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Phonar Veritas P4 – Klangliches, Teil 1

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  1. 2 Phonar Veritas P4 – Klangliches, Teil 1

Sind mir die Schwestermodelle der Veritas P4 – P5 und P7 – tonal eher dunkler abgestimmt und im Bassbereich sowie in den unteren Mitten kräftig gewürzt in Erinnerung, was mir persönlich durchaus gefallen hat, aber auch bei der Auswahl der passenden Elektronik ein durchaus kundiges Händchen erforderte (tendierte die nämlich tonal in die gleiche Richtung, konnte es vor allem im Frequenzkeller zu wuchtig werden), verfolgt die P4 eine andere – feinere und schlankere – Linie.

Phonar Veritas P4 Next Chassis

Das dominante, an einen Militärmarsch erinnernde Schlagzeugintro zu Beginn von „Citizen/Soldier“ von Three Doors Down (Album: Three Doors Down) steht derart im Vordergrund des Stückes, dass es ob seiner Wucht das restliche Instrumentarium der Band fast übertönt. Bei Lautsprechern, die den Bassbereich nicht wirklich präzise und knochentrocken three doors down - three doors downdarstellen, artet die Eingangssequenz – zumal bei ambitioniertem Pegel – in Gewummer aus. Das Intro von „Citizen/Soldier“ schwimmt dann auf und neigt zum Dröhnen. Man ist sofort versucht, den Lautstärkepegel zu senken, um dem entgegen zu wirken. Die Veritas P4 Next bleibt an dieser Stelle allerdings völlig gelassen, findet sich im Dickicht der Drum-Felle bestens zurecht und scheint auch transparent Auskunft darüber geben zu wollen, ob nun eine Stand-, eine Hängetom, oder die Snare angeschlagen wurde. Das tut sie, ohne zu sezieren und damit den musikalischen Fluss zu stören. Sie bindet das Schlagzeug bruchlos in das Gesamtgeschehen ein, löst die nach und nach einsetzenden Instrumente nachvollziehbar auf und weist ihnen ihre Plätze zu.

bloc party - a weekend in the cityAuch elektronisch generierte und abgrundtiefe Bassläufe wie sie bei „Uniform“ von Bloc Party (Album: A Weekend in the City) eingesetzt werden, stellt die schräge Schöne staubtrocken-straff dar. Zugegeben: Ich habe das auch schon mächtiger und böser grummelnd gehört, etwa über meine Magnat Quantum 905, die von ihrem Gehäusevolumen und der bereitgestellten Membranfläche mit der Phonar vergleichbar ist. Gegenüber der Box aus Tarp erlaubt sich die (inzwischen nicht mehr erhältliche) Magnat aber – obwohl bei ihrem Erscheinen deutlich teurer – leichte Unsauberkeiten. Ihr Bass „geht“ tiefer, hat aber nicht dieselbe Festigkeit und Struktur.

Phonar Veritas P4 NextWas die Darstellung des Mittenbandes angeht, scheiden sich oft die Geister. Manchen Hörern – und dazu gehöre auch ich – macht es nichts aus, wenn ein Lautsprecher den Präsenzbereich ein wenig überbetont und damit mehr Spritzigkeit und Frische in ihren Vortrag bringt. Eine Tendenz zu sehr geschmeidig wirkenden Stimmen mit minimal angewärmtem Timbre kann dagegen eine wohlig-anheimelnde Atmosphäre verbreiten, die allerdings auch nicht immer exakt dem Original entsprechen mag. Sowas kann man – möglicherweise mit Recht – als unaudiophil, zumindest aber als „nicht 100%ig neutral“ bewerten. Die Magnat tendiert in die zuletzt genannte Richtung, die Phonar-Modelle Veritas P5 und P7 auch. Wobei ich nicht so weit gehen würde, diesen Lautsprechern Effekthascherei zu unterstellen, sie tragen keineswegs dick auf.

Wenn man die Veritas P4 Next dagegen hört, fällt dennoch auf, dass sie sich weder einen ausgemachten „Mitten-/Präsenz-Buckel“ geschweige denn eine auffällige „Anwärmung“ gönnt. So jamie cullum twentysomethingwirken Jamie Cullums Stimme und sein Piano in „What a Difference a Day makes“ (Album: Twentysomething) in Relation schlanker und ein wenig kühler. Attackphasen – etwa Cullums Tastenanschlag – vermittelt die Phonar crisper und direkter. Über die Quantum 905 erklingt dieselbe Sequenz minimal abgesoftet, der Ton schleicht sich weicher ins Gehör. Attribute, die einen insgesamt anderen tonalen Charakter offenbaren: Die Veritas P4 tönt gegenüber den genannten Vergleichsboxen eine gute Portion „heller“, offener und gelöster. Aber keinesfalls spitz, hart oder frontal.

Einen großen Anteil daran wird wohl der ScanSpeak-Hochtöner haben, der sogar das Kunststück schafft, mich als eingefleischtem Rockhörer zum Einlegen einer CD mit klassischer Musik zu bewegen. Tschaikowskis Kosakentanz „Hopak aus Mazeppa“ wartet mit einem ganzen Füllhorn an Streichern und Blasinstrumenten auf, die das gesamte Obertonspektrum bedienen und von der Phonar in allen Details und bis in den kleinsten Winkel beleuchtet dargeboten werden. Mit einer Leichtigkeit, Transparenz und Akkuratesse, die man so selbst bei Wettbewerbern in höheren Preisregionen nur selten findet.

Test: Phonar Veritas P4 Next | Standlautsprecher

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