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Innuos bei CM-Audio

Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Doppelpass
  2. 2 Klangeindruck: Pass XP-12 & X250.8
  3. 3 Die Basis: Vorstufe Pass XP-12
  4. 4 Der Kick: Endstufe Pass X250.8

Der gute Vorsatz für diesen Test: Die Worte „Meister“, „Guru“ und „Papa“ werden weiträumig umschifft. Ich habe über die Jahre wohl zu viele Berichte über Produkte von Nelson Pass (Vertrieb: www.audio-components.de) gelesen und bin da etwas … übersättigt. Dass der kalifornische Verstärkerentwickler in der audiophilen Szene keinen ganz schlechten Ruf besitzt, dürfte wohl bekannt sein und bedarf keiner wohlfeilen Ehrerbietungen meinerseits.

Vor-/Endstufen-Kombination Pass XP-12 & X250.8

Vor-/Endstufen-Kombination Pass XP-12 & X250.8

Heute steht also eine Verstärkerkombination von Pass Labs zum Test an, und darauf freue ich mich schon länger. Und obwohl hier die kleinste Vorstufe mit der zweitgrößten Stereo-Endstufe des Pass’schen Produktprogramms gepaart wird, denke ich, dass das ganz gut zusammenpasst, nicht zuletzt auch preislich: Der Vorverstärker Pass XP-12 liegt bei 7.200 Euro, der Pass-Endverstärker X250.8 bei 11.900 Euro. Zu beiden Komponenten wurde in deutschen Medien noch nicht viel geschrieben, ja, zur Endstufe findet sich gar nichts, wenn ich das richtig sehe. Das lässt sich ändern!

Vorstufe Pass XP-12

Die Vorstufe XP-12 ist recht neu im Portfolio von Pass, sie ersetzt die Vorgängerin XP-10 und ist die einzige einteilige. Bei der Flaggschiffserie XS, aber auch bei den beiden größeren Modellen der XP-Linie, wird die Stromversorgung in einem separaten Gehäuse untergebracht. Bei der Pass XP-32 hat man es dann sogar gleich mit drei Gehäusen zu tun: zwei Vorstufenmonoblöcken und dem Netzteil. Irgendwie kann man es auch übertreiben. Die Pass XP-12 bleibt ein wenig mehr auf dem Teppich.

Pass XP-12

Im Vergleich zur XP-10 wurden einige Dinge überarbeitet. Zum Beispiel die Stromversorgung, die durch eine neue Schaltung sowie weitere Filterstufen verbessert worden sei, so die Kalifornier. Zudem verwende man nun einen 70-VA-Ringkerntrafo, der mit einem Epoxidharz vakuumimprägniert wurde, was Vibrationen noch einmal deutlich minimiere – außerdem bekam er eine elektrostatische sowie eine Mu-Metall-Abschirmung spendiert.

Netzteil der Pass XP-12

Netzteil der Pass XP-12

Was die Lautstärkeregelung betrifft – es handelt sich um ein geschaltetes Widerstandsnetzwerk – habe man sich von der großen XS-Serie inspirieren lassen, so Wayne Colburn, der bei Pass die Entwicklung der Vorstufen verantwortet. Auch dies mache sich klanglich bezahlt – und so auch die überarbeitete Ausgangsstufe, bei der unter anderem die Vorspannung der Transistoren erhöht wurde. Hier habe man sich ebenfalls von der Lösung in der XS-Serie anregen lassen, so Colburn.

Blick ins Innere der Pass XP-12

Blick ins Innere der Pass XP-12

Pass-Kenner überrascht es nicht: Die XP-12 ist eine reinrassige analoge Vorstufe. DAC-, Bluetooth-, Streaming-Optionen? Nope. Bei Pass macht man Verstärker und sonst gar nichts. Wie steht es mit Phono? Nope. Gehört nicht in eine Hochpegel-Vorstufe rein, dafür gibt‘s eine eigene Linie. Von den fünf Line-Level-Eingängen sind zwei in XLR ausgeführt, die unsymmetrischen Signale werden im Innern symmetriert, denn es handelt sich bei der XP-12 um ein symmetrisches Design, wie es bei Pass so üblich ist.

