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Phonosophie Phonopre One: Phono-Vorstufe im Test | fairaudio
HiFi-Test

Test: Phonosophie Phonopre One | Phono-Vorstufe

Der Livehaftige

Im Test: Phonosophie Phonopre One | Phono-Vorstufe

UVP zum Testzeitpunkt: 1.998 Euro

Web: https://www.phonosophie.de/

Wer sich ein wenig in der HiFi-Branche auskennt, hat sicher schon von Phonosophie (https://www.phonosophie.de/) gehört. Und natürlich von Ingo Hansen, dem Inhaber und Mastermind von Phonosophie. Hansen liebt Schallplatten und die Schallplatten sollen auch Hansen lieben, zumindest wenn man sie über den Phonosophie Phonopre One abspielt. So, damit hätten wir schon mal den Einstieg in diesen Testbericht, denn genau dieser gerade mal vierzehn Zentimeter breite und etwas über sechs Zentimeter hohe Phonovorverstärker ist das Gerät, um das sich diesmal alles drehen soll.

Ein klärendes Wort vorweg: Phonosophie und Ingo Hansen sind Protagonisten der Aktivator-Technologie. Magnetfelder, Wirbelströme, gepulste Strahlungen und noch so einiges mehr beeinflussen demnach unser Hören und unser Wohlbefinden ganz allgemein – und natürlich den Klang unserer HiFi-Anlagen. Mit Phonosophies Technologie sollen sich diese zumeist negativen Einflüsse eliminieren oder in positive Energien wandeln lassen. Da die physikalischen Ansätze dahinter wohl nicht einfach zu verstehen sind und meines Wissens auch nie vollkommen offengelegt wurden, sah sich Hansen häufig dem Vorwurf, eine Form von Voodoo zu betreiben, ausgesetzt, was ihn freilich nie daran gehindert hat, seine Ideen mit Verve und ungebrochener Überzeugungskraft zu vertreten.

Der Phonosophie Phonopre One mit externem Netzteil
Der Phonosophie Phonopre One kommt mit externem Stecker-Netzteil, damit die zarten Phono-Signale möglichst störungsfrei verstärkt werden können. Gut so

Auch wenn vermutet werden darf, dass die Aktivatortechnologie bei der Konstruktion des Phonosophie Phonopre One eine gewisse Rolle gespielt hat, soll der Schwerpunkt dieser Besprechung auf dem liegen, was der kleine Phonoamp in meiner Kette klanglich zu leisten vermag, und zwar ohne den manchmal diskussionswürdigen theoretischen Überbau oder etwaige geheimnisvolle Ingredienzien über Gebühr zu bemühen. Und das verspricht Spannung genug, denn auch jenseits aller „metaphysikalischen Phänomene“ hatten Phonosophies Vorführungen, denen ich auf diversen Messen beiwohnen durfte, eines gemein: Es hat immer verdammt gut geklungen.

Ein erster Blick

Doch werfen wir zunächst einen Blick auf die derzeit einzige Phonovorstufe im Portfolio der Hamburger Klangtüftler.

Das kompakte Gehäuse besteht aus antimagnetischem, schwarzem Stahlblech und dürfte über gute Abschirmeigenschaften verfügen. Die Frontplatte ist aus Aluminium und ebenfalls schwarz. Man darf den Phonopre One mit Fug und Recht schlicht nennen. Angeben ist mit ihm nicht. Aber vielleicht ist er ein im Schafspelz verkappter Wolf? Nun, das werden wir sicher noch herausfinden. Immerhin kommt der Phonopre One in einem ansehnlichen Karton, in dem neben dem eigentlichen Vorverstärker auch ein Phonosophie-gelabeltes Steckernetzteil untergebracht ist.

Das kompakte, lediglich ein Kilogramm schwere Gerät lässt sich recht gut in der Nähe des Laufwerks platzieren, sodass die Länge des Phonokabels kurz gehalten werden kann, was, aufgrund der schwachen Signale, die es zu transportieren gilt, klangliche Vorteile verspricht. Auf der Frontseite finden sich, von einer roten LED abgesehen, keine weiteren Elemente. Die LED dient allerdings nicht nur der Funktionskontrolle, sondern auch als Aussteuerungsanzeige zur Bestimmung des optimalen Verstärkungsfaktors.

