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Perreaux Audiant DP32: Klangeindrücke

Inhaltsverzeichnis

  1. 2 Perreaux Audiant DP32: Klangeindrücke

Jeder Tester hat ja so sein Programm, wenn er sich einer neuen Komponente nähert. Bei mir hat sich in den letzten Jahren folgendes Prozedere entwickelt: Zunächst füttere ich die Komponente mit einigen mir wohlbekannten Stücken, um einen ersten, einigermaßen repräsentativen Eindruck zu erhalten. Dann geht es in eine erste Langtestrunde, bei der ich gemütlich „an der Komponente vorbeihöre“, sie also eher im Hintergrund laufen lasse, während ich eigentlich andere Tätigkeiten verrichte. Auf diese Weise, so habe ich festgestellt, diffundiert der Langzeit-Klangeindruck relativ gut in mein Gehör. Erst im dritten Anlauf vergleiche ich quer durch den Garten mit anderen Komponenten und versuche, genaue Details in den verschiedenen Hördisziplinen auszumachen und zu identifizieren.

Perreaux Audiant DP32

Interessanterweise war mein Erstkontakt mit dem DP32 etwas ernüchternd: Er wirkte zunächst tonal ein wenig dünn, nicht so anspringend oder anmachend, wie ich das bei anderen Vertretern der Zunft, zum Beispiel meinem C.E.C. CD5 oder meinem B.M.C. PureDac erlebe. Es gibt ja Geräte, bei denen man sofort ein imaginäres Ausrufezeichen über dem Kopf hat und denkt: „Wow!“ Beim Perreaux war es zu Beginn eher ein: „Nun ja …“ Nachdem ich mich aber eine Weile eingehört hatte, wurde mir klar, dass ich offenbar in der jüngeren Vergangenheit beim klanglichen Ersteindruck vornehmlich auf Tonales geachtet hatte: Wie fühlt sich der Bass an? Wie brillant und präsent klingt es im Obertonbereich? Der DP32 rückte mit seiner studiohaften Neutralität mein Weltbild wieder etwas zurecht: Da gibt es ja auch noch andere Disziplinen wie beispielsweise Auflösung und Dynamik

Superheroes, Ghostvillains + Stuff“ von The NotwistBeginnen wir mit den digitalen Eingängen – zugeführt wird das Livealbum Superheroes, Ghostvillains + Stuff von The Notwist (auf Amazon anhören), und zwar per koaxialem Digitalkabel von meinem C.E.C. CD5 aus. Der Track „One with the Freaks“ beginnt ja eher leise, wenn auch notwisttypisch frickelig-unruhig – um dann nach zwei sich langsam aufschichtenden Strophen in einen erlösenden Refrain zu münden, bei dem die Drums geradlinig losrocken und Gitarren, die geradezu an New Order gemahnen, bestgelaunt durch den Raum kacheln. Der Perreaux Audiant DP32 schafft es, das chaotisch instrumentierte Intro (rückwärts laufende Gitarrensamples, eine live eingespielte Delaygitarre, hektisches, mit Besen gespieltes Schlagzeug sowie einzelne Percussionelemente) wie mit einer Lupe aufzulösen und dabei zugleich die Liveatmosphäre (vornehmlich diffuse Unruhe im Raum) rüberzubringen. Und das besondere Talent dabei: Selbst wenn einzelne Schallquellen von anderen hinsichtlich ihrer Lautstärke überlagert werden, sind die leiseren noch klar zu vernehmen. Sogar wenn ein emotional aufgepeitschter Konzertbesucher laut auf zwei Fingern pfeift, sind über den Perreaux noch die ausklingenden Töne der Gitarrendelays inklusive ihres stufenweisen Leiserwerdens zu hören.

Der Perreaux Audiant DP32 von Innen
Der Perreaux Audiant DP32 von innen

Nach dem Intro des Stücks kommen in der ersten Strophe weitere Instrumente (Bass, Gitarre, Vibraphon) hinzu – und der Audiant DP32 fächert hier die gesamte Bandbreite der Klänge wie in einem gut ausgeleuchteten Schaufenster auf. Das ist große Klasse, weil es hier im Grunde „basisdemokratisch“ zugeht: Anstatt den Fokus zu sehr auf etwas tonal Hervorstechendes (eine Basslinie, einen metallisch scheppernden Vibraphon-Ton) zu legen, macht er sich die Mühe, sämtliche vorhandenen Klangquellen an das Gehör des Zuhörers zu transportieren. Das Ergebnis: Man steckt voll in der Musik und kann darin aufgehen, ohne dass man durch ein bestimmtes Instrument unbotmäßig abgelenkt würde.