Anschlussfeld der Pass XP-12

Anschlussfeld der Pass XP-12

Neben der Eingangswahl und der Lautstärkeregelung gibt es als „Feature“ noch: Mute, Balance und Home Cinema Bypass. Das war‘s auch schon. Besonders schön dogmatisch finde ich, dass es keinen Standby-Knopf gibt. Welcher Audiophile würde auch auf die abgefahrene Idee kommen, seiner Vorstufe den Saft abzudrehen? Wem die gut 20 Watt Leistungsaufnahme dann doch zu viel sind, muss den Powerschalter auf der Rückseite der Pass XP-12 bemühen.

Endstufe Pass X250.8

Bei der Endstufe Pass X250.8 verhält es sich freilich anders, ihr Standby-Knopf sitzt auf der Front, direkt unter dem im Betrieb hübsch blau leuchtenden Bullauge mit dem Zeigerinstrument.

Pass X250.8

Sie dauerhaft eingeschaltet zu lassen, wäre aber auch etwas arg, gönnt sich der Amp kontinuierlich doch so um die 290-295 Watt, was vor allem am Durst seiner 56 sorgfältig selektierten MOSFET-Ausgangstransistoren liegen dürfte. Zwar entstammt die X250.8 dem Class-AB-Zweig der Point-8-Endstufen-Linie, aber auch bei diesem legt Nelson Pass Wert auf einen möglichst großen Class-A-Bereich. Die Pass X250.8 leistet 2 x 250 Watt an 8 Ohm (und 2 x 500 Watt an 4 Ohm), die ersten 16 Watt davon in reinem Class-A. Entsprechend warm wird der Bolide. Als ich spaßeshalber nach einer Stunde Betrieb mit einem Thermometer anrückte, konnte ich 43 Grad Celsius messen.

Die Endstufe Pass X250.8 ist ein ganz schöner Brocken und baut mehr als eien halben Meter in di eTiefe

Der Endverstärker Pass X250.8 ist ein ganz schöner Brocken. Er baut mehr als einen halben Meter in die Tiefe

Grundsätzlich geht es Nelson Pass bei seinen Verstärkern nicht nur um absolut niedrige Verzerrungswerte, sondern auch darum, dass das verbleibende Verzerrungsspektrum möglichst einfacher Natur ist. Höherharmonische Verzerrungsprodukte (k4, k5, k6 etc.) und insbesondere Intermodulationsverzerrungen seien nämlich das eigentliche klangliche Problem.

Mit hoher Über-alles-Gegenkopplung lassen sich die absoluten Verzerrungswerte leicht reduzieren – und da hohes Feedback den Verstärkungsfaktor verringert, neigen manche Entwickler dazu, ausgleichend zusätzliche Verstärkerstufen zu verwenden. Beides – globales Feedback sowie eine höhere Anzahl an Verstärkungsstufen – sorge tückischerweise aber dafür, dass das Verzerrungsspektrum komplexer werde, so Pass. Probate Maßnahmen dagegen seien: ein großer Class-A-Bereich, geringe Gegenkopplung und eben möglichst wenig Verstärkungsstufen.

Doch damit allein sei noch nicht viel gewonnen, so Pass, es müsse zur Minimierung des absoluten Levels an Verzerrungen auch noch eine Art Ersatzmittel für die Über-alles-Gegenkopplung gefunden werden. Und hier kommt die Idee der sogenannten „Supersymmetrie“ zum Tragen. Bei dieser trickreichen Schaltung werden nämlich die Verzerrungsprodukte des normalen und des invertierten Verstärkerzweiges quasi „gespiegelt“, sodass sie so gut wie identisch sind und sich am Ausgang gegenseitig auslöschen – während das Musiksignal gebrückt verstärkt wird. Übrigens – wer tiefer ins Thema Gegenkopplung und Verzerrungen einsteigen möchte: Hier finden Sie einen Text von Nelson Pass, den wir vor einigen Jahren übersetzt und veröffentlicht haben.