Das rückseitige Anschlussfeld des Phonosophie Phonopre One
Ungewöhnlich: Für die Ein- und Ausgänge des Phonopre One setzt Ingo Hansen auf BNC-Buchsen, denn die seien klanglich neutraler

Die Rückseite offeriert die Ein- und Ausgangsbuchsen, welche von Phonosophie sämtlich als BNC-Typen ausgeführt wurden. Ingo Hansen hat sich für sie entschieden, da sie, anders als übliche Cinch oder XLR-Buchsen, einen definierten Wellenwiderstand aufweisen sollen, weshalb klangverändernde Einflüsse seitens der Stecker vermieden würden.

Natürlich weiß er, dass bei der Mehrzahl aller Anlagen nur selten mit BNC-Steckern konfektionierte Kabel zu finden sind, weshalb er dem Phonosophie Phonopre One nicht nur passende versilberte BNC-auf-Cinch-Adapter, sondern sogar ein sehr ordentliches, mit BNC-Steckern konfektioniertes NF-Kabel beilegt. Dies hat eine Länge von einem Meter, was meist ausreichen dürfte, um die Phonostufe an einen Vollverstärker oder eine Vorstufe anzuschließen.

Zwischen den Ein- und Ausgängen befindet sich der Anschluss für das Netzteil und, wie es sich für einen Phono-Vorverstärker gehört, eine Erdungsklemme zum Anschluss des Massekabels des Plattenspielers. Obwohl das Netzteil als Steckernetzteil ausgeführt ist, handelt es sich um ein klassisches Linearnetzteil und nicht um eines der häufig anzutreffenden Schaltnetzteile. Das kann sich performancemäßig auszahlen. Lobenswert ist außerdem, dass man sich in Hamburg die Mühe gemacht hat, die Phase zu kennzeichnen. Kostet nichts und vermeidet unnötige klangliche Einbußen.

Das Steckernetzteile des Phonosophie Phonopre One
Heutzutage sind die meisten Steckernetzteile vom Typ Schaltnetzteil – das kommt für den Phonosophie Phonopre One natürlich nicht in Frage, Hansen setzt auf ein klassisches Linearnetzteil

Einstellungssache

Haben wir etwas vergessen? Aber klar, denn Tonabnehmer, vor allem MCs, aber auch MM-Systeme, wollen optimal eingestellt werden. Und tatsächlich lässt sich der Phonosophie Phonopre One auch in diesem Punkt nicht lumpen. Dreht man ihn um, bekommt man pro Kanal drei Mäuseklaviere zu Gesicht, mit denen sich der Verstärkungsfaktor, der Abschlusswiderstand und schließlich diverse Kapazitäten schalten lassen.

MM-Systeme verfügen in der Regel über eine höhere Ausgangsspannung und benötigen daher weniger Verstärkung, während ein klassisches MC ja eher recht leise daherkommt. Da ist es mehr als hilfreich, dass man die Verstärkung in vier Dezibelschritten von +34 dB bis +66 dB einstellen kann. Dadurch hat man beim Phonopre One die Wahl zwischen nicht weniger als neun Verstärkungsfaktoren.

Die DIP-Schalter auf der Unterseite des Phonosophie Phonopre One
Schön flexibel: Mittels DIP-Schalter auf der Unterseite des Phonosophie-Entzerrers lassen sich der Verstärkungsfaktor, Abschlussimpedanzen und Kapazitäten einstellen

Bei den Impedanzen wird es noch üppiger. Mit den sieben Schaltern des zuständigen Mäuseklaviers lassen sich 64 unterschiedliche Widerstände für MCs schalten, plus die 47 kOhm für MM-Tonabnehmer. Zwar gibt es vereinzelt durchaus MCs, die, zumindest theoretisch, einen niedrigeren Abschlusswiderstand erfordern, doch dürfte für die große Mehrzahl der Tonabnehmer bei Impedanzen von 60 Ohm bis 1320 kOhm der passende dabei sein. Ich denke, dass man auch mit fünf oder sechs gut gewählten Impedanzen schon recht weit kommt, aber wie heißt es so schön: Nice to have!

Das gilt ebenso für die zehn in Fünfziger-Schritten auszuwählenden Kapazitäten (100-600 Pikofarad). Grundsätzlich ist bei MM-Systemen die Kapazität bedeutsam, weil sie direkten Einfluss auf den Frequenzgang im Hochtonbereich ausübt, da MM-Systeme als induktive Bauteile zusammen mit der Kapazität des verwendeten Kabels und der Eingangskapazität der Phonostufe einen elektrischen Schwingkreis bilden. Ist die Kapazität zu niedrig, wird der Hochtonbereich schnell überdämpft, während zu hohe Kapazitäten Überhöhungen bewirken und das System dadurch leicht zu hell und spitz klingen kann. Mit der korrekten Kapazität wird es am ausgewogensten und natürlichsten klingen. Lässt sich das errechnen?

