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NuPrime DAC-10H: Der Hörcheck

Inhaltsverzeichnis

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NuPrime DAC-10H mit Laptop

Interessant ist’s doch, wie unterschiedlich die Plots verschiedener Tests verlaufen können: Im Fall des NuPrime DAC-10H saß ich beim ersten Probehören – der NuPrime wurde per USB gefüttert und steuerte meine NuForce Reference 20 Monos an – mit leicht heruntergezogenen Mundwinkeln auf dem Sofa: Räumlichkeit, Spielfreude und Hochtontransparenz – das klang zuvor über das Duo aus Electrocompaniet ECD 2 und Funk MTX schon involvierender und reifer. Nun, aus meinen Erfahrungen mit den Reference 20 weiß ich, dass NuPrime-Geräte bisweilen überdurchschnittlich ausgedehnte „Einbrennphasen“ goutieren.

Also nix wie raus aus dem Hörraum, Tür verschließen und den DAC-10H einfach – lediglich ab und an unterbrochen durch neugieriges Zwischendrin-mal-reinhören – zwei Wochen machen lassen. Um sich dann noch einmal intensiver vor die Anlage zu klemmen und festzustellen, dass einem gegenüber dem, was man sonst so gewöhnt ist, eigentlich nichts Grundlegendes fehlt. Eine 1.700 Euro kostende DAC-Kopfhörerverstärker-Vorstufen-Kombination ersetzt eine 5.000-Euro-DAC-Pre-Kombi und man vermisst nichts? Habe ich mich etwa über die 14 Tage von unserem kleinen amerikanisch-taiwanesischen Probanden einlullen lassen? Nun, die erste Frage heben wir uns für einen späteren, genauen A/B-Vergleich auf. Und die zweite Frage beantwortet sich wohl für jeden, dem nur ein bisserl Gefühl für Musik und Klang innewohnt, unmittelbar ohne jegliches Hin-und-Her-Vergleichen: Denn zum Einlullen taugt der NuPrime DAC-10H in etwa so wie Speedmetal zum Meditieren, zählt er doch vielmehr zu den Komponenten, die einen zum „aktiven“, involvierenden Musikhören motivieren. Aber starten wir doch einfach mal konkret in den Hörparcours, indem wir dem DAC-10H als per USB gefütterter DAC-Vorstufe auf den Zahn fühlen. Die Kopfhörersektion nehmen wir uns anschließend gesondert zur Brust.

NuPrime DAC-10H Anzeige

Zum einen fällt unmittelbar auf, dass unser Kleiner den Hörer mithilfe seiner dynamischen Gangart auf Trab zu halten vermag: Bestens zu hören etwa mittels „An Infinite Regression“ (Album: Weightless), ein Song der aus Washington stammenden und rein instrumental spielenden Progressive-Metal-Jazz-Fusion-Combo Animals as Leaders. Ein echter Tipp für Hörer, die es schnell, experimentell, durchaus komplex und auch ein wenig noisy mögen, aber den einen oder anderen kleinen Melodiehook ebenfalls nicht verachten. Was Ausnahmegitarrist Tosin Abasi auf seiner elektrischen Eight-String-Klampfe, aber auch Navene Koperweis am Schlagzeug anstellen, klingt bisweilen schon – und das nicht nur in Sachen Geschwindigkeit – atemberaubend.

animals as leadersOb virtuoses Picking oder Tapping oder wie an der Perlenschnur aufgereihte Bassdrum-Salven, der NuPrime DAC‑10H spielt mit den Animals-as-Leaders-Mannen in Sachen Fein- wie Grobdynamik auf Augenhöhe. Jedenfalls bleiben für mich mit Blick auf die Zackigkeit, Konturiertheit und Timingpräzision, mit der unser Proband das Gebotene in meine Monos bläst und darüber die Membranen meiner Sehring 902 zum hyperaktiven Zappeln anregt, keinerlei Wünsche übrig. Das kriegen teurere DAC/Pre-Kombinationen auch nicht besser hin.

Bei aller Affinität zu hektischen Klängen: Dass das Klangbild des NuPrime bei alledem etwas sehr Reines, „Ungrisseliges“, Störungsarmes ausstrahlt, wird den meisten wohl ebenfalls nach wenigen Takten auffallen: Nervige Zischeleien im Hochton? Diffuse Klangfarben oder eine undifferenzierte, Unruhe suggerierende Räumlichkeit? Fehlanzeige.

NuPrime DAC-10H Seite

Gerade in Sachen Räumlichkeit fällt ebenfalls ohne weitere A/B-Vergleiche ins Ohr, dass der NuPrime dieses Thema ebenso – ja – leidenschaftlich wie präzise angeht. Leidenschaftlich? Nun, ich persönlich finde jedenfalls, dass es etwas Emotionales, Involvierendes hat, wenn eine HiFi-Komponente eine sich schön nach vorne, Richtung Hörer öffnende Bühne und nicht bloß eine sachliche Draufsicht aufs Geschehen zeichnet. Oder sagen wir besser: fördert. Schließlich stemmt der kleine NuPrime so etwas robert wyattin einer Audiokette nicht im Alleingang, ist aber in puncto „Bühnen-Offensive“ eben keineswegs das Nadelöhr in einem System.

Was ebenso für das Thema Ortungsschärfe gilt: Robert Wyatts rein instrumentales „On the Town Square“ (Album: Comic Opera) vermag einen ebenso vereinnahmend-großräumigen wie präzise-plastischen Bühneneindruck zu illusionieren: Gitarre, Steeldrum, aber insbesondere auch Kornett und Saxophon werden – wenn die Audio-Komponenten mitspielen – sehr präzise gefasst im Bühnenbild „materialisiert“, was sich letztlich zu einer eindrucksvollen, gleichsam wohlstrukturierten Wall of Sound (gerade bei hohen Lautstärken) fügt. Und auch diese Herausforderungen wuppt der kleine DAC-10H, wie ich das alt jviel besser noch nicht gehört habe – eindeutig eine der weiteren Schokoladenseiten des NuPrime, die auch eingefleischten Räumlichkeitsfetischisten Befriedigung verschaffen sollte.

Gleiches dürfte Fans einer eher kräftig-sonoren Stimmwiedergabe widerfahren: Der insbesondere von alt-Js Sänger Joe Newman geprägte Song „Matilda“ (Album: An Awesome Wave) überzeugt mit einem vom NuPrime schön unmittelbar-direkt und tadellos plastisch vorgetragenen Gesang, der tonal allerdings eher einen Tick ins Erdige denn Offen-luftige lappt.

NuPrime DAC-10H Ausgänge

Was uns zu den Kriterien Tonalität, Hochton und Auflösung führt. Hier kommen nun die angekündigten A/B-Vergleiche ins Spiel. Bei denen ich unter anderem Blurs „Icecream Man“ – das aktuelle Album The Magic Whip ist angenehmer, ruhiger Pop, der umso weniger oberflächlich wirkt, je häufiger man ihn hört, durchaus ein Tipp – in die Playlist geschoben habe: Nun, der nach Intro und erster Strophe einsetzende Shaker mutet ein bisschen bedeckter, weniger luftig-transparent an – man könnte meinen, die Körnchen nicht mehr ganz so eindeutig rieseln zu hören, wenn von der Eletrocompaniet/Funk-Kombi auf den NuPrime DAC-10H gewechselt wird.

blur the magic whipWahrlich keine Welten, keine genussabträgliche Baustelle, manch einer wird diese Zurückhaltung in den oberen Lagen womöglich sogar als angenehmer empfinden, aber doch leicht vernehmbar im Vergleich: Über meine Referenzgeräte wirkt das Klangbild frischer, öffnet sich einen Tick weiter in die Höhe und lässt Feinheiten in den oberen Lagen deutlicher zu Gehör kommen. Zudem scheint die Musik etwas mehr zu atmen; unterschwellig, vielleicht ist’s auch eher Einbildung, kommt mir das über den NuPrime DAC-10H Gebotene etwas starrer vor als etwa über einen mit dem Electrocompaniet ECD 2 angesteuerten Funk Lap, dem ohne XLR-Schnittstellen auskommenden kleinen Bruder meines Funk MTX. Das Lindemann musicbook:15 liefert oben herum ebenfalls mehr Offenheit, reicht dafür am anderen Ende der Frequenzskala nicht ganz so tief hinunter. Die leichte Dezenz des DAC-10H im Hochton ist übrigens eine rein tonale Sache: Der NuPrime weicht oben keinesfalls auf, es tönt grundsätzlich markant und profiliert wie sich’s gehört, nur die Lichtstrahlen, die das ausleuchten, weisen eben ein paar Lux weniger auf.

NuPrime DAC-10H Netzschalter

Bei den weiter oben beschriebenen Kriterien Bassquantität und -qualität, Dynamik, Bühnenpräzision sowie Farbkraft/-differenzierung in den Mitten sind dagegen kaum Unterscheide zu meinen Referenzlösungen herauszuhören. Wahrlich nicht schlecht für ein Gerät in der Preislage des DAC-10H, das ja zusätzlich mit einer dedizierten Kopfhörerverstärkung aufwartet. Bevor wir uns Letzterer widmen, noch ein paar Worte zu den anlogen Eingängen – denn diese haben mich wirklich überrascht.

Aber vielleicht sollte ich auch endlich mal umdenken und mich weniger überraschen lassen: Denn schon beim letzten Test (Lindemann musicbook:15) erging’s mir ähnlich – nicht zuletzt, weil ich das Vorurteil hege, dass bei digitalen Kombigeräten die Analogeingänge meist eher als stiefmütterlich implementierte Dreingabe durchgehen. Was sich weder mit Blick auf den Lindemann noch NuPrime bestätigen lässt: In Sachen Dynamik, räumliches Ablösen, Ortungsschärfe und gefühlte „Klangreinheit“ – die oben erwähnten besonderen Stärken bei USB-Fütterung – hält der DAC-10H sein Niveau, wenn ich ihn mit meinem die Wandlung übernehmenden Electrocompaniet ECD 2 per Cinch ansteuere. Und noch mehr, der NuPrime reicht den Klangcharakter des Norwegers auch an anderen Stellen höchst unverstellt durch. Zeigt sich Letzterer im Hochton doch gemeinhin von einer betont luftigen, offenen, straighten Seite – was der DAC-10H, schickt man das Signal durch seine anlogen Schaltkreise, im Grunde kaum abmildert. Und zu dem Schluss führt, dass das leichte Abdimmen des Hochtons im „Vollbetrieb“ (interner DAC + Vorverstärkung) eher als Manier der digitalen denn analogen Schaltkreise unseres Probanden durchgeht.

NuPrime DAC-10H Eingänge

Wie klingt’s über Kopfhörer?

Ein kurzer Quercheck zu meinem Funk MTX, der ja sogar einen separat lautstärkeregelbaren Kopfhörerausgang mit auf den Weg bekommen hat, zeigt schnell, dass sich der NuPrime DAC-10H zu Höherem berufen fühlt, als sich mit schlichteren Schaltungslösungen, die eher als Beiwerk zum Hauptgerät dienen, herumzubalgen: Der NuPrime klingt räumlich aufgeräumter, grundsätzlich definierter, liefert einen tieferen Bass und zeitigt über alles gehört ein insgesamt souveräneres, abgeklärteres Klangbild.

Kopfhörerseitig am Start hatte ich übrigens einen Shure SRH1840 (65 Ohm, ein durchaus etwas frischer angestimmter Hörer mit präzisem, neutralem Bass), einen AKG K712 pro (62 Ohm, tonal sanftere Abstimmung, präzise Ortung) und die ebenfalls etwas sonorer und langzeittauglich abgestimmten In-Ears RHA T20 (16 Ohm), die ich persönlich wegen ihrer unaufgeregten Natürlichkeit sehr schätze.

NuPrime DAC-10H von oben

Verglichen habe ich den zunächst per USB beschickten NuPrime DAC-10H mit den rein analogen Amps SPL Phonitor mini (800 Euro) sowie Reußenzehn Harmonie III (ab 950 Euro), bei denen die D/A-Wandlung vom Antelope Zodiac+ samt Netzteil Voltikus (2.500 Euro) übernommen wurde. In Sachen Kontrolle, Dynamik, Basspräzision und Räumlichkeit spielt der NuPrime vorne oder zumindest auf Augenhöhe mit, wenngleich das Reußenzehn-Antelope-Gespann – typisch Röhre möchte man sagen – noch eine etwas weitläufigere, noch weniger dicht gedrängte Bühne und ein angenehm lockeres, organisches Klangflair abliefert, dafür aber im Bass einen Tick weniger ehern beziehungsweise nicht ganz so eisern kontrolliert wirkt.

Lucinda WilliamsBei „American Dream“ von Lucinda Williams (Album: World Without Tears) ist zu hören, dass es sich der NuPrime DAC-10H auch via Kopfhörer nicht nehmen lässt, den Hochton leicht abzudimmen, was eine im Vergleich zu den anderen Kopfhörerverstärkern tendenziell sonore Gangart zeitigt: Lucinda Williams‘ Stimme wirkt kräftiger, gewichtiger über den NuPrime, ätherischer, heller über die anderen Amps. Ein Charakterzug, der Luftigkeitsfans vielleicht nicht zu Jubelstürmen hinreißen wird, dafür aber aller dynamischen Spielfreude und Kontrolliertheit des DAC-10H zum Trotz ein sehr „unnervöses“, langzeittaugliches und auffallend rein wirkendes Klangbild fördert, das nicht zuletzt zu neutral bis heller aufspielenden Hörern wie dem Shure SRH1840 bestens passen sollte. Welches aber so oder so „einfach Spaß macht“, wie sich Kollege Martin Mertens ausdrückte, der ebenfalls mal ein paar Vergleichsrunden mit dem NuPrime drehte.

Aber klar, wir sind ja noch nicht ganz am Ende. Eine Frage ist noch offen: Wie klingt die Kopfhörerabteilung, wird sie über die analogen RCA-Buchsen gespeist? Ich kann mich kurz fassen, denn die Unterschiede sind vergleichbar zu denen im oben beschriebenen Vorverstärkerbetrieb: Die Ausleuchtung des Hochtons nimmt abermals um ein paar Lux zu, wird die Wandlung vom Electrocompaniet ECD 2 übernommen, statt eines leicht abgedimmten Hochtons bewegen sich Luftigkeit und Offenheit der oberen Etagen nun quasi auf Normalnull.

NuPrime DAC-10H Frontansicht

Test: NuPrime DAC-10H | D/A-Wandler

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