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Klang: Pioneer N-50 – der DAC

Inhaltsverzeichnis

  1. 2 Klang: Pioneer N-50 - der DAC

Und nun zum Sound, und zwar zunächst zum DAC-Teil. Hierzu beschickte ich den Digital-Eingang des Pioneer N-50 über Koax mit dem digitalen Ausgangssignal meines Marantz SA 7001 SACD-Spielers. Das gab mir in Verbindung mit der Funk Lap-2 Vorstufe die Möglichkeit eines direkten A/B-Vergleichs. In den Eingang 1 der Vorstufe habe ich das analoge Ausgangssignal meines SACD-Spielers eingespeist, in Eingang 2 das über den Pioneer gewandelte Signal – hier fungierte der Marantz-Spieler also nur als reines Laufwerk.

Terminal des Pioneer

Als Testmaterial nahm ich das brandneue Album The Soul of Spain der britischen Formation Spain. Der Opener „Only one“ ist ein reines Wohlfühlstück, schön gemächlich, mit akustischer und elektrischer Gitarre, sauberer Synchronarbeit zwischen Schlagzeug und Bass, der sehnsuchtsvollen Stimme von Josh Haden sowie zartschmelzendem weiblichen Chorgesang. Der Pioneer N-50 überzeugte von Anfang an mit einem reifen, schlüssigen, räumlich ansprechenden Auftritt. Auf der tonalen Spain/The Soul of SpainSeite alles sauber; ich hatte (fragen Sie mich bitte nicht warum, vermutlich das gute alte „Digital-Klischee“) eher einen etwas drahtig-hellen Klang erwartet und das Gegenteil war der Fall. Er wirkte von unten bis oben zunächst schlicht und einfach neutral, und wenn es ein Tendenzchen gab, dann eher ins Wärmere. Beim A/B-Vergleich zum Direktausgang des CD-Spielers gab es Unterschiede zu hören: Der Marantz hatte einen Tick mehr Schnelligkeit (nicht Substanz) im Bass und die synchronen Phrasierungen zwischen Bass und Bassdrum kamen ein Ideechen tighter und unmittelbarer. Im Gegenzug servierte der Pioneer N-50 einen für meinen Geschmack etwas besser ausdifferenzierten Mittenbereich sowie ein Quäntchen mehr Räumlichkeit, vulgo Raumgröße bei vergleichbar guter stereofoner Ortbarkeit.

Thomas Kesser GroupInteressanter Effekt – aber so eine Erkenntnis sichert man dann gern auch noch einmal mit einer gut abgehangenen Referenzscheibe ab, bei mir das Jazztrio Thomas Kessler Group mit dem Aachener Ausnahmeschlagzeuger Harald Ingenhag. Track 8, „Still Belonging To You“ beginnt mit einem furiosen Schlagzeugsolo, auf das später Thomas Kessler am Gitarrensynthesizer virtuos improvisiert – bis hin zu einer chaotischen Klimax, an die sich gemeinsam mit dem treibenden Bassspiel von Wolfgang Diekmann ein packendes musikalisches „Wettrennen“ anschließt. Wieder der gleiche Effekt im A/B-Vergleich: Die mit recht viel Original-Raumhall versehenen Drums haben über den Marantz-Wandler eine Spur mehr Biss, Direktheit, Ungebremstheit, während sie über den Pioneer N-50 minimal zurückgenommener, dafür angenehm erdig-holzig klingen. Tonal wirkt der Marantz gegen den Pioneer ein kleines Stück blasser. Die reichlich geprügelten Hängetoms im Stück setzen sich beim N-50 tonal besser voneinander ab und klingen dadurch auch etwas realistischer.

Einige weitere Quervergleiche bringen ähnliche Ergebnisse: Der DAC-Teil des Pioneer geht dynamisch etwas ausgeruhter (nicht fußlahm!) zu Werke, wirkt jedoch im Bereich der Mitten etwas besser auflösend und schenkt der Stereo-Bühne nach links und rechts etwas Extra-Raum bei guter horizontaler Ortbarkeit. Die Bühnentiefe wiederum erscheint mit beim Marantz großzügiger.

