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Phonosophie DAC 1 – Hochton, Klangfarben – Testbericht fairaudio

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  1. 3 Phonosophie DAC 1 - Hochton, Klangfarben - Testbericht fairaudio

Widmen wir uns weiter dem USB-Betrieb und setzen noch einmal beim Thema „allerletzter Hochtonglanz“ an: Es gehört zur Grundüberzeugung im Hause Phonosophie, dass der Einfluss von HF-Störungen beziehungsweise von nicht hörrelevanten, aber die Schaltungen belastenden Frequenzanteilen tunlichst im Zaum gehalten werden sollte, weswegen Phonosophie-Geräte generell mit etwas stärker bandbreitenreduzierenden Hochtonfiltern ausgerüstet sind und – so zumindest meine Erfahrung – nicht gerade zu den betont frisch oder luftig klingenden Vertreten ihrer Zunft gehören. Wie beschrieben weist der mit einem Übertragungsbereich bis 80 kHz (-3 dB) für eine Elektronikkomponente nicht übermäßig „schnell“ geratene DAC1 ebenfalls diese Symptomatik auf, im Vergleich etwa zum getesteten Bi-Amp 1-4 Verstärker aber mit geringerer Ausprägung. Ja, der Hochtonbereich unseres Probanden geht eigentlich als ziemlich „geschickt“ abgestimmt durch:

Gibt sich dieser doch einerseits zurückhaltend genug, um selbst schlechtere, „härtere“ Aufnahmequalitäten verdaulich zu gestalten, andererseits aber wiederum doch hinreichend forsch, um es obenrum noch angenehm offen und wie erwähnt auch detailreich tönen zu lassen. Klar, jede Art von Abstimmung läuft letztlich auf irgendeinen Kompromiss hinaus und vielleicht werden die „Hochton-Ultras“ unter den HiFi-Fans das letzte Quäntchen Frische vermissen, sensible Feingeister die letzten ätherischen Obertonzipfel nicht so recht zu fassen bekommen – dennoch würde ich das Design der oberen Lagen als recht mehrheitsfähig einstufen.

Als richtiggehend beindruckend empfand ich die Darstellung der Becken in Mark Hollis‘ „Watershed“ (gleichnamiges Album, die mark hollisStücke wurden im Studio live eingespielt und aufnahmetechnisch sehr hochwertig eingefangen): Ausnehmend klangfarbenrein und plastisch, keine Spur von artifizieller Silbrigkeit und Härte, aber ebenso ohne ohrenfälliges Abmildern – schon frappierend authentisch. Gleiches gilt für die Harmonika, die über den Northstar etwas quietschiger und dünner vermittelt wird, über den vergleichsweise ebenfalls einmal angeschlossenen Benchmark DAC1 USB dagegen weniger energetisch, mit weniger Drive.

Okay, halten wir über den Phonosophie DAC1 bis hierhin einmal fest: Neutral, gut auflösend und mit angenehm balancierter Hochtonjustage daherkommend. So weit, so erfreulich. Aber allein genommen für einen 4.000-Euro-Wandler auch noch nicht so aufregend, dass man als Hörer gleich Medikamente nehmen müsste.

Wir könnten jetzt noch über die Mitten- beziehungsweise Stimmwiedergabe (angenehm sonor, neutral) oder über den Bassbereich (erwachsener Tiefgang und Druck) parlieren. Oder über das anspringende Dynamikverhalten, die generelle Spielfreude des DAC1. Allerdings: Diese Einzeldisziplinen beherrschen andere, zum Teil preiswertere D/A-Wandler ebenfalls.

Aber – und das ist zum einen das Spannende an unserem Probanden: Einen Wandler zu finden, der nicht nur in dem einen oder anderen Bereich ähnlich ausgereift tönt wie der Phonosophie DAC 1, sondern sich auch in der Gesamtschau so komplett zeigt, dürfte auch in vierstelligen Preisgefilden kein allzu leichtes Unterfangen sein. Auch mit unseren Arbeitsgeräten wie den erwähnten Northstar (nicht zuletzt dünnere/fahlere Mitten und weniger neutral) und Benchmark (weniger dynamischer Drive und Anmachfaktor) kommt man da nicht so recht ans Ziel.

