auf die Rückseite verrät, dass sich der Tausendsassa auch als Soundbar einsetzen lässt, schließlich verfügt er über eine HDMI-eARC-Schnittstelle. Das ergibt Sinn, schließlich erinnert die Formgebung ohnehin an Soundbars/Sounddecks.

Hinzu kommen zwei optische Digitaleingänge, ein koaxialer Digitaleingang, ein analoger Cinch-Eingang (umschaltbar auf Phono-MM!), USB für Datenträger, ein Subwoofer-Out sowie ein Kopfhörerausgang (3,5 mm, seitlich sitzend). Bluetooth ist selbstverständlich auch an Bord (bidirektional), ebenso wie FM- und DAB+-Empfang. Eine Antenne zum Anschrauben liegt bei. Kurios, aber echt cool: Primare legt dem Gerät einen Phasenprüfer bei, mit dem sich die korrekte Ausrichtung des Netzsteckers zur Optimierung der Klangqualität bestimmen lässt.

Bestückung
Die magnetisch haftende Frontabdeckung lässt sich abnehmen und macht die Sicht frei auf die Lautsprecherchassis. Hier erblicken wir eine symmetrische Anordnung mehrerer Treiber: Hoch-, Mittel- und Tieftöner sind so positioniert, dass sich im Prinzip zwei zusammengeführte Stereo-Einheiten ergeben. Plus zwei zusätzliche Tieftöner auf der Rückseite und zwei auf der Unterseite. Macht insgesamt zehn Chassis, wobei die Hochtöner im Waveguide sitzen.

Die Treiber befinden sich teilweise in getrennten Gehäusekammern, um Resonanzen zu minimieren. Die Spitzenleistung soll laut Hersteller bei 300 Watt liegen, wobei die Verstärkersektion kanal- und wegegetrennt ausgeführt ist: Pro Kanal kommen jeweils separate Verstärkermodule für Tiefton sowie für Mittel- und Hochton zum Einsatz. Eine aktive Frequenzweiche im Bassbereich sowie ein zentraler DSP übernehmen die Signalverarbeitung und Klangoptimierung.
Einstellungssache
Das Gerät verfügt über einen Equalizer mit zehn Reglern zwischen 32 Hertz und 16 Kilohertz, auf diese Weise lässt sich das gesamte Frequenzspektrum beeinflussen. Auch der Standort lässt sich einstellen: wandnah, in der Ecke oder frei stehend. Außerdem gibt es eine aktivierbare 3D-Sound-Schaltung namens „Bacch“, die für eine realistische räumliche Bühne und ein immersives Hörerlebnis mit mehr Dreidimensionalität sorgen soll.

Wer noch mehr will, nutzt die Einmess-Funktion, für die ein tragbares Gerät wie zum Beispiel ein Smartphone als Mikrofon zum Einsatz kommt. Nach der Einmessung klang es tatsächlich homogener und natürlicher. Achtung: Nur iOS-Geräte können ihr eigenes integriertes Mikrofon verwenden, während Android-Geräte auf das separat erhältliche Zen-Mikrofon für 125 Euro zurückgreifen müssen. Primares Prisma-App integriert die wichtigsten Streamingdienste (Tidal, Spotify und Qobuz) sowie den Zugriff auf lokale Server und ermöglicht zudem die Verwaltung von Presets und der angesprochenen Klangeinstellungen. Sie läuft flott und ist übersichtlich.
Hörtest und Vergleiche: Primare Allt-i-Ett

