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Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Wer hören darf, kann fühlen
  2. 2 Klangtest und Vergleiche: Nubert nuVero nova 9

Was will dieser Lautsprecher eigentlich sein? Kompaktbox? Mini-Standbox? Grenzfall? Und was kann er klanglich, musikalisch? Die neue Nubert nuVero nova 9 (https://www.nubert.de/ | 2.190 Euro, Ständer: 500 Euro) lässt sich nicht so recht in vertraute Kategorien einsortieren. Zu viel Volumen für eine klassische Regalbox. Zu wenig optische Dominanz für einen Standlautsprecher. Aber ist vielleicht gerade das ihre Stärke? Lassen Sie uns auf eine identitätsstiftende Entdeckungsreise gehen.

Schon im Karton macht die Nubert nuVero nova 9 klar, dass sie – entgegen ihrem „Zwischen-den-Stühlen“-Format – kein halbes Ding sein will. Mit über 30 Kilogramm Versandgewicht (und immer noch knapp 21 Kilogramm Nettogewicht) bringt die Box eine Masse auf die Waage, die in dieser Gattung und Preisklasse eher unüblich ist. Auch die Maße – 54cm hoch, 23cm breit, 36cm tief – sprechen nicht gerade für einen klassischen Regallautsprecher. Vielleicht können wir uns auf Folgendes einigen: Die nuVero nova 9 ist eine Drei-Wege-Box in einem relativ kompakten Format, die in kleineren bis mittleren Räumen die Rolle eines Vollbereichslautsprechers übernehmen soll.

Dickes Ding: das Gehäuse

Die Nubert nuVero nova 9 in Weiß

Ob in Schwarz oder in der der alternativ verfügbaren Variante Weiß: Die MDF-Gehäuse der Nubert nuVero nova 9 wirken ziemlich massiv, die Hochglanzlackierungen hochwertig. Die schwarzen Einfassungen für die Mittel- und Hochtöner bestehen aus Metall

Weniger ungewöhnlich ist das Material des hervorragend verarbeiteten Gehäuses: Es besteht aus mehrfach versteiftem MDF. Die Gehäusewandstärke variiert aufgrund der geschwungenen Gehäuseform: Bei geraden Flächen beträgt sie mindestens 19 Millimeter, die internen Versteifungen nicht mitgerechnet. Die sitzen an verschiedenen, besonders schwingungsanfälligen Stellen und erhöhen die Wandstärke dort auf satte 38 Millimeter. An der Gehäusefront beträgt sie aufgrund der Wölbung sogar bis zu 48 Millimeter, was sicherlich das recht hohe Gewicht des Lautsprechers mit erklärt.

Die Hochglanzlackierung ist makellos aufgetragen: Es sind quasi keine Spiegelungsverzerrungen zu erkennen. Das ist ein echter Qualitätshinweis. Die seitlich überstehende, abgerundete Frontpartie dürfte zwar Geschmacksache sein, verfolgt aber handfeste akustische Ziele: Die Rundung soll Kantendispersionen eliminieren.

Vorder- und Rückseite der Nubert nuVero nova 9

Ob man die Nubert nuVero nova 9 nun tatsächlich per Bi-Wiring betreibt oder nicht: Über die wertigen Polklemmen freut man sich so oder so …

Astreiner Anschluss

Gänzlich der Preisklasse entwachsen sind die rückseitigen Bi-Wiring-Terminals, die Bananenstecker, Gabelschuhe oder Litzen gleichermaßen sicher aufnehmen. Für den hohen Qualitätseindruck an dieser Stelle sind nicht nur die griffigen Rändelschrauben und die mitgelieferten Brücken verantwortlich, die einen erfreulich robusten Eindruck vermitteln. Besonders klasse finde ich, dass sich Bananenstecker über eine „zweite Reihe“ ebenso sicher greifbarer Rändelschrauben bombenfest fixieren lassen. Gute Kontakte sind nicht nur für die Karriere wichtig, sondern auch für den guten Klang.