Der Perreaux Audiant DP32 von Innen

Nebenbei bemerkt: Der optische Eingang klingt gegenüber dem koaxialen S/PDIF-Eingang nicht ganz so unverhangen-klar, das musikalische Geschehen wirkt etwas „entrückt“. Die besten Ergebnisse hinsichtlich Digitalmaterial erzielt man per USB, sodann folgt dicht der koaxiale Eingang – wer die Wahl hat, sollte sich für eine dieser beiden Alternativen entscheiden.

Der Perreaux Audiant DP32 von oben

Doch zurück zu The Notwist: Als nach exakt zweieinhalb Minuten der Drummer mit einem Crashbecken den lange erwarteten Refrain ankündigt, gibt es vorher eine einsekündige „Generalpause“, um diesen Refraineinsatz noch involvierender zu gestalten. Und jetzt zeigt sich, dass der Audiant DP32 eben auch ein Rocker sein kann. Er lässt aus dem Stand Bass und Gitarren losföhnen, die Drums losfetzen – und macht nun im positiven Sinne richtig Radau. Das alles aber eben aus einer tonalen Balance heraus, die „für sich allein“ fast unterkühlt wirken könnte: Die Energie, die rüberkommt, wird alleine durch Dynamik, durch Attack, durch Geschwindigkeit erzeugt – und nicht durch extrahell funkelnde Becken oder eine unrealistisch tief kickende Bassdrum. Das ist ehrlich und konsequent und schafft den Spagat, den Zuhörer tief ins Geschehen zu beamen, ohne dabei (tonal) effekthascherisch agieren zu müssen.

Hamburg DemonstrationsJa, gerade das feindynamische Wirken und die stupende Feinauflösung machen den neuseeländischen DAC/Pre für mich zu etwas Besonderem. Gut zu hören ist dies auch bei Peter Dohertys „I don’t love anyone“ (Album: Hamburg Demonstrations, auf Amazon anhören). Das Intro besteht aus einer akustischen Gitarre, die das Hauptmotiv und die Harmonien der Strophe vorwegnimmt und nach zehn Takten durch eine clean gespielte E-Gitarre ergänzt wird. Was es hier alles zu entdecken gibt: Zum einen hören wir, dass die akustische Gitarre sehr, sehr mild verstimmt ist (ich glaube, die h-Saite ist der Bösewicht). Wir hören jedes Umgreifgeräusch, aber nicht als tonal herausstechenden Fremdkörper, sondern als organischen Teil des Ganzen. Wir vernehmen, ohne mit den Ohren in die Lautsprecher kriechen zu müssen, das verhaltene Atmen von Pete Doherty, denn die Gitarre wurde offensichtlich mit einem Mikrofon abgenommen. Und als die zweite Gitarre hinzukommt, lässt sich ausmachen, dass die wiederum gegenüber der akustischen etwas verstimmt ist – und dass man ihr ein ganz, ganz sanftes Tremolo mitgegeben hat. Diese sehr feinen „Unstimmigkeiten“ und Effekte präsentiert der Perreaux in allen Details – das Ergebnis ist das Gefühl, wirklich dabei zu sein und nicht nur einer Konserve zu lauschen.