Die folgenden Klangbeschreibungen bei Musik beziehen sich auf die aktivierte Raumeinmessung und auf die ebenfalls eingeschaltete 3D-Funktion. Der Einfluss Letzterer ist hörbar: Das Klangbild löst sich durch sie etwas besser vom Gerät und wirkt minimal breiter und holografischer. Darüber hinaus standen alle Regler des Equalizers stets in der neutralen Null-Stellung. Der Primare Allt-i-Ett befand sich dabei auf einem Schränkchen, leicht unterhalb von Ohrhöhe in einer Nische meines Hörraums. Der Wandabstand nach hinten betrug 20 Zentimeter und je 40 Zentimeter zu den Seiten hin. Die Zuspielung erfolgte drahtlos per Streaming aus der Tidal-App heraus (Tidal Connect), die Eindrücke beim Anschluss an einen Fernseher schildere ich später.
Keine Angst
Keine Angst, ich quäle Sie und mich jetzt nicht mit schwedischen „Lieblingen“ wie Roxette, Europe oder gar Ace Of Base. Es gibt im IKEA-Land ja zum Glück auch solche Kaliber wie The Hives, die mit ihrem High-Energy-Rock-’n’-Roll seit vielen Jahren jedes Festival zum Beben bringen. Bestes Beispiel: „Hate To Say I Told You So“ vom 2000er-Album Veni Vidi Vicious. Das Stück glänzt nicht nur mit Ohrwurmqualitäten, sondern auch mit einem prägnanten, trockenen Basslauf sowie klaren, ziemlich weit vorne stehenden Vocals und knackigen Gitarren mit guter Separation. Kein audiophiler Vorführtrack, sondern eher eine Art Stresstest für Rockmusik. Der Primare Allt-i-Ett verliert hier nie die Übersicht und stellt alle Instrumente sauber und kontrolliert dar – ohne dabei die Rotzigkeit dieser Musik unter den Tisch zu kehren. Die Bühne ist für ein All-In-One-System überraschend breit – breiter als etwa beim deutlich preiswerteren Teufel Motiv XL (900 Euro) oder dem Sonoro Meisterstück Gen.2 (1.500 Euro). Auch in puncto Tiefenstaffelung bietet der schwedische Schönling Überdurchschnittliches für ein Gerät dieser Art – man kann die unterschiedlichen Ebenen des The-Hives-Songs gut erkennen.

Was kann der Bass?
Wechseln wir die Musikrichtung: Was kann der Bass bei elektronischer Musik? Die deutschen Synthie-Popper De/Vision haben mit dem Namenszusatz Redux und dem Plattentitel Echoes We Keep einige ihrer bekanntesten Songs neu aufgenommen und gemeinsam mit Daniel Myer (Haujobb) in ein neues Gewand gekleidet. „Synchronize“, die erste Single daraus, stampft mit einem äußerst dominanten, aber auch präzisen Tiefbass voran und lässt gerne mal die Wände und die Nachbarn zittern. Nur der Primare Allt-i-Ett zittert nicht, schließlich schafft er es, auch bei höheren Pegeln lässig die Basssalven aus dem Ärmel zu schütteln. Wo andere Streaming- und All-In-One-Konkurrenten gerne mal zu schnell aufdicken und zu dröhnen anfangen, bleibt unser Testkandidat mit seinen sechs Basstreibern jederzeit souverän und präzise. So gut und ausgewogen habe ich den Bass bisher lediglich beim preislich noch avancierteren Marantz Horizon (3.800 Euro) erlebt. Applaus!
Hochton und Auflösung
Auch die Hochtondarstellung zählt zu den Schokoladenseiten der schwedischen Musiktruhe. Bei „Caught In The Echo“, der dynamischen, straighten Eröffnungsnummer vom neuen Foo-Fighters-Album Your Favorite Toy, braten die E-Gitarren ordentlich. Das kann gerade bei hohen Pegeln anstrengend für die Ohren werden, aber mit dem Primare Allt-i-Ett ertönt das Stück erstaunlich human. Sprich: Hohe Frequenzen wirken schön luftig und geschmeidig, aber niemals betont oder gar hellgrell. Das zahlt auf die Langzeittauglich ein und prädestiniert das Gerät für die meisten Hörertypen.
Lediglich Freunde höchster Analyse und einer eher helleren Gesamtabstimmung kommen nicht ganz auf ihre Kosten. Das soll aber nicht heißen, dass es unserem Testkandidaten an Auflösung mangelt. Die Detaildarstellung geht für die Preisklasse in Ordnung und übersteigt die vom Teufel Motiv XL oder dem Sonoro Meisterstück Gen.2 um ein Stück, während es mit dem Marantz Horizon ein Unentschieden gibt. So hört man zum Beispiel beim beklemmenden „Things Start Falling Apart“ von Crippled Black Phoenix zu Beginn die leise angeschlagene, ein Stück weit hinten im Mix angesiedelte Gitarre klar und deutlich heraus – die kann bei mäßig auflösenden Systemen schnell noch weiter in den Hintergrund geraten.
Ich glotz TV
Für die Beurteilung der Mitten habe ich den Primare per HDMI-Kabel an den Fernseher angeschlossen und direkt unterhalb der Glotze platziert. Was hat das gute Stück als Soundbar/Sounddeck auf dem Kasten, speziell bei Sportübertragungen und Dialogen in Filmen?