Blick ins Innere der Pass X250.8

Blick ins Innere der Pass X250.8

Eine Nebenwirkung der eher geringeren Gegenkopplung: Die Ausgangsimpedanz liegt etwas höher und damit sinkt der Dämpfungsfaktor. Für die Pass X250.8 wird der Wert 150 angegeben, das ist für eine Transistorendstufe tatsächlich eher so mittel. Aber der nackte Wert allein sagt natürlich nichts aus, entscheidend ist „am Lautsprecher“ …

Klangeindruck: Pass XP-12 & X250.8

Frisch aus dem Auto ins Hörzimmer bugsiert – die Verstärkerkombi ist noch eiskalt – gibt’s eine kurze Funktionsprobe, die lediglich das Ziel hat, mal schnell zu checken, ob da überhaupt ein Signal rauskommt. Hmm ja … tut es … verdammt, und wie! Schnell breitet sich die Befürchtung aus, dass es mir schwerfallen könnte, die Pass-Amps in ein paar Wochen schulterzuckend wieder einzupacken und nach Hamburg zurückzuschicken. Dafür klingen sie schon jetzt einfach – sorry – viel zu geil.

Die Vor-End-Kombi von Pass bringt über 50 Kilogramm auf die Waage

Die Vor-End-Kombi von Pass bringt über 50 Kilogramm auf die Waage…

Pflichtschuldig lasse ich die Pass’sche Verstärkerkombination trotzdem erst mal zwei Wochen einspielen und gebe mir Mühe, nicht allzu ernsthaft hinzuhören. Doch ganz ehrlich: Nach dieser Einspielzeit klingt’s nun auch nicht ganz anders. Da habe ich schon mal größere Veränderungen erlebt. Aber das ist ja ganz gut so, so kommt der geneigte Pass-Käufer schneller zum erhofften Klanggenuss.

Also, Sie haben es wohl mitbekommen: Die Pass-Kombi gefällt mir. Die Frage lautet aber: Warum ist das so?

Tonaler Eindruck

Liegt es vielleicht an der „schönen“ Tonalität? Ein klares: Jein. So sehr ich einen halbwegs balancierten Frequenzverlauf schätze, mein audiophiles Seelenheil hängt nicht daran, ob es ein wenig wärmer oder schlanker tönt. Das XP-12/x250.8-Duo schlägt sich auf die etwas sonorere Seite. Damit kann ich leben.

Auf der Website des Hamburger Vertriebs habe ich gar was von einem „sehr erdigen Klang“ gelesen. So weit würde ich nicht gehen. Sagen wir mal leicht erdig. Aber wie auch immer: Mein Gefühl ist schon, dass hier auf der gedachten Nulllinie im Bereich Oberbass/Grundton minimal draufgesattelt wird, sodass sich eine kleine, elegant-volltönende Note ergibt. Mir persönlich kommt das insbesondere deshalb zupass, weil ich seit gut einem Jahr in einem schlanker klingenden Raum höre. Da kommt ein wenig Unterfütterung in dieser Region ganz gut. Und im Direktvergleich mit meiner gewohnten Verstärkerkombination – Octave-Pre plus Musical-Fidelity-Endstufen (circa 15.000 Euro) – wirkt es in der Tat etwas erdiger, was zur Hälfte aber auch daran liegt, dass die sich genau dort etwas straffer zweigt, wo Pass leicht zubuttert. So weit, so schön.

Die Rückseite der Endstufe Pass X250.8. Die Furutech-Lautsprecherterminals besitzen eine Art integrierten Drehmomentschlüssel: Man kann sie fest, aber nicht zu fest anziehen

Die Rückseite der Endstufe Pass X250.8. Die Furutech-Lautsprecherterminals besitzen eine Art integrierten Drehmomentschlüssel: Man kann sie fest, aber nicht zu fest anziehen

Frequenzextreme

Über die Frequenzextreme kann ich auch Positives berichten. Nämlich, dass sie nicht extrem klingen. Pegelseitig sind sie einfach da, unverrundet und unforciert. Das Auffälligste ist, das sie nicht auffallen, sprich perfekt eingebunden sind. Pegelmäßig auf „Normlevel“, fällt hier vor allem die exquisite Qualität ins Ohr. Über das famose Auflösungsvermögen der Pass-Kombi wird weiter unten noch die Rede sein, aber hier schon mal so viel: Die oberen Oktaven kommen wunderbar feingezeichnet rüber. Deutlich feingranularer, als ich es zumeist höre. Gerade auch bei leisen Details – Raumhallanteile, Ausklingen von Becken, Nebengeräusche beim Spiel auf Saiteninstrumenten – schlägt das durch. Es ist genau das Quäntchen Realismus, das eine sehr gute von einer frappierend natürlichen Wiedergabe unterscheidet.