Machbar, wenn man die Kapazität seines Kabels und die Eingangskapazität der Phonostufe kennt. Aber auch wenn dies nicht der Fall ist, besteht kein Grund zur Sorge, denn wie bereits beim Test des mit etlichen anwählbaren Kapazitäten ausgestatteten Manley Steelhead bemerkt, sollten sich passende Werte mit ein wenig Übung leicht erhören lassen. Und natürlich behält der Spruch, dass erlaubt ist, was gefällt, auch hier seine Gültigkeit.

OPA in Doppelmono

Wer den Phonosophie Phonopre One im ersten Augenblick nur für einen unscheinbaren schwarzen Kasten gehalten hat, dürfte, zumindest wenn es um die inneren Werte geht, nun eines Besseren belehrt worden sein. Doch es geht noch weiter, denn im Phonovorverstärker der Hamburger sind zwei komplett voneinander getrennte Verstärkerzüge verbaut. Mehr Doppelmono geht an dieser Stelle eigentlich nicht.

Der Phonosophie Phonopre One ohne Gehäuasedeckel
Der Phonosophie-Phonovorverstärker verfügt über zwei getrennte Verstärkerzüge, also einen Doppelmono-Aufbau

Für die Schaltung verwendet Phonosophie speziell für Audioanwendungen entwickelte OP-Amps, namentlich gut beleumundete OPA 1656 von Burr-Brown und die besonders rauscharmen LT 1115 von Analog Devices in der RIAA-Entzerrung.

Tatsächlich nutzt Ingo Hansen OP-Verstärker nicht nur aus pragmatischen Gründen. Anders als diskret aufgebaute Verstärker hält er die hochintegrierten Schaltungen für erheblich weniger anfällig für HF-Störungen (hochfrequenten elektromagnetische Störungen), die zunehmend von einfachen Schaltnetzteilen, Haushaltsgeräten, Solaranlagen, aber auch industriellen Anwendern oder Handymasten emittiert werden. Folgt man dem Phonosophie-Chef, sind es Störnebel dieser Art, die viele Anlagen schlecht klingen lassen und dem geneigten HiFi-Freund die Freude am liebgewonnenen Hobby nachhaltig verderben können. Nun, da tut sich ein weites Feld auf, und nicht ganz zufällig haben Ingo Hansen und Phonosophie so einiges im Programm, um dieser Gefahr zu begegnen.

Die Platine des Phonosophie Phonopre One
Blick auf die Platine des Phonopre One. Die Verwendung von OP-Amps hält man bei Phonosophie für vorteilhaft, weil diese integrierten Schaltungen weniger anfällig für HF-Störungen seien

Phonosophie Phonopre One: Hörtest und Vergleiche

Tschaikowsky 4. Symphonie Pierre Monteux Boston Symphony OrchestraZurück zum Phonosophie Phonopre One: Angeschlossen ist mein Lyra Titan i, das sich üblicherweise an einem Abschlusswiderstand zwischen 200 und 500 Ohm recht wohl fühlt. Das Lyra ist kein allzu lautes MC, weshalb ich zunächst gute 62 dB Verstärkung für sinnvoll erachte. Hansen empfiehlt, sich mit dynamischer Musik an den optimalen Verstärkungsfaktor heranzupirschen. Also wandert Tschaikowskys 4. Symphonie in der Aufnahme mit Pierre Monteux und dem Boston Symphony Orchestra (LSC 2369, Classic Records Reissue, Weißpressung) auf den Teller meines Raven AC.

Der vierte Satz sollte genügend expressive Momente bieten, um den Phonopre One auszureizen. Laut dem Phonosophie-Chef wird die rote LED zu Blau wechseln oder zumindest blau flackern, wenn die Verstärkung perfekt gewählt ist. Hansen versichert mir, dass das Aufleuchten der Anzeige keinesfalls den Beginn einer Übersteuerung anzeigt. Wenn die LED blau aufleuchtet, seien immer noch 14 dB Sicherheitsabstand vorhanden, bis erste Verzerrungen drohen. Allerdings scheint die LED beim ersten Durchgang nicht an einen Farbwechsel zu denken und die Bostoner sind hörbar wenig erfolgreich darum bemüht, ein musikalisches Feuerwerk abzubrennen. Also gut, jetzt also volles Rohr mit 66 dB.

