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Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Die Mischung macht's
  2. 2 Klangeindruck Parasound Halo P6 und A23+

Ich bin in den ausgehenden Siebzigerjahren geboren. Das bedeutet: Für mich sahen alle zeitgemäßen HiFi-Geräte jahrelang so aus wie die Parasound-Kombination aus Vorverstärker Halo P6 (2.585 Euro) und zweikanaliger Endstufe Halo A23+ (2.895 Euro). Aus heutiger Sicht ließe sich zwar einwenden, dass das Design nicht mehr das Allerfrischeste ist, doch andere werden gerade den „Retro-Chic“ der beiden Geräte schätzen. Wie auch immer, wer mag, kann P6 und A23+ auch in Silber ordern, das Blau der Beleuchtung ist aber gesetzt (Vertrieb: www.inputaudio.de).

Vorverstärker Parasound Halo P6

Beginnen möchte ich in „Signalflussrichtung“, also beim Preamp. Der Parasound P6 ist ein 2.1-Vorverstärker, der mit Anschlussfreudigkeit glänzt. Fast wäre es leichter zu sagen, was er nicht bietet – im Wesentlichen Netzwerk- und Kabellos-Eingänge –, doch dann würden die Besonderheiten unter den Tisch fallen.

Vorverstärker Parasound Halo P6 mit silberner Front

Der Vorverstärker Parasound Halo P6 ist sehr gut ausgestattet: Neben Line-level-Inputs – unsymmetrischen wie symmetrischen – gibt’s einen Phonoeingang und mehrere digitale. Zudem an Bord: regelbare Sub-Outs. Die Vorstufe ist in Schwarz und Silber zu haben

Wie selbstverständlich besitzt der P6 neben den fünf Cinch-Hochpegeleingängen auch einen Phono-Entzerrer, der nicht nur Moving-Magnet-, sondern auch Moving-Coil-Systeme verarbeitet. Der Line-Eingang Nummer 5 liegt parallel auch als symmetrisches XLR-Pärchen an, passend zum unsymmetrisch wie symmetrisch vorhandenen Stereoeingang beim passenden Endverstärker Halo A23+. Für den Test war die Parasound-Kombination unter anderem im Tonstudio in Betrieb, wo symmetrische Signalführung aufgrund der komplexen Verkabelungen oft nicht nur eine mögliche Option, sondern schlichtweg notwendig ist.

Es gibt wesentliche Weiterentwicklungen im Vergleich zum Vorgänger Parasound P5. Darunter fällt die Implementierung des beliebten ESS-Wandlerchips Sabre 32 in der Reference-Variante. Über USB-B können nun DSD bis DSD256 und PCM bis zu 32 Bit/384 kHz entgegengenommen werden. S/PDIF, elektrisch als RCA-Koaxialeingang und optisch mit zwei Toslink-Inputs ausgeführt, bietet Samplingraten von 192 kHz und Wortbreiten von bis zu 24 Bit Zugang.

Die vier Home-Theater-Bypass-Inputs L, R, Sub1 und Sub2 umgehen die Lautstärkeregelung, auch der Rec-Out arbeitet unabhängig von den Pegelstellungen. Die normalen Main-Outputs (als Cinch und XLR) sowie die zwei Sub-Outs sind natürlich pegelgeregelt. Mehr noch: Der Sub kann auf der Frontplatte noch einmal separat in der Lautstärke geregelt werden. Das ist schlichtweg eines: praktisch. Der Parasound Halo P6 bietet zudem ein kleines, aber feines Bass-Management: Für Main- wie Sub-Outputs können die zweipoligen Filter aktiviert werden. Das Hochpassfilter für die durch den Sub entlasteten Stereospeaker kann – wie das Tiefpassfilter für den Sub – zwischen 20 und 140 Hertz eingestellt werden.

Die Rückseite des Vorverstärkers Parasound Halo P6 zeigt reichlich Schnittstellen

Die Rückseite des Vorverstärkers Parasound Halo P6 zeigt reichlich Schnittstellen

Auf der Front sind neben den Drehreglern für die Quellenwahl und die Lautstärke – hinter dem Volumesteller arbeitet ein Widerstandsnetzwerk – Dinge zu sehen, die sich im hochwertigen Sektor inzwischen rargemacht haben: Balance, Treble, Bass. Bei Letztgenannten handelt sich um Shelving-Filter für die Höhen und die Tiefen. Wenn man mich fragt, sind die alles andere als „böse“, zumal sie sich per Tone-Taster aus dem Signalweg nehmen lassen. Frontseitig ist ferner ein Aux-Eingang im 3,5-mm-Klinkenformat zu finden. Das ist ein Segen, wenn man „mal eben“ ein weiteres Gerät anschließen will, und sei es ein Laptop. Der Kopfhörerausgang ist ebenfalls ausschließlich als 3,5-mm-Stereoklinke ausgelegt, was angesichts kaum noch verbauter fixer 6,35-mm-Stecker bei Kopfhörern eine sinnvolle Entscheidung ist.

