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Nubert nuVero 10: Nun aber an’s Eingemachte – hören wir!

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  1. 3 Nubert nuVero 10: Nun aber an's Eingemachte - hören wir!

Franz FerdinandLos geht’s mit Franz Ferdinands vollmundigem Schlaflied „Fade Together“ vom Album „You Could Have It So Much Better“. Ein verhalltes, „dick“ abgemischtes und breit ins Stereo-Panorama gestelltes Klavier, dezenter Bass und dazu halbrechts eine mit Plektrum gespielte Akustikgitarre, später noch der typische, an den Frequenzbandenden abgeschnittene Gesang von Alex Kapranos. Die schlanke Schwäbin ziert sich nicht, sondern füllt den Raum sogleich mit Wohlklang. Es wird gleich klar, die nuVero 10 zeigt Präsenz und ein gewisses Funkeln. Erster Höreindruck: „Wow, was ist die Gitarre schön crisp!“ Die wohl bewusst etwas schlampig gegriffene Akustikgitarre kommt über die Nubert-Wandler mit studiomonitorhafter Deutlichkeit und Präzision, bestechend sauber aufgelöst. Nebengeräusche wie Umgreifen, nicht ganz heruntergedrückte oder schnarrende Saiten werden ebenso sorgsam ausgeleuchtet wie der eigentliche Gitarrenton, aber eben auch nicht zu sehr in den Vordergrund gerückt. Es klingt schlicht und einfach sehr natürlich und ansprechend. Das Klavier schön breit. Der Bass mühelos, tief, aber nicht überbetont.

nubert nuvero 10

Apropos Bass – was kann die zierliche nuVero 10 hier leisten? Das soll uns der umtriebige und versierte deutsche Jazzbassist Thomas Heidepriem zeigen. Sein gemeinsam mit Tony Lakatos, Jim Beard und Terri Lyne Carrington eingespieltes Album Brooklyn Shuffle hält mit „Rough Traditions“ ein besonders spannendes Stück bereit, nämlich eine Mehrspur-Bass-Improvisation. Thomas HeidepriemInsgesamt drei Bass-Tracks, gespielt mit einem Sechs-Saiten-E-Bass und einem Fretless-Bass sind hier zusammengemischt. Die nuVero 10 räumt hier gleich etwaige Zweifel beiseite: Die Bässe sind knurrig, tief, klar – und übrigens auch recht flink. Gut, es darf beziehungsweise sollte schon einiges an Verstärkerleistung in die nuVero 10 hineingepumpt werden, wir spüren an dieser Stelle den bescheidenen Wirkungsgrad des Lautsprechers. Doch wenn diese Leistung vorhanden ist – und glücklicherweise hat beispielsweise die Myryad MXA 2150 Endstufe davon genügend „rumliegen“ – wird’s sehr erfreulich. Die Nubert macht Druck, Tiefe und Tempo, bleibt dabei im positiven Sinne ungerührt, von Überforderung keine Spur. Im Gegenteil: Schön ist, dass man mit diesem Lautsprecher auch richtig aufdrehen kann! Ich höre das Stück in 15-Uhr-Stellung (was bei mir in der Tat sehr selten vorkommt) des Lautstärkestellers meiner Funk LAP2-Vorstufe, und alles bleibt dabei blitzsauber, erdig, tief. Keine Kompression, kein Zerren, kein Schlabbern – prima. Schön auch, wie der über mir wohnende Methusalem empört im Takt mit seinem Gehstock von oben gegen die Zimmerdecke klopft!

nuvero 10

Gehen wir mal in komplexere Gefilde: Gladys Knights „Wind Beneath My Wings“ ist eine Ballade, die textlich und musikalisch so schön ist; wer da nicht in Rührung oder Wallung gerät, der muss sofort zum Arzt, finde ich. Und wie es sich für eine Ballade gehört, fängt sie leise und zart an, mit Streichern, Klavier, verführerischen Fender-Rhodes-Tönen und dem Prachtorgan von Gladys Knight. Später schwingt sich der Song zu großem Gladys Knight & The PipsOrchester und Chor auf, mit durchaus komplexen, dichten Arrangements. Hier fällt sogleich auf: Die nuVero 10 gehört nicht zu den Blendern, die dem Hörer eine bezüglich der gefühlten Abmessungen gewaltig erscheinende Bühne aufzeichnet, welche man sich beim näheren Hinhören jedoch mit einer unpräzisen Instrumentenstaffelung erkaufen muss. Genau das Gegenteil ist der Fall: Die Bühne der nuVero 10 wirkt realistisch groß, und mehr auch nicht, aber sie ist glockenklar bis in den letzten Winkel ausgeleuchtet. Wie heißt es so schön: „Die Lautsprecher verschwinden“, die Tiefenstaffelung ist erfreulich gut – was ich bei einem 5-Treiber-System in dieser Preisklasse nicht unbedingt erwartet hätte.

nubert nuvero 10

Herausstechende Elemente wie die Hi-Hat und die Akustikgitarre könnte man mit geschlossenen Augen vom Hörsessel aus mit der Fernbedienung bewerfen – und ihre jeweiligen Bediener präzise zwischen die Augen treffen. Zu dieser Tiefenstaffelung gesellt sich eine ebenso präzise Ausleuchtung des Klangbildes, wobei ich an dieser Stelle besonders die Mitten und Höhen herausstellen möchte. Gerade in den Chorpassagen des Refrains, bei denen auf der Bühne ordentlich was los ist, hört man, wie genau dieser Lautsprecher auflöst, denn man kann an dieser Stelle tatsächlich die einzelnen Chorstimmen für sich erkennen. Ich müsste hier eigentlich schon wieder das Wort Studiomonitor fallen lassen, aber das trifft es auch wiederum nicht so ganz, denn die Monitore, die mir in meiner Toningenieurlaufbahn begegnet sind, vereinten Präzision nicht selten auch mit einer gewissen „Glanzlosigkeit“, sie klangen eben primär nach Arbeit und nicht nach Vergnügen. Die nuVero 10 ist nicht ganz so zurückhaltend in den Höhen und legt hier das schon oben erwähnte Löffelchen Funkeln drauf.

Test: Nubert nuVero 10 | Standlautsprecher

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