Dynamikverhalten

Endlich flackert es und das Boston Symphony Orchestra unter Pierre Monteux flitzt gleich mal ein, zwei Klassen vehementer um die Ecken der Partitur, was bei der ohnehin an dynamischen Momenten reichen Aufnahme schon etwas heißen will. Endlich wird ersichtlich, warum Tschaikowsky den Finalsatz mit Allegro con fuoco überschrieben hat. Man tut tatsächlich gut daran, sich an der von Ingo Hansen eingebauten Aussteuerungsanzeige zu orientieren, wenn man das volle Dynamikpotenzial des Phonopre One ausschöpfen will.

Charly Antolini Knock OutDer kompakte Phonoamp aus Hamburg spielt dabei so impulsfreudig auf, dass ich mich spontan an den Test des Tom Evans Groove Plus SRX 2.5 erinnert fühle, der in Sachen Grobdynamik eine echte Bank darstellt. Okay, da ist schon noch Luft zwischen dem Briten und dem Deutschen, was angesichts des dreifachen Preises auch in Ordnung geht. Doch der Phonopre One weiß sehr wohl zu überzeugen, etwa wenn er Charly Antolinis Trommelwirbel von der Direktschnitt-Kultplatte Knock Out entzerrt. Selbst wenn der Schweizer Drummer heftigst auf die Felle eindrischt, hat der kleine schwarze Kasten wenig Mühe, die Wucht und Präzision des Aufschlags realistisch zu reproduzieren. All das geschieht vor einem extrem ruhigen Hintergrund, sodass die Impulse quasi aus dem Nichts kommen.

Live at The Times Bill HendersonDer Phonosophie Phonopre One kann nicht nur ordentlich zulangen, auch feindynamisch hat er einiges drauf: Auf Live at The Times interpretiert Bill Henderson, der in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag gefeiert hätte, das bittersüße „Send in The Clowns“ von Stephen Sondheim. Die Originalplatte ist schwer zu bekommen. Etwas mehr Glück könnte man mit einer Scheibe von Classic Records haben, die einzig „Send in the Clowns“ vorhält, dafür aber in 33 und 45 U/min. Für mich ein kleines klangliches Juwel.

Henderson beginnt leise und sinnlich, wird mit jeder Strophe ein wenig lauter, um am Ende den Song fast flüsternd zu beenden. Der Phonosophie erfasst die feinen Sprünge mit Sensibilität und ermöglicht es so, den musikalischen Spannungsbogen bis zum leisen Ausklingen perfekt zu verfolgen. Chapeau, eindringlicher hat mir in dieser Preisklasse noch kein Phono-Vorverstärker diesen Song nahegebracht. Ein weiterer Punkt für den Hamburger.

Auflösungsvermögen

So ganz nebenbei kann sich der schwarze Kasten von Ingo Hansen bei dieser Ballade auch als ausgezeichnet auflösender Vertreter seiner Gattung beweisen, denn im Hintergrund klingen Gläser und klappert leise Geschirr. Offensichtlich werden den Gästen während Hendersons Auftritt Speisen und Getränke serviert. Mit weniger konzentriert verstärkenden Phonostufen können solche Nebengeräusche schnell verloren gehen. Der Phonopre One dröselt die eigentlich banalen Details hingegen fein auf. Das wirkt sehr realistisch und wird dazu noch in audiophiler Qualität zu Gehör gebracht. Sie fragen sich, was „audiophile Qualität“ bei einem angestoßenen Glas bedeuten soll? Nun, dass es eben wirklich nach Glas klingt, das typische Anschwellen und Ausklingen eingeschlossen, und nicht wie ein plumper Schlag auf ein beliebiges hellklingendes Material.

Phonosophie Phonopre One, angewinkelt, mit Netzteil

Tonalität

Allerdings haftet dem Hamburger Entzerrer nicht die aufgeräumt-neutrale Sachlichkeit eines Clearaudio Balance Reference Phono an. Ich würde ihn tonal eher eine Handbreit in wärmeren Gefilden verorten, was ich als klangliche Richtung durchaus zu schätzen weiß.