Die Mitten sind ja der entscheidende Frequenzbereich, wenn es um die Verständlichkeit von Sprache und Gesang geht. Bei einer schlechten bis mittelmäßigen Mittenwiedergabe klingen Dialoge dumpf und verhangen, Stimmen gehen auch gerne in Musik und Begleitgeräuschen unter. Ich habe über Sky Tennis, Golf, Motorsport und Fußball geschaut: keinerlei Verständnisprobleme! Stimmen klingen weder warm noch kühl, sondern neutral und pegelseitig nicht unterbelichtet. Das gilt auch für Filme: Im genialen Science-Fiction-Streifen „Interstellar“ gibt es auf dem Eisplanenten eine Szene, in der Dr. Mann versucht, Cooper zu töten. Beide tragen Helme, wodurch ihre Stimmen durch den Funk leicht verfremdet und leiser als sonst klingen. Doch auch hier zeigt der Primare keinerlei Schwäche, weil jedes Wort verständlich bleibt.
Fehlen abschließend noch seine grobdynamischen Fähigkeiten, denen ich mit der Triology-Konzert-Blu-ray von The Cure auf den Zahn gefühlt habe. Bei „Plainsong“ setzt die gesamte Band nach einem zarten Windspiel-Intro abrupt ein, wodurch eine ungeheure Dynamik entsteht. Das wirkt mit dem Primare Allt-i-Ett zwar nicht ganz so wuchtig und einhüllend wie mit einem guten 5.1-Surround-System – logisch –, beeindruckt aber angesichts der Größe des Geräts dennoch. Das hat ordentlich Wumms, aber auch die feindynamischen Informationen des Windspiel-Intros bleiben im Stimmengewirr der erwartungsfrohen Zuschauer erhalten.
Testfazit: Primare Allt-i-Ett
Von wegen Köttbullar-Klops: Mit dem Allt-i-Ett liefert Primare ein durchtrainiertes All-In-One-System ab, das Design, Ausstattung und Klang auf einem sehr hohen Niveau vereint. An der Verarbeitung gibt es nicht das Geringste auszusetzen, die Bedienung geht trotz der Funktionsfülle intuitiv von der Hand – und die Anschlussvielfalt inklusive HDMI-eARC, Phono-MM, DAB+, Bluetooth und Streaming ist vorbildlich.

Auch klanglich punktet der schwedische Tausendsassa: Der Bass spielt tief, präzise und pegelfest, ohne Tendenz zum Dröhnen. Die Mittendarstellung überzeugt ebenfalls: Stimmen werden neutral, klar und verständlich wiedergegeben – ein echter Pluspunkt, nicht nur beim Einsatz als TV-Soundlösung. Hinzu kommen angenehme, langzeittaugliche Höhen sowie eine für diese Geräteklasse überraschend breite und sauber gestaffelte Bühne. Besonders mit aktivierter Einmessung und 3D-Funktion gewinnt das Klangbild zusätzlich an Räumlichkeit.

Kleine Schwächen wie die gelegentlich verzögerte Display-Synchronisation trüben den starken Gesamteindruck kaum. Unterm Strich handelt es sich beim Allt-i-Ett um ein edles Komplettpaket für alle, die kompromissarmen Klang und maximale Vielseitigkeit in nur einem Gerät suchen. Dafür sind auch 2.990 Euro gerechtfertigt. Wer sich selbst ein Urteil bilden möchte, kann den Allt-i-Ett übrigens 14 Tage lang daheim kostenfrei ausprobieren.
Fakten
- Modell: Primare Allt-i-Ett
- Kategorie: All-In-One-System, Streaming-Lautsprecher
- Preis: 2.990 Euro
- Maße & Gewicht: 69,0 x 30,3 x 15,0 cm (BxTxH), 16 kg
- Farbe: Schwarz
- Digitale Eingänge: 1 x HDMI-eARC, 1 x LAN-Buchse, 1 x USB-A, 2 x Optical, 1 x Coaxial
- Analoge Eingänge: 1 x RCA (umschaltbar auf Phono-MM)
- Radio: FM, DAB+, Internetradio
- Ausgänge: 1 x LAN Out, 1 x Subwoofer Out, 3,5-mm-Kopfhörer-Klinke
- Streaming: Spotify Connect, Qobuz Connect, Tidal Connect, Internet-Radio, bidirektionales Bluetooth
- Sonstiges: Phasenprüfer, umfangreicher Equalizer, Fernbedienung, harter Netzschalter, 3D-Sound-Funktion, Raumkorrektur-Funktion, anschraubbare Radioantenne für FM und DAB+
- Garantie: zwei Jahre
- Weitere technische Informationen auf der Webseite des Vertriebs
Kontakt
In-akustik
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Telefon: +49 (0) 7634 56100
E-Mail: service@in-akustik.de
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