Das beiliegende Netzkabel verleiht dem Klangbild eine zusätzlich präzise, aber auch etwas starre, weniger fließende Note – je nach Hörgeschmack kann sich’s lohnen, auch mit anderen Strippen zu experimentieren

Zum anderen wuchert der DAC1 noch an weiterer Stelle mit besonderen Pfunden:

Kurz vorangestellt sei in diesem Zusammenhang, dass Ingo Hansen als eines der Highlights seines DAC1 eine sich weit öffnende, besonders ausladende und damit, jawoll: „livehaftigere“ Bühnendarstellung nennt. Was ich selbst nicht nachvollziehen kann, die Dimensionierung des Bühnengeschehens gestaltete sich während meiner Hörrunden stets so, wie ich es mehr oder weniger auch regelmäßig von anderen Geräten gewohnt bin, wenngleich sich – auch keine Selbstverständlichkeit – die Abbildung des DAC zweifelsohne vorbildlich involvierend in Richtung Hörer öffnet.

Allerdings hat eine der besonderen Stärken des DAC1 schon mit dem Thema „Bühnenillusion“ zu tun und liefert zudem mit eine Erklärung ab, warum ich unseren Probanden von Beginn an als stets auffallend angenehm eingängig und natürlich spielend empfand:

leakhDie Fähigkeit des DAC 1, einzelne Klangelemente fokussierter, weniger flächig-unscharf, „greifbarer“ ins Bühnenbild zu definieren als die meisten anderen digitalen Quellen, die ich kenne, geht jedenfalls als höchst erwähnenswerter Charakterzug durch. Sicherlich mit ein Grund, warum der DAC 1 trotz mitreißender Dynamik stets eine unterschwellige Ruhe ausstrahlt und Musik niemals nervös, sondern auffallend gut verdaulich, unkompliziert zu Gehör bringt.

Deutlich zu hören ist dies beispielsweise bei der Rhythmusgitarre im Titel „Stranger Than Me“ der schwedischen Combo Leakh (Album: Et Cetera). Die Westerngitarre mutet nicht nur räumlich klarer fassbar und plastischer an, die Klangfarben von Saiten und Holz wirken zudem unmissverständlicher definiert, trennschärfer, so, als ob sie sich gegenseitig weniger überlagern würden. Ähnliches gibt es von TV on the Radios rhythmisch-treibendem „Dancing Choose“ (Album: Dear Science) zu berichten, bei dem sofort ins Ohr fällt, wie sauber herausgearbeitet das Saxophon tönt – als ob es sich unbehelligter vom doch schon recht dominant abgemischten „Störfeuer“ aus Hi-Hat und Becken entfalten kann.

Ja, der DAC1 ist ein Meister darin, die klangfarbliche Eigenständigkeit sowie eindeutige räumliche Fassbarkeit/Definiertheit von Instrumenten zu wahren – sei das Getümmel in der Musik auch noch so dicht und wild. Wovon auch Transienten – wie zum Beispiel beim einleitenden Trommelwirbel von Robert Wyatts „On the Town Square“ – profitieren, ich kann mich nicht daran erinnern, die einzelnen Anschläge über meine Arbeitskette schon einmal so wenig fuzzy, so akkurat definiert gehört zu haben.

Obwohl … ich muss zugeben, dass ich gerne noch einmal den nicht vor ganz anderthalb Jahren besprochenen Audio Research DAC8 „gegengehört“ hätte, der ein ebenfalls hochausbalanciertes, sehr reines und angenehm musikalisches Klangbild abliefert. Gleichzeitig weist der feingeistige Amerikaner aber ein noch sensibleres Händchen, eine höhere Durchlässigkeit für die Obertöne von Instrumenten und Stimmen auf, sollten mich meine Erinnerungen nicht gänzlich trügen. Wenngleich, wie erwähnt, auch das „Hochtondesign“ des DAC1 als sehr gelungen durchgeht, zumal es sich mit Blick auf die Fähigkeiten des Rests der HiFi-Kette womöglich auch etwas weniger anspruchsvoll gibt.

Test: Phonosophie DAC1 | D/A-Wandler

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