Auch das beigelegte hochwertig anmutende Lautsprecherkabel in zweimal vier Metern Länge überrascht; dabei ist diese ungewöhnliche Dreingabe eine hervorragende Idee, denn so lassen sich Enttäuschungen auf Kundenseite, die aufgrund eventuell noch vorhandener Billigstrippen aus dem Baumarkt entstehen könnten, gleich einkassieren. Und aufrüsten kann man ja immer noch.

Die Unterseite der Nubert nuVero nova 9

Die Unterseite der Nubert nuVero nova 9 besteht aus Panzerholz und ist ebenfalls alles andere als 08/15. Aber es dürfte nicht jeder Boxenständer kompatibel sein. Nubert hat natürlich optimal passende Ständer im Angebot – für 500 Euro das Paar

Auf eigenen Füßen

Ungewöhnlich ist die Formgebung des Fußteils, das sich mattschwarz vom hochglanzlackierten Boxengehäuse abhebt. Es besteht aus Panzerholz und weist auf der Unterseite Fräsungen auf, in die passgenau die Oberseiten der dedizierten Nubert-Stands (Stativ nuVero nova 9, 250 Euro pro Stück, nur in Schwarz erhältlich) eingesetzt und angeschraubt werden können. Alternativ lassen sich die Boxen auch auf eine beliebige (stabile) Oberfläche stellen – filzbewehrte Schraubfüße sind den Lautsprechern beigelegt und können auch in die Ständer eingeschraubt werden. Die Crux: Mit handelsüblichen Ständern und ihren relativ kleinen Standflächen braucht man den nova 9 nicht zu kommen. Das passt aufgrund der zerklüfteten Unterseite der Boxen einfach nicht – ungewöhnlich.

Treibertrio

Beim Treiber-Setup hingegen setzt Nubert auf ein klassisches Drei-Wege-Prinzip. Der 168-mm-Tieftöner mit vierlagiger Karbonfasermembran (drei Lagen Karbongewebe und eine dämpfende Polymerbeschichtung obenauf) soll besonders präzise, kontrolliert und tief spielen – und zwar hinunter bis 35Hz (-3dB) laut Datenblatt. Um das zu realisieren, hat Nubert dem Konus die Fähigkeit verliehen, lineare Auslenkungen bis zu beachtlichen ±13 Millimetern zu vollziehen.

Der Tieftöner der Nubert nuVero nova 9

Für ordentlich Hub gut: Der Tieftöner der Nubert nuVero nova 9

Ein 101-mm-Mitteltonkonus mit Neodymmagnet-Antrieb und ebenfalls mit vierlagiger Karbonmembran deckt den Bereich ab 380Hz aufwärts ab. Die Anbindung an den Hochtöner erfolgt mit einer vergleichsweise tiefen Trennung bei 1.900Hz, was einen harmonischen Übergang ermöglichen soll.

Für die Höhen ist eine 25-mm-Aluminiumkalotte zuständig, die mit Nuberts „NonResonantTechnology“ arbeitet – gemeint ist damit eine kontrollierte Bedämpfung typischer metallischer Resonanzen, ohne die „typischen Vorteile einer Metallkalotte“, die Nubert vor allem bei der Auflösung sieht, zu opfern.

Hochtöner und Mitteltöner sitzen gemeinsam in einer Metallplatte, die über eine Lage Filz von der eigentlichen Front entkoppelt wird. Das ist gut für die Präzision der Schallabstrahlung, da dadurch weniger Mikrovibrationen, insbesondere an den Hochtöner, gelangen. Bei jenem könnte ein solcher Einfluss aufgrund der geringen Membranauslenkungen recht negative Auswirkungen haben.

Der demontierte Hochtöner der Nubert nuVero nova 9

Der Hochtöner der Nubert nuVero nova 9 kommt mit einer 25-mm-Aluminiumkalotte

Diffusfeldentzerrung und Frequenzgangpassungen

Sie denken, wo es eine Neutralstellung gibt, muss es auch eine oder mehrere nicht neutrale Einstellungen geben? Messerscharf geschlussfolgert! Die Nubert nuVero nova 9 bietet dem Nutzer auf der Rückseite zwei Optionen: Über zwei hochwertig ausgeführte Steckbrücken lassen sich Hochtoncharakteristik und Bass feinjustieren. Der Hochton kann von „Neutral“ auf „Sanft“ umgesteckt werden, was den Pegel im Superhochton um 2 dB reduziert und gleichzeitig die Diffusfeldentzerrung deaktiviert. Die Option an der Bass-Brücke nennt sich „Wandnah“ und reduziert den Bassbereich bei einer ebensolchen Aufstellung um 3–4 dB (je nach Frequenz).

Lassen Sie uns zum Thema „Diffusfeldentzerrung“ etwas tiefer in die Materie einsteigen, denn dahinter steckt tatsächlich mehr als nur ein griffiges Marketingschlagwort. Ein Diffusfeld liegt, vereinfacht gesagt, dann vor, wenn am Ohr des Hörers mehr reflektierter als direkter Schall ankommt. Wenn das Pegelverhältnis zwischen Direkt- und Diffusschall zu sehr auseinanderdriftet, kann eine Diffusfeldentzerrung – also ein gezieltes Ausbalancieren des Pegels – sinnvoll sein. Meist geschieht dies im Superhochtonbereich, da dort eine prinzipbedingte Schallbündelung stattfindet, die vom Verhältnis zwischen Membrandurchmesser und Wellenlänge abhängt. Ganz einfach gesagt: Je höher die Frequenz, desto stärker bündelt der Treiber, der sie abstrahlt, und desto weniger Schall wird von den Raumbegrenzungen reflektiert. Befindet sich der Hörer nur im direkten Schallfeld (Freifeld), spielt diese Schallbündelung kaum eine Rolle, solange die linear abstrahlenden Schallwandler auf den Hörplatz ausgerichtet sind. In einem durchschnittlichen Wohn-/Hörraum befindet sich der Hörer jedoch bereits ab einer Hördistanz von ca. 60–80 cm im Diffusfeld, so Nubert. Und bereits dann sei der Pegelanteil des reflektiert empfangenen Schalls höher als der des direkt von der Schallquelle empfangenen Schalls.

Rückseitige Steckbrücken zur Klanganpassung der Nubert nuVero nova 9

Mittels Steckbrücken lassen sich Hochtoncharakteristik und Basswiedergabe der Nubert nuVero nova 9 feinjustieren

Da der Superhochton sehr stark gerichtet strahlt, spielen also Reflektionen bei ihm eine geringere Rolle. Relativ zu den anderen, stärker reflektierenden Frequenzanteilen wirkt er daher an einem nicht im Freifeld befindlichen Hörplatz leiser. Ergo kann ein Lautsprecher im Diffusfeld auch dann als eine Spur zu „dumpf“ empfunden werden, wenn er einen linearen Freifeldfrequenzgang (auf Achse) besitzt.

Nubert setzt als Gegenmaßnahme eine subtile Anhebung des Superhochtonbereiches zur Entzerrung – man könnte auch Linearisierung sagen – des Frequenzgangs am Hörplatz ein. Diese Anhebung erfolgt nur ab dem Frequenzbereich, in dem es an Schallenergie im Diffusfeld mangelt: „Das richtige Maß der Entzerrung haben wir mit präzisen Messungen bei verschiedensten seitlichen Winkeln sowie mit ausgiebigen Hörtests ermittelt“, erklärt Thomas Bien, Project Engineer bei Nubert und Vater der nuVero-nova-Serie. Er fügt weiter an: „Elektrisch lässt sich diese spezielle Frequenzgangcharakteristik durch eine gezielte Umdimensionierung der Bauelemente in der passiven Frequenzweiche erreichen. Wichtig dabei ist, dass die Diffusfeldentzerrung nur dann gut wirkt, wenn die nuVero nova 9 parallel – also nicht auf den Hörplatz eingewinkelt – aufgestellt werden.“

UltraDirectivity und WideStage

Der demontierte Tieftöner der Nubert nuVero nova 9

Auch die Durchmesser der Treiber sind für Nuberts „Ultra Directivity“-Konzept entscheidend, hier der 168 Millimeter durchmessende Tieftöner mit Karbonfasermembran

Nubert hat es bei seinen nova-Modellen ganz offensichtlich mit der Abstrahlung: Denn eine weitere Besonderheit sei das ungewöhnlich konstante Abstrahlverhalten der neuen nuVero-Modelle über sehr viele und teils recht extreme Winkelbereiche, das Nubert als Ultra Directivity bezeichnet. Dieses Verhalten sei für direktstrahlende Schallwandler einzigartig: „Ich habe dies noch nie bei Lautsprechern anderer Hersteller so gesehen“, sagt Thomas Bien.

Nun ist so ein Abstrahlverhalten beileibe keine entwicklerische Nebenaufgabe. Deshalb sind auch gleich drei ineinandergreifende Maßnahmen notwendig, um das Ziel in die Realität umzusetzen. Erstens: Die Membranmaße der Treiber müssen deutlich kleiner sein als die jeweils abgestrahlten Wellenlänge (Faustregel: Durchmesser der Membran kleiner als die halbe Wellenlänge). Nur so komme es im gehörempfindlichen Frequenzbereich nicht zu unerwünschten Schallbündelungseffekten (mit der durch die Diffusfeldentzerrung kompensierten Ausnahmeproblematik im Superhochtonbereich).

Der Hochtöner der Nubert nuVero nova 9

Gerade der Superhochtonbereich spielt bei der Diffusfeldentzerrung der Nubert nuVero nova 9 eine entscheidende Rolle

Zweitens hat sich Nubert eine Kombination aus enger Treiberanordnung und tiefer Trennfrequenzen ausgedacht. Dies soll störende Interferenzen zwischen den Treibern verhindern und so Schallauslöschungen, insbesondere bei vertikalen Abhörwinkeln, auf ein gehörmäßig vernachlässigbares Minimum reduzieren. Die Nubert nuVero nova 9 soll daher auch gut klingen, wenn man vor den Lautsprechern steht. Das werde ich natürlich noch ausprobieren.

Und zu guter Letzt sollen die stark verrundeten seitlichen Gehäusekanten Kantendispersionen eliminieren, die bei axialer Messung stets zu einem deutlichen Einbruch im Pegel des Frequenzverlaufs führen. Zusammen mit der Diffusfeldentzerrung sollen die UltraDirectivity-Maßnahmen zu einem „BalancedField“ beitragen – einem laut Nubert „ideal homogenen, sauber durchgezeichneten Schallfeld“.

All dies kulminiert dann am Ende in dem, was Nubert „WideStage“ nennt: einem „vollständigen Klangbild“ auch bei stark seitlicher Hörposition. Nubert gibt etwa 60 Grad seitlich der Lautsprecherachse als Zone an, in der der Klang auch bei suboptimaler Raumakustik oder Aufstellung vollständig und der Frequenzgang weitgehend linear bleiben sollen.

Frequenzweiche

Die Frequenzweiche der Nubert nuVero nova 9

Aufwändige Frequenzweichen gehören quasi zum Markenkern von Nubert, da machen die nuVero nova 9 keine Ausnahme

Die Frequenzweiche arbeitet mit relativ steilen Filterflanken von 18 dB/Oktave. Thomas Bien sagt dazu: „Wir achten immer streng darauf, dass die Steilheiten auch wirklich akustisch vorhanden sind, und nicht nur schaltungsmäßig auftreten. Und selbstverständlich sind alle Übergänge phasentreu.“ Daher kämen nur langzeitstabile und eng tolerierte Folienkondensatoren zum Einsatz. Thomas Bien: „Klangentscheidende Kondensatoren sind mit einer Toleranz von ±2,5 % selektiert. Im Mittel- und Hochton verwenden wir ausschließlich Luftspulen, im Bassbereich sogenannte „I-Punkt-Spulen“, das sind besonders verlust- und klirrarme Eisenkernspulen.“

Mehrere Kompensationsglieder im Schaltungslayout stabilisieren zusätzlich den Impedanzverlauf, was nicht nur technische Vorteile bringe, sondern insbesondere Röhrenverstärker und auch häufig-Class-D-Verstärker zu schätzen wissen dürften. Die Treiber sind zusätzlich durch eine selbstrückstellende Sicherung gegen Überlast geschützt.

Klangtest und Vergleiche: Nubert nuVero nova 9

Die Nubert nuVero nova 9 im Hörraum

Die Nubert nuVero nova 9 im Hörraum

Im Hörtest spielen die Nubert nuVero nova 9 in meinem knapp 25 Quadratmeter großen und gut bedämpften Höraum an meiner Referenzkette bestehend aus dem Streamer Métronome DSS 2, der Vorstufen-DAC-Kombi Norma Audio REVO SC-2 DAC und der Endstufe Norma Audio REVO PA-150. Verkabelt ist alles mit Kimber Carbon-NF- und Lautsprecherverbindern.

Vorab: Nubert hat sich bei der Nova-Serie sehr viele Gedanken zum Abstrahlverhalten gemacht. Ein Trugschluss wäre nun, diesen Lautsprechern mit weniger als Akribie und Geduld bei der Aufstellung zu begegnen. Denn gerade die UltraDirectivity-Maßnahmen wollen dabei mitgedacht werden – und die tonale Abstimmung erfordert ein „wenn, dann“, zu dem wir gleich kommen. Bei mir stehen die Lautsprecher auf ihren passenden Ständern mit gut 60 Zentimetern Luft im Rücken, 2,2 Metern von Hochtöner zu Hochtöner voneinander entfernt und exakt parallel ausgerichtet. Zu den Gründen mehr an den entsprechenden Stellen.

Auch erfordern die nova-9-Lautsprecher eine relativ lange Einspielzeit, bis sie tonal einrastet und Auflösung und Transparenz insbesondere im Mittenbereich passen.

Bass galore!

Yello ToyDieses Stück vom Klangkuchen dürfte wohl die meisten potenziellen Kunden von der Nubert nuVero nova 9 überzeugen: der Bass. Der fällt – gemessen an Gehäusegröße und Treiberformat – ungemein tief, satt und druckvoll aus, mit einem gewissen Hang zur Betonung des untersten noch übertragenen Registers. Yellos „Junior B“ vom Album Toy rollt satt und dunkel durch den Raum, der kräftige Tiefbass-Kick kommt mit Wucht und ist dabei hinreichend konturiert. Die elektronischen Tiefbässe in E S Ps „Audiophile“ von der gleichnamigen EP drücken die Nubert mit einer Wucht und Vehemenz in den Raum, dass mir um den nachbarschaftlichen Frieden angst und bange wird.

Da können selbst gut sechsfach teurere Kompakt-High-Ender wie die Magico A1 nur knapp das Oberwasser behalten – und das will was heißen. Die Nubert tragen das Haar offen und rocken mit mindestens drei offenen Hemdknöpfen drauflos. Die livrierten ATC SCM11 (2.320 Euro) in ihren geschlossenen Gehäusen können da nur staunen und verlegen sich auf Präzision und feine Abstufungen des Impulses sowie auf das Aufdröseln subtiler Strukturen im Bass, der bei ihnen eine halbe Oktave weniger tief hinabreicht. Was ist besser? Das liegt allein im Ohr des Hörers, kommt auf seine Anforderungen, Wünsche und bevorzugten Genres an.

Das Bi-Wiring-Terminal der Nubert nuVero nova 9 mit Kimber-Carbon-8-Lautsprecherkabeln

Das Terminal der Nubert nuVero nova 9 mit Kimber-Carbon-8-Lautsprecherkabeln

Der Oberbass der Nubert nuVero nova 9 wirkt bis in den Grundton hinein im direkten Vergleich zu den darunterliegenden Frequenzen eher zurückhaltend, was Stimmen und Saiteninstrumenten ein wenig leichter erscheinen lässt. Und damit wären wir beim eingangs erwähnten „wenn, dann“: Man sollte die Einstellung „Wandnah“ nur dann nutzen, wenn die Boxen tatsächlich unmittelbar vor der Rückwand stehen – und nicht dazu, den kräftigen Tiefbass domestizieren zu wollen. Freistehend verstärkt diese Einstellung nämlich die leichte Note im Oberbass und Grundton. Bei mir bleibt die Brücke also in Stellung „Neutral“. Und die Nubert nuVero nova 9 wildern mit ihrer ungebändigten Energie keck im Standlautsprecherterritorium …

Nicht selbstverständlich: die Mitten

Tom Waits Mule VariationsAuf der anderen Seite schafft diese Abstimmung den Raum für eine gefühlt nochmals höhere Sauberkeit im über alles betrachtet tonal minimal dezenter abgestimmten Mittenband. Tom Waits’ „Hold On“ (Album: Mule Variations) zeigt, was das bedeutet: Die Stimme steht präsent im Raum, mit klarer Artikulation und realistischer Grobdynamik, mag der berühmte Whiskey-Rauch-Dunst auch brusttonseitig weniger durchschimmern als ich es von meinen ATC SCM50PSL (16.700 Euro) gewohnt bin. Dafür wird man mit einer guten Differenzierung zwischen Kehlkopf, Lippen und Atemführung belohnt – das ist nah dran am Mikrofon und wirkt präsent und intim – auf einem Qualitätsniveau, das die nuVero nova 9 nicht gleich zu den Spezialisten in dieser Disziplin macht, man in dieser Klasse aber auch nicht wie selbstverständlich geliefert bekommt.

Nubert-Logo am Fuß der Nubert nuVero nova 9

Dedizierte Sockel haben auch nicht gerade viele Kompkaktlautsprecher – der der Nubert nuVero nova 9 besteht aus Panzerholz

Ehrlicher Hochton

Im Hochton zeigen sich die Nubert nuVero nova 9 bei passender Aufstellung und Einstellung der Klangbrücke selbstbewusst von der unverstellten Sorte. Bei mir passt auch hier „Neutral“ besser als das alternative „Sanft“ – wenn denn die Boxen parallel ausgerichtet sind. Eine stärkere Einwinkelung in Kombination mit der „Sanft“-Einstellung (und daher abgeschalteter Diffusfeldentzerrung) gefiel mir nicht ganz so gut, wirkte weniger offen im Superhochton und hob weniger Potenzial von der Transparenz und Differenzierbarkeit bis in den Mittelton hinein.

Patricia Barber CompanionWenn es aber passt, dann sind Glöckchen, Crescendo-Becken, Bläser-Schimmern klar und deutlich einfach da, nie „too much“. Die Aluminiumkalotte zeigt dabei eine durchaus willkommene Neigung zur Ehrlichkeit. Auf gut Deutsch: Sie schüttet keinen Zuckerguss über schlechte Aufnahmen. Das ist nicht mit Harschheit oder Härte zu verwechseln: Ist auf der Input-Seite alles im grünen Bereich, bleibt es das auch am Ohr des Hörers, und das Klangbild wird nie unangenehm. Selbst streng aufgenommene Sibilanten wie in Patricia Barbers „If This Isn’t Jazz“ (Album: Companion) wirken gebührlich präsent und nicht spitz. Wie lautete früher der Claim der Schwaben? „Ehrliche Lautsprecher.“ Genau.

In Sachen Auflösung spielen die Nubert nuVero nova 9 in ihrer Preisklasse vorne mit. Ob in „88 Basie Street“ von Count Basie and his Orchestra oder in „Rhapsody in Blue“ von George Gershwin – man kann dem Verlauf der akustischen Anregung der Schlagzeugbecken ungestört und detailliert lauschen. Auch die Bläser in beiden Stücken überzeugen mit strahlenden Obertönen und klar definierten Texturen, die für das hohe Auflösungsvermögen der Hochtöner sprechen. Chapeau!

Zeit für Raum

Metallgitter vor dem Hochtöner der Nubert nuVero nova 9

Die Nubert nuVero nova 9 bildet das Klanggeschehen akkurat zwischen und hinter den Lautsprechern ab – mit erstaunlicher Tiefenstaffelung, wenn gefordert, und guter Trennung der virtuellen Klangquellen. Das funktioniert besonders gut bei überschaubaren Besetzungen. Aber auch bei orchestraler Dichte und komplexen Klanggeweben wie in „Bubbles“ von Yosi Horikawa behalten die nova 9 die Übersicht. In Arvo Pärts „Fratres“ – die Fassung für Violine, Streicher und Schlagwerk (The Orchester of Flanders unter Rudolf Werthen) – positionieren die Nubert nuVero nova 9 die Soloviolinen so wie es sein soll, und das nur kurz einsetzende Schlagwerk tief hinten im Raum hat hinreichend Luft (und wiederum herrlich viel Tieftondruck). Dabei bleiben die subtilen Raum- und Hallanteile zwischen den Streichergruppen nachvollziehbar. Nein, das ist nicht spektakulär, sondern realistisch – das mit den „ehrlichen Lautsprechern“ hatten wir ja schon.

Das eigentlich Erstaunliche: Die Bühne steht auch dann in hohem Maße stabil, wenn man sich aus dem Sweetspot herausbewegt. Egal, ob horizontal oder vertikal. Klar, echtes Pin-Point-Staging erlebt man weiterhin am besten in einer zentraleren Hörposition. Und tonal bleibt alles intakt, auch bei 30 oder gar 40 Grad seitlichem Versatz. Das habe ich so bisher kaum erlebt, auch nicht bei deutlich teureren, in Sachen Raumdarstellung durchaus talentierten Modellen wie den ATC SCM20PSL (5.580 Euro) – Nuberts Obsession mit der Abstrahlung macht sich offensichtlich bezahlt und ist in offenen Wohnbereichen ein echter Vorteil.

Dynamik, Timing & Transienten

Die Nubert nuVero nova 9 sind rhythmisch auf Zack. Die Percussion in Tools „Pneuma“ liefern die Nubert mit präzisem Impuls im Mittelton: Die attackigen Analogsynthies zu Beginn von „Beat & the Pulse“ von Austras Meisterwerk Feel It Break kommen sauber und präzise. Im genialen „Spellwork“ vom selben Album unterfüttern die Nubert die fein aufgefächerten Synthies in der Strophe mit einem derart druckvoll-fetten Bass, dass man sich reinlegen möchte. Das ist definitiv lustfördernd und absolutes Standlautsprecherterritorium, das keiner der in diesem Test erwähnten Kompaktlautsprecher so erreicht. Okay, den ganz brachialen Oberbass-Kick-Punch, den „harte Pappen“, sprich Spezialisten wie die JBL 4309 bei Technostücken à la „Tsunami“ von Borgeous & DVBBS raushauen, reproduzieren die Nubert nicht. Aber: Sobald richtige tiefe Frequenzen wie in Heilungs „Svanrand“ ins Spiel kommen, glänzen die erwachsenen Kinderaugen, die ehrfürchtig auf die nuVero nova 9 starren. Diesen wuchtigen Rumms traut man selbst so „ausgewachsenen“ Kompaktlautsprechern einfach nicht zu. Und das mit ordentlich Pegel. Man badet im Schalltsunami, lässt das Adrenalin fließen und denkt mal für 5 Minuten nicht an die Nachbarn. Muss auch mal sein.

Die Schallwand der Nubert nuVero nova 9

Billboard
SPL - Professional Fidelity

Test: Nubert nuVero nova 9 | Kompaktlautsprecher

  1. 1 Wer hören darf, kann fühlen
  2. 2 Klangtest und Vergleiche: Nubert nuVero nova 9

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