Klang: Pioneer N-50 – der Netzwerkplayer

Pioneer ND-50Schwenken wir mal zur Streaming-Seite. Als Streaming-Server nutzte ich im Test die kostenlose Software „Serviio“. Zunächst servierte ich dem Pioneer N-50 über das kabelgebundene Netz die unkomprimierte WAV-Variante des oben genannten Thomas-Kessler-Group-Tracks. Und so sehr ich mich auch mühte – ich hörte keinen Unterschied zwischen der übers Netzwerk gestreamten und der über den Digital-Out des CD-Spielers an den N-50 „eingereichten“ Variante. Hier lagen beide absolut gleichauf, was rein logisch nachvollziehbar ist, aber gerade im HiFi-Bereich hat man ja schon Pferde … Sie wissen schon. Nun wurde – wir denken an die verschiedenen Sound-Modi – mein Experimentiergeist wach.

Ich legte eine MP3 (128-kbps)-Variante von „Still Belonging To You“ an und ließ sie den Pioneer N-50 im „Pure Audio“-Soundmodus verkosten. Nun ja, typisch MP3: Im Grunde noch anhörbar, aber gerade in den Höhen und bei den Hallfahnen schon a bissl Mulch und Zischeln, sowie eine gewisse Unruhe im Timing. Dann frisch ans Werk und umgeschaltet auf „Auto Sound Retriever“. Ein sehr deutlicher Effekt, nämlich fast ein wenig wie die elegante Neuauflage des guten alten Dolby C: Das Gezischel und Geschmiere im Höhenbereich verschwand fast völlig, dafür war allerdings auch die Gesamt-Tonalität des Stücks insofern leicht „farbverschoben“, als dass in den untersten Lagen plötzlich ein wenig Volumen gegenüber dem Original fehlte. Trotzdem war diese Variante recht angenehm zu hören, denn die typischen Kompressionsartefakte verschwanden zu einem überwiegenden Teil.

Quervergleich zum anderen Modus „HiBit32“: Hier waren die Artefakte wieder deutlicher zu hören, allerdings erschienen der Raum eine Spur tiefer und die Schallquellen etwas sauberer zugeordnet. Insgesamt gefiel mir bei schlechtem beziehungsweise komprimiertem Ausgangsmaterial der „Auto Sound Retriever“-Modus recht gut, er machte manche alten Tracks, die man noch so aus der „alten“ Napster-Zeit (räusper) mit sich herumschleppt, erträglich.

ShostakovichBei klassischer Musik macht der Pioneer N-50 eine sehr gute Figur. Shostakovichs Konzert für Klavier, Trompete und Streicher in C-moll, op. 35, in einer Einspielung vom English Chamber Orchestra unter Dmitri Alexeev, zeigte, dass der Pioneer trotz seines moderaten Preises kein reines Spaßgerät ist, sondern durchaus bei ernsthafter und schwieriger Kost mithalten kann. Im ersten Satz des Stücks gibt’s gleich in den ersten Sekunden gleißende Trompetentöne, drahtige Klavierpassagen und schwärmerische Streicher. Der N-50 leistet sich tonal keinerlei Patzer, wirkt außerordentlich unangestrengt und liefert eine stabile, schlüssige Raumabbildung.

Einzig und allein der Attack von plötzlich einsetzenden Tutti-Orchesterpassagen wirkt etwas abgesoftet, das kommt über den internen Wandler des Marantz SACD-Spielers noch etwas wuchtiger. Feindynamisch hingegen ist der Pioneer N-50 eine wahre Freude, er leuchtet auch feine Details sauber aus. In der elegischen Abschluss-Passage des zweiten Satzes lässt Shostakovich das Klavier in einem fast kitschigen ritardando langsam ersterben, während die Streicher einen sehnsuchtsvollen Mollvorhalt spielen. Beides greift über den Pioneer wunderbar – Hand in Hand – ineinander, eine ausgesprochen gute dynamische Balance.

Pioneer ND-50

Test: Pioneer N-50 | Netzwerk-Player

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