Endverstärker Parasound Halo A23+

Im Vergleich zum „pluslosen“ Vorgänger zeigen sich beim Endverstärker P23+ Änderungen, die man auch aus dem Automobilbau kennt: immer mehr, immer größer, immer stärker. Beim Parasound freut mich das allerdings.

Die Endstufe Parasound A23+ mit silberner Front

Die Endstufe Parasound A23+ leistet 2 x 160 Watt an 8 Ohm

Die Leistung wurde auf nun 160 Watt pro Kanal an 8 Ohm gesteigert (240 Watt bei 4 Ohm), die Kapazität der Filterkondensatoren ist um ein Drittel höher, der Ringkerntrafo ist ein 1,3-kVA-Modell (mit separaten Wicklungen für die Versorgung der beiden Kanäle). Die Verstärkung übernehmen diskrete Transistoren, und zwar JFETs (Eingang), Metalloxid-FETs (Drive) und bipolare Typen (Ausgang). Die ersten laufen in Class-A mit hohem Bias, während die Ausgangsstufe im Class-A/B-Betrieb arbeitet. Es kommen Bauteile mit einer Toleranz von vorgeblich nur 0,5 bis 1 % zum Einsatz, mehrere Überspannungs- und Thermosicherungen schützen Verstärker und Lautsprecher. Ein Relais schaltet drei Sekunden nach dem Power-up frei.

Blick ins Innere des Parasound A23+

Klassischer Aufbau mit „dickem Jungen“ in der Mitte: Der Ringkerntrafo im Parasound A23+ ist ein 1300-VA-Modell

Die Endstufe lässt sich, wenn gewünscht, in den gebrückten Betrieb schalten und arbeitet dann als 500-Watt-Monoblock; man kann sie symmetrisch und unsymmetrisch ansteuern. Mit zwei Gain-Regler lässt sich die Verstärkung steuern, und für manche Setups, man denke an Bi-Amping, können die Loop-Ausgänge hilfreich sein, die das Eingangssignal an weitere Endstufen weiterreichen. Auch der Parasound A23+ glänzt mit hervorragenden Werten, unter anderem mit einer Slew Rate von über 130 Volt pro Mikrosekunde. Das bedeutet, dass die Endstufe Anstiege im Audiomaterial sehr rasant nachziehen kann. Ganz leicht ist diese Endstufe übrigens nicht, sie bringt 12,4 Kilogramm auf die Waage.

Blick aufs Anschlussfeld der Endstufe Parasound A23+

Auf dem rückseitigen Anschlussfeld der Parasound A23+ lässt sich u.a. der Verstärkungsfaktor einstellen. Die Endstufe kann gebrückt werden und leistet dann 1 x 500 Watt an 8 Ohm

Was mich als Tonstudiomenschen freut, ist der Umstand, dass es Kits gibt, um die beiden Amps in ein Studiorack zu verfrachten. Bei 19 Zoll Baubreite nehmen sie jeweils zwei Höheneinheiten in Beschlag. An dieser Stelle sei auch noch verkündet, dass es an der Verarbeitungsqualität rein gar nichts auszusetzen gibt. Parasound ist in San Francisco beheimatet, gefertigt werden die Geräte in Taiwan.

Klangeindruck Parasound Halo P6 und A23+

Ich habe die Parasound-Vor-End-Kombi mit unterschiedlichen Quellen, Lautsprechern und Kopfhörern gehört und dabei natürlich verschiedenste Signale und Signaltypen verwendet. Neben Musikproduktionen höre ich gerne mit Sprachaufnahmen, weil die Stimme das dem Menschen bekannteste Signal ist. Einzelsignale von Instrumenten, die ich selbst aufgenommen habe und deren kompletten tontechnischen Strang ich kenne, helfen mir genauso bei der Bewertung wie Produktionen, die ich sehr oft auf unterschiedlichen Systemen hören konnte. Als Lautsprecher kamen überwiegend meine Harbeth Super HL5+ XD (Test des Vorgängermodells) zum Einsatz.