Eine solche kann ich auch den unteren Lagen attestieren – und das nun aber nicht, weil die Pass-Endstufe die Basswoofer eisern kontrollieren würde. Im Gegenteil. Der gesamte Bassbereich kommt zwar gut konturiert, aber doch eher halb- denn staubtrocken rüber. Genau das steigert aber insbesondere bei akustischen Instrumenten den Eindruck großer Natürlichkeit. Farbe und Textur im Bass werden nicht an den Polklemmen der X250.8 kurzgeschlossen, um es einmal pointiert zu formulieren.

The Chopin Album von Sol Gabetta & Bertrand ChamayouMeine Musical Fidelity M8 700 kontrollieren die unteren Lagen jedenfalls strenger, und je nach Lautsprecher wirkt sich das mehr oder minder positiv aus. Klar ist, dass die britische Endstufe nachdrücklicher und fester im Tiefbass zulangt als die amerikanische, was mich auch nicht wirklich wundert, war das doch bisher bei jedem Verstärker so, den ich mit den Musicals verglich. Klar ist aber auch: Elastischer, beweglicher, plastischer, farbiger und texturierter wirkt das Untergeschoss mit der Pass. So kommt der Flügel auf The Chopin Album von Sol Gabetta & Bertrand Chamayou (auf Amazon anhören) über die Musicals zwar mit dem härter durchgezeichneten Tiefbassfundament, mit der Pass-Endstufe aber insgesamt einfach natürlich-nuancierter und weniger monochrom rüber.

Lushes - Service Industry_200pxUmgekehrt hätte ich allerdings gedacht, dass bei heftig-rockigem und noisigem Gebretter wie das der Lushes (Album: Service Industry; auf Amazon anhören) die britischen Amps den Stich machen. Doch so eindeutig kann man das nicht sehen: Zwar zeigen sie ganz unten minimal mehr Kante, arbeiten etwas mehr Relief heraus, dafür bringt die Ami-Endstufe insgesamt was mehr Substanz ins Spiel, was definitiv auch etwas für sich hat.

Das große Ganze

Um einen überblicksartigen Eindruck vom Klangcharakter eines Testkandidaten zu bekommen, finde ich es hilfreich, den Probanden eine ganze Zeit lang am Stück zu hören, sodass dessen Besonderheiten nicht mehr auffallen, sondern quasi „akustisch eingepreist“ werden – man gewöhnt sich ja erstaunlich schnell an einen neuen Sound. Und ist das geschehen, wechselt man wieder auf seinen eigenen, alten Standard.

Die Pegeleinstellung der Vorstufe XP-12 wird für beide Kanäle getrennt angezeigt - sie deckt in 1-dB-Schritten einen Bereich von 0 bis 99 ab

Die Pegeleinstellung der Vorstufe Pass XP-12 wird für beide Kanäle getrennt angezeigt – sie deckt in 1-dB-Schritten einen Bereich von 0 bis 99 ab

Als ich dieses Spielchen von der Pass- hin zu meiner Standard-Verstärkerkombi mache, ist unmittelbar klar: Es klingt profaner. Das erstaunt mich in dieser Deutlichkeit dann doch. Das letzte Mal, dass ich ähnliches empfand, war beim Test des CH Precision I1, und der Schweizer Luxus-Amp liegt preislich noch einmal ganz woanders, nämlich bei knapp 34.000 Euro.

Um dem Grund für die besondere Magie des Duos Pass XP-12/X250.8 auf die Spur zu kommen, wechsele ich in zwei Schritten wieder zu ihm hin: Zunächst tausche ich die Octave HP300 Mk2 gegen die Pass’sche Vorstufe aus, lasse aber die Musical-Fidelity-Endstufen angeleint – dann werden die gegen die Pass X250.8 ausgetauscht.

Die Basis: Vorstufe Pass XP-12

Die Pass-Vorstufe XP-12 punktet gleich vierfach. Zunächst einmal ganz einfach funktional: Sie besitzt einen riesengroßen Lautstärkeregelungsbereich, während ich beim Poti der Octave nur ungefähr zwei-drei Zentimeter Regelstrecke besitze. Klarer Vorteil für die Pass und ihr geschaltetes Widerstandsnetzwerk von 99 1-dB-Stufen.

