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Phonar Veritas P4 – Klangliches, Teil 2

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  1. 3 Phonar Veritas P4 – Klangliches, Teil 2

Dabei wird die Strahlkraft und Brillanz, mit der die P4 die hohen Frequenzen abbildet, fast niemals lästig, spitz oder unangenehm. Wobei sich „fast“ auf die vorgeschaltete Elektronik bezieht. War es bei den größeren Geschwisterchen P5 und P7 durchaus angeraten, bei der Auswahl der Elektronikkomponenten auf eine „leichtere“ Spielweise zu achten, kann es bei der neuen P4 in jedem Fall nicht schaden, wenn der Verstärker ein wenig satter, manche würden auch „dunkler“ sagen, aufspielt. So war etwa mein Symphonic Line RG9 MK4 – obschon rein preislich natürlich nicht unbedingt erste Wahl für diesen Lautsprecher – mit seinem eher spritzigen Charakter und reichen Obertonspektrum nicht der passende Partner für die norddeutsche Box.

Phonar Veritas P4 Next Steckbrücke

Laute Attackphasen – etwa von Bläsersätzen – wurden mit dieser Kombination zu sehr überhöht, tendierten je nach Abhörpegel ins Spitze. Je lauter, desto nerviger. Ein Yamaha A-S 1000 – den ich alternativ betreibe – aber auch seine Pendants, etwa von Cambridge Audio oder NAD, mit ihrer sehr farbenfrohen, etwas kompakteren und vollmundigen Abbildung dürften ideal passen. Im Zweifel lohnt es sich – und diese nicht alltägliche Möglichkeit bieten die Tarper ja – den Pegel des Hochtöners mit Hilfe der beigelegten Steckbrücken auf seine individuellen Hörgewohnheiten anzupassen.

Phonar Veritas P4 Next Steckbrücken

Räume bildet das Nordlicht in Tiefe und Breite großzügig ab, gleichwohl realistisch und konturenscharf. Die Dimensionen der Bühne – oder des Studios – sind jederzeit nachvollziehbar. So zieht einen das sphärisch-melancholische „Estonia“ von Marillion marillion this strange engine(Album: This Strange Engine) nicht nur aufgrund seines sprichwörtlich todernsten Hintergrundes im Gedenken an die Opfer des größten Fährunglücks der europäischen Nachkriegsgeschichte in seinen Bann, es umfließt den Hörplatz gleichsam mit Klängen, schließt den Hörer ein und vermittelt so eine eindringlich-intime Atmosphäre, die aber nicht bedrohlich-einengend wirkt. Im nächsten Moment kann sich der Raum zu allen Seiten öffnen, etwa wenn bei einer Liveaufnahme das Publikum hinzukommt oder die Band eben aus mehr als vier oder fünf Musikern besteht, die auf der virtuellen Bühne mehr Platz einnehmen und dennoch genügend Luft benötigen, damit das Klangbild nicht zu kompakt dargestellt wird.

Grobdynamisches Talent, auch drastische Laut-Leise-Differenzen souverän an den Hörer zu bringen, beweist mir die Phonar etwa bei „Eyes of a Cloud Catcher“ der isländischen Band Agent Fresco agent fresco a long time listening(Album: A Long Time Listening). Der völlig krude Stilmix aus Pop, Indierock, Metal, Jazz und Funk bietet nach einem poppig dahinfließenden Einstieg einen brutal-abrupten Break zum völlig überzerrten Refrain, in dem nicht nur die Band ihre Instrumente malträtiert, sondern auch der Gesang eher zum Geschrei mutiert. Das ist beim Zuhören anstrengend. Aber das muss auch so sein. Die Veritas P4 Next schaltet ansatzlos um, liefert die „volle Breitseite“ ohne jegliche Kompressionseffekte, wirkt auch bei höherem Lautstärkepegel in solchen Passagen nicht überfordert.

Phonar Veritas P4 Next Hochtoener

Meine zum Verstärker gereckte Hand, stets bereit zum spontanen „Linksdrift“, bleibt arbeitslos. Die komplexen Soundgebilde, die die skurril verkleideten Isländer (bei Liveauftritten kann man sie unter anderem in Pelzmütze mit Ohrenklappen zu hautengen Trainingshosen bewundern) komponieren, entflechtet die Box aus dem hohen Norden so, dass man die hochinteressanten Einzelereignisse gut verfolgen kann, aber doch wieder nicht so sehr, dass die Wiedergabe zerstückelt wirken würde. Das „In-die-Aufnahme-hineinhören“ gelingt sehr gut, jedoch immer nur so weit, dass es den musikalischen Fluss nicht unterbricht. Eine audiophile Lupe, die die inneren Strukturen der Musik wie ein Hologramm vor dem Hörer ausbreitet, ist die Phonar nicht. Es würde auch nicht – das ist meine persönliche Einschätzung – zu ihrer homogenen Vorstellung passen, die sehr agil, in sich schlüssig, dynamisch ohne Tadel und auf den Punkt ausfällt. Und das ist fast schon mehr, als man in dieser Klasse erwarten würde.

Test: Phonar Veritas P4 Next | Standlautsprecher

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