Chopins Präludium Nr. 12 in g-MollWeiter zu hochauflösendem Material! Flugs den USB-Treiber installiert, das Notebook angehängt und Chopins Präludium Nr. 12 in g-Moll ausgewählt, eine FLAC96-Aufnahme des französischen Pianisten Julien Brocal (auf Amazon anhören). Das in presto gehaltene Stück ist ein echter Knochenbrecher: Es beginnt zwar eher katzenpfötig, aber bereits nach der zweiten Wiederholung des Themas muss der Pianist mit der rechten Hand staccatoartig ausgesprochen schlecht in der Hand liegende Sechzehntelakkorde spielen. In Sachen Lautstärke mäandert das Stück permanent zwischen piano und fortissimo – es schwingt sich quasi mit jedem Melodiebogen neu auf. Der DP32 beamt den Pianisten ohne Verzug in den Hörraum – und zwar geradezu mit der gesamten bei der Aufnahme vorherrschenden Akustik. Harte und sanfte Attacks, leise Flüsterndes und laut Hämmerndes – alles wird ganz exakt wiedergegeben. Ja, es lässt sich sogar genau vernehmen, an welchen Stellen der Pianist mit dem Sustainpedal „fuscht“ und an welchen er präzise Einzeltöne und -akkorde anschlägt. Ganz klar: Selten habe ich ein Soloklavier über einen DAC so atemberaubend gut eingefangen gehört.

Der Perreaux besitzt symmetrische wie unsymmetrische Ausgänge
Der DP32 besitzt symmetrische wie unsymmetrische Ausgänge

Bei der Bühnenabbildung zeigt sich der Perreaux als Realist: Der Konzertflügel wirkt weder geschrumpft noch überbreit, sondern er breitet sich genau so im Hörraum aus, wie man es eben von einem Flügel erwarten würde. Mein B.M.C. PureDac zeichnet dagegen die Bühne insgesamt etwas breiter, was durchaus effektvoll und beeindruckend klingt – aber eben, streng genommen, nicht mehr ganz so „realistisch“. Der Perreaux spielt übrigens nicht „nach vorne“, sondern seine Bühnenabbildung beginnt ziemlich genau auf der Lautsprechergrundlinie und breitet sich dann – auch in den Ecken gut ausgeleuchtet – in einem Viereck nach hinten aus.

Nun besitzt der Audiant DP32 ja auch zwei analoge Eingänge. Wie klingt’s denn darüber? Nun, das ist vergleichsweise leicht und schnell zu beantworten, denn als Vorstufe glänzt der Perreaux durch komplette Unauffälligkeit. Ob er nun mit eingeschleift ist oder ob ich ein Quellensignal direkt in meine regelbare Endstufe Abacus Ampollo einspeise – ich höre in keiner audiophilen Disziplin große Unterschiede.

Der Perreaux DP32 von der Seite

Ein Wiederholen des Hörparcours mit dem C.E.C. CD5, der nun parallel per XLR analog mit dem Perreaux verbunden wurde, zeigt freilich im A/B-Umschaltbetrieb von digital nach analog die klanglich leicht unterschiedliche Handschrift des C.E.C.-Drehers. Was klingt anders? Vor allem an den Frequenzgangenden scheint der C.E.C. eine „gehört“ nicht hundertprozentig linealglatte Frequenzgangkurve aufzuweisen – er legt hier nämlich eine kleine Schippe drauf: Die in tiefer Lage gespielte Delaygitarre im oben bereits erwähnten Notwist-Stück lugt über den C.E.C. gegenüber den anderen Instrumenten ein wenig hervor, auch die Vibraphon-Töne haben etwas mehr metallischen Glanz – die Bühne wiederum wirkt in Sachen Ausdehnung ein wenig tiefer, wenn auch nicht unbedingt besser oder klarer aufgelöst. Anders gesagt: Während der C.E.C. den Hörer mehr auf konkrete tonale Details stößt, wirkt das Gebotene über den Perreaux in sich homogener und fließender.

Pegelsteller des Perreaux

Nach zig Stunden ermüdungsfreien Hörens quer durch alle musikalischen Gefilde stelle ich fest: Je länger dieser Pre/Dac bei mir spielt, desto mehr gefällt er mir durch seine tonal neutrale Spielweise in Verbindung mit Klarheit, Dynamik und Feinzeichnung. Klar, es gibt auch DACs, die im Hi-Res-Bereich noch feiner auflösen – zum Beispiel das Lindemann musicbook:25 oder der im Player Luxman D-05u verbaute Wandler. Für beide Geräte muss jedoch deutlich mehr Geld in die Hand genommen werden (Lindemann: 4.780 Euro, Luxman: 4.990 Euro). Gerade im Klassikbereich dürften die Tugenden des Perreaux für die aufgerufenen 2.900 Euro aber höchst interessant sein.

Test: Perreaux Audiant DP32 | D/A-Wandler, Vorstufe

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