Pass XP-12

Klanglich macht sich die amerikanische Vorstufe zunächst einmal durch linearere Frequenzbandenden bemerkbar. Sie geht tiefer hinunter, besitzt keinen Spaßbuckel im Oberbass – und obenrum verhält es sich analog: flat im Präsenzbereich, flat im Superhochton. So weit, so reine Lehre. Vorteil Nummer 3: Die XP-12 ist superruhig, und das unterstützt ihr hohes Auflösungsvermögen bestens. Beispiel: Es gibt ja Geräte, die geben die Nebengeräusche beim Spiel einer Gitarre, eines Kontrabasses, einer Klarinette etc. quasi en bloc als akustischen Sprengsel wieder – und dann gibt es solche, die sogar hierbei noch einen zeitlichen und feindynamischen Verlauf herausarbeiten können. Zu denen gehört die Pass, und genau weil sie so detailreich durchreicht, wirkt sie ausnehmend natürlich und feinstofflich.

Fiona Apples - Tidal_200pxLast, but not least: Die große Ruhe der Pass XP-12 macht sich auch bei der Bühnendarstellung bezahlt, hier herrscht der sprichwörtliche schwarze Hintergrund, vor dem sich die Klänge kontrastscharf und präzise abheben. Instrumente und Stimmen werden konkreter und 3D-hafter abgebildet, als ich das gemeinhin so erlebe. So auch die Stimme Fiona Apples (Album: Tidal; auf Amazon anhören), die die Octave zwar größer inszeniert, aber nicht so randscharf und plastisch wie die Pass einfasst, die zudem „fester im Ton“ wirkt: Ihre Abbildung ist konzentrierter, Stimmen und Instrumente besitzen etwas kompaktere Abmessungen und wirken gleichzeitig deckkräftiger, weniger „durchscheinend“, wenn Sie wissen, was ich meine.

Der Kick: Endstufe Pass X250.8

Alles sehr schön soweit, keine Frage, aber von „Magie“ würde ich noch nicht sprechen. Den besonderen Kick gibt‘s aber, wenn die Pass-Kombination als Ganzes aufspielt. Dabei bringt das Einwechseln der Pass X250.8 zunächst einmal mehr vom Gleichen: noch mehr Auflösung, noch höhere feindynamische Akkuratesse. Man ist gefühlt näher dran am Geschehen, das Klangbild wirkt frappierend rein und sauber und komplett grauschleierfrei – wahrscheinlich spielt hier der große Class-A-Bereich mit hinein. Doch es passiert noch mehr, bei der Raumdarstellung zum Beispiel, die ist wirklich vom Feinsten!

Endstufe Pass X250.8

Zum einen: Die Musik traut sich mit der Pass-Kombi auch vor die Boxen-Grundlinie, spricht den Hörer direkt an. „Frontal“ kann man das nicht nennen, aber involvierend. Mir gefällt es so jedenfalls besser als eine distanzierte Perspektive, die immer etwas auf Abstand bedacht ist. Das eigentlich Erstaunliche dabei ist aber, dass trotz der eher direkteren Ansprache die Tiefenstaffelung ausgebauter wirkt als ich es meist erleben darf – oft ist die Tiefe ja eher etwas reduziert, wenn die Bühne auf einen zukommt. Hier ist das genaue Gegenteil der Fall, und die Folge ist, dass die Vorne-Hinten-Ausdehnung der Bühne richtig, richtig groß gerät. Da gibt es jede Menge Raum, in dem sich die Musiker bewegen können und Platz zur Entfaltung haben. Wer gerne Orchesterwerke hört, darf sich schon mal die Hände reiben.

Zum anderen: Was für eine Abbildung! War es schon zuvor plastisch und akkurat, wird dies nicht nur gesteigert, hinzu kommt noch diese schwer in dürre Worte zu fassende Qualität: Da ist „Luft“ beziehungsweise eine Art „akustische Aura“ um die einzelnen Klänge, die sie unheimlich natürlich eingebettet wirken lässt. Es geht um das, was im Englischen schon mal mit „Bloom“ bezeichnet wird und meist auf die als besonders echt wahrgenommene Abbildungsqualität gewisser Röhrenverstärker abstellt. So etwas erlebt man verdammt selten bei einem Transistor-Amp. Aber vielleicht sollte man solche Gerätegattungsklischees eh fallen lassen. Wenn ich mich recht entsinne, ist mir ähnliches zuletzt gar nicht bei einem Verstärker, sondern einem Lautsprecher aufgefallen, nämlich bei der superteuren Focal Maestro Utopia Evo. Wie auch immer – während ich bei entsprechend veranlagten Single-Ended-Röhrenamps vermute, dass „Bloom“ durch ein „kunstvoll arrangiertes“ Verzerrungsspektrum gemacht wird, habe ich bei der Pass-Kombi den gegenteiligen Eindruck, spricht: Hier wir das einfach durchgelassen. Genau dieses Gefühl hatte ich auch bei der großen Focal: Extreme Auflösung führt zu einer frappierend natürlichen Abbildungsqualität.

Der Trafo der Pass X250.8

Der Trafo der Pass X250.8

Übrigens: Auch was Klangfarben und das Obertonspektrum angeht, herrscht größtmögliche Durchlässigkeit. Im Vergleich zur Pass wirkt meine Verstärkung geradezu beschnitten. Schon jede schlichte Akustikgitarre kommt über die Pass-Kombi reichhaltiger und ausgearbeiteter. Damit meine ich eben nicht eine bestimmte Farbverschiebung (ins Rote, ins Blaue), sondern umgekehrt: größte spektrale Differenzierungsfähigkeit. Noch kleinste Texturen, Farbnuancen und -schattierungen werden minutiös nachgezeichnet. Das ist ein Fest für alle, die auf Stimmen und akustisch Instrumentiertes stehen. Hört man überwiegend Elektronica, Metal, Industrial etc. kommen diese Stärken natürlich nicht so zum Tragen, stören aber auch niemanden.

Einordnungen & Vergleiche

Jetzt mal ernsthaft: Wo bleibt denn hier das kritische Abwägen? Tja, zu meinem sehr großen Bedauern finde ich diesmal kein Haar in der Suppe … Einordnen möchte ich das Ganze aber trotzdem kurz.

Grobdynamisch ist bei der Pass-Kombi alles im Lot. Doch das ist es bei Verstärkerlösungen dieser Klasse oft. Beim zuletzt getesteten Moon 700i v2 (14.500 Euro) war es damit beispielsweise nicht viel schlechter bestellt und die nun schon oft erwähnte Kombi aus Octave & Musical Fidelity kann ebenfalls gut zulangen – im Zweifel geht da sogar noch etwas mehr, vor allem, wenn die Musik einen üppigen Tiefbassanteil besitzt und man gleichzeitig wenig wirkungsgradstarke, unterbedämpfte Lautsprecher sein Eigen nennt, die eine strenge Hand goutieren. Die echten Stärken der Pass’schen Kombination liegen woanders, siehe oben, und da kommen weder der Moon noch meine Vor-End-Kombi ganz mit.

Aber vielleicht die von Luxman, die vor ein paar Jahren im Test war? Auch sie spielte etwas sonorer – tatsächlich noch wärmer als die Pass –, löste sehr gut auf und gefiel dank ihres 3-D-Bühneneindrucks. Alles Dinge, mit denen auch die Pass-Kombi punktet. Aber darüber hinaus inszeniert sie die weitläufigere und tiefer ausgeleuchtete Bühne, die noch plastischere Abbildung, spielt dynamischer und klangfarblich reiner und differenziert akkurater. Fairerweise muss auch gesagt werden: Sie kostet gut 20 % mehr.

Detail Pass X250.8

Im Vergleich zum schon erwähnten CH Precision I1 allerdings gut 40 % weniger. Gleichwohl ist das der einzige Amp, der mir auf die Schnelle einfällt, bei dem ich sagen kann: spielt in der gleichen Liga. Ja, vielleicht kann der hier und da sogar noch ein bisschen mehr. Dank des einstellbaren Dämpfungsfaktors lässt sich der Schweizer Edel-Integrierte beispielsweise auf die anzutreibenden Lautsprecher abstimmen, was sich insbesondere bei der Bassqualität bezahlt machen kann. Zudem bekommt man mit dem CH Precision einen Highend-DAC mitgeliefert, während die Pass-Kombi rein analog unterwegs ist und kein Wandlermodul besitzt. Gleichwohl: Der Preisunterschied ist schon enorm. Der klangliche ist es nicht.

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Canton Vento 3

Test: Pass XP-12 & Pass X250.8 | Vor-End-Kombi

  1. 1 Doppelpass
  2. 2 Klangeindruck: Pass XP-12 & X250.8
  3. 3 Die Basis: Vorstufe Pass XP-12
  4. 4 Der Kick: Endstufe Pass X250.8

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