Everblue Yelena Eckemoff QuartettSo abgestimmt, lässt der Phonosophie Phonopre One auf dem Album Everblue des Yelena Eckemoff Quartetts das sonor angeblasene Saxophon und den feinfühlig gespielten Flügel der amerikanischen Jazzpianistin tonal förmlich einrasten. In den Mitten scheint sich der Phonosophie pudelwohl zu fühlen, denn die Instrumente offenbaren realistische Klangfarben, gerade so, wie man sie von Konzerten kennt. Gut so.

Und auch gut, dass er es dabei nicht gleich übertreibt. Überbordender Farbenfreude und überschwänglicher Mittenseeligkeit erteilt der kleine schwarze Kasten eine Absage. Wer den Schmelz eines Röhrenphonos erwartet, wird enttäuscht sein, denn obwohl angenehm temperiert, ist der Phonopre One für mich kein Färber und sicher keiner, der einen richtiggehend euphonischen Sound produziert. Vielmehr ist er bestrebt, die in die schwarzen Rillen gepressten Informationen zuverlässig abzuliefern, tut dies aber sinnbildlich mit einem Lächeln und nicht so stoisch-linear wie der erwähnte fränkische Entzerrer.

Nicht überraschend, dass Phonosophie für die Höhen eine ähnliche Abstimmung gewählt hat. So vermeidet der Phonopre One es recht konsequent, harsch oder gläsern zu klingen. Ja, im Zweifel lässt er es oben herum lieber etwas sanfter ausklingen. Das hat Charme und ermöglicht es, nicht ganz so perfekt aufgenommen Scheiben, etwa Stings legendäres Dream of The Blue Turtle aus den 1980ern, mit hinreichendem Genuss abspielen zu können. Dabei ist der „Phonosoph“ so fein austariert, dass es dem Hochton bei richtig guten Aufnahmen keineswegs an Frische mangelt oder es gar bedeckt klingt. Erst mit wirklich hochtonschwachen Produktionen wirkt es obenherum dann doch leicht muffelig und kompakt. Aber Hand aufs Herz, wie viele solcher mediokren LPs befinden sich in Ihrer Plattensammlung?

Die Unterseite des Phonosophie Phonopre One
Kippelfrei: Der Phonopre One steht auf drei Füßen

Und am unteren Ende der Frequenzskala? Da verströmt der akustische Bass auf „Everblue“ seine typischen holzig-dunklen Noten. Das Instrument schiebt recht energisch an und bewegt dabei ordentlich Luft, dringt aber artbedingt nicht in tiefste Lagen vor.

Jennifer Warnes The HunterDie finden sich dann bei „Way Down Deep“ auf Jennifer Warnes The Hunter (Cisco Reissue). Die mächtige Basslinie mit ihrer schieren Körperlichkeit ist dazu angetan, wohlige Schauer über des Hörers Rücken zu jagen. Der Phonosophie meistert diese Aufgabe mit überraschender Bravour. Weder bläht er den Bass unnötig auf, noch geht ihm am unteren Ende der Frequenzen merklich Präzision oder Souveränität verloren. Und auch wenn andere, meist deutlich teurer Phonoverstärker, etwa ein Manley Steelhead RC (circa 14.000 Euro, inkl. Line-Input) oder der ASR Basis Exclusive HV (circa 6.000 Euro), doch noch tiefer hinab in den Basskeller steigen können, so ändert dies doch nichts an der erfreulichen Basstüchtigkeit des Phonosophie Phonopre One.

Raum & Bühne

Eine durchaus eigene Meinung hat Ingo Hansen, wenn man ihn nach der Raumabbildung seiner Verstärker befragt. Wenn es wie „live“ klingen soll, falle diese eher flach aus. Also nix mit den berühmten begehbaren Räumen, denen die meisten Highender nachjagen. Der Grund sei, dass bei einem aus audiophiler Sicht erstrebenswerten sparsamen Einsatz von Mikrofonen keine oder nur wenige Rauminformationen auf die Aufnahme gelangen würden. Wenn dann doch eine räumliche Tiefe bei der Wiedergabe zu vernehmen sei, würde sich vermutlich der Einfluss anderer Komponenten und deren klangliche Signaturen bemerkbar machen. Dem ehernen Ziel einer möglichst realistischen Reproduktion der Aufnahme liefe dies aber zuwider. Okay, das lassen wir jetzt erst mal sacken.

Der Phonosophie Phonopre One von hinten
Phonosophies Phono-Vorstufe von hinten: Zwischen den Ein- und Ausgangsbuchsen finden wir die Erdungsschraube und – obendrüber – die Buchse zum Anschluss an das externe Netzteil

Doch ist nicht gerade im klassischen Genre bei Aufnahmen mit großen Orchestern eine Vorne-Hinten Ortung häufig deutlich auszumachen? Hauptmikros, Stützmikros, Mikros, die irgendwo von den Decken hängen. Dies alles gebe den Tonmeistern die Möglichkeit, eine Illusion von Räumlichkeit zu erschaffen, die allerdings keineswegs dem Klangeindruck entspräche, den man im Konzert sitzend erhält. Vor allem nicht, wenn man mit geschlossenen Augen lauscht. Klingt der Phonopre One also absichtlich so flach wie es Phonosophies Mastermind suggeriert?

Nancy Bryans 1997er Debütalbum Lay me down enthält mit „Long way Home“ einen Song, der mir bislang, da sparsam instrumentiert, durchaus verlässliche Hinweise auf die Positionierung von Bryan und ihren Mitmusikern, unter anderem Peter Erskine und Ehemann John Bryan, liefern konnte. Das Intro bestreitet eine sanft geschlagene Gitarre rechts außen, dann setzt der Gesang ein, mittig und leicht nach hinten versetzt. Nach kurzer Zeit ergänzt um Erskines Perkussionarbeit, diesmal weit links und wieder ein wenig hinter der Lautsprecherebene. Schließlich erklingt eine Marimba, die zwischen Perkussion und Gesang zu schweben scheint.

Natürlich wird Ingo Hansen einwenden, dass dies mit einer natürlichen Aufnahmesituation nichts zu tun habe, und da hat er auch recht. Dennoch, der Phonosophie Phonopre One reproduziert „Long way Home“ im Grunde so, wie ich es auch von meinem – mit seinem massiven Stand etwa 4.000 Euro teuren – Chord Symphony her kenne. Ja, er scheint die Sängerin sogar noch ein kleines Stück weiter nach hinten zu rücken. Das klingt alles andere als flach. Dazu arbeitet der Entzerrer aus Hamburg die einzelnen Klangstrukturen auch wohltuend plastisch und dreidimensional heraus.

Fink The Low Swing SessionsKleiner Quercheck mit Finks „Trouble’s what you’re in“ vom Album The Low Swing Sessions. Hier wurde nicht nur rein analog aufgenommen, sondern mutmaßlich auch sehr dezent mikrofoniert. Und tatsächlich klingt es jetzt so, wie Hansen es vorhergesagt hat: Nah am Sänger, kaum Räumlichkeit, aber du kannst förmlich die Spucke am Mundwinkel Finks sehen.

Also: Der Phonopre gibt Rauminformationen, auch wenn es künstliche sein sollten, adäquat und verlässlich wieder. Dabei nutzt er die vollständige Breite zwischen den Lautsprechern und leuchtet die Raumtiefe, so erforderlich, erstaunlich weit nach hinten aus. Manch teurere Phonovorstufe mag das noch toppen können, doch auch so ist ein Mangel an luftiger Räumlichkeit sicherlich nicht zu beklagen.

Er kann auch MM

Wer ein MM-System sein Eigen nennt, wird vom Phonopre One ebenfalls nicht im Stich gelassen. Ich habe ein Clearaudio Charisma an das schwarze Kästchen angeschlossen und nicht schlecht gestaunt. Dass Erlanger MM durchpflügt den Hörparcours meiner Testplatten mit kraftvollem Drive, einer herzhaft zupackenden Dynamik, aber auch mit beachtenswerter Auflösung. Zwar ist das Clearaudio Charisma für einen MM-Tonabnehmer bereits von Haus aus recht informativ ausgelegt, doch reicht längst nicht jeder Entzerrer empfangene Signale so präzise durch wie der Testproband.

Frontplatte des Phonosophie Phonopre One
Die mittige LED auf der Front des Phonopre One zeigt nicht nur den Betriebszustand an, sondern kann auch zur Ermittlung der optimalen Gain-Stufe verwendet werden

Daher die gute Nachricht für alle Besitzer von MM-Systemen: Der Phonopre One offeriert nach dem Prinzip bewegter Magnete arbeitenden Tonabnehmern eine höchst anständige Verstärkung, die sich tonal und räumlich an den Tugenden des MC-Zugs orientiert und gleichzeitig den zupackenden, nach vorne spielenden Charakter vieler MMs nicht unter den Tisch fallen lässt.

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