Die Parasound-Vor-End-Kombi P6/A23+

Die Parasound-Vor-End-Kombi P6/A23+ musste sich auch in einer Tonstudioumgebung beweisen

Der spontane erste Eindruck: Das Bereitstellen von sehr viel Energie in sehr kurzer Zeit gelingt der Parasound-Kombi hervorragend. Sämtliche Bassdrums, vor allem aber elektronische, schieben die Harbeth nun ohne Wimpernzucken ins Zimmer, wo sie sonst an schwächeren Verstärkern gerne schon bei mittleren Hörpegeln etwas zu kämpfen haben. Vor- und Endverstärker besitzen eine enorme Transparenz, die sich vor allem aus dieser sehr guten Dynamik ergibt: Spielt etwa „Come To Daddy (Little Lord Faulteroy Mix)“ von Aphex Twin (auf der EP Come To Daddy, Warp, 1997), so lassen die kurzen Drumsounds die modulierten Vibraphon-Flächen eigentlich immer etwas absacken. Das habe ich so auch mit dem Vollverstärker Rega Elicit mk5 (2.599 Euro) gehört. Bislang dachte ich, das sei nun mal der Kompression in der Produktion geschuldet – doch dem ist offenbar nicht so, wie mir das Parasound-Gespann zeigt. Und ich höre diese Platte seit einem Vierteljahrhundert!

Parasound P6 im Hörtest

Ein weiterer Punkt, der bei mir für Augenreiben sorgt, ist die Qualität des Phono-Preamps des P6. Ich habe „Come To Daddy“ als CD und als Vinylplatte (die natürlich reichlich unterschiedlich klingen). Die schwarze Scheibe ist über den Parasound P6 deutlich feiner aufgelöst und lebendiger, als ich es sonst meist zu hören bekomme.

Blick auf das Anschlussfeld der Vorstufe Parasound P6

Seines starken Kompagnons Parasound A23+ beraubt, spielt der P6 übrigens minimal runder und sanfter als in der Kombination. Und der Vergleich mit/ohne Vorstufe, den ich in erster Linie mit einem Recording-Mischpult und einem professionellen Audio-Interface durchgeführt habe, zeigt, dass man schon sehr genau hinhören muss, um zu erkennen, ob der P6 im Signal liegt oder nicht.

Megadeth So Far, So Good… So What!Ganz hervorragend finde ich es, nach Gusto mit Bass- und Höhenreglern wie in den Achtzigerjahren robust auf die Klangabstimmung Einfluss nehmen zu können. Es gibt einfach Alben, die sind mir etwas zu kantig, zu schwachbrüstig und zu quietschig (etwa das Megadeth-Album So Far, So Good… So What!), das ist dann mit einem kurzen Dreh wenn schon nicht behoben, so doch deutlich gemildert. Und wo es gerade um Eingriffe in den Frequenzgang geht: Es gibt durchaus Speaker, denen es guttut, wenn ihnen im Tiefbass ein kleines Stückchen weniger Energie zugeführt wird. Hier kann das Hochpassfilter des Parasound P6 auch ohne angeschlossenen Subwoofer hervorragende Dienste erweisen. Neigen die Boxen im Tiefbass leicht zum Schwimmen, kann man die Eckfrequenz des Filters etwas nach oben fahren, um die Wiedergabe kaum merklich schlanker, dafür aber knackiger zu gestalten. Apropos: Die Parasound-Vorstufe gibt dem Bass eine kleine Schippe mehr Pegel mit auf den weiten Weg stromabwärts, bleibt dabei aber immer akkurat.

Treble-, Bass und Sub-Regler der Vorstufe Parasound P6

Sibylle Baiers Colour GreenIn den Mitten ist der Vorverstärker auf „Unsichtbarkeit“ bedacht. Mit einem bewusst zuvor um sämtliche Höhen und Tiefen beschnittenen Signal vermochte ich keinerlei Unterschied zu erkennen zwischen einer Kette, die den P6 beinhaltet und einer, bei der er fehlt. In den Höhen war es ähnlich, doch zeigt sich hier ein kleiner Silberglanz auf dem Signal. Der leicht „deutschen“ Aussprache (mit scharfem S) Sibylle Baiers auf Colour Green, etwa im Song „Give Me A Smile“, tut diese sehr dezente Veredelung – wie vielen anderen Produktionen – durchaus gut. Eine Einschränkung im Bereich der Auflösung oder Bühnendarstellung war im Vergleich zum Betrieb ohne P6 so gut wie nicht auszumachen, lediglich bei sehr niedrigen Lautstärken wurden die Details minimal milchiger und die Bühne etwas kompakter in Tiefe wie Breite.

Der verbaute Digital-Analog-Wandler ist von vorzüglicher Qualität, auch wenn er einem Merging Technologies HAPI (achtkanaliger, professioneller AD/DA mit DSD256 und 384 kHz, circa 7.500 Euro) natürlich nicht das Wasser reichen kann. Sein Auflösungsniveau liegt ungefähr im Bereich eines Lavry DA11 (um 1.500 Euro), der Parasound wirkt jedoch etwas frischer und minimal weniger flüssig als dieser.

Auch der integrierte Headphone-Amp kann sich sehen lassen. Klar, externe Lösungen der 1.000-Euro-Klasse bieten schon noch etwas mehr und mein SPL HPm, ein Kopfhörerverstärker für das im professionellen Bereich verbreitete Kassettensystem „Series 500“, kann bei Detail, Dynamik und „Antriebskraft“ zwar mit dem im Parasound verbauten mithalten, ist mit seinen 389 Euro (ohne Rack, ohne Stromversorgung!) aber auch ein ausgewiesener Preis-Leistungs-Primus – und eben nicht in Wohnzimmern zuhause.

Focal Celestee am Parasound-P6-Vorverstärker

Wie dem auch sei, der Parasound P6 spielt jedenfalls hervorragend mit meinem Focal Celestee: Die Auflösung ist grandios, der geschlossene 35-Ohm-Kopfhörer wird mit einem Detailreichtum und so transparent befeuert, dass er seine Qualitäten wirklich ausspielen kann. Auch den Beyerdynamic DT-150 (250 Ohm) und den AKG K240DF (600 Ohm) versteht der P6 mit Leichtigkeit anzutreiben und Kraftreserven für schnelle Anstiege vorzuhalten.

Parasound A23+ im Hörtest

Der A23+ besitzt reichlich Energiereserven, um meine Harbeth Super HL5+ XD auch bei hohen Pegeln souverän und hochdynamisch aufspielen zu lassen. Der Parasound-Verstärker wirkt stets akkurat und neutral, bleibt aber spielfreudig und gleitet nicht in „musterschülerige Pedanterie“ ab. Zum Vergleich: Ein Abacus 60-120D Dolifet (aktuell circa halb so teuer) wirkt tatsächlich noch etwas quirliger, aber eben auch nervöser beziehungsweise sprunghafter, weniger souverän – der Vollverstärker Soulnote A-1 (3.590 Euro) dagegen deutlich milder. Der Japaner konnte aufgrund seiner Milde, Güte und „Erhabenheit“ im Test durchaus gefallen, keine Frage, wollte aber nicht so recht mit meinen Harbeth zusammenkommen. Der Parasound A23+ hingegen ist das, was ich „perfect match“ nennen würde. An kühl und drahtig abgestimmten Speakern in zu wenig bedämpften Räumen mag die lineare Gangart des A23+ vielleicht nicht allen gefallen. Aber zum einen ist das ja Geschmackssache, zum anderen sehe ich in solchen Fällen eher die Raumakustik in der Pflicht.

Ein- und Ausgänge am Endverstärker Parasound A23+

Ein- und Ausgänge am Endverstärker Parasound A23+

Die angesprochene Aphex-Twin-Produktion kann auf einigen Anlagen anstrengend werden (korrigiere: anstrengender als sowieso schon), weil die Hochmitten und Höhen mit ordentlich Pegel gemischt wurden. Die Endstufe A23+ schafft es hier, mit selbstverständlicher Genauigkeit zu verstärken, also ohne aufgeregt oder gar kratzig zu werden. „Präzise Gelassenheit“ möchte ich es etwas paradox klingend nennen – und will diese Eigenschaft nicht zuletzt dem geringen Klirr in den Höhen zuordnen.

Rechter Eingang der Endstufe A23+ - symmetrische wie unsymmetrische Ansteuerung ist möglich

„Eine Fliege kommt durch einen halben Wald“ ist ein Monolog von Herta Müller, der letzten deutschen Literatur-Nobelpreisträgerin, die sich mit Heinrich Böll, Thomas Mann und Günter Grass in illustrer Runde befindet. Schauspielerin Angela Winkler spricht diesen (erschienen bei Hörbuch Hamburg) absolut grandios mit einer in Obertönen und Formanten charaktervollen Stimme, die wundervoll kontrastierend die Konsonanten herausarbeitet. In den tieferen Mitten buttern manche Verstärker zu kräftig rein, und umgekehrt werden die Kanten einiger Konsonanten im Hochmittenbereich bisweilen zu aggressiv transportiert. Der Parasound A23+ dagegen spielt herausragend linear. Das ist in den so wichtigen Mitten beim Musikkonsum eine gern gesehene und in der -produktion eine notwendige Eigenschaft.

Moloko / Do You Like My Tight Sweater?Do You Like My Tight Sweater? fragte der Legende nach Róisín Murphy Mark Brydon, was als Geburtsstunde der Gruppe Moloko gilt und gleichzeitig den Namen des ersten Albums festlegte. Der einen ordentlichen Teil des Spektrums einnehmende Synthesizerbass auf dem ersten Track „Fun For Me“ wirkt mit dem A23+ etwas energiereicher und wuchtiger als beispielsweise mit dem Abacus, ja, hier gibt es eventuell einen Hauch mehr Pegel, als es die reine Lehre verlangt – aber das ist meilenweit entfernt von „bauchig“ und zudem sehr akkurat durchgezeichnet. Wichtig ist, dass es trotz leicht erhöhtem Pegel nie zum Schwimmen oder Verwässern kommt, nicht nur beim Moloko-Stück, sondern ganz generell. Auch tiefste Signale von Synthesizern, Bassdrums oder Kirchenorgeln gibt der Endverstärker unangestrengt weiter.

Zur Dynamik muss ich unbedingt noch ein Wort verlieren: Das Rauschen des A23+ ist auffallend niedrig. So macht, entsprechende Quellen vorausgesetzt, auch das Hören hochdynamischer Aufnahmen wirklich Spaß. Das müssen gar keine 24-Bit-Signale sein, die tontechnisch qualifizierte Ausnutzung des 16-Bit-Raumes, etwa auf den „Original Dynamics Recordings“ des schwedischen BIS-Labels, ist gerade bei hohen Pegeln eine wahre Freude!

Parasound Halo P6 & A23+ | Perspektivisch von oben-links

Ormeion von Evritiki ZygiaMusikalisch ist das Album Ormeion von Evritiki Zygia eine Entdeckung für mich. Ormeion ist ein Bahnhof im Dreiländereck Griechenland-Bulgarien-Türkei, auf griechischer Seite. Dem Sinnbild entsprechend, handelt es sich hier um Musik, die in erster Linie dem thrakischen Kulturraum zuzuordnen ist, aber neben traditionellen Folkloreinstrumenten wie dem Gaida-Dudelsack auch einen Moog-Synthesizer und eine CRB Elettronica Diamond 800 (auch bei Kraftwerk zu hören, ähnlich einer Farfisa-Orgel) verwendet – und mit reichlich Psychedelic-Folk-Anleihen ordentlich „schieben“ kann. Evritiki Zygia haben (beispielsweise auf dem Roskilde-Festival) trotz für Mitteleuropäer ungewohnter Taktarten die Zuschauer zum Tanzen gebracht. Das Album lebt nicht zuletzt von seiner Dynamik.

Die Parasound-Endstufe versteht es, das wunderbar zu transportieren, spielt sie doch über das gesamte Spektrum unlimitiert auf und schießt dabei nie über das Ziel hinaus, driftet nie ins Nervöse ab. Das Tolle ist: Das gilt für ultraschnelle, minimale Lastwechsel wie auf Aphex Twins IDM-Produktionen wie auch für Wendungen von fragilen Flöten/Violinen-Gebilde hin zu massiven Forte-Tutti bei Orchesterwerken. Und mehr noch: Diese Eigenschaften sind identisch, egal ob der A23+ mit geringen Pegeln tröpfchenweise gespeist oder pegelmäßig enorm gefordert wird.

Eine Fernbedienung gehört zum Lieferumfang der Parasound Halo P6

Eine Fernbedienung gehört zum Lieferumfang der Parasound Halo P6

Auch der Bühneneindruck bleibt bei unterschiedlichen Lautstärken konstant. Anhand fertiger Produktionen, eigener Aufnahmen ohne weitere Bearbeitung oder Stützmikrofone, aber auch anhand von mittels Panoramaregler am Mischpult positionierter Einzelsignale kann ich festhalten, dass die Präzision der Abbildung schon noch über der des Soulnote A-1 liegt, die Ausgestaltung der Bühnentiefe ist ebenfalls beachtlich. Dabei traut sich der A23+ durchaus vor die Stereobasis, die so wichtige Bühnenmitte erscheint mir jedenfalls etwas näher als mit manch anderem Verstärker. Dementsprechend ist die Dreidimensionalität von Instrumentengruppen oder ausgedehnten Klangkörpern auch höher, so etwa bei stereo-mikrofonierten Akustikgitarren.

Billboard
Abacus Trifon 5x

Test: Parasound Halo P6 und A23+ | Vor-End-Kombi

  1. 1 Die